Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1952)
- Date
- 1952-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre, 1952 7 BOLETIN INFORMATIVO Vom Schicksal dev deutschen Juden Das Deutsche Statistische Jahrbuch von 1925 berichtet, dass damals 564,519 Juden in Deutschland lebten. Heute zaehlen die deutschen Juden etwa 34,000 Seelen, einschliesslich 20.000 DPs. Der mit diesen Zahlen angedeutete Prozess begann in den ersten zwei Jahren des Dritten Reiches, ver. schaerfte sich wesentlich nach den Nuernberger Gesetzen und wurde panikartig nach 1938. Die folgenden Zahlen (wenn nicht anderweitig festgestellt) sind dem Buch ‘Hitlers zehn Jahre Krieg gegen die Juden” entnommen, das vom Institut for Jewish Affairs in New York veroeffentlieht wurde: Datum Juedische Bevoelkerung 1925 (Z). 564,379 1933 Januar (Sch) . 525,000 1933 Juni (Z) . 499,682 1937 September (Sch) . 450,000 1939 Mai Cu). 235,000 1939 September (Sch) . 215,000 1940 November (Sch) . 160,000 1942 Mai (Sch). 80,000 1942 Oktober (Sch) . 40—50,000 1943 September (Sch) . 20,000 1945 Mai (Sch) . 15,000 (Z-Zaehlung, Sch^Schaetzung, u=unveroeffentlicht). Fluch ward zu Se£en «ssiSi mm W'Ms'^È ¡¡¡||g5|) ' Ifi:' -? j Diese Zahlen beziehen sich nur auf “Glaubens]uden”, die zur Synagoge gehoeren, nicht auf die (schaetzungsweise 200,000) Christen juedischer Rasse und religionslosen Mischlinge, die nach Nazi- Theorien gleichfalls “Juden” waren. Ende 1944 nahm man allgemein an, dass es 285,000 deutschen Juden gelungen sei, auszuwandern, und dass zwischen 75.000 und 100,000 von einem Lande zum anderen deportiert worden waeren, aber vor dem Tode bewahrt blieben. Als jedoch das Dritte Reich zusammengebrochen war, zeigte sich folgendes Ergebnis: 265.000 waren durch Auswanderung nach Uebersee gerettet; etwa 30,000 hatten die Zeit in Europa ueberlebt; weitere 15,000 befanden sich in Deutschland. Die Ausrottungsziffer lag zwischen 170,000 und 190,000- Der Rest starb, teils aus natuerlichen Gruenden, teils an den Auswirkungen der Noete und Entbehrungen, denen die Juden ausgesetzt gewesen waren. Viele Tausende veruebten Selbstmord. Verglichen mit Zahlen von 1933 ist der Verlust der deutschen Juden. : Schaft auf 44 Prozent geschaetzt worden; aber auf Grund der Zahl vom September 1939 betraegt der Verlust 91 Prozent. Der Verlust fuer Europa ist 63 Prozent (der hoechste Prozentsatz wurde fuer Litauen mit 90 Prozent festgestellt, der niedrigste fuer Bulgarien mit 14 Prozent). Von den 295 in andere eu. ropaeische Laender bzw. nach Uebersee ausgewanderten deutschen Juden lebten 1951 etwa 140,000 in den USA. 65,000 in Israel, 55,000 in Sued. und Zentralamerika, 5,000 in Australien, Neuseeland, Suedafrika und Kanada und 50,000 in Europa. Etwa 33,800 Juden lebten 1951 in Deutschland, davon 1184 in der Ostzone und 6,702 in den vier Sektoren Berlins (“National-Zeitung”, Basel, Pressestimmen... (Von Seite 5) Ein Blick auf die Siedlung “Schave Zion”, von einer Gruppe deutscher Juden aufgebaut, die gemeinsam aus dem deutschen Staedtchen Rexingen auswanderten. Juden und Besetzte Es werden nicht wenige Deutsche sein, die sich schon einmal gefragt haben, warum es den Juden so schwer fällt,, zu vergessen, was ihnen das Dritte Reich angetan hat, während doch in jenen Ländern, die unter der Besetzung ebenfalls schwer zu leiden hatten, der Hass gegen alles Deutsche allmählich schwindet. Eine treffende Antwort auf diese Frage hat das Blatt des Bundes der Verfolgten des Naziregimes (BVN) „Das freie Wort“ in seiner letzten Ausgabe gegeben. Es wird dort dargestellt, wie die Einwohner der