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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1952-10-01 · 10 (Octubre, 1952) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIV (1952)
Issue
10 (Octubre, 1952)
Date
1952-10-01
Page
Seite 13 (sequence 7)
Language
German
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Octubre, 1952 13 BOLETIN INFORMATIVO GOLDENES HERZ UND EISEBNE SCHNAUZE Werner Finck in Santiago Sein Name war allen bekannt, selbst jenen, die Han “drueben” nicht gehoert hatten. Viele Anekdoten waren lieber ihn in Umlauf: am bekanntesten wohl diese, da im Saal das Licht ausgeht, er das nicht verstehen kann und zum Schluss kommt, dass wie gewoehnlich “die Leitung versagt hat”. Wie harmlos im Grund genommen waren alle diese Bemerkungen! Und doch wussten Wir, dass unter Umstaenden unter dem Regime des tierischen Ernstes auf so etwas Todesstrafe stehen konnte. Und er konnte und wollte den Mund nicht halten; so hat er dann auch KZ und Gefaengnis absitzen muessen... aber er hat es ue. berlebt! Den Mund haben sie doch nicht totbekommen. Der gemeinsame Feind Werner Finck hat den Krieg erklaert— und hat ihn gewonnen. Aber der Feind, ist zaeh und heisst: der tierische Ernst und der Pathos. Das sind zwei Sachen, die irgendwie mit einem freien, ungebundenen natuerlichen Menschen unvereinbar sind und die ungeheuren Schaden angerichtet haben. Das weiss Werner Finck. “Ich versteh ja nicht viel von anderen Sachen”, so sagt er, “wie etwa von Politik und gebe es auch zu. Aber Humor! Humor hat jeder. Aber da gibt es manche, die sagen i Ich verstehe gewiss Humor, aber das geht zu weit!” Und mit diesem Satz ist der Feind entlarvt. Erloesung durch Lachen “Da kam ich also in ein Buero und vor mir stand so ein schwarzuniformierter Kerl und tastet mich ab, so... und so... und so, und fragt dann ganz barsch: “Haben Sie Waffen?” ich antworte: “wieso? Braucht man hier welche?” Ein Lachen geht durch den Saal. Das war mal eine Antwort! wie viele von uns sind erniedrigt, beschimpft, geschlagen worden von diesen Vertretern des gehassten Regimes! Heute ist es zertruemmert, aber im Seelischen steckt immer noch ein Stachel, der schwer zu ent- AUERBACH-PROZESS... eine neue Heimat zu verschaffen. Auerbach war ein guter Staatskommissar, der seine Geschaefte mit Fleiss erledigte und ueberdies bayrische Belange gut wahrte. Da die Beweisaufnahme keinen Beweis dafuer ergab, dass Auerbach sich einen widerrechtlichen Vermoegensvorteil verschaffen wollte, wurde er in diesem Punkte freigesprochen”. Der Freispruch vom Anklagepunkt der Kreditgewaehrung basiert auf den Aussagen von Ministerpraesident Erhärt und Staatssekretaer Ringelmann. Ausserdem hat man berücksichtigt, dass bei den Anlagekrediten keine Verluste entstanden sind. Im Fall “Wildflecken” (Entschae. digungsgelder an 111 nicht existierende DP’s) wurde Auerbach freigesprochen, da ihm, wie das Urteil sagte, die. ser Betrug kaum zuzumuten gewesen waere.Auerbach haet. te die Moeglichkeit gehabt, einen solchen Betrug ohne Mitwisser zu starten. Besonders hebt der Vorsitzende hervor, dass Auerbach trotz seines schweren Leidens die Hauptverhandlung durchfuehrte. “Das Gericht hat konkrete Beweise dafuer, dass Auerbach wiederholt an schweren Koliken und, Nierenblutungen litt und somit jederzeit die Moeglichkeit gehabt haette, zu sagen: “Ich mache nicht mehr mit”. Die Angeklagten erhalten nun