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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-08-01 · 8 (Agosto, 1925) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
8 (Agosto, 1925)
Date
1952-08-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Agosto, 1952 BOLETIN INFORMATIVO f '‘F VENTEO VEJ UNA ’ ’ (Teatro Experimental) Alfred Doeblins Fluchtversuch aus dem Judentum (Zum Bekenntnisboch des Dichters: “Schicksalsreise”) "Nur dann, wenn der Be. griff Freiheit auihoeren soll te, eine grundlegende mensch. liehe Notwendigkeit zu sein, wiiu das Urania ■Fuenteuvc juna’’ seine Existenzberechtigung verlieren”, steht im Pro. gramm, und damit ist auch schon die Tendenz dieses Stueckes knapp und zutref. fend umschrieDen. Kein wunder also, dass es heute in seinem Geburts-anu Spanien verboten ist. Aber es hat sien ueberail da erhalten, wo ein Geist der Fortschritts und acr Toleranz besteht— also auch hier in Chile. Es spricht nicht alles da fuer, hass dieses Stueck so erfolgreich werden kann, wie es geworden ist. Von Lope de Vega vor ca. 350 Jahren ver. fasst, besteht es hauptsa<ech. lieh aus alt-spanischen Rei. men und es ist ohne Zweifel ein kuehnes Unternehmen, es auf eine moderne Buehne zu stellen. Die Handlung zeigt uns das dramatische Ende aei Feudalherrschaft in Spanien und die Vereinigung unter dei absoluten Monarchie. Diese wird in den Figuren von Fei. nando und Isabel verherr. licht, was natueriieh fuer uns. die wir diese unwillkuerlicb mit Inquisition und Judenaustreibungen assoziieren, ei nen .etwas bitteren Beige, sehmack hat. Nur zoegernd geben wir zu, dass der Weg von vielen kleinen Despoten zu einem einzigen grossen ein Fortschritt bedeutet. Fuenteovejuna ist ein kleines Dorf, welches durch die Wiilkuer eines Comendador zum Aufruhr gebracht wird, ßelbstverstaendlich ist das Original gekuerzt und manche Wendungen fuer heutige Ohren zurechtgestutzt. Trotz al >' m fac t es jemandem, der nicht vollkommen innerhalb des spani.chen Sprachkreises auf gewachsen ist, sehr schwer. Wort fuer^Wort zu folgen. Die G-aspratcne sind in solche Form gebracht, dass die Vers, form nicht stoert, sondern im ^r-6’cni/cii harmonisch und natueriieh wirkt. Der dramatische Aufbau des -.adiio ist sowohl in der Buehnenkonstruktion wie auch in den Massenszenen geradezu genial ausgenuetzt. Im Allgemeinen pflegt man bei -kier Besprechung zunaechst die Leistungen der einzelnen .na-spieicr unter die Lupe zu nehmen. Sehr zu Unrecht, -niu ganz oesonders hier. Wie auch hier, ist der Regisseur aie graue Eminenz jedes rheaterstuecks, und so ge. .lUiihrt ein ueberragendes Lob?edro Orthous, der das Stueck auf Hcehepunkte bringt, die ins in groessere Spannung versetzen als der modernste ‘thrilLar”. Die Beleuchtung, Farben, Bekleidung, Volkssze. aen sind mit einem Ge ■chmack und Intensitaet in Szene gesetzt, die ihresgleichen suchen. Man hoert, dass .ie Vorbereitungen ueber ein Jahr dauerten und dass Peiro Orthous utstoer 450 Skiz. zen, von Bewegungen, Figuren und Kleidungen machen musste, die alle nach seiner Weisung angefertigt wurden. Als Einzelfigur uebarragt alle María Cánepa in der Rol le der Laurencia, des einfa. ■hen Volksmaedchens, wel. ches in einer unvergesslichen czene das Volk zur Rebellion aufruft. Man denkt oft an ei ms Parallele mit Don Carlos, sowohl im Hinblick auf den Schauplatz als auch auf die Tendenz. Ausgezeichnete Figuren sind Roberto Parada. Coca Melnick, und Jorge Bou. don Alle sie und. nicht