Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1952)
- Date
- 1952-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 5 i /ftestrato - r Als Deutschland den ersten Weltkrieg endgueltig verloren hatte, begann eine nicht ganz der Tragikomik entbehrende Entwicklung, die sich in der Geschichte dieses Landes anscheinend wiederholen will. Das deutsche Volk zog naemlich nicht die Elemente zur Verantwortung, die es aus unreinen Motiven oder borniertem National Narzissmus zum Wiessbluten getrieben hatten, sondern gerade jene, die dem moerderischen Wahnwitz Einhalt zu bieten gewagt hatten. Die Maenner, die mit ihrer Unterschrift unter den Waffenstillstandsvertrag ein seit langem aussichtslosen Blutvergiessen beendeten, wurden von planmaessiger und konstanter Hetze zu ‘Novemberverbrechern’ gestempelt, die dem angeblich unbesiegten deutschen Heere einen Dolchstoss in den Ruecken versetzt haetten. Dieser plumpen Verfaelschung des historischen und moralischen Tatbestandes war nun grosser Erfolg beschieden. Er schmeichelte den niedrigsten chau. vinistischen Instinkten; er lenkte die Aufmersamkeit eines schwer geschaedigten Volkes von den wahren Kriegsverbrechern hinweg; es gelang ihr, den. Presidenten der jungen ach, so sanften Republik unter Anklage des Hochverrats vors Gericht zu zerren, die Mordkugel gegen den um den Wiederaufbau bemuehten Rathenau zu rieh, ten; schliesslich ebnete sie dem alten alldeutschen Ungeist in der neuen Gestalt der Braunen Horden den Weg zur Macht. Die Kette der beruechtigten Verbrechen, die damit einsetzten, erreichte einen ihrer einstweiligen Hoehep unkte in Massenver. haftungen und —torturen, in Synagogenschaendungen und — braenden. Die Luege von den Novemberverbrechern 1918 brachte die Verbrechen des Novembers 1938. Wir haben diese Folge der geschichtlichen Ereignisse nicht vergessen; und dies nicht nur, weil wir ihre un. schuldigen Opfer nicht vergessen koennen, und keineswegs, weil wir in unserem Herzen Hass hegen wollen. Vielmehr draengt sich uns bei der objektiven Betrachtung des heutigen Deutschlands der bedenklich stimmende Vergleich mit den damaligen Geschehnissen auf. Wie damals gibt es ernste, zur Umkehr und Besonnenheit mahnende Stimmen; die ‘Friede mit Israel’ —Aktion Erich Lueths und die Unterstuet. zung, die sie bei Studenten— und Gewerkschaftsbewegungen findet seien als Beispiel genannt. Doch bleiben diese Regungen ebenso ohnmaechtig wie edel, gerade so wirkungslos wie anstaendig. Die maechtigen Bewegungen, die nicht nur das Echo bei der grossen Masse sondern auch Unterstuetzung bei Behoerden und Gerichten finden, sind jene, welche entgegengesetzte Tendenzen verfolgen. Wenn wir Art und Weise verfolgt haben, wie der Auerbach — Prozess durchgefuehrt wurde; w Munxh f\ y Zum freiwilligen Das Sprichwort behauptet vom Kluegeren, dass er nachgebe. Trotzdem glauben wir es Azzam Pascha nicht, dass er vor seiner eigenen Klugheit kapituliert habe, als er von seinem Posten als General, sekretaer der Arabischen Liga abdankte. Vielmehr trat wohl diesser berufsmaessige Hetzer gegen eine Verstaendigung mit Israel darum von der politischen Sohaubuehne, weil ihm der neue aegyptische Herrscher, General Naguib, sanft bedeutete, abzudanken oder sich verhaften zu lassen. Die Arabische Liga erwies sich bald nach ihrer Gruen. dung noch waehrend des Krieges als recht magerer Knochen, mit dem man schwerlich einen Hund —das Metapher draengt uns dieses Wort auf; nicht die arabischen Politiker, von denen hier die Rede ist— hinter dem Ofen hervorlocken konnte. Als regionale Union konnte sie bei Ausschluss des Mandatsgebiets -oder des Staates Israel nie Bedeutung erlangen; den Pan-Islamismus durfte wenn wir lesen, dass die gegen Veit Harlan protestierenden Studenten von der Polizei geschlagen, der Nazi— Mob aber von ihr geschuetzt wurde; wenn wir von der Wiedereinstellung alter Nazi-Beamten hoeren, die sich mit ihrer ueblen Vergangenheit bruesten; wenn schliesslich —und hier wiederholt sich die Geschichte wortwoertlich— alte Kaempfer aus Widerstandsgruppen als Hochverraeter angeprangert, Remer aber und andere Kriegsverlaenge. rer als Helden ausposaunt werden, so sei uns erlaubt mit resigniertem Misstrauen einen alten roemischen Dichter zu zitieren: ‘Agnosco veteris ves. tigia flammae’. Wir erkennen die Spuren der alten, verheerenden Flamme. man nicht zu sehr betonen, da die arabischen Christen auch Anteil an der Liga nehmen sollten und sich andrerseits auch schon zu viel gierige Haende nach der Khalifenwuerde ausstreckten; zum Ausrichten der Aussen. politik aller arabischen Staaten auf einen Hauptnenner, war sie aber ganz gewiss zu schwach. Die tiefen Gegensaetze zwischen den arabischen Dynastien waren zu fest verankert. So wurde die Liga bald zum aussenpolitischen Instrument Koenig Farouks von Aegyp. ten, dessen persoenlicher Freund Azzam ja auch war. Sie trat der Verwirklichung des grossen Traumes entgegen, den