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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1953-01-01 · 1 (Enero, 1953) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XV (1953)
Issue
1 (Enero, 1953)
Date
1953-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Enero, 1953 “BOLETIN INFORMATIVO” i ¥ Amoklauf in Prag Revolutionen sind Amok laeufer; sie haben ein schar, fes Messer zwischen den Zaehnen und stossen wahllos jeden nieder, den sie in ihrem Lauf begegnen. Die fran. zoesische Revolution gab hin. tereinander Louis XVI, Lafayette, Hebert. Danton, Robespierre und —dem Feudalismus den Todesstoss; sie kuerz. te Jahrhunderte— altem Unsinn den "Zopf, ihren besten Kaempfern den Kopf; sie fuellte unzaehlige Gefaengnisse mit ihren Opfern nachdem sie die Bastille erstuermt hatte; sie beseitigte Unrecht und brachte neues hervor| Das Tragische ist gerade, dass sich das Eine nicht vom Anderen trennen laesst: die Bodenreform nicht von der Guillotine, die Befreiung der Leibeigenen nicht von der Schreckensherrschaft der Sansculotten, Jedem einzelnen bleibt es ueberlassen, je nach Temperament und An. schauung, darin einen belastenden oder mildernden Umstand, oder —resigniert— eine unabaenderliche Kette der Ereignisse zu erblicken; jedenfalls ist es eine historischpolitische Kurzsichtigkeit, den Lauf eines Revolutions-Stromes lediglich nach seinen Strudeln und truegerischen Untiefen zu beurteilen. Sie aber andererseits ausser acht lassen zu wollen, auf ein fernes Endziel zeigend sie gar ableugnen zu wollen, waere eine unverzeihliche, nie wieder gut zu machende Rohheit des Gewissens —gleichermas. sen abscheulich, ob sie angeboren od,er ‘gleichgeschaltet’ ist—, der wir uns nicht schuldig machen koennen noch wollen. Es ist demnach nicht nur unser gutes Recht, sondern unsere elementarste Pflicht, ueber die grundlegenden Um. waelzungen, die sich auch in der Tschechoslowakei ereig. net haben geflissentlich hinwegzusehen in einem Moment, wo wir in tiefster Empoerung gegen den monstroesen Prager Prozess protestieren, wir erheben schaerfsten Protest gegen die mittelalterliche Grausamkeit der Prozessfueh. rung, gegen die in ihm triumphierende Heuchelei der Inquisitoren, gegen die vor der johlenden Masse veranstalteten Judenhetze. ‘Prag’ verbindet sich im juedischen Ge. äaechtnis von nun an nicht mehr mit der Altneu.Sc'hul, nicht mit Masaryks ueberragender Gestalt oder der heroischen tschechischen Untergrundbewegung; ‘Prag’ ist fuer uns der Inbegriff einer Stadt geworden, wo eine Tyrannen.Regierung es ohne jede Veranlassung unternimmt, den Namen des juedischen Volkes, seiner zionistischen Befreiungsbewegung und des jungen Staates Israel in den niedrigsten Staub von Spie, nageverdaechtigungen, Kornplottintrigen und gekauften Verraetereien zu zerren. Dass die von Prags neuem Golem gegen die Angeklagten vorgebrachten Beschuldigungen auf den ersten Blick erfunden, ja in ihrer Absurditaet direkt laecherlich waren, macht sie nicht weniger nie. dertraechtig und gefaehrlich. Slansky und seine Mitangeklagten, die mit Ausnahme von iClementis sich immer gegen die Waffenhilfe an Israel und gegen Alija ausgesprochen haben, sind keine Zionisten. Dessen sind wir sicher. Ebenso besitzen wir aber die traurige Gewissheit, dass dieser Prozess einer Einladung an unzufriedene und pogromsuechtige Elemente gleichkommt, in jedem ungelegenen Juden den ‘zionistischen Hochverraeter’ mit ‘juedischbourgeoisen Hintergrund’ zu entdecken. Der Antisemitismus ist hoffaehig geworden, nachdem er sich ein fadenscheiniges rotes Maentelchen uebergeworfen hat. Noch eine Aufforderung ist in dem Prager Schauprozess enthalten, auch sie an keineswegs stubenreine Elemente: den Vertretern des stursten arabischen Nationalismus und sozialen Rueckschritts ist bedeutet worden, dass man ueber ihre reaktio. naeren Schoenheitsfehler bereit ist hinwegzusehen, solange sie den westmaechten