Gelegenheit zu einem letzten Wort. Auerbach erhebt sich zitternd vor Erregung und erklaert mit einer durch die Gemuetsbewegung kaum verstaendlichen Stimme, das Urteil sei auf den meineidigen Aussagen eines Diekow und des unglaubhaften Mitangeklagten Hoenig- Ohnsorg aufgebaut. “Das ist (Von Seite 7) das zweite Dreyfus-Urteil”. Er kuendigt an, Revision einzulegen, um dann das Vergnuegen zu haben, Direktor Mulzer wiederzusehen. “Dies ist ein Terrorurtefl, Terrorjustiz”. Mulzer: “Nein, ich werde diesen Prozess nicht nochmals uebernehmen”. Ohrenstein: “Ich kann es mit meinem Gewissen als Seelsorger nicht vereinbaren, andere zu belasten. Ich will harte Wort vom Dreyfus-Prozess nicht in den Mund nehmen, aber — schreiend—: Dieses Urteil ist eine Diskriminierung des Judentums”. Und so endet unerfreulich und unerquicklich die erste Phase des, wie ihn die “Sueddeutscbe Zeitung” nennt, “trueben Nachkriegsprozesses Bayerns”. Zwei Tage nach Urteilsver. kuendung ist Philipp Auer, foach “freiwillig aus dem Le. ben geschieden’’, wie die Pres, se meldet. So ist der Prozess doch zur Tragoedje geworden. Freiwillig? Inwieweit e i n Mensch, der Hand an sich legt, noch freien Willen hat. wissen wir nicht. Dieser Selbstmord haette vermieden werden koennen, wenn die bayrische Regierung und speziell die bayrische JustiZver waltung bereite zu Beginn und waehrend des Prozesses die sorgfaeltige Vorsicht und Diplomatie haetten walten lassen, die den Ohef der Staatsanwaltschaft M u e n . chens, Senatspraesident Di Hartmann, auszeichneten, als er zuerst verfuegte, dass dei Freitod Auerbachs fast einen Tag geheimgehalten wurde, um die “kriminalpolizeilichen Ermittlungen” nicht zu stoe. ren, um dann seinen kroenenden Abschluss in der Formulierung des Comuniques zu finden, dass Auerbachs Tod[ fernen ist. Aber es genuegt nur diese kleine, humorvolle Bemerkung und wir begreifen instinktiv, dass damit so ein System geistig entwaffnet wird. Das ist wie frische Luft in einem stickigen Raum. Mit Humor muss der Giftpilz des Totalitarismus verkuemmCrn. Gesinnung Ein Mann mit den Gaben Werner Fincks xoennte auch ueber andere Sachen seine Bemerkungen machen; der Bericht ueber die Reise nach Chile beweist es. Oder wenn er sagt: “Das Einzige, was ich von Chile gewusst habe: Eis zieht sich in die Laenge”. Aber er ist nun mal kein gewoehnlicher Kabarett-Komiker. Er hat eine Aufgabe. Seine Devise: Verstaendnis durch Lacnen. Was manche durch einen studenlangen gelehrten Vortrag nicht begreifen, hier bekommen sie es im Flug serviert. Aber Alle verstehen doch nicht. Eine deutschsprachige Zeitung in Santiago beklagt sich: Wenn wir ihn nur ln allen Teilen recht verstanden haetten! Nanu, so schwer faellt das euch? Aber damals, als die grossen Theorien von Blut und Erde aufkamen, ueber die sogar die Wissenschaftler die Koepfe schuettelten, d,a habt ihr gleich kapiert, nicht wahr? Das war ja auch einfacher. Ferner beklagt slcn die gleiche Zeitung, seine Witze seien “sin gracia”. Wat. te nicht saachst! Vielleicht haette er Don Otto-Witze erzaehlen sollen?! Der Silberstrelfen am Horizont Werner Finck symbolisiert fuer uns das, was wir uns unter Deutschland einmal — lang, lang ists her— vorge. stelit haben. Dass er wieder aulgetaucht, ist fuer uns eine Hoffnung. Wo es nur eine Moeglichkeit gibt, ein fortschrittliches Deutschland und Europa zu sehen, sollten wir es begruessen. Gleichzeitig