Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 4 (Abril, 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1952 BOLETIN INFORMATIVO l Wie bekaempft man Einige praktische Winke fuer den Hausgebrauch Von EGON ROSENFELD (. Indun man unsere grossen kulturellen Leistungen als die Staerkl des juedischen Volkes hervorhebt. Aus unserer Geschichte koennen wir Tatsachen entnehmen, die laut und deutlich fuer uns sprechen und unsere Gegner zwingen, die juedischen Beitraege zum universellen Fortschritt der Menschheit anzuer kennen, zum Beispiel: Begruendung des Eingottglaubens inmitten heidnischen Goetzendienstes, Schaffung der ersten Sozialgesetzgebung in der Bibel zu einer Zeit, als andere Voelker noch in Hoehlen lebten, Veran. kerung von Ethik und Moral in allen Richtlinien fuer das taegliche Leben; Fehlen des Analphabetismus in unseren Reihen; verschwindend kleiner Prozentsatz von Kriminali. taet, aber auffallend grosser Prozentsatz von Nobelpreis-Traegern (12%) im Verhaeltnis zur Gesamtzahl der Juden (weniger als 1% der Kulturvoelker, Statistik vor dem Jahre 1933); Schaffung von Arbeitsgelegenheiten fuer Nichtjuden durch wirtschaftlichen Unternehmergeist, etc., etc. Viele dieser Umstaende, die meistens unseren Feinden unbekannt und unseren Freunden nicht immer gegenwaertig sind, muessen bei richtiger Einschaetzung das Gesamturteil ueber uns Juden guenstig beeinflussen. II. Indem man unsere Sehvvaechen stehung zu erklaeren sucht. Unsere Vergangenheit zeigt offen kundig, dass unsere Schwaechen nicht unsere Schuld bedeuten, sondern entwicklungsgeschichtlich zu deuten und zu begruenden sind; meistens als zwangslaeufige Folgen frueherer Unterdrueckungen —vererbte Zores—, die wir nicht gesucht, aber gelitten haben: dass die Juden einzelne Berufe (Kleinhandel Geldwechseln, Geldverleihen) manchmal heute noch bevorzugen, geht darauf zurueck, dass wir jahrhundertelang ueberhaupt keine anderen ausueben durften, dass z. B. die katholische Kirche den Christen das Geldverleihen verboten hatte, aber diese selber immer Darlehen gebraucht haben; dies zu einer Zeit, als den Juden die Ausuebung jeglichen Handwerkes durch Ausschluss aus den mittelalterlichen Zuenften verwehrt war, was natuerlich zur Folge haben musste, dass unsere Vorfahren die wenigen ihnen nicht verschlossenen Gewerbszweige zu ergreifen gezwungen waren und so z. B. nie zum Ackerbau gelangten, weil ihnen der nicht ableugnet, sondern ihre Ent. Grundbesitz unzugaenglich blieb. Die uns vorgeworfene gewisse Reizbarkeit und Ueber empfindlichkeit ist in unserer steten Abwehrstellung gegen die nie ganz ausgebliebenen Anfeindungen begruendet und in dem ewigen Gefuehl der Unsicherheit unserer Lebenslage. Die uns angeblich eigene Ueberheblichkeit (dass etwa manche Dinge fuer uns “Gojimnaches” sind) hat ihre Wurzel teils in der traditionellen Lehre vom "auserwaehlten” Volk, und anderseits in der Ueber. kompensierung des latenten juedischen Minderwertigkeitsgefuehles, ausgeloest durch Bedrueckungen und Beschraenkungen zu allen Zeiten (Verpflichtung zum Tragen laecherlich hoher und spitzer Huete, «es gelben Fieckes, praatischer Ausschluss aus Beamten- und Offizierslaufbahn etc.). Die entsprechende Erklaerung dieser Umstaende ist meistens geeignet, sie in ganz anderem Liicm erscheinen zu lassen und nimmt ihnen oft die negative Wirkung. III. Indem man durch Verbreitung solcher Erkenntnisse unsere Vertei. digung erleichtert und die Empfaenglichkeit fuer gegnerische Propa. ganda herabsetzt. Unkenntnis ist immer fruchtbarer Boden fuer Aberglauben, Verkennung und Verleumdung anderer. Wenn Unbefangene oder Gegner einigermassen informiert sind ueber die' guten und schlechten Seiten unseres Wesens, dann sinkt ihre Empfaenglichkeit fuer boesartigs Entstellungen, weil sie sich leichter ein Urteil machen koennen ueber das Zutreffen der gegnerischen Beschuldigungen und so vielleicht dazu neigen, unsere positiven Seiten gegen die negativen Darstellungen