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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-12-01 · 12 (Diciembre, 1952) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
12 (Diciembre, 1952)
Date
1952-12-01
Page
Seite 15 (sequence 19)
Language
German
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Diciembre, 1952 15 "BOLETIN INFORMATIVO” de LA COLECTIVIDAD ISRAELITA, CASILLA aS4 —. VALPARAISO/ fa¿ÚH44H A -•* ■ ■■ . ir___i. Einweihung des Friedhofs Am Vormittag des 9. November versammelte sich upter dem schoenen Fruehlingshimmel von Belloto und im Anblick der sanften Huegeikette der Vorkordillere ein grosser Teil unserer Colectividad, um der feierlichen Grundsteinlegung des Friedhofs beizuwohnen. Die Menschen, die dort zusammenkamen, erinnerten sich mit Trauer und Bitterkeit eines anderen 9. November, an dem fuer viele ihrer Angehoerigen ein Leidensweg begann, der zu einem Tode ohne friedliche Grabstaette fuehren sollte. Um so staerker und dankbarer war das Gefuehl aller Anwesenden beim Anblick des Platzes, der in Zukunft Unsere Toten in wuerdiger und durch die Tradition geheiligter Form aufnehmen wird. Die Genugtuung ueber die Erreichung dieses Ziels trotz aller Hindernisse klang durch alle Reden durch, die gehalten wurden. Daneben kam als zweiter Grundgedanke immer wieder die Befriedigung darueber zum Ausdruck, dass der gemeinsame Friedhof ein Symbol fuer die Zusammengehoerigkeit aller Juden von Valparaiso bedeutet, gleichviel wann und von wo, sie hierher eingewandert sind. Die religioese Weihe gaben dem Festakt der Landesrabbiner Herr Dr. Nathan Blum und Herr Rabbiner Egon Loewenstein, die beide zu diesem Zweck aus Santiago gekommen waren. Eingeleitet wurde die Feier durch eine Ansprache des Herrn Kurt Reichmann, dessen Initiative und unermued. licher Tatkraft das Zustandekommen dieses grossen Werks in erster Reihe zu verdanken ist. Es folgte eine Rede des Herrn Leo Weglein, der als Praesident der Gemeinde “Ha bonim” und als erster Vorsitzender des Verwaltungsrats des Friedhofs sprach. Im Anschluss hieran wurde der Grundstein von Herrn Reichmann und den Presidenten der beiden Gemeinden “Habonim” und “Unión Israelita”, und Herren Weglein und Boris Zeldis, gelegt und zwar in Form einer Steinplatte, die in die Mauer eingelassen wurde und das Datum “9.11. 1952” traegt. Zur Erinnerung an diesen Tag wurde ausserdem eine Bronzeplatte enthuellt, die ausser den Namen der Herren Reichmann, Weglein und Zeildis auch die Namen der Mitglieder der beiden derzeitigen Gemeindevorstaende traegt und die spaeter in dem Tempel angebracht werden soll, dessen Errichtung geplant ist. Es sprachen sodann Herr León Rosenthal aus Santiago als Vizepresident des Comité Representativo, Herr Roberto Arón aus Santiago fuer die Federación Sionista und zugleich fuer den Círculo Israelita, Herr Marcos Dubinowsky aus Santiago fuer die dortige Chewra Kadischa, die noch 2 weitere Vertreter entsandt hatte, und ein Abgesandter der Comunidad Sefardí aus Santiago. Fuer die Gemeinde B’ne Jisroel aus Santiago ergriff das Wort ihr Praesident Herr Dr. Landau. Die Schlussansprache hielt als Praesident der “Unión Israelita” Herr Boris Zeldis, der besonders auch der Verdienste des Herrn Reichmann gedachte. Nach der Veranstaltung, die bei .allen Teilnehmern den tiefsten Eindruch hinterliess, vereinigten sich die Vorstaende beider Gemeinden mit den auswaertigen Die moderne Psychologie