muss man auch Reinhold Olszewski danken, der es moeg. lieh gemacht hat, dass Finck m Santiago auftritt. Es war ein wirklich grosser Abend. Fincks Art, die Sachen zu bringen, die Pointen so nebenbei fallen zu lassen, grenzt an das Geniale in seiner Art. Nur ein Beispiel; “Als ich noch ein Juengling war”, erzaehlt er, “und das Haupthaar mir in wallenden Locken auf die Schultern fiel...” Alles lacht, denn Finck hat «ine weithinleuchtende Glatze. Er schaut sich bekuemmert um. “Ich weiss garnicht, was los ist, die Schultern muessen sich gesenkt habenl”. Unsem Dank an Werner Finck. Wir ueberschrieben den Artikel mit dem Satz, den Tucholsky sich als Grabschrift auserbeten hatte: Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze. Das kommt der Sache wohl am naechsten. Noch ein Dutzend mehr von der Sorte wie Finck und Europa ist gerettet. Oder es lacht sich buchstaeblich zu Tode. H. B. “mit an Sicherheit grenzen der Wahrscheinlichkeit” auf Grund einer Vergiftung durch Schlaftabletten eingetreten sei. An dieser Formulierung kann man ungefaehr ermesv sen, wie ungelegen dem Herrn Senatepraesiden dieser Mortimer starb. Der “Muenchner Merkur” der sich keineswegs durch eine dem Angeklagten freundliche Haltung waehrend der Prozessdauer ausgezeichnet hatte, fand ruehrende Schlussworte und gab der Besorgniss Ausdruck, dass der Selbstmord neue Verhaengnis. se nach sich ziehen koenne. Er spricht von einer Zurueckhaltung in der Beurteilung der Hintergruende, die man vom Auslande verlangen muesse und auch selber ausueben muesse. Jeder Streit am offenen Grabe entwuerdige die menschliche Gemeinschaft, die uns alle umschlies. se. Andere Zeitungen, wie die “Neue Zeitung” lind die “Sueddeutsche Zeitung”, die waehrend der ganzen Prozessdauer sehr fair waren, verurteilten rueckhaltlos die Hintermaenner des Prozesses, die einen persoenlichen Fall zu einem Skandal der Wiedergutmachung aufgebauscht hatten. Der “Manchester Guardian” bezeichnete den Prozess als Musterbeispiel politischer Taktlosigkeit. Die daenische Zeitung “Ekstrabladet” schrieb: “Auerbach mag nicht frei von Schuld sein. Aber selbst, wenn dem so waere, durfte man ihn doch nicht der Demuetigung aussetzen, von ehemaligen Nazis abgeurteilt zu werden. Dass man dies in Muenchen nicht be. griffen hatte, spricht dafuer, dass es mit dem Rechtebewusstsein im neuen Deutschland schlecht bestellt ist” Dieser Kommentar, ohne ihn mir in seiner ganzen Schaerfe zu Eigen Zu machen, trifft am Besten den Kernpunkt der Angelegenheit. Ich glaube weniger, dass es das fehlende Rechtsbewusstsein ist, als fehlender Takt und ein durch die letzten 20 Jahre “verschuettetes” Rechtsbewusstsein und Mangel an Eigenerkehntniss. Die Entwicklung der internationalen Politik der letzten Jahre brachte zwangslaeufig ein Werben um die westliche Bundesrepublik mit sich, das solche Ausmasse angenommen hat, dass breite Kreise der Bevoelkerung darin eine nachtraegliche unausgesprochene Rechtf ertigung der ver. gangenen deutschen Politik sehen. Das ist eine gefaehrll. che Ansicht und die Konsequenzen muessen zwangslaeufig zu einem Fall wie dem Fall Auerbach fuehren. Es soll nicht beschoenlgt werden, dass Auerbach Fehler hatte, wahrscheinlich sogar viele, aber wenn man der Ansicht war, dass hier nicht der richtige Mann am richtigen Platze war, so konnte man ihn abschieben und falls notwendig, ohne grosses Tamtam vor ein Gericht