eifrig Knueppel zwischen die Beine werfen. Und da man also ein Stueck Weges gemeinsam gehen muss,' so stoesst man auch zusammen in den Schreckensschrei: Zionisten ueber euch, Philister! Neue Koalition Die sozialdemokratische Ma pai, die mit Hilfe des religioe. sen Blockes die Geschicke Israels seit seiner Gruendung leitet, hat sich gewiss mitunter wie ein Seiltaenzer ge. fuehlt. Die Majoritaet, welche die Regierung im Parlament hatte, war aeusserst prekaer, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die es zwischen den beiden, so verschiedenartigen Koalitionspartner, den Arbeitern und den Religioesen, geben musste. Durch das Ausscheiden der Aguda. der extremen Orthodoxie, aus der Koalition wur. de das ‘halsbrecherische Schweben’ der Mapai noch deutlicher. Eine Koalition der Sozialdemokratie mit linkssozialistischen Parteien hat es auf der ganzen Welt sogar unter d.em Druck faschistischer Drohung nur fuer kurze Zeit gegeben. Auch in Israel ist die Kluft zwischen den zwei Stroemungen innerhalb der Arbeiterbewegung zu gross, in ideologischer Orientation wie auch praktischer Politik, als dass im Emst ihr Zusammen gehen haette erwartet werden koennen. Trotz der kuerzlich erfolgten Unterstuetzung, die die linken Mapam-Delegier. ten dem Mapai-Kandidaten fuer die Praesidentschaft ge. waehrten. hat die Mapai auf der Suche nach neuen Partnern fuer eine auf moeglichst breiter Basis ruhenden Regie, rung, sich nicht an' die Ma. pam gewandt. Vielmehr haben d,ie seit langem gefuehrten Verhandlungen mit den Allgemeinen Zionisten jetzt zum Erfolg gefuehrt und den Eintritt dieser Gruppe in die Regierung gesichert. Es mag ihr historischer Fehler oder ihr grosses Verdienst sein: die Sozialdemokratie hat sich wieder einmal fuer eine Zusammenarbeit mit dem Buer. gertum entschieden. Die Konsequenzen dieser Einigung lassen sich nocn nicht im Einzelnen voraussehen. In der Frage der Respektierung der juedischen Religion im oeffentlichen Leben, steht der Allgemeine Zionismus auf dem Standpunkt der Trennung von ‘Staat und Kirche’ und wird sie wahr scheinlich eher durchsetzen als die Mapai es bisher aus taktischen Gruenden tun konnte; gewiss wird der Pri. vatwirtschaft ein groesseres Betaetigungsfeld eroeffnet, Regierungskontrollen einge. schraenkt werden. ' Ob nun, wie vielfach erwartet sich damit eine schnellere Entwicklung der Wirtschaft auf Kosten des Lebensstandards der arbeitenden Schichten ergeben wird, bleibt abzuwarten. JÉÉ! mm NAGUIB: “JUEDISCHE AERZTE -c HELFENDE ENGEL” General Naguib besuchte das Krankenhaus der jüdischen Gemeine in Alexandrien und erklaerte unen Aerzten in einer Ansprache, dass es in Aegypten keine Benachteiligung der jüdischen Staatsbürger —oder auch Christen gebe. Im Hospital werden Patienten ohne Unterschied des Glaubensbekentnisses und der Nationalitaet unentgeltlich behandelt werden. Ins Gaestebuch des Krankenhauses schrieb er sich mit etwa folgender Widmung ein: ‘Ihr seid Engel, die den Kranken aller Voelker und Religionen helfen” Das Raereinfell Die Rede ist hier nicht von dem Baerenfell, auf dem die alten Germanen zu ruhen pflegten, wenn sie von der Jagd zurueckkehrten, und auf dem die neuen Germanen zu schlafen scheinen, wenn’s ans Zahlen geht. Vielmehr meinen wir jenes bewusste Fell, ueber dessen Teilung sich die zwei Freunde nie und nimmer einigen konnten, und das einem Baeren gehoerte, d,en zu erlegen sie bislang noch keine Zeit gefunden hatten. Wieviel ist nicht ueber die deutschen Reparationszahlungen geschrieben worden! Pro und contra, mit Goethe. und Hitlerzitaten, mit Bibel und Wirtschaftsstatistiken. Man hat in dem guenstigen Abschluss der Israelisch-deutschen Verhandlungen den Beginn einer neuen Era gesehen; man hat aus Protest gegen ihn Bomben gelegt. Es wurde diskutiert, wer einkaufen solle und was zu kaufen sei. Kurz—. das Fell wurde in ta” nd Stuecke zerlegt, zer. pflueckt und zerteilt — fehlt nur noch