behauptet, dass die Autoritaet des Staatsoberhauptes zu allen Zeiten von der unbewussten Identifizierung seiner Gestalt mit der des “Vaters” herruehre. Seht Chaim Weizmanns Bild an und ihr werdet in der Seele spueren, dass dieser Mann ein Vater war. Ein wahrer Landesvater, voll Abgeklaertheit, Guete, Sorge, Weisheit und Toleranz. Als solcher handelte er bereits, als er noch in der Bluete seiner Jahre mitten im politischen Kampfe stand. Ein unglueckseliger Kongress —Basel, 1931—, blockierte seine Wiederwahl zur Praesidentschaft der Weltorganisation. Als bedeutendster Vertreter der “Weizmannianer” und Zionistischen Arbeiterschaft wurde Chaim V. Arlosoroff in die Exekutive gewaehlt. Und Weizmann trat vor den Kongress und kuesste den jungen Arlosoroff auf die Stirn. Kein anderer haette die moralische und im tiefsten Sinn des Wortes gottbegnadete Autoritaet gehabt, einen Mitarbeiter mit einer solchen Geste zu segnen. Wie ein Vater einen Sohn segnet. Bei Weizmann wirkte es echt —bereits vor 20 Jahren—, weil es echt war. In der Rolle des Vaters erschien er auch dem schweren Basler Kongress von 1946. Die schwere Ernuechterung der .ersten Nachkriegsjahre, der “Bevinismus” von aussen und der “Silverismus” nebst Terror von ihnen hatten seine gesamte politische Konzeption, die auf einer Interessengemeinschaft mit England basierte, auf die haerteste Probe gestellt und seine und seiner Parteigaenger Position aufs Schwerste erschuettert. Eine verstaendliche Ungeduld und berechtigte Enttaeuschung erweckten demagogische Gefahren von bedrohlichen Ausmassen. Inmitten einer von Anklaegen, Ambitionen, Schlagworten und Rebellion geschwaengerten Atmosphaere betrat Weizmann das Rednerpodium. Er klagte nicht an und er verteidigte sich nicht. Er warnte nur. Jenseits von Personen und Parteien, galten seine Worte nu'r dem juedischen Volk und seinem Aufbauwerk. Sie waren getragen von tiefer und ernster Sorge um dessen Zukunft und dem Gefuehl einer unermesslich grossen Verantwortung. DER STAATSMANN Weizmann war Politiker, trotz seiner selbst. Auf dem Gaesten zu einem Mittagessen im Castillo Blanco in •Quilpue. Hier erreichte die Beteiligten die traurige Nachricht von dem Ableben Chaim Weizmanns. Herr Rosenthal sprach einige Worte des Gedenkens. Trotz aller Trauer trennte man sich in dem troestlichen Gedanken, dass hier ein erfuelltes, vollendetes, juedisches Leben seinen Abschluss gefunden hat. schwersten aller Wege eroberte er das Herz seines Volkes. Nicht mit dem Eintagstriumph des Demagogen, sondern mit dem Lebenswerk des Erziehers. Nicht mit der beschwingten Phrase des Redners, sondern mit der harten "Geduld des Arbeiters. Sein Weg zur Praesidentschaft war nicht der einer erfolgreichen Karriere, sondern der dornenvolle der Berufung. So blieb, er auch fuer das juedisiche Volk der Mann der Vorsehung, der Repraesentant in Jahren, in denen er die Praesidentschaft der Zionistischen Weltorganisation nicht innehatte. “Warum verlangen Sie nicht auch Transjordanien?”, interpellierte ihn einst ein “Maximalist”. “Ich moechte Transjordanien verlangen”, antwortete Weizmann, “und den Euphrat und Tigris, sowie Bagdad als Provinzhaupststadt. Aber einstweilen verlange ich die Daecher, die im Emek fehlen, um unser e n Siedlern trockene Naechte waehrend der Regenzeit zu sichern”. Und damit war die unpopulaere, aber realistische und erfolggekroente Politik des “Stein auf Stein, Dunam um Dunam” Umrissen. Wenngleich