besetzten Laender, selbst wen sie der Widerstandsbewegung nahestanden, ziemlich friedlich leben konnten, ja dass es ihnen zum Teil geschäftlich besser ging als vorher. Gegen diese Völker wurde Krieg geführt, ein Krieg gegen Nationen, nicht gegen Einzelindividuen. „Gegen die Juden gab es in Wahrheit keinen Krieg“, so heisst es in dem Blatt weiter, „es gab nur ihre bis ins letzte teuflisch durchdachte Abschlachtung. Kind oder Kämpfer, Widerstandsheld oder schwangeres Weib — das war völlig gleich. Nur die Zahl zaehlte. Jeder, .liquidierte“ Jude war ein Schritt weiter zum grauenhaften Ziel der Austilgung des juedischen Volkes von dieser Erde.“ — Die Juden waren von kalt organisiertem Mord um jeden Preis bedroht, zu den anderen Voelkern bestand eine Kriegsfeindschaft. Dazwischen liegt eine unermess liehe Distanz, zugleich die Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Es wäre gut, wenn man dieses in Deutschland be daechte, ehe man sich zu juedischen Forderungen odir Reaktionen aeussert. (Stuttgarter Zeitung) militärischen Rahmen, eine Befreiung ohne Unterschied, ob es sich um eine religioese oder eine nichtreligioese Frau handelt. Um diese Forderung durchzusetzen, muesste das religioese Judentum mit mehr als 12% in der Knesseth vertreten sein. Das war die Auffassung aller Teile des gesetzestreuen Judentums, mit Ausnahme der Neturej Karta. Daher hat der ploetzliche Austritt der Agudah-Organisationen aus der Koalition Staunen erweckt. “DAWAR”, ORGAN DER HISTADRUTH Die Fuehrer der Agudath Israel und ihrer Arbeiter hielten es fuer notwendig, in die , ehrfurchtgebietenden Tage” rein von der Suende der Gemeinschaft mit „Apikorssim” einzutreten. Am Vorabend des Festes traten sie aus der Koalition aus. Bei jeder Krise entstehen sofort Geruechte ueber eine „Alternative”. Zweifellos liegt diesen Geruechten viel Sensationslust und Neugier zugrunde. Und doch waere es nicht richtig, die positive Seite dieses Interesses der Oeffentichkeit zu verkennen, Im allgemeinen wuenscht jedes Volk, dass seine Regierung auf Zwei Dichter In der letzten Zeit hat es in der Literatur schwere Verluste gegeben; es braucht nur an Sinclair Lewis, André Gide, Bernhard Kellermann, Ernst Wiechert, Clara Viebig, Hermynia zur Muehlen und Sammy Gronemann erinnert zu werden. Abermals sind zwei Schriftsteller von Rang dahingegangen : ALFRED NEUMANN und KARL JA¬ COB HIRSCH. Neumann, ein juedischer Autor, aus Lautenburg in Westpr. stammend, ist nur 57 Jahre alt geworden. In Lugano, wo er Erholung von einem Herzleiden suchte, ist er allzu frueh abberufen worden. In der Zeit zwischen 1920 und 1933 etwa war er mit vielen Romanen erfolgreich hervorgetreten. Die bekanntesten waren: “Der Teufel”, “Der P a t r i o t”, “Koenig Haber”, “Narrenspiegel”, “Koenigin Christine”. Einige seiner Buecher, die sich durch feine psychologische Erfassung historischer Stoffe auszeichnen und sehr lebendig erzaehlen, sind auch verfilmt worden. Eines seiner staerksten duerfte jedoch der vor einigen Jahren erschienene Roman “Es waren ihrer Sechs” sein, der jene Vorgaenge behandelt, die sich in Muenchen abgespielt haben und deren Helden in dem beruehmten Prozess vom Jahre 1943 die sechs Muenchener Studenten gewesen sind, welche den Mut foesassen, dem Hitlerregime die Stirn zu bieten. Alfred Neumann stellte in seinem Werk nicht nur die Begebenheiten dar, sondern er gestaltete die Tragoedie des deutschen Volkes, das damals blind seinen Verderbern folgte bis auf jene wenigen wunderbaren Kaempfer, die bis zum bitteren Ende durchhielten und keine Konzession kannten. In Muenchen