Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 5 (Mayo, 1952)
- Date
- 1952-05-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Mayo, 1952 BOLETIN INFORMATIVO 23 à 4fe***4>/$&***&»* r Unerfreulicher Autor - unerfreuliches Buch Zu Erich Kordt: “Nicht aus den Akten”, (Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 1950). Eine Bluete von dem weitverzweigten Baum der Literatur, in welcher die Wuerdentraeger ues Tausendjaehrigen Reichs ‘ beweisen”, dass sie entweder “von nichts wussten” oder zum “Widerstand” gehoerten. Es gibt viele dieser braunen Blueten —Weizsaecker, Paul Otto Schmidt, Speer, Skorzeny, Guderian, Speidel— und sie sind zu zig-tausenden in die Auslagen des Buchhandels geflattert. Von der sanften Brise des Verlag.Geschaeits geblasen oder vom bedrohlichen Sturmwind des Neo-Nazismus... es ist einerlei: sie wachsen, bluehen, gedeihen, duften. Wh feJrett, Ahe*. DANTONS TOD ff Ab und zu sollte man eine abreissen, zumindest um festzustellen, wie weit wir wieaei einmal sind. Herr Erich Kordt laessc es uns ahnen in diesen Aufzeichnungen aus der “whheimstrasse in Frieden und Krieg; Erlebnissen, Begegnungen und Eindruecnen 1928-1945”. Er war Unterstaatssekretaer Weizsaeckers Mitaroeiter Nr. 1, als solcher von Kmoentrops engstem öfao bis tief in den Krieg hinein und sodann Botschafter in China bis zum Zusammen, bruch. Seme Thesen sind zwei und die erste lautet: Die alten Beamten der Wilheimstrasse (Aussenministerium) —alien voran weizsaecker und der Autor— sabotierten Hitlers Politik nach Leibeskraeften und hatten nur Deutschlands und der ganzen Welt Wohl im Sinne. Sie gehoerten mit zu der Verschwoerergruppe des 20. Juli 1944 und beinahe haette er, Kordt, Hitler einmal hoechstpersoenlich umgeoracht. Die Beweise sind allerdings so duerftig, die Argumente so fadenseneinig, die Abwesenheit am 20. Juli selbst so frappant, dass man sich zu der Frage bewogen fuehlt: “Herr Kordt: Und wenn alles anders gekommen waere? Waeren Sie nicht heute Statthalter im Gau China? Wenn Ihnen Ihr Gewissen zwoelf lange Jahre hindurch diktierte, die “Exzesse” des Dritten Reichs von oben her zu mildern, so gut getarnt, dass Ihre engsten Vorgesetzten und Mitarbeiter, die Ribbentrop, Rademacher, Gauss, Luther und Konsorten sie fuer mehr oder weniger vertrauenswürdig hielten, als Ehrengast bei Parteitagen, zogen, dem Zuge der Zeit folgend, nach dem Westen, (was damals noch keine politischen Implikationen hatte, sondern lediglich die Himmelsrichtung angab, nach der sich Berlin auszudehnen begann). Die Zimmerpalme war inzwischen ein- und der Delfter Topf kaputtgegangen. Es war vor ca. vierzig Jahren und in St. Petersburg regierte noch immer Nikolaus der Zweite, Zar aller Reussen. Dann dachte niemand mehr an die Zimmerpalme! — Jedenfalls bis zur vorigen Woche, als ich zum amerikanischen Konsulat ging, um ein Visum zu erhalten, was ich jedoch erhielt, war lediglich ein Formular. Und was fuer eines! Darin werde ich allerhand gefragt, was eigentlich streng privat ist. Z. B. welcher politischen Partei ich als Unterhaendler beim ueutscii-russischen Nichtan. giinspakt, oei der Annektierung aer Slowakei, wann, ja wann liaeuen Sie einen acniuessigen Beweis fuer Ihre •demokratische” Gesinnung genexert?” in seiner Antwort wuerde er sicn auf Punkt Zwei berufen, auf die These naemnen, das der deutsche Wider, stand scheiterte ...durchdie ocnuld der Alliierten. Und zwar “beweist” er, wie ein glaenzehd eingefaedelter putsenversucn nacn dem andern scneitern musste, weil der Westen Hitler gegenueber zu nachgiebig war (1933- 1938> oder aber... man noel e und staune... zu unnachgiebig (1939)! Seinen Credo (der edle Jago moege verzeihen) legt er aber in den letzten Seiten nieder, in denen er die Erfahrungen dieser Jahre in einem Angriff auf die Beschluesse von... Casablanca (‘ unconditional surrender”) kondensiert: “Als ich im Januar 1946 nach Deutschland zurueckkehrte, erlebte ich noch einmal von der Zuschauertribuene in Nuernberg aus (warum nur von der Zuschauertribuene aus?) die schauerliche Vorgeschichte und Geschichte des zweiten Weltkriegs. Mir ist es so ersenienen, als habe auch dort noch der Geist der Intoleranz und