der Baer... Es beginnt naemlich in den deutschen Landen eine merkliche Stimmung gegen das Abkommen mit Israel und seine Ratifizierung durch den Bundestag aufzukommen; sie weht auf der Strasse, in der deutschen Presse, in den Wandelgaengen des Parlaments, in den Parteivorstaen. den. Zwei Parteien aus der Regierungskoalition haben bereits erklaert, dass sie gegen die Ratifizierung stimmen werden. Andere schwanken. Was ist geschehen? was hat die guten deutschen Vor. saetze so ueber Nacht zum Wanken gebracht? Nichts weiter als dies: die arabl-» sehen Staaten haben durch ihre Diplomaten und/ ei|ie spezielle Delegation Deutsch, land mit wirtschaftlichen Repressalien fuer den Fall gedroht dass mit den Zahlungen an Israel begonnen wird. Nun; brauchte man diese Drohungen zwar nicht so ernst zu nehmen; die arabische Welt, die in den letzten Jahren mit England und Frankreich im Streit gelegen hat, wird sich wohl hueten, ihre Beziehungen mit noch einem Problem, dem deutsch-arabischen, zu belasten. Mit .den U. S. A., die uns moralisch und materiell un. terstuetzten, bewahren die Araber andererseits mehr als nur normalen Kontakt. Aber was vermoegen diese logt sehen Argumente auszurichten! Den deutschen Helden werden nun einmal die Kniee weich und sie finden, dass sie sich die Angelegenheit von neuem ueberlegen muessten. Vielleicht sollte man die Ent. schaedigung doch lieber an juedische Privatorganisationen und nicht an Israel zahlen?! Oder man ueberweist das Geld an die UNO soll die sehen, wie sie fertig wird! Vielleicht aber auch waere es das Beste, vorlaeufig mal ue. berhaupt nicht zu zahlen! Spaeter dann natuerlich erst recht nicht... Der arabische Protest kam im genau richtigen Moment, und aeusserst gelegen. Wenn er nicht so spontan aus der arabischen Volksseele entsprungen waere, so haette man ihn direkt bestellen... Halt, da faellt uns etwas auf! Ich glaube, hier ist der ge. suchte Baer: man hat ihn uns auf gebunden!! Der heilige Krieg scheieheilige Drahtzieher Wir haben eigene Erfahrungen mit imperialistischen Grossmaechten. Es ist noch nicht allzu lange her, dass der Jischuw in Palaestina in einem heftigen Abwehrkampf gegen die Beschraenkungs- und Unterdrueckungspolitik der Englaender stand. Aus dieser Zeit sind uns noch die Formen des mehr oder weni. ger passiven Widerstands gut im Gedaechtnis; nationaler Generalstreik, Boykott, Absage an weitere Zusammenar. btit mit der Mandatarmacht und aehnliches.. Aus dieser Zeit und auf Grund eigener Erfahrungen ist bei uns auch eine instinktive Sympathie fuer koloniale Befreiungsbe. wegungen geblieben. Mag doch das beispielsweise einer der Gruende sein fuer die ausgezeichneten Beziehungen, die Israel mit dem Jungen Indien unterhaelt! Und doch, nicht immer und unter allen Umstaenden koennen wir ja sagen zu ‘den Aufstaenden in der Wueste’. Bei etwas naeherer Betrachtung der unruhigen Ereignisse in Nordafrika muss der objektive Beobachter feststellen, dass nur billigster Chauvinismus bei dem ‘heiligen* Krieg im Spiel ist, dessen vernehmlichste Aufgabe es ist, die Aufmerksamkeit der Fellachen von der schreienden sozialen Ungerechtigkeit abzulenken. (Ex-Koenig Farouk koennte den superklugen Hetzern gegen Frankreich zwar erzaehlen, dass auch die kraeftigste Fremdenhetze kei nen wirksamen Schutz gegen / Revolution bietet). Frankreichs Kolonialregime hat sein sehr langes Suendenregister; eine politische Dummheit ist es auch, sich erst dann konzessionsbereit zu zeigen, wenn es bereits zu spaet ist. Aber gerade in Nordafrika haben die Franzosen Schulen, Gesundhetspflege, etwas Kultur gebracht, von der allerdings dank der erschreckenden Gleichgueltigkeit der Levantiner nur wenig an der Ober, flaeche haften blieb, wer sich also jetzt erhebt und die Massen aufstachelt, tut es nicht, weil Frankreich seine Kolonisatorischen Funktionen (Fortsetzung auf Seite 9)

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