er auch immer verstand, dass die Weltgeschichte sich nicht sprungweise entwickelt, so war er doch immer bereit, in Momenten grosser Unwaelzungen diese fruehzeitig zu erkennen. Und als 1914-1918, Juden aller Herren Laender auf beiden Seiten in Schuetzengraeben lagen, war er der mutige Visionaer, der den “Judenstaat unterwegs” aus dem seichten Gewaesser der Kopenhagener Neutralitaet heraussteuerte —nach neuen Horizonten. Ihm ist es zu verdanken, dass erst die Morgenroete der Balfour-Deklaration und dann die Sonne des Sieges der Entente unsere politischen Hoffnungen vergoldete. Wie sehr er jedem billigen Erfolg abhold war, beweist seine Haltung, stets nach aussen stolz und stark, nach innen jedoch maessigend aufzutreten. So brachte er es fertig, zur gleichen Zeit den Engläendern zu sagen: “Palaestina wird so juedisch werden, wie England englisch ist”, und den Juden: “Noch in hundert Jahren werden in New York mehr Juden wohnen als in Erez Israel”. Mut und Zuversicht schoepfte er aus der Opferbereitschaft und dem Aufbauwerk der Arbeiterschaft und vor allem, aus dem des chaluzischen Sektors, dem er innerlich so nahe stand. In ihm sah er den Traeger der zionistischen Verwirklichung und nicht in den Kongressen, Reden, Programmen und Kundgebungen. Mehr als einmal wurde er, ohne zum Arbeitersektor zu gehoeren, zu dessen autorisierten Sprecher. Unvergesslich, wie er einen Revisionisten u nt erbrach — “die Kibbuzim leben auf Kosten der Zionistischen Organisation”—: “N ein, in Wahrheit lebt die Zionistische Organisation auf Kosten der Kibbuzim”. In der chaluzischen Bewegung unterstuetzte Weizmann den Garanten gegen die Gefahr der Bildung einer juedischen sozialen Oberschicht, die in ihrem Verhaeltnis zum “einheimischen” Proletariat die Rolle eines Fremden und Ausbeuters gespielt haette. Er nahm an ihrem Kampf teil, den juedischen Men sehen durch eine neue Beziehung zu seiner alt-neuen Erde in dieser zu verwurzeln, die Erde durch juedische Arbeit wiederzubeleben, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen' und ein friedliches Verhaeltnis zum arabischen Nachbar volk herzustellen. Wenn er auch dem Sozialismus wie jedem ideologischen Dogma fernstand, so nahm er doch positiven Anteil an dem Ringen um ein besseres menschliches Zusammenleben und an den Errungenschaften oder Forderungen des Arbeiterzionismus. Die gesamte Wertskala seines “Integralen” Zionismus deckte sich eben mehr als mit jeder anderen Position, mit der chaluzischen. Von dem hohohen ethischen Ideal der Erloesung des Menschen hen ethischen Ideal der durch Arbeit bis zur alltaeglichen praktischen Notwendigkeit des Schaffens auf der Scholle. Von der Vorbereitung der juedischen Massen fuer ihr Land bis zur Vorbereitung des Landes fuer die juedischen Massen. Wenn er es auch an Klarheit und Offenheit nie fehlen liess, wurde er dennoch niemals zum Sprecher einer Partei oder einer Klasse. Seine Persoenlichkeit war zu gross fuer solche Grenzen; er repraesentierte jederzeit sowohl nach aussen wie nach innen das gesamte juedische Volk. Dem einmaligen Reiz dieser Persoenlichkeit war es zuzuschreiben, dass die hervorragendsten Staatsmaenner aller Nationen unserer Sache willig Gehoer liehen und abertausende von ungluecklichen Verfolgten in der zwoelf jaehrigen Nacht ihren Glauben an Erloesung bewahrten. Bezeichnend fuer diese doppelte Wirkung, die er erzielte, war vielleicht sein wiederholtes Auftreten vor