Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIV (1952)
- Issue
- 2 (Febrero, 1952)
- Date
- 1952-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION* S.C. I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 BOLETIN INFORMATIV CASILLA 2487. SANTIAGO ♦CHILE MITTEILUN G S B L A T T 1 SOCIEDAD C U L T u R A L I % R A E LIT A " B ' N CO -> Ul R ‘0.-E''L"^ | Año XIV — N.o 2 SANTIAGO DE CHILE Febrero, 1952 r NATURKATASTROPHEN UND GESELLSCHAFTLICHE KATASTROPHEN Man sollte einmal einen Essay verfassen, in dem die Entwicklung der Menschheit im Lichte folgender Tatsache dargestellt wird: Die graue Vorzeit, das Altertum und das Mittelalter zeichnen sich dadurch aus, dass der Mensch die Natur fuerchtete. Die grossen Katastrophen, die ihn heimsuchten, kamen vom Himmel: Unwetter, Seuchen, Pest (die zehn Plagen!). Die Neuzeit hat dieses Stadium ueberwunden, der Mensch weiss der Natur zu begegnen, seine durchschnittliche Lebensdauer ist betraechtlich hoeher, aber... er fuerchtet sich immer noch. Und dies nicht mit Unrecht. Aber nicht mehr den Plagen der Antike, sondern den Gefahren, die ihm aus den Tiefen der Organisation der menschlichen Gesellschaft drohen, gilt sein Bangen; nicht dem Himmel, sondern der Erde. Arbeitslosigkeit, Krieg, Atombombe, Faschismus heisst die Apokalypse des 20. Jahrhunderts. Nun, vielleicht hat schon einmal ein uns unbekannter Essayist sich und seine Leser damit unterhalten. Wie dem auch sei, genuegt es, die Fra. . gestellung nur anzudeuten, um sich einmal in derem Sinne mit der grossen Unwetterkatastrophe auseinanderzusetzen, die vor nunmehr einem Monat Israels Siedlungen verwuestete. Die Einzelheiten sind bekannt: wie der Wind Zelte aus ihren Angeln und Baracken aus den Fugen riss, wie der Sturm Haeuser entdachte und Stallungen umbliess, wie der Regen Hab und Gut von hunderten Menschen wegschwemmte. Und dass die Maabaroth —die Auffanglager fuer Neueinwanderer— natuerlich bei weitem am meisten litten. Natuerlich? Haben die Bewohner der Maabaroth es vielleicht nicht schon in “normalen” Zeiten am schwersten? Vier oder mehr Menschen in einem Zelt, das weniger wert ist als ein Zimmer, zu heiss im Sommer und zu kalt im Winter, zu rund um Ordnung zu halten und zu staubig, um Sauberkeit zu pflegen, mit prekaeren sanitaeren Einrichtungen und ungenuegender aerztlicher Verpflegung und mit einem einzigen Kapital: der immer noch ungebroche. nen Hoffnung auf eine besse. Te Zukunft in dem endlich erreichten Heimatland. Wie oft warnten nicht die verantwortlichen Stellen: “die Ein' Wanderer duerfen keinen zweiten Winter in den Zelten Unschuldige Opfer der Unwetter verbringen, denn...”. Doch sie predigten tauben Ohren, bis.... ja, bis die Katastrophe kam. Die Unwetterkatastrophe. Wie im Altertum. Eigentlich ganz bequem fuer die Leute mit den tauben Ohren. Nicht die Menschen sind schuld, sondern der Himmel, nicht wir, sondern die Natur. Lasst also ruhig weiter predigen, lass uns weiter taub sein; unser Essayist wird die ideologische Rechtfertigung schreiben. Nicht wahr? Nein! Er wird vermerken. “Wenn diese Menschen ins Altertum zurueckversetzt wurden, den Unbilden der Natur preisgegeben, ein Spielbail von Wetter und Unwetter, so faellt die Verantwortung auf ihre sozialen Antipoden. Diese Antipoden naemlich konnten nicht modern genug leben, sie genossen alle neuzeitlichen Errungenschaften und lechzten nach immer neueren. In ihrer Hand lag es, rechtzeitig die Bruecke vom Altertum zur Neuzeit zu schlagen. Nicht der Himmel ist schuld. Die Menschen sind es.. Wird er gehoert werden? Solange es noch nicht zu spaet ist? Don Jorge Barriga Errázuriz, Ministro de CMle en Israel Nos complacemos en informar a nuestros lectores que el H. Senado ha prestado su aprobación a la de. sigilación del Ministro de la República de Chile en Turquía, don Jorge Barriga Errázuriz, para el cargo de Ministro Plenipotenciario y Enviado Extraordinario en Israel. El nuevo Ministro pertenece, desde hace muchos años, al Servicio Diplomático de la Cancillería y ser. vía, antes de ser designado durante el año pasado como Ministro en Turquía, el cargo de Encargado de Negocios en España. Es indudable que su nombramiento ha de contribuir al afianzamiento de las relaciones amistosas que mantienen los dos Gobiernos. Junto con noticiar la auspiciosa nueva, formulamos los más cálidos votos, desde estas columnas, por el éxito de su alta misión. CINE ERBITTERTE DEBATTE Ein israelischer JournalistNun hat sich herausgestellt, behauptete einmal, dass es in Israel ueberhaupt keine anderen Debatten gaebe; alle seien sie erbittert. Aber wohl selten ist eine mit solcher Vehemenz gefuehrt worden wie die kuerzlich stattgehabte um die wieder, gutmachungsansprueche an Deutschland. Diese Erbitterung einerseits und die Weitschweifigkeit der Argumentierung erschwerten es. zu verstehen, worauf es eigentlich ankommt. Allzu mannigfaltige Probleme wurden angeschnitten, so z. B. die Fragen “gibt es ein anderes Deutschland?’’ oder “ist eine Versoehnung heute moeg. lich?”, Probleme die u. E. mit dem Kern der Sache gar nichts zu tun haben. Worauf kam es eigentlich an? Israel erhebt seit Jahr und Tag Ansprueche gegen Deutschland in seiner Eigenschaft als Haupterbe des ermordeten und gepluenderten europaeischen Judentums einerseits und zwecks Erhebung der Um. und Ansiedlungskosten der geretteten Juden undererseits. Die formelle Anmeldung dieser Ansprueche erfolgte ordnungsgemaess bei den vier Besatzungsmaechten. dass die vier Maechte keinen Finger zu ruehren gedenken, um diese Forderungen fuer Israel einzutreiben. Die Gruende moegen anfechtbar sein, aber die Tatsache bleibt bestehen. Drei Faktoren trugen nun dazu bei, in der oeffentlichen Meinung die Ueberzeugung zu staerken, dass man die Forderungen auf dem Wege direkter Verhandlungen eintreiben muesse: 1) Die unauf. haltsam verrinnende Zeit, die man mit unfruchtbarem Warten auf eine Aktion der Besä tzungsmaechte verloren hatte; 2) die immer .dringendere Notwendigkeit der Staatskasse, die auf die anderthalb Milliarden Dollar nicht verzichten kann und 3) die Adenauer-Erklaerung. So begann die Diskussion. Man schied sich in drei Richtungen. Die eine, die schliess. lieh sich in der Knesset durchsetzte, trat fuer direkte Verhandlungen ein, ohne nass diese die Wiederaufnahme normaler Beziehungen zu Deutschland bedeuten. Die entgegengesetzte, unter Fuehrung von Rabbi Nurock und mit Beteligung der Fraktionen vom rechten und lin- WEHE, WENN SIE LOSGELASSSEN... Wenn auch die Regierung bei der gesamten Debatte die staerkere Position hatte, so hatten doch grosse Teile der Opposition eine respektable Haltung und gute Argumente. Die Schwaeche der Allgemeinen Zionisten lag darin, dass sie innerlich zerrissen waren. Mapam war in der unbequemen Lage, angesichts der Unwilligkeit der Besatzungsmaechte dem Jischuw Vertrauen in die U.N. oder den Haager Gerichtshof einreden zu wollen, nachdem sie selbst schon 100 Mal bei anderen Gelegenheiten erklaert hatte, dass Grossmaechte, U.N. und Gerichtshof ein und dieselbe Sache mit verschiedenen Frisuren oder Maskierungen ist. Abgesehen von den Parteien, war es interessant zu ken Fluegel, bezogen die Kampfstellung des Bannfluchs gegen Deutschland. Und die dritte der Ueber. schlauen, vertrat die sogenannte “Schabbesgoj’’-Theorie, derzufolge die Besatzugns. maechte, die U.N. oder der Haager Gerichtshof die Kastanien aus dem Feuer holen sollten. Die Realitaeten drueckten der Debatte ihren Stempel auf. Das Dilemma hiess: Verhandlungen oder Verzicht. Keine Institution der Welt wird fuer Israel mit Deutschland verhandeln. Und es ist nicht moralischer, wenn die Erben der Moerder das gestohlene Gut behalten als wenn sie es den Erben der Er. mordeten ausliefern. Das Ergebnis der Abstimmung ist kongruent mit den Beschlüssen der New Yorker Restitutions-Konferenz vom Monat Oktober v.Js., bei der die repraesentativen Organi. sationen der Weltjudenheitzu dem Beschluss gelangten, im Verein mit der Regierung Israels einen Weg zu finden, die juedischen Ansprueche in direkten Verhandlungen mit Bonn, Berlin und Wien geltend zu machen. beobachten, dass die aus Deutschland stammenden Ju. den viel mehr an die Moeg. lichkeit erfolgreicher V e r - handlungen glauben als die im uebrigen Europa geborenen. Man fuehrt dies u. a. darauf zurueck, dass die Juden aus Deutschland vor 1933 dieses Land und seine Menschen auch von einer guten Seite aus kannten, waehrend die tschechischen, polnischen oder russischen Juden den Deutschen nur als Mordbrenner und bestialischen Nazi kennen lernten. Die dissonante Note im parlamentarischen Orchester stimmten aber, wie schon so oft, die Revisionisten an. Sie waren gegen Verhandlungen mit Deutschland. Warum, wissen sie selbst nicht. Es ge, nuegte, dass die Regierung dafuer war und dass die Eintreibung der Forderungen die schwere Situation erleichtern wuerde, von der sie glauben, dass sie ihre demagogischen Ziele foerdert. Ausserdem hatten sie sich seit ihrer erdrückenden Niederlage bei den letzten Wahlen noch nicht wieder an die Oeffentlichkeit gewagt und sie glaub, ten, die Gelegenheit beim Schopfe fassen zu muessen, um mit billigem Sentimentalismus auf Bauernfang zu gehen. Herr Begin monopolisierte unsere Maertyrer fuer sich. Statt Argumente zu geben, drohte er. Er hat darin Erfahrung. Den Gipfel der Demagogie erklomm er, als er, der Herr Abgeordnete, an der Spitze seiner halbwuechsigen Anhaengerschaft auf die Knesset marschierte, um sie in Brand zu setzen. Einige Tage darauf wurde er von seinen Rechten als Abgeordneter fuer einige Zeit suspendiert; der Kabeldienst berichtete uns nichts ueber die unmittelbaren Gruende, aber es ist anzunehmen, dass sich die Mehrheit der Knesset gegen einen Parlamentarier verwah. ren will, der in einer Neuauflage des “Reichstagsbrands” (Fortsetzung auf Seite 8)