zuletzt auch die ueber hundert Komparsen h^ben dem Tea tro Experimental zu diesem durchschlagenden Erfolg verhelfen. HB. Vor etwa drei Jahren erschienen, duerfte dieses Buch anders als ein Tatsachenbericht zu bewerten sein, besonders von uns Juden, die wir zu dem von Doeblin vollzogenen Glaubenswechsel Stellung nehmen muessen. Dieser Autor, seit Jahrzehnten ueber den deutschen Sprachkreis hinaus bekannt, Verfasser von ‘‘Berge, Meere und Giganten”, “Wallenstein”. •‘Berlin-Alexanderplatz’’ etc., hatte Deutschland schon in Jen ersten Schicksalstagen des Jahres 33 verlassen und in Frankreich Zuflucht gefunden. Die dort nach einigen Jahren erwirkte Naturalisation schuetzte ihn und die Seinen vor den beruechtigten franzoesischen Laegern, zumal zwei seiner Soehne im franozesischen Heeresdienst standen. In den kritischen Junitagen von 1940 verliess Doeblin Paris, um nach mehrwoechlgem Umherirren in der damals unbesetzten Zone Marseille zu eireichen, wo er ein von drueben vorbereitetes amerikan*. sches Einreisevisum vorfand. Wie andere Leidensgenossen von damals gelangte auch er ueber Spanien in das rettende Portugal und endlich, nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten, an Bord eines Schiffes, das ihn zum aeltesten Sohne nach Amerika bringen sollte. Dies alles wird schlicht und fesselnd erzaehlt, und soweit bildet das Buch die Wiedergabe eines Erlebnisses aehnlich anderen Berichten, die uns ue ber Irrfahrten in und aus der europaeischen Hcelle uebermittelt wurden. Doch sein Autor will mehr: Er hatte eine innere Krise durchlebt, die ihn “verwandelte”, wie er sagt. Alfred Doeblin, von Beruf Arzt, den er in Berlin ausgeuebt hatte —Stettin ist se.n Geburtsort— stammt aus kleinen Verhaeltnissen. Die Eltern hatten vom Judentum nicht viel Aufhebens gemacht; immerhin erinnert sich der Sohn noch an Syna gogenbesuche zu den hoech. sten Feiertagen. Auch gelegentlicher Religionsstunden gedenkt er, doch sonst Ist ihm das Judentum ein Be griff, der ihm fast nichts bedeutet. Erst die franzoesischen Kathedralen, die er auf seiner “Schicksalsreise' kennen lernt, regen ihn zu religioesen Betrachtungen an— und in Kalifornien, ei. nige Jahre spaeter, kommt er zu der Erkenntnis, dass die Weltkatastrophe, in die er gleich Millionen Anderer hineingerissen worden ist, dass die Erinnerung an sie, aufbewahrt werden muesse durch ein “Denkmal”, das mehr als ein blosses Erinnerungszeichen sein solle. D e. ses “Denkmal”, welches er dem Geschehen setzen will, es koenne fuer ihn und seine Familie nur das (Christentum sein. In den Kirchen Frans relchs, so erzaehlt er, habe er “den Finger Gottes wahr, genommen”, .. .“doch aus innerer Scheu wuerde er sieb an die Evangelien nicht her. angewagt haben.’’ “Ich waelzte keine Buecher”. Docn Freunde, denen er sich anvertraute, verwiesen ihn an Junge, hochgebildete, aufgeschlossene katholische Prie ster, welche ihm, in freund schädlichem Gedanfcenaus. tausch, “eine Welt eroeffne. ten”. “Die Priester entwickelten Paragraph nach Paragraph des Katechismus, nicht alles verstand ich nicht alles wurde durchsichtig und plausibel. Aber darauf kam es nicht an. Es konnte dies und jenes unklar bleiben und war dennoch nicht falsch. Ich war in ein uraltes, weitlaeufiges Gebaeude eingetreten; ich blickte in neue weitere Raeo. me helle und dunkle. Die Begegnungen und Gespraeche erfuellten uns mit einer Seligkeit, wie wir sie nie empfunden hatten. Der Finger Gottes, das Zeichen”. Und so ist der