Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1952)
- Date
- 1952-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre, 1952 BOLETIN INFORMATIVO r Vor Abschluss in Wassenaar Den Nachrichten zufolge, die uns bis Redaktionsschluss erreichten, standen die Wiedergutmachungsverhandlungen. die am 24. Juni auf Schloss Wassenaar bei den Haag zwischen der Westdeutschen Bundesregierung einerseits und Israel und der “Jewish Claim Conference” andererseits wiederaufgenommen wurden, kurz vor ihrem Ab- Schluss Der derzeitige Stand der Verhandlungen deutete auf eine weitgehende Einigung hin in Bezug auf die drei wesentlichen Fragen: Hoehe. Tempo und Art der Rückerstattung. Demzufolge laesst sich ein Abkommen Voraussagen, das ein Zahlung von 715 Millionen als Globalleistung an Israel, 450 bis 500 Millionen Dollar an die “Conference” und 107 Millionen, die als Abgeltung fuer erbenlose Individualforderungen juedischen Organisationen zustehen, vorsieht. Allem Anschein nach soll die letztgenannte Summe zwecks Vereinfachung der Verhandlungen einstweilen auf das israelische Konto gutgeschrieben werden und seine weitere Verwendung der inner juedischen Regelung ueberlassen werden. Die Frist der Auszahlung wird sich auf schaet. zungsweise 10 bis 12 Jahre erstrecken, wobei dringend benoetigte Warenlieferungen Prioritaet erhalten werden. Ueberhaupt wird fast die gesamte Schuld in Waren abgegolten werden, wobei in erster Linie landwirtschaftliche Geraete und Maschinen vorgesehen sind. An Guthaben werden moeglicherweise deutsche Konten in England ueberschrieben werden, die zur Eroeffming eines neuen Brennstoff-Kredits verwendet werden koennten. Djie Arbeit der - Konferenz konzentrierte sich im Augenblick, in dem diese Zeilen geschrieben werden, hauptsaechlich in zwei Subkomitees: dem gesetzlichen und dem Warenlieferungskomitee. Letzteres erledigt seine Arbeit im Hinblick auf Richtlinien, unter denen interessehalber zwei hervorgehaben werden sollen: die der Anerkennung, seitens der deutschen Delegation, der wachsenden wirtschaftlichen Leistungsfaehigkeit der Bundesrepublik und jener Beschluss der Israel-Regierung, demzufolge die aus dem Vertragswerk entstehenden Handelsoperationen durch ein Importmonopol der Regierung, unter Ausschluss jeglichen privaten Profits, getaetigt werden wird. Das rechtliche Komitee befasst sich mit dem Wortlaut des Vertragswerks, Die hauptsaechlichen Diskussionspunkte waren vor zwei Wochen folgende: Die Wertbe. staendiglceitsklausel, in der die juedische Seite eine Versicherung gegen etwaige Abwertung der Mark verlangte, wogegen sich die Reichsbank straeubte, um, wie sie be. hauptete, “kein unnoetiges Misstrauen in ihre Stabilisierungspolitik hervorzurufen”: die Garantie fuer den Fall eines moeglichen Regierungswechsels in Deutschland und die Definition des Begriffs “Katastrophe”, bei deren Ein. treten das Schuldnerland seine Zahlungen rechtsgueltig einstellen duerfte. In letzterer Frage wollte man sich auf die Ernennung eines Schiedsrichters einigen. Als allgemein erschwerende Faktoren waren zu bemerken: Erstens die Tatsache, dass die Londoner Konferenz zur Regelung der deutschen Vorkriegsschulden raschere Fortschritte zu machen schien als die Haager. In London war man bereits zur prinzipiellen Annahme eines Plans gelangt der die Zahlung von 2..500, bis 3.000 Millionen Dol lars vorsieht, als in Wassenaar noch kein Ende abzuse hen war; man betrachtete es im allgemeinen als unguenstig fuer die israelisch-juedi sehen Forderungen, wenn in London eine Einigung erzielt werden sollte, bevor man eine solche mit der von Dr. .Boehm gefuehrten Delegation erreicht. Nicht minder ernst sind die Schwierigkeiten, die Mittelost io Umbruch Seit vielen Monaten schon verfolgen wir mehr oder weniger in allen Einzelheiten die oft komoedienhaft wirkenden, rasch aufeinander folgenden Regierungswechsel in Aegypten und nur zu nahe liegt die Versuchung, auch den letzten, der zur Absetzung Farouk I. fuehrte, mit dem gleichen bunten Scheinwerfer zu beleuchten. Doch scheint zumindest diesmal ein selbstgefaelliges “bei uns waere so etwas nicht moeglich” fehl am Platze; die Vorgaenge in den Nachbarlaendern beruehren uns zutiefst und sind von einer