Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 3 (Marzo, 1952)
- Date
- 1952-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION. S.C. I. B’NE J1SROEI AV. PORTUGAL 810. TEL. 9SO»« CASILLA 2487. SANTLAGO-CHILf r BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA " B’NE J I S R O E L" Año XIV — N.o 3 SANTIAGO DE CHILE Marzo, 1952 Gleichberechtigte oder Schutzbefohlene? (Der Verfasser Ist Leiter der Abteilung fuer Internationale Angelegenlielten beim Juedisohen Weltkongress und dessen Konsulent beim Oekonomisehen und Sozialen Rate der Vereinigten Nationen). K HERZLICH wurde ln England die fuenfzehnte Wiederkehr des Gruendungstages des Juedischen Weltkon. gresses festlich begangen, und diese Feiern haben dazu Anlass gegeben, dess neuerlich das Prinzip, auf dem die Kongressbewegung beruht, eingehenden Eroerterungen unterzogen wurde. Das kann nur lebhaft begruesst werden. In den naechsten Jahren wird es zwar die Hauptaufgabe des juedischen Volkes sein, Sicherheit und Konsolidierung des juedischen Staatswesens auf feste Grundlagen zu stel. len, und das wird gleichzeitig auch die Judenfrage in einer Anzahl osteuropaeischer und mohammedanischer Laender loesen. Aber danach werden sich innerjuedische Ausspra. chen in steigendem Masse um das Problem drehen, in wel. eher Weise das juedische Volk sich organisieren soll, um gemeinsame Interessen zu verteidigen und religioese und kulturelle Werte des juedischen Lebens dauernd zu erhalten. Und keine geringere Bedeutung wird die Frage besitzen, mittels welcher Organisationsformen wir kuenftighin unse. ren Beitrag zum menschlichen Fortschritt zu machen gedenken. Selbst in den hoechstassimilierten Kreisen ist es jetzt nicht mehr laenger moeglich, die Wichtigkeit dieser Dinge zu ignorieren. Dass die Diskussion gerade in England begann, hat seinen Grund darin, dass eine ungewoehnlieh starke Abordnung des Foreign Office und zahlreiche hervorragende Persoen. lichkeiten des politischen Lebens bei dem Bankect erschienen, das den Hoehepunkt der Fuenf zehn jahrfeier des Juedischen Weltkongresses bildete; dies unterstrich natuer. lich in markanter Weise die wichtige Rolle und die bedeutsamen Errungenschaften der Taetigkeit der jubilierenden Koerperschaft. Es ist heute nicht mehr anzuzweifeln, dass, von Israel abgesehen, der Juedische Weltkongress in allen Aussenministerien rls der berufenste Sprecher fuer juedische Interessen gilt; dass juedische Gemeinden und Organisationen in nicht weniger als 65 Laendern mit ihm verbunden sind, gibt dem Kongress eine einzigartige Stellung im zeitgenoessischen juedischen Leben, wie auch ln dem eben zu Ende gegangenen Abschnitt der juedisehen Geschichte. Was ist das Geheimnis dieses Erfolges des Kongresses, eines Erfolges, der um so hoeher einzuschaetzen ist, als viele seiner leitenden Maenner gleichzeitig hingebend dem aufreibenden Werk der zionistischen Bewegung dienen? Die Antwort hierauf kann hauptsaechlich darin gefunden werden, dass er Ju. den in aller Welt ein ganz neues Gefuehl von Selbstrespekt einzufloessen verstand, ganz ohne Ruecksicht darauf, ob sie in kleinen oder grossen Gemeinden leben oder ob ih. re politische und wirtschaftliche Lage gut oder unguenstig ist. Der Kongress ist kei. ne Wohltaetigkeitsanstalt. Er ist ein Unternehmen, das auf Zusammenarbeit beruht, durch welches Juden in vielen Laendern, unter den verschiedensten sozialen Bedin. gungen und beeinflusst von zahlreichen geistigen Stroe. mungen, ihre