des Hasses, den Hitler angefacht und der in Casablanca sorgsam gepflegt und am Leben gehalten wurde, ueber dem Gerichissaal wie ueber Europa und der Welt gelagert”. Nicht schlecht, als rentrée fuer Bonn (Von Seite 15) angehoere? Und welchem Verein? Ich erklaerte, die Spitzenkandidatin der Partei zur “De-Emanzipierung der Frauen” zu sein und bekannte mich als Gruenderin der Anti-Laermliga, die gemaess ihren Statuten “sang- und klanglos” wieder eingegangen ist, weil wir zwar die Liga, die anderen aber den Laerm weiter machten. Und dann kam schliesslich alles ans Tageslicht. Ich war naemlich in der W-Strasse geboren, statt um die Ecke rum in der D-Strasse!. Und das ist eine sehr schlimme Sache. — Denn die W-Strasse wurde im Jahre 1945 den siegreichen russischen, die D-Strasse hingegen den siegreichen britischen Truppen zugeteilt. Es war eine rein zufaellige Teilung, die. so, wie die Teilung des gan- Sammy Gronemann Wenige Tage vor seinem 77. Geburtstag ist Sammy Granemann am 6. Maerz in Tel- Aviv gestorben. Mit ihm geht ein Symbol fuer eine ganze Generation: die der deutschen Juden, die auch schon vor 40 Jahren den Mut und die Weitsicht hatten, sich voll und ganz fuer die zionistische Idee einzusetzen. Das waren damals nur wenige. Schon heute klingt das wie ein Maerchen. Darueber hinaus beo bachtete Gronemann seine Zeit, die Menschen seines Milieus und begriff die Tragikomik der Situation der “deutschen Staatsbuerger jue. dischen Glaubens”, wie er es in “Tohuwabohu” so meisterhaft dargestellt hat. Aber sein Rezept fuer die grosse Krank heit war immer unweigerlich lieselbe: Zionismus. So verkoerperte Sammy Gronemann die positiven sei ten des so oft verspotteten “Jecken”. Seine Gradlinigkeit. Seine Ehrlichkeit. Seine Uner. muedlichkeit. Schon frueh hatte er direktive Stellungen innerhalb der Zionistischen Organisation inne; bis 1947 stand er viele Jahre an der Spitze dess Kongress-Gerichtes. Er wurde von allen respektiert; die Strenge seiner Entscheidungen waren gefuerchtet. Aber er verstand mit Guete und Humor seine Entscheidungen zu begruenden. Er war ein gerechter Richter. Er war vielseitig. Von Beruf Rechtsanwalt, zog ihn seine Schriftstellertaetigkeit aucn zur Buenne. Viele geistreiche Komoedien hat er uns hinier- .assen, ieiaer nier noch mcht uexannt: “Prozess um aes Eseis Schatten”, “Schaima der ochuster”, “Jaxob una unristian” usw. Jeaes einzelne seiner Taetigkeitsgebiete haette einen Menschen ausfuellen xoennen. Sein Begraebnis in Tel- Aviv gestaltete sich zu einer grossen Kundgebung. Akt reue ues Jischuw ehrten ihn. Die Regierung und Knesset waren durch Joseph Sprmzax und Dr. Burg vertreten. Daneben sah man die Veteranen der zionistischen Organisation, und andere Bekannte und Freunde aus aller Herren Laender. Es ist.vielleicht das schoen. ste, so in der Erinnerung der Menschen zu verbleiben: Ais ein Mensch, der ein fruchtbares, gradliniges Leben hinter sich hat, und dessen schriftstellerisches Werk einen Zug guetigen Humors in sich traegt, der nicht vergessen wird von allen, die ihn kannten. Das ist unser Abschied von Sammy Gronemann. zen Landes — nichts mit der sozialen Struktur der einzelnen Gebiete zu tun hatte. Aber das nuetzt mir alles nichts. Seitdem stamme ich aus der “russischen Einfluss. sphaere”! D. h. ich bin aufs hoechste verdaechtig, und bevor ich ein Visum bekommen kann — wenn ueberhaupt — muss erst einmal gruendlich nachgeforscht werden, ob ich nicht etwa waehrend meiner beiden ersten Lebensjahre, wo man fuer politische Ideologien besonders aufnahmefaehig ist, bereits von der kommunistischen Propaganda infiziert worden bin. Mein einziges Glueck ist nur dabei, dass niemand was Mit diesem Drama von Georg Buechner eroeffneten die Kammerspiele die diesjaehrige Spielzeit. Die Auswahl desselben war etwas gewagt; Klassiker finden im niesigen “ambiente” keinen allzugrossen Anklang, und der Wert des Stueckes ist seine wunderbare Sprache, die oft nicht genug beachtet wird. Es sind mehr Streiflichter auf die Revolutionszeit, die gezeigt werden und obwohl eine Steigerung innerhalb des Aufbaus ist, so vermisst man die Spannung, die auch den modernen Stuecken eigen ist. Jmsomehr ist