ueberhaupt nicht abzusehenden Tragweite. Drei Monarchien des Mittleren Orients kamen innerhalb von drei ereignisschweren Wochen ins Wanken. Die aegyptische, nunmehr durch einen Saeugling im Exil symbolisiert, dessen Kroen. ungsaktien heutzutage wohl nicht nur keine Bank in der ganzen Welt, sondern auch nicht der abenteuerfreudigste Spekulant beleihen moechte; die jordanische, durch den Ruecktritt des geisteskranken Talal zugunsten seines 17-jaehrigen Sohnes Hussein I.; die persische, die nur noch auf Abruf vegetiert, seit der Schah Mohammed Reza Pahlevi nach dem Sturz seines Guenstlings Quavam es Sultaneh ein Gefangener seines Premier Mossadeq und der islamischen Extremisten ist. Es kann somit gar keinem Zweifel unterliegen, dass die letzte Stunde des monarchischen Systems in diesem Teil unse. res bewegten Planeten geschlagen hat. Talal Die groesste Zionistische Organisation ausserhalb Israels, die “Zionist Organisation of America” (ZOA), hielt vor wenigen Wochen ihre 55. Jahreskonvention ab. Wie be. kannt, wurde auf dieser Tagung der Rabbiner Irving Miller mit 654 Stimmen zum neuen Praesidenten der Organisation gewaehlt, gegen 371, die auf den Kandidaten Abraham Redelheim entfielen. was repraesentiert Irving Miller im amerikanischen Zionismus und. was Bedeutet der Ausgang dieser Wahl? Um es mit wenigen Worten zu sagen, stellt die Ernennung Millers einen Triumph der Linie dar, die der ZOA bereits in vergangenen Jahren von den Praesidenten Abba Hillel Silver und Emmanuel Neuman vorgezeichnet worden war. Das heisst, eine Identifizierung der Organisation mit der Parteilinie des Weltm verbands der “Allgemeinen Zionisten”. Die Gegenstroemung, in der Kandidatur Redelheims personifiziert und von “progressiven” Elementen wie Dr. Nahum Goldmanri und . .Louis Lipsky gefuehrt, verlangte absolute Enthaltung in politischen Fragen und Handlungsfreiheit in .dem . Sinne, sich, an .keine. bestimmte israelische Partei zu - binden. Auch die Gruppe,-die sich um den aus dem Amt scheidenden Praesidenten, Benjamin Browdy geschart hatte, setzte sich fuer die in diesem Sinne formulierte Prinzipienerklae. rung ein. Die obengenannte betraechtliche Mehrheit sprach sich jedoch wie gesagt, dafuer aus. der ZOA Parteicharakter aufzupraegen. Das ist die Bedeutung der Amtsbesrtzung in der Person des Rabbiner Miller. sich aus dem Teilabkommen ergeben, einen Teil der erbenlosen Ansprueche (die 107 Millionen) der inner iuedischen Regelung zu ueberlassen; dieses hatte zufolge, dass sofort einige juedische Organisationen —im Besitze sehr zweifelhafter Rechtstitel — in die Arena sprangen, um ihre Rechte anzumelden. Zwei dieser Organisationen verstiegen sich sogar dazu, in eigenen Sachen bei der deutschen (!) Delegation vorzusprechen —vielleicht, um eine Einfrierung der geforderten Summen zu verlangen—. Es ist klar, dass solche disziplin— und wuerde. lose Haltung die juedische Sache aufs Schwerste belasten und eine einheitliche Front —zumindest bis Unter. Zeichnung des Vertrags— mehr denn je not tut. Mehr anekdotischen Wert, muss man der Verwahrung beimessen, die jedoch von zwei anderen Seiten eingelegt wurde. So sprach das “Arabische Hohe Komitee fuer Palaestina” in Bonn gegen die Wiedergutmachung vor und forderte deren Auszahlung an die arabischen Fluechtlinee aus Palaestina. Die Bundesregierung antwortete in einer offiziellen Note, dass fuer sie kein Grund bestehe, die deutsch-israelischen Verhand. lungen zu belasten und sie den Einspruch als “nicht zustaendig” zurueckweise. Auch eine Delegation von zwei frueheren Sarnua-Deutschen snrach zwecks Forderung auf Abzug von 30 Millionen Pfund vor: diese Genossen des Mas. senmoerders Fiehmann wurden zustaendlekeitshalber an die Israel-Regierung verwiesen. Doch ist auch dies keineswegs das wesentlichste an den letzten Vorkommnissen; mit den Begriffen konstitutioneller Reformen lassen sich diese nicht erfassen. Worum es vielmehr geht, ist eine gesellschaftliche Umwaelzung von groessten Ausmassen. Monarchie oder Republik moegen aeussere Erscheinungsformen oder Symbole einer sozialen Lebensform sein; in diesem Fall war die erstere der Ausdruck fuer die feudalen Besitzverhaeltnisse zwischen der Sahara und dem Kaspischen