Kraefte vereinigen, um ihr gemeinsames juedisches Erbe zu staerken und ihre gemeinsamen juedischen Interessen zu verteidigen. Ein Jude in einer kleinen Gemeinde, fern von dem pulsierenden juedischen Leben der Gegenwart, ist so im. stände, sich als einen Mitwirkenden, nicht bloss als ei nen Zuschauer der Entwicklung auf der juedischen Szene zu betrachten und schon gar nicht als den Empfaenger besonderer Gunstbezeigungen, die von einem Wohltaeter aus. geteilt werden. Und dieses Gefuehl ist ganz und gar nicht bloss ein Gebilde der Phantasie. Es ist oft der Fall, dass eine juedische Gemeinschaft, die arm an Mitglie, dern und irdischen Guetern Ist, sehr viel fuer die juedische Sache geleistet hat und die Regierung ihres Landes dazu zu bewegen vermag, bei Dr. Maurice L. Perlzweig den Vereinigten Nationen so abzustimmen, dass dies entscheidend in die Wagschale faellt. Dieser Sinn fuer ein gemeinsames Schicksal und ge. meinsame Rechte, diese Üeberzeugung, dass alle juedischen Gemeinden, gross und klein, einander ebenbuertig sind, ist das charakteristische Merkmal der Ideologie des Kongresses. Das unterscheidet ihn von anderen aehnli-' chen Bewegungen. Es ist der Ausdruck einer ueberstaatli. chen juedischen Verbunden, heit, die unserem Jahrhun. dert angemessen ist.; Es gibt andere juedische; Bewegungen mit wenigen Mitgliedern, aber gefuehrt von reichen Leuten, die nicht nur ableugnen, dass juedische Einigkeit moeglich, sondern dass sie wueoschenswert ist. Das American Jewish Committee und der American Council for Judaism bekennen sich beide zu dem Fundamentalprinzip, dass der Versuch, eine einheitliche juedische Gemeinde in den Ver. einigten Staaten zu bilden, —gar nicht zu reden von juedischen Einigungsbestrebungen im weltmasstab— eine Verletzung der demokratischen Grundsaetze waere. Oder in anderen Worten, sie wuenschen eine Art legalisierter Anarchie in den Vereinigten Staaten und werden durch die logische Verfolgung der Dogmen, deren Gefangene sie sind, dazu gezwungen, dieses Prinzip auch auf das internationale Gebiet zu uebertragen. Wte absurd und gefaehrlich diese Haltung ist, wird immer dann klar, wenn das juedische Volk in eine krisenhafte Situation geraet. Es muss dann im letzten Moment seine Kraefte zu mobilisieren trachten, und das ist um so schwieriger, als diese Minderheitsgruppen immer in der Lage sind, die Bedingungen fuer eine Zusammenarbeit zu bestimmen. Wir besitzen ein eindrucksvolles Beispiel fuer die ganz ausserordentliche Dringlichkeit jue. discher Einigkeit in den eben jetzt stattfindenden Eroerterungen ueber di© deutscche Wiedergutmachung an das juedische Volk. Aber dieser Glaube an eine legitime Anarchie hat eine bemerkenswerte Konsequenz fuer alle Juden, die ausserhalb der Vereinigten Staaten in der westlichen Hemisphae. re oder ausserhalb von England und Frankreich in Europa leben: sie werden auch auf dem politischen Gebiete zu Schutzbefohlenen degradiert, zu der inferioren Stellung von Leuten, deren Bestimmung es ist, eine Art politischen Almosen zu empfangen. Der American Council, for Judaism ist noch nicht auf der internationalen Szene aktiv aufgetreten, da dies vielleicht eine zu enge Verbrüderung mit Juden in ander e n Laendern andeuten koennte, welche diese sonderbare Koerperschaft ganz und gar zu vermeiden bestrebt ist. Aber das American Jewish Committee wird von Maennern geleitet, die Erfahrung im juedischen Leben haben und der juedischen Sache ergeben sind und die