stellen. Aber diesen Fall derart aufzubauschen und Richter einzusetzen, die, seien sie noch so korrekt, aktiv dieser anderen Welt angehoert haben, die letzten Endes die von äßi Anklage geruegte “moralische Schwaeehung” des Angeklagten verschuldet hat, das ist ein Mass an politischer Uni reife, das selbst fuer Bayern etwas viel ist. Es gibt in der bayrischen Regierung besonnene Koepfe, die das zugeben und verlangen, dass etwas geschehe. Wenn diese Einsicht, durch den Tod Auerbachs aus. geloest, an Raum gewinnen sollte, dann war vielleicht das Opfer seines Lebens nicht sinnlos. Weltkongress (Von Seite 1) Es folgten die Berichte von Argentinien. Uruguay, Brasilien. Paraguay und Bolivien, Mittags fand ein gemeinsames Fruehstueck in der Hebraica statt, bei dem ich das Wort nahm, ujn ueber die Lage der Juden in Chile auf Grund der neuen politischen Situation zu sprechen, wobei ich ausfuehrlich festeteilte, das (in lunserem demokratisehen Chile auch nicht der geringste Anlass bestehe, etwa von neuen juedischen Problemen zu sprechen, da ich genau wisse, dass der zukuenftige Praesident besondere Achtung vor dem juedischen Volk und seinen Mitbürgern in Chile habe. Dies konnte ich mit um so besserem Gewissen erklaeren, als ich ja aus seiner frueheren Amtstaetigkeit seine Einstellung zum Judenproblem kenne, die sich, wie er wiederholt erklaert hat, nicht im geringsten geaendert hat. Ich nahm weiterhin Veranlassung, der argentinischen Regierung zu danken, dass sie uns Gelegenheit gegeben hat, diese Kongresstagung in Argentinien abzuhalten und dass sie insbesondere die Ein. reise aller auslaendischen Delegierten zu dieser Tagung er. leichtert habe. Am Nachmittag wurde die Generaldebatte ueber die Situation in den einzelnen Laendern fortgesetzt, insbesondere wurde das Schulproblem eingehendst eroertert und man wurde sich darueber klar, dass die Integrale Schule das Ideal fuer die EJrzie. hung unserer Jugend darstelle. Herr Dr. Moses Goldmann, gab einen sehr interessanten Bericht ueber den Kampf mit dem Antisemitismus in Suedamerika. Es wurde festgestellt, dass 40 Laender beerits das Gesetz bezueglich “Genocidio” ratifiziert haben und es wurde ein Appell an die Laender gerichtet, bei denen die Ratifikation noch aussteht, Es wurde an die Regierung von Bumaenien appeliert, die zionistischen Fuehrer, die seit 2 Jahren verhaftet sind, ohne dass man ihnen bisher einen Prozess gemacht habe, freizulassen. Zum Schluss wurde insbesondere auf die hervorragende Arbeit des Mitglieds der Exekutive des Weltkongresses, Dr. Arieh Tartakower, waehrend seines Aufenthalte in Suedamerika hingewiesen und ihm der ganz besondere Dank der Convención fuer seine hervorragende Leistung in Argentinien, Brasilien, Uruguay, Chile, Bolivien •und Paraguay ausgesprochen. Vorherrschend wurde, wie schon vorerwaehnt, das Jugendproblem und die Gefahren der Assimilation dieser Jugend behandelt und Herr Dr. Tartakower gab uns das Versprechen, dass der Weltkongress alles daran setzen wird, um dem suedamerikanL schen Jischuv zu helfen, dieses schwere Problem zu lce. sen. Abschliessend moechte ich sagen, dass ich es bedauert haette, an dieser hochinteressanten Tagung des Weltkongresses nicht teilgenommen zu haben, denn auch mir hat diese Tagung viel Anregung fuer zukuenftige Arbeit innerhalb unserer Gemeinschaft gegeben. León Rosenthal

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