Abdalla von Transjordanien unter Billigung seines Verwandten, Abdul Illahs im irakischen Bagdad, sein Leben lang hegte: ein gross-syrisches Reich, das Transjordanien, den Lybanon, Syrien und Teile Palaestinas umfasse, unter seinem Szepter zu vereinigen. Darum verurteilte ja auch die Liga die Annektion Ostpalaestinas durch Abdalla und drohte sogar mit seinem Ausschluss. Nur in einem Punkt konnte man bei derartig grundlegenden Interessengegensaetzen zur Uebereinstimmung gelangen: im Krieg gegen Israel und seiner politisch diplomatischen Fortsetzung. Hier nun war Azzam besonders aktiv und verhaeltnismaessig erfolg, reich, und fuehrte einige sichtbare, gemeinsame Beschluesse durch. Jetzt musste er gehen. Allzu grosse Hoffnungen ueber einen Kurswe. chsel darf man sich allerdings nicht. machen. In den kommenden UNO-Sitzungen wird sich zeigen, wie weit Azzams Geist noch sein Unwesen treibt. Obwohl der Ruecktritt der ruebergehenden Nachgiebig. "Hey you! Don't you know you hove to totute tallied ollicet*v Deutscher Offizier der Europa-Armee zum amerikanischen Sergeanten: “He, Sie da, wissen Sie nichts dass Sie alliierte Vorgesetzte gruessen muessen?” (National Guardian, New York). Vertreter der Augudat Jisrael in der Regierung keinerlei politisches Manoever darstellt —wie ein Sprecher dieser Bewegung in Jerusalem erklaerte—, sondern aus rein religioesen Gruenden erfolgt sei, haben es die Vertreter der orthodoxen Misrachi-Parteien mit ihrem Gewissen vereinigen koennen, in beispielhafter Loyalitaet in der Regierung zu bleiben. Die Beschuldigungen und ideologischen Diskussionen, die zwischen den beiden gesetzestreuen Gruppen gewechselt werden, sind zahlreich; der Misrachi weiss auf Grund seiner jahrzehntelangen Mithilfe am Aufbau Palaestinas, dass so am ehesten eine langsame Beeinflussung des Jlschuvs im religiösen Sinne moeglich ist; die Aguda andrerseits ist zu keiner voi keit in Fragen der Gestzesbefolgung bereit; der Misrachi erklaert, der drohenden Gefahr einer Trennung von Staat und Religion besser vom Kabinett aus begegnen zu koennen; die Aguda wiederum sieht in jeder Einzelentscheidung der Regierung wegen Maedchenmobillsierung und Einheitserziehung —laut Harry Goodmans Erklaerung -- eine Suende wie Unzucht und Mord, und damit Grund zum Austritt aus ihr. Nun, das sind Gewissensfragen, ueber die keiner zu richten sich anmassen soll. Dass die Regierungsmajoritaet in der Knesset dadurch aber noch verkleinert wurde, ist fuer die Stabilitaet der Lage in Israel von grossem Schaden. BEN. Stimmen zur Regierungskrise “HABOKER”, ORGAN DER ALLGEMEINEN ZIONISTEN Das kuenstliche Mosaik unserer Partein musste denen, die nach der Herrschaft streben, helfen. Das Vorhandensein kleiner, ungefestigter Gruppen half ihnen, Regierungen zu errichten, in denen diejenigen, die nach.der Herrschaft streben, befehlen. Es ist zu bedauern, dass die religioesen Grueppchen, die von ihren Waehlern nur den Auftrag erhalten haben, nur die Religion zu verteidigen, es sich erlaubt haben, dieses Mandat fuer politische und klassenkaempferische Zwecke auszunutzen. Denen, die sozusagen im Na men der Religion ein Aushaen. geschild fuer das diktatorische Regime im Staate bildeten. war es klar, dass die Partei, mit der sie sich verbunden haben, die Religion nicht liebt, Sie war nur bereit, ihnen eine Art von “Schweigegeld” zu zahlen, Aber auch dies wollten sie nicht auf die Dauer tun. Erst jetzt ist einem Teil der Religio.esen klar geworden, dass von allen Vereinbarungen der Partei nur die Ehrung des Ministers und des Vizeministers uebrig sind. Wenn sie sich mit diesen Ehrungen nicht zufrieden geben wollen, so bleibt ihnen nur der Austritt aus der Koalition uebrig. “HAZOFE”, ORGAN DES MISRACHI Die quantitative und qualitative Mehrheit des religioesen Judentums im Lande hat immer den Weg des Aufbaus und des taeglichen Ringens im Innern dem schreierischen Austritt vorgezogen. Die Wirklichkeit hat bewiesen, dass dieser Weg der richtige war. Seit der Errichtung des Staates haben auch die Organisationen der Agudath Jisrael die Richtigkeit dieses Weges anerkannt. Die Beteiligung an der Koalition hat die vollkommene Trennung zwischen Thora und Staat mit allen den erschreckenden Folgen, die aus ihr erwachsen waeren, verhindert. Diese Gefahr ist zwar noch nicht beseitigt. Denn die nicht religioesen Kraefte von links und rechts wuenschen diese Trennung. Vorlaeufig aber besteht das Prinzip der Stroemungen in der Erziehung, und es bestehen Aussichten darauf, dass es auch weiterhin beibehalten wird. Die staatliche Kompetenz, die den religioesen Richtern in Personalangelegen heiten gegeben wurde, ist als sehr wichtiger Erfolg zu buchen. Gewiss sind wir weit entfernt von Zufriedenheit und wuerden eine Schabbathgesetzgebung im Staate wuenschen,, ferner eine Erweiterung der Kompetenzen der religioesen Gerichte, eine Befreiung der Frauen vom obligatorischen Dienst in einem (Fortsetzung Seite 7)