Meer. Was im Grund genommen wankt, ist nicht ein Thron oder ein Palast, sondern der Boden, auf dem sie stehen und vor allem, der Bodenbesitz. Der Mittelost erlebt im Moment seine eigene Auflage der "franzoesischen”, d. h. buergerlichen Revolution. Das laesst sich an Hand unzaeh. liger Parallelen leicht nachweisen: Die Abschaffung der Privilegien und Nobilitaetstitel —alle Paschas und Beys wurden zu Feld—, Wald.und Wiesen jCitoyens degradiert; die angekuendigte Agrar.Re. form, derzufolge der Grossgrundbesitz zumindest stark beschnitten werden wird; und die Aufdeckung der Korruption bei Hof. Dies alles in Aegypten. Was Transjordanien anbetrifft, bei dem die Krise des Koenigshauses die Existenz des Staates selbst in Frage gestellt hat —eine Ver. einigung mit Irak ist heute mehr denn je eine konkrete Moeglichkeit bezw. Gefahr., so entspricht das eventuelle Verschwinden seiner Grenzen den Einigungstendenzen der ersten Nationalstaaten und der Ueberwindung der Feudalherrschaft ueber voneinander unabhaengigen Mikro.Gebieten. Nun kann man aber —modernen physikalischen Erkenntnissen zufolge— Parallelen nicht ins Unendliche projizieren, ohne dass sie aufhoeren, parallel zu »ein. So treffen wir auch hier auf sehr starke Abweichungen vom Modell der “klassischen” buergerlichen Revolution. Die erste, dass es in diesen Laen. dern noch kein starkes Buer. gertum gibt und dass die “Intelligentste” nicht als Handlanger eines solchen fungiert. Sodann, dass der Islam —der “Klerus”— heute schon auf der Seite der neuen und nicht der beharrenden Kraefte steht. Und nicht zuletzt, dass die umwaelzenden Ereignisse sich in unvergleichlich staer. kerem Masse auf die Umwelt projizieren, als dies —trotz des Krieges gegen die “Koe. nigsmoerder”— gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Fall sein konnte und vor allem, dass die Umwelt viel tiefer in den Verlauf dieses Umbruchs eingreift. In anderen Worten, dass man ihn nicht verstehen kann, ohne gleichzeitig seine Bedeutung im Rahmen des weltweiten Kriegs zwischen Kommunismus und Kapitalismus —oder wie man es nennen mag— abzuwaegen. Diese Tatsache springt bei Persien. (Iran), aufgrund seiner unmittelbaren geographischen Nachbarschaft zu Russland, besonders ins Auge, kann aber natuerlich auch bei den anderen Laendern nicht hoch genug in den politischen KaL kuelen veranschlagt werden. Daran darf man auch nicht vorbeisehen, wenn man feststellen muss, dass die Fuehrer dieser Revolution —Mossadeq in Iran, Nagib in Aegypten, Shishakly in Syrien— weder Maenner vom Schlag eines kommunistischen Kom. misars noch eines liberalen Politikers sind. Mit ihrer mehr oder weniger betonten Neigung zur Diktatur, ihren oftmals demagogischen Versprechungen, inrer meist ge. iuehlsmaessig geleiteten Hai tung, ihrer gespielten Pose (der “Held” und sein Gegen, stueck, der “Schwerkranke”) stellen sie nichts dergleichen dar, oder sie haben von Beinen etwas. Es ist klar, dass sowohl die geringe zeitliche wie auch die grosse raeumliche Entfer. nung, ebenso wie der enggespannte Rahmen einer Monatsschrift, einer erschoep. fenden und exakten WuerdL gung der verschiedenen im öpiel auftauchenden Faktoren gleich hinderlich sind. Doch vermessen wir uns auch nicht, die Geschichte dieser Revolution schreiben zu wollen od,er nur deren Chronik. Worauf es uns ankommt, ist, Perspektive zu gewinnen fuer die Ergruendung des Problems, das sich uns, ob wir wollen oder nicht, mit jeder Morgenzeitung neu aufdraengt: Wie wirkt sich dies alles auf Israel aus? Und um dieser Frage gerecht zu werden, genuegt es nicht, bei dem Sturze “unse. res Feindes” Farouk zu frohlocken oder bei dem Machtantritt “des Helden aus dem Palaestina-Krieg, General Nagib”, zu erschrecken, je nach Optimismus oder Pessimismus des Beschauers. Die Projektionen des Umbruchs im Mittel, ost auf Israel kann man nur zu verstehen suchen, wenn man zuerst einmal Zugang zu der Dynamik dieses Umbruchs selbst sucht, um ihn von innen und nicht von aussen her zu begreifen. In diesem Sinne koennen diese Zei. len vielleicht als Einleitung fuer die Betrachtungen dienen, die wir uns ueber Israels Position im Zusammenhang mit diesen Ereignissen fuer ein spaeteres Datum vorbe. halten. ATSCHEKA