sich deshalb der Forderung nach jue. discher Einigkeit nicht verschliessen koennen. Sie haben daher getrachtet, ihren schwaecheren und weniger vom Glueck beguenstigten Bruedern im Ausland zu Hilfe zu kommen, und sie haben in ihrer Herzensguete Stuetz. punkte und Bueros eingerichtet, die diese armen Verwandten in verschiedenen Laendem leiten und unterstuetzen ftollsn. Nun wuerde es natuerlich keinem argentinischen oder brasilianischen Juden jemals einfallen, ein Buero in New York aufzumachen, das die nordamerikanischen Juden darueber aufzuklaeren haette, was Judentum eigentlich bedeutet, oder wie man den Antisemitismus bekaempft. Und auch kein englischer oder franzoesischer Jude wuerde auf eine solche Idee verfallen. Diese Zurueckhal. tung kommt keineswegs daher, dass diese Juden fuer solche Projekte kein Geld haben oder weil sie an einem Minderwertigkeitskomplex leiden. Sie erklaert sich vielmehr daraus, dass sie Verstaendnis haben fuer den Selbstrespekt, zu dem jede juedische Gemeinschaft vollauf berechtigt ist und an welchem auch der kleinsten Gemeinde gleicher Anteil ge. buehrt. Denn die Juden in den lateinamerikanischen Laendern beginnen mit wachsendem Groll die unverantwortliche Anmassung einer arroganten Ueberlegenheit wahrzunehmen, welche ihren Ausdruck findet ln der Erhaltung von Bueros nordameri. kanischer Organisationen ln lateinamerikanischen Staedten, welche die dortigen Juden erleuchten und leiten sollen und diese daher als Angehoerige eines untergeordneten politischen, oder kulturellen Milieus brandmarken. Diese Haltung ist umso kraenkender, als sie sich mehr in Taten denn in Worten aeus- Ein Ergebnis dieser Situation ist die ausserordentliche Tatsache, dass jede bedeuten, dere juedische Gemeinschaft in Lateinamerika mit dem Juedischen Weltkongress affiliert ist und finanziell zur Erhaltung dieser Organisation beitraegt, waehrend sie gleichzeitig die Anbiederungsversuche anderer abweisen, obschon diese anderen verfueh. rerische materielle Angebote machen. Um es praezise auszudruekken: die Bewegungen, die organisierte Einigkeit verwerfen, haben an Stelle ueberstaatlicher juedischer Verbundenheit die Doktrin einer juedischen Schutzherrschaft gesetzt. Ganz wie echte Imperialisten haben sie eine Anzahl juedischer Gemeinschaften ausgewaehlt, denen sie ihr Interesse zuwenden und in die sie eindringen wollen, ohne auch nur daran zu denken, die Betroffenen um ihre Erlaubnis zu bitten. Es kann kaum ein Zweifel darueber bestehen, dass die neue Weltverbundenheit, wie sie sich in den Vereinigten Nationen verkoerpert, ueber das Kolonialsystem, das noch vom 19. Jahrhundert ueber- 1 e b t, schliesslich obsiegen wird, Das juedische “Kolonialsystem” entstand im vorigen Jahrhundert aus dem Bestre. ben von juedischen fuehren. den Persoenlichkeiten in England und Frankreich, die den uralten und rueckstaendigen /uedischen Siedlungen in Nordafrika und dem Nahen Osten Aufklaerung und Un. terstuetzung bringen wollten. Seinem Wesen nach war es eine Wohltaetigkeitsbewegung der Reichen fuer die Armen und zweifelsohne brachte diese manches Gute in einer Zeit, in der die oeffentliche Meinung Armut und Hilflosigkeit als ein dauerndes Element im Leben einiger juedischer Gemeinschaften b e - trachtete. Heute, nach der Wiederherstellung des Staates (Schluss auf Seite 7) BERICHT UEBER DIE PROVOKATIONEN VON ZAPALLAR SEITE 4 Zum Pall Pallas.. .7 — Purim-Beilage.. .8*9 — Jaden in Toynbees Werk.. .11 — Wiener Winter.. .13