hatte Neumann bis zum Jahre 1930 gelebt, um dann nach Italien und Frankreich berzusiedeln, das er verliess, als die deutschen Armeen einbrachen. Er ging dann nach den Staaten, liess sich in Los Angeles nieder, von wo er vor einigen Jahren wegen seines Leidens nach Europa zurueckkehrte. moeglichst breiter Grundlage beruht. Aber wuerde die Mapam nicht darauf bestehen, dass Jisrael alle seine Bindungen mit dem „Westen” abbricht, und wuerden die Allgemeinen Zionisten nicht darauf beharren, einer Koalition, an der sie sich beteiligen, ihre Bedingungen von „Freiheit” und ..Initiative” zu diktieren, die in Wahrheit den Wohlstand der Wenigen auf Rechnung der Vielen, der Massen des Volkes bedeuten? Wer in hohen Toenen von einer breiten Regierungsbasis spricht muss er nicht zugeben. dass auch die groesste Partei ein „gewisses” Gewicht hat, dass die Minderheit sich ihr anpassen muss, da man ohne sie keinen Schritt vorwaerts kommen kann. Unmittelbar nach seinem 60. Geburtstage ist in Deutschland, wohin er sich vor einiger Zeit begeben hatte, Karl Jakob Hirsch verstorben. Juedischer Abstammung, war Hirsch in weitesten Kreisen vor allem durch seinen ausgezeichneten, im Jahre 1931 erschienenen, Roman “Kaiserwetter” bekanntgeworden, ein Buch, welches die Situation des juedischen Buergertums in den letzten Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges sehr anschaulich behandelt. Auch die Hohenzollern-Monarchie und die diese stuetzenden Kraefte sind richtig gesehen. Aber nicht nur in der Literatur, sondern auch in Malerei und Musik ist Hirsch zu hause gewesen. Er stammte aus Hannover, wo er als Sohn eines stren g-orthodoxen Arztes zur Welt kam, der ein Enkel von Samson Raphael Hirsch gewesen ist, des Begründers der Neu-Orthodoxie. Die Tradition des frommen Elternhauses beherrschte die Kindheit Karl Jakob Hirsch’s und die seines Zwillingsbruders, welcher spaeter zum Zionismus gelangte und 1944 in Jerusalem starb. Doch er selbst ging einen anderen Weg: Bald der juedisehen Ueberlieferung entfremdet, bedurfte es nur der Emigration des Jahres 1933 mit ihrem Leid, um diesen Schriftsteller ganz vom Judentum abzudraengen. Aehnlich wie Alfred Doeblin, ueber den kuerzlich in diesen Blaettern geschrieben wurde, sah Hirsch im Uebertritt zum Christentum, den er vor einigen Jahren vornahm, eine ‘Heimkehr zu Gott”. Auch er hat in den Geist des Judentums und in die Seele des juedischen Volkes nicht einzudringen vermocht, und so wurde er ein Abtruenniger, ohne sich dessen bewusst zu sein. In Wirklichkeit hatte er so sehr am Rande des Judeseins gelebt, dass es nur irgend eines aeusseren Eindruckes bedurfte, um den Wandel zu bewirken. Der Film “Das Lied der Bernadette”, nach dem Werfel, sehen Roman, soll den Dichter ueberzeugt haben. Und er war ein Urenkel von Samson Raphael Hirsch. In einer Bekenntnisschrift aehnlich derjenigen von Doeblin, versucht er sich zu rechtfertigen! Auch er hatte bei einem protestantischen Pastor Antwort auf seine Zweifel, in dessen Auslegung der Heiligen Schrift Erbauung fuer seine Seele gefunden. Waeren juedische Menschen und waere ein juedisches Lehrhaus nicht imstande gewesen, den Zweifler und Unruhig- Umherirrenden auf den juedischen Weg zu fuehren? Niemand wird diese Frage beantworten koennen. Hirsch ist tot, in jedem Falle zu frueh fuer diesen schaffenden Geist. Die juedische Welt wird sich die Frage vorlegen muessen, ob von uns aus alles, aber auch alles geschehen ist, um kuenftighin dem entgegenzutreten, was sich wiederholen koehnte. Werfel und Roth, Doeblin und Hirsch sind warnende Beispiele! Curt Wilk