den ‘Kommissionen” die Palaestina Waehrend der Mandatszeit aufsuchten. Zumindest waehrend der Verhoere der Kommissionen Peel, der Anglo-Amerikanischen und der UNSCOP umstrahlte Weizmann bereits der Glanz des Patriarchen, der in einer Sternstunde seines Volkes das Wort ergreift, um dessen unsagbar Leid und Bitterkeit —wie auch dessen Sehnen— beredet Ausdruck zu verleihen. DIE SCHOEPFERISCHE LEISTUNG Es waere anmassend, bereits heute die Frage beantworten zu wollen, was das Wesentliche a n Weizmanns geschichtlicher Leistung gewesen ist. Haette man ihn aber noch selbst danach fragen koennen, vielleicht haette er geantwortet: die Einzigartigkeit der zionistischen Aufgabe mit einzigartigen Mitteln in Angriff genommen zu haben. Denn seine wichtigsten und haertesten Kaempfe focht er gegen Richtungen und Menschen aus, welche an Probleme sui generis mit fertigen Rezepten herantraten. Der bedeutendste. aller Fuehrer, die bei einer solchen Konstellation Weizmann gegenueberstanden (hier auf Jabotinsky, Silver und alle anderen einzugehen, wuerde zu weit fuehren), war wohl Louis D. Brandeis, der nach dem Ersten Weltkrieg die These vertrat —und mit ihm der ganze amerikanische Zionismus—, dass die politische Aufgabe geloest sei und zur Erledigung der kolonisatorischen die Verwandlung der Weltorganisation in,eine Art Siedlungsgesellschaft not tue. Es war Weizmann, der als Erster erkannte, dass man mit Banken, Farmerprojekten und amerikanischen Finanzoperationen d er zionistischen Problematik nicht gerecht werden koenne und die volkstümlichen, demokratischen, erzieherischen und kaempferischen Aspekte der Bewegung verteidigte und damit ihre Integritaet und eigentliches Wesen. Damit brachte er die Fortsetzung des Pionierwerks moeglich, ohne das Palaestina zu einem Einwanderungs —oder Kolonialland unter vielen— und bald unter vielen besseren — geworden waere. Die Geschichte eines Volkes, das nach zweitausend Uahiren seinen verlorenen Staat wieder aufbaut, ist eben einmalig. Mit der mehr oder weniger gluecklichen Anwendung bekannter Formeln waere dieses Wunder nicht vollbracht worden. Es bedurfte vielmehr der Aufstellung voellig neuer, origineller, dem vorbildlosen Ziel adaequater Formeln. Die Einzigartigkeit der zionistischen Aufgabe musste mit einzigartigen und schoepferischen Mitteln in Angriff genommen werden. Und wahrlich, nur ein einzigartiger (und schoepferischer Mensch konnte es tun. SYMBOLIK Sein Leben und Tod sind von einer bedeutungsschweren Symbolik durchflochten. Er verkoerperte den juedischen Genius in den Augen seiner Bnieder und der Mitwelt; seine Identifizierung mit juedischem Leid und juedischer Sehnsucht, j u e d ischem Kampf und juedischen Stolz finden selbst in den aeusserlichsten Merkmalen seiner Existenz ihren Niederschlag. "Vierzig Jahre lang stand er an der Spitze des juedischen Volkes auf dem Weg in das Heilige Land, so wie dieses einst vierzig Jahre in der Wueste verbrachte. Oft murrte das Volk, tanzte um das Goldene Kalb und die Rotte Korach erhob sich gegen ihn; selbst das Wasser, aus Felsgestein gewonnen, ward erneut Wirklichkeit. An einem Trauertag, einem Tag des Untergangs, verschied er, wie um im Tode noch einmal den Bund zu besiegeln, der sein grosses fruchtbares herrliches Leben bestimmt hatte: den Bund der Treue und des Dienstes an seinem Volke. (SOHN DES... Fortsetzung, von Seite 11). DER VATER

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