der Gegner abzuwaegen, was immer zu unseren Gunsten ausgehen muss. Besonders innerhalb der eigenen Reihen ist die gruendliche Kenntnis unseres Wesens Vorbedingung jeder wirksamer Verteidigung und das Beherrschen der hauptsaechlichen - Argumente unerlaesslich fuer jede Diskussion oder Rechtfertigung bei Angriffen ebenso wie fuer jede Aufklaerung, die oft unbefangene Aussenstehende in ehrlicher Absicht von uns fordern. Hier wie auch auf anderen Gebieten ist Wissen gleich Macht, die wir nur zu oft dringend brauchen, da wir ja immer in der Minderheit sind. IV. Indem man aus der Eigenartigkeit unseres Volkes die Vergeblichkeit des Rucckzuges erkennt. Aus unserer Lebensgeschichte im allgemeinen und aus vielfacher Erfahrung Einzelner wissen wir, dass jeder Fluchtversuch aus dem Judesein zwecklos ist. Weil wir eben das Judentum im Herzen oder aber zumindest auf dem Ruecken tragen. Dem Antisemitismus durch Flucht ln die Taufe oder in uninteressierte Absonderung zu entgehen, ist ebenso unmoeglich wie seine eigene Haut zu wechseln; das koennen nur die Schlangen und auch dis duerften bald daraufkommen, dass die neue Haut ihnen dasselbe Schlangendasein beschert wie es die alte tat. Die Absonderung, das Aendern des Namens und selbst kosmetische Operationen am Nasenruecken koennen alle zusammen nicht verhindern, dass der Fleuchtling nachher eben ■‘getaufter Jude” oder “Juden. staemmling” heisst und dass er dann noch schlechter daran ist als frueher: denn die Juden verachten ihn als Renegaten, die anderen aber lassen ihn als ihresgleichen nie recht gelten und so gibts fuer ihn fortan weder Chanukka noch Weihnachten. Ausserdem haben wir einsehen gelernt, dass die Ueber. laeufer oft die gefaehrlichsten Feinde geworden sind und zur Schwae. chung unserer Lage beitragen, ohne ihr Einzelschicksal dadurch verbessern zu koennen. (Schloss auf Seite 7) den Antisemitismus? Ein Essay von Bezalel Sherman Der S.I.C.U. —Servicio de Infor. y Cultura (Buenos Aires.Tucumán 2137)— veroeffentlicht in einer “Entrega Especial” in spanischer Sprache einen Artikel, der unter obigem Titel, von dem nordamerikanischen Soziologen Dr. Bezalel Sherman, in der newyorker Zeitschrift “Idisher Kemfer” vom 3,8,1951, erschienen ist. Um es vorweg zu nehmen; es ist das Beste, was mir ueber das Thema in nicht DEUTSCHER Sprache bisher begegnet ist. Fuer die aeltere Generation, der aus Deutschland stammenden Juden, soweit sie sich mit Fragen der Abwehr gegen den Antisemitismus befasst hat, enthaelt der Aufsatz nichts Neues. Im Gegenteil zeigt der Artikel —und er betont es ja auch selbst— dass dieser Abwehrkampf in Nordamerika noch nicht die Vollkommenheit aufweist, die er haben muesste, um sein Ziel auch nur annaehernd zu erreichen. Es faellt auf, dass augenscheinlich die so reiche, mitteleuropaeische Abwehr, und Aufklaerungs. Literatur von den Amerikanern nicht in dem Maasse ausgewertet worden ist, wie es haette sein koennen. Wer sich aber mit der Frage des Antisemitismus befasst, muss aber auch den Mut haben, ins Transzendentale, d. h. in das uebersinnliche Gebiet vorzustossen. Selbst auf die Gefahr hin, von seinen Freunden als Mystiker belaechelt zu werden. Der Jude von heute steht drei grossen WUNDERN gegenueber. 1) Der Tatsache, dass trotz der einige tausend Jahre dauernden Verfolgungen, das Judentum sich nicht nur erhalten hat, sondern seit der siebenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine, geradezu als romantisch zu bezeichnende, Renaissance erlebt hat. 2) Dem Wiedererstehen eines juedischen Staates — der MEDINATH ISRAEL—, 3) Die heldenhafte und siegreiche Verteidigung dieses jungen Staates gegen eine erdrueckende Ueber. macht von Feinden. Was liegt da naeher als die Frage aufzuwerfen, ob nicht ISRAEL doch eine Aufgabe zu erfuellen hat? Und die Antwort darauf wird lauten, dass es den Glauben an den EINIG EINZIGEN GOTT, mit dessen ethischen Ausstrahlungen, durch die Jahrtausende zu tragen hat. Eine