Dichter aufgenommen worden, wie er sagt, “in die Gemeinschaft der Glaeubigen und der Wissenden, der Frommen und der Heiligen”. Das uralte, weitlaeufige Gebaeude de* Judentums war ihm imbekannt; er bemuehte sich nicht, es kennenzulernen, und es kam nicht zu ihm, s©,- wie der neue Glaube zu ihm gekommen war. An der Schwelle des Alters —Doeblin zaehlt jetzt 74 Jahre— hat dieser Mann sein juedische« Volk verlassen, dessen Schicksal in den Jahren der Gefahren und Verfolgungen auch das seinige gewesen ist. Tn Wahrheit duerfte der Dichter die Flucht vor sich selbst ergriffen haben, vor der Verantwortung sich selbst und den Seinigen gegenueber. Ein ganzes Leben hindurch <dnd juedische Menschen und jue. discher Geist ihm fremdgeblieben, und der Versuch, Vertreter der juedischen Gedankenwelt in seine Gespraeche einzubezieben, schien ihm nicht lohnend. Es bleibt eine geringe Genugtuung, dass ihm auch das deutsche Volk, in dessen Mitte er nach 1945 mehrere Jahre lebte, sehr fremd geworden ist. Er vermochte wie er zugibt, die Deutschen nicht mehr zu ver. stehen, nicht zu begreifen, dass jene sich so wenig gewandelt hatten, sie, die doch soviel Leid und Zerstoerung erlebt hatten. Aber er, Alfred Doeblin, der gluecklich-ger8ttete Juedische Autor aus Deutschland, er duerfte sich gruendlich gewandelt naben, wenn man seinem “Bekenntnisbuche” glauben kann. Curt VVilk tpbtWT ühii? “tun Tt’n íiXíSiA» Zu den Aermsten der Armen gehoert die leider verhaeltnismaessig grosse Zahl juedischer Menschen, die erblindet und jeder Mittel bar in den letzten Jahren zur Rettung vor Verfolgung und Verelendung in Israel Aufnahme gefunden haben. Mit Trachom, mMm jener schrecklichen Plage aller orientalischen Laender behaftet, sowie, auch durch andere Krankheiten der Sehkraft beraubt, kamen sie insbesondere aus Vorderasien und Nordafrika ins Land. Sie muessen untergebracht ernaehrt, bekleidet und betreut werden, sie brauchen aber auch eine besondere Erziehung und Ausbildung, die ihnen nicht nur Freude am Leben und innere Sicherheit verschafft, sondern sie auch zu nuetzlichen, wirtschaftlich auf sich selbst gestellten Glie. dern der menschlichen Gesellschaft macht und nicht zu einer dauernden Last fuer ihr Volk werden laesst. Der Erfuellung dieser Aufgaben dient das Juedische Blindenheim in Jerusalem. Leider ist die Anstalt aber zu klein und bedarf dringend der Erweiterung. Es fehlt insbesondere auch an Raum, um die ungluecklichen Kinder —zum Teil noch im zartesten Alter— unterzubringen, die das Tageslicht nicht zu schauen vermoegen und voellig verwahrlo. sen. wenn sie nicht im Blindenheim aufge. nommen und dort nach moderner Metho den erzogen werden koennen. Jeder von uns wird es als seine menschliche und juedische Pflicht empfinden, hier helfend einzugreifen. Die “Asociación de Amigos de los Ciegos Israelitas” hat sich zur Mittlerin dieser Pflicht gemacht und richtet an alle unsere Brueder und Schwestern erneut den Ruf, in ihre Reihen einzutreten und damit zur Unterhaltung und zum Ausbau des Juedischen Blindenheims in Jerusalem beizutragen. Die Verantwortung, die auf der juedischen Allgemeinheit zur Rettung erblindeter juedischer Menschen lastet; ist gross und keiner darf sich dieser Verantwortung entziehen. Werden Sie Mitglied der Asoeiaclön de los Amigos de los Ciegos Israelitas “Tormel-Or" mit einem Beitrag nach Ihrem Ermessen! Bue’-o: Av. Portugal 810, Casllla 2487, Fono 33096.

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