aus diesem Grunde das Wagnis Reinhold K. Olszewski’s zu bewundern, aer es fertig gebracht hat, ein so umfangreiches und kompliziertes Werk, man kann sagen, mit Erfolg zu inszenieren. Die Hauptrolle des Danton war Imo Moszkowicz (Duesseldorfer Schau, spielhaus) anvertraut, ueber welchen in der vorigen Nummer ein interview erschien. Unwohl er nun rein figuerlich und auch typenmaessig nients von dem Danton der Geschichte hat, brachte er es dank seiner Begaoung fertig, eine ganz persoeniiche “erca ciön” zu bringen, die allgemein den denkoar besten Ein. Biographisches Lexikon Die Vertretung des Jerusalemer Venags “itncyciopaeaia Publishing” teilt uns mit, dass in aem in Vorbereitung oeiindiicnen “Biographischen Lexikon” (Who’s Who m Worid Jewry) bereits die Aufnanme der Biographien mehrerer bedeutender Persoeniienkeiten aus unserem Milieu sienergesteilt ist. So hat der Herausgeber bereits u.a. die Drucklegung der folgenden Namen bestaetigt: der Schriftsteller Samuel Giusberg (Enrique Espinoza), uer Wissenschaftler und Forscher Prof. Alexander Lipschutz, der Kunstmaler Francisco Otta, der Essayist Jaco. bo Pilowsky, der Schriftsteller Luis Schlesinger (Söiyom Lajos) u. s. w. In Anbetracht der kurz anberaumten Frist hat uns der Verleger gebeten, alle Interessenten um sofortige Erledigung der Fragebogen zu bitten. i von Anna aus dem Spreewald weiss; denn der Spreewald ist heute auch im russischen Bereich, wodurch einwandfrei erwiesen waere, dass ich die sowjetischen Ideale bereits mit der Muttermilch eingeso. gen haben muss. Auch wenn die brave Amme vermutlich niemals etwas von Russland gehoert haben'duerfte. Es spielt dabei — weder fuer mich noch fuer andere Menschen •—die geringste Rolle, dass sie lange vor der russischen Revolution geboren wurden, und dass sie Deutschland ueberhaupt verlassen haben, lange bevor ein russischer Soldat jenen Boden betreten hat. wir sind nun eindruck hinterliess. Ruehmend muss seine gute, angenehm timbrierte Stimme hervorgehoben werden, die zusammen mit seinem Talent die anfangs erwaehnte “Geschichtsiaelschung” vergessen liess. Sein grosser Gegenspieler Ro. bespierre wurde con Viktor Krueger verkoerpert, auch er keineswegs das, was man sich so unter einem vertrockneten, tugendhaften Moralpauker vorstellt, der Robespierre war. Trotzdem brachte er es oft fertig, ihn ideenmaessig dem Publikum nahezubringen, insbesondere waehrend des Monologs, in welchem Robespierre seinen ganzen inneren Kampf zu erkennen gibt. Auch Reinhold Olszewski als St. Just und Onken als Camille waren Glanzpunkte des Abends. Von den Damen sei ruehmend erwaehnt Syiva Denzler als Lucile, die dieser schwierigen Rolle wahres Leben gab. Erna Lorenz gab ihrer Rolle wie immer eine eigene, charakteristische Prae. gung. Miguel Bry zeichnete verantwortlich fuer die originelle sehr eindrucksvolle Beleuchtung. Das Publikum dankte fuer hiesige Verhaeltnisse sehr geraeuschvoll fuer den gelungenen Abend. H. B. 9 ' Oliver Twisl Dieser antisemitische Film ist in allen jenen Laendern sehr rasch wieder vom Spielplan abgesetzt worden, in denen die Juden es verstanden, ihm ausnahmslos fernzubleiben. Bekanntlich richten die Kinobesitzer sich in ihren Entscheidungen ueber das Verbleiben eines Films in ihren jeweiligen Programmen ausschliesslich nach dessen Kassenerfolg. Abgesehen von der natuerlichen Haltung, die die juedische Wuerde in einem solchen Fall vorschrieb, konnte man also noch den praktischen Erfolg verbuchen, den Produzenten die Lust an einer solchen Schund, und Hetzproduktion zu verderben. Wie gesagt: alle Juden blieben dem Film “Oliver Twist” fern. Li„. ,, A mal in die Maschinerie geraten. Da hilft uns kein Koenig und kein Praesident. Da kann nur einer helfen— Seine Ma. jestaet, der Konsul! Ja, haetten meine Eltern nicht die Zimmerpalme bekommen, dann waere alles anders! — Dann haetten sie die andere Wohnung gemietet. Dann wäre ich um die Ecke rum geboren worden. Dann bekaeme ich jetzt mein Visum nach Amerika. Drum gebe ich allen, die nach Amerika reisen wollen, den wohlgemeinten Rat: “Geben Sie gut acht, dass Ihre Eltern zur Verlobung keine Zimmerpalme bekommen!” H. K. UM DIE ECKE GEBOREN... H. B. i L.