Aufgabe, die der Allmaechtige Baumeister Aller Welten ihm uebertra. gen hat, die aber auch die dieser Mission feindlichen Kraefte in Bewegung brachte. Man mag die Judenfeindschaft als eine heidnische Krankheit auffassen; und das ist nach meiner Meinung noch nicht einmal so falsch. Das heisst, dass zur Be. kaempfung dieser Krankheit, hygienische (vorbeugende) und therapeutische (heilende) Massnahmen zu treffen sind. Und so komme ich zu den acht Punkten, die BEZALEL SHERMAN, auf Grund persoenlicher Erfahrung, fuer einen wuerdigen und erfolgreichen Abwehrkampf als Grundlage empfiehlt: 1) DIE JUEDISCHE MENSCHEN. WUERDE: Diese Passus duerfte wohl dem entsprechen, was wir in Europa als “Innere Mission” bezeichnet haben, und der darauf hinzielt die Juden erstmals selbst zu erziehen, um in ihnen das juedische Selbstbewusstsein und die Kenntnisse der ethischen Werte des Judentums zu wecken, zu vertiefen und sie fuer den Abwehrkampf vorzubereiten. 2) DAS RECHT, ANDERS ZU SEIN: In religioeser, nationaler, kultureller und oekonomischer Hinsicht koenne auf dieses Recht nicht verzichtet werden. 3) WIRKLICHKEIT (REALISMO): Dieser Absatz richtet sich besonders gegen die von manchen Seiten empfohlene berufliche Umschichtung. Darin scheint mir der Verfasser —vielleicht in einer Ueberschaetzung des, dem Amerikaner besonders teuren Rechts auf die “Persoenliche Freiheit” (libertad individual)— zu weit zu gehen. Denn er vergisst, dass der derzeitige berufliche Aufbau der amerikanischen Judenheit, genau wie in Deutschland, eine Galutherscheinung ist. Gerade die Aufbauarbeit in Is. rael bestaetigt ja, wie wertvoll die Vielseitigkeit der einzelnen in Bezug auf Beruf und Kenntnisse, fuer das gesamte juedische Volk ist. 4> K E I N E STAATSBUERGER. SCHAFT ZWEITER KLASSE: Hier handelt es sich im Grossen Ganzen darum, dass man keinesfalls an verkehrter Stelle zu empfindlich sei, dass man sich dagegen da zur Wehr setzen soll, wo es um die Grundrechte als amerikanischer Buerger geht. Besonders betont er seine Gegnerschaft zu jeglicher Aenderung der Linie, die Staat und Kirche trennt. Vielleicht waere angebracht gewesen, in diesem Abschnitt etwas ueber die physische Abwehr zu sagen. Sei es, dass es sich um kollektive Abwehr oder Abwehr persoenlicher Art handelt. Wie oft schon hat ein Einzelner mit einer sofortigen Reaktion, sei sie moralischer oder physischer Art, mehr Erfolg erzielt, als mit all den Artikeln, Broschueren und langen Vortraegen. 5) KOMPLIZIERTHEIT (COMPLE¬ JIDAD) DES PROBLEMS :Der Autor ist der Meinung, dass der Antisemitismus nicht in eine Formel zu bringen sei, ohne die wirtschaftlichen Hintergruende zu beruecksichtigen, unterlaesst daher, den religioesen Antisemitismus und den Rassenantisemitismus in Betracht zu ziehen. Sehr wichtig ist, dass er betont, dass in der Bekaempfung der politischen Reaktion eine Hauptarbeit liegen muss. Und dass durch die Bundesgenossenschaft mit den fortschrittlichen Par. teien es ein Leichtes sein werde, diese von der Schaedlichkeit des Rassenhasses, auch fuer sie selbst, zu ueberzeugen. Ich erinnere nur an die wertvollen Taschenkarthotheken —“Anti-Anti” genannt—, die den christlichen, befreundeten Rednern in Deutschland zur Verfuegung gestellt wurden, um im gegebenen Augenblicke in der Diskussion be. nutzt zu werden. 6) ZUSAMMENARBEIT MIT ANDE¬ REN MINORITAETEN: Hier weist der Verfasser darauf hin, dass nicht nur aus Gruenden des. per. soenlichen Interesses, sondern auch um der Gerechtigkeit willen, das Zusammenwirken mit den anderen Minderheiten eine Notwendigkeit ist. 7) UNMITTELBARE EINSTELLUNG ZU DEM PROBLEM: Durch Aufklaerung von Masse und Einzelner sei vorbeugende Arbeit zu leL sten. Besonders bei den christlichen Religionsgesellschaften sei so Manches zu erreichen, wenn die Bemuehungen in geeigneter Form erfolgen. 8) AUFBAUENDE ERLAEUTERUNG: Mit diesem Schlussabsatz weist Bezalel Sherman nochmals aut die Wichtigkeit hin, die darin (Schluss auf Seite 7)