Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXVI (1975)
- Issue
- 5 (Mayo, 1974)
- Date
- 1974-05-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein neues Sicherheitsgefühl in Israel - von J.E. Palmon, Tel Aviv Karikatur als Dokument '■mm “Entschuldigung-, ich möcht’ nur etwas meine Nase reinstecken” (Mauldin: Chicago Sun Times) In Israels Regierung ist eine heftige Debatte über den Rückgang der Touristik in diesem Jahre im Gange. Der Minister für Touristik macht zu einem grossen Teil die zu hohen Flugpreise dafür verantwortlich und verlangt Zulassung von billigen Charterflügen in grösserem Unfange. Ein Gutachten einer amerikanischen Expertenfirma, das dem Touristikminister Kol vorgelegt wurde, besagt auch, dass bei Erweiterung der Charterflüge die Zahl der Touristen um 30% steigen und die Einnahmen Israels nach einem Jahre um 45 Millionen Dollar anwachsen würden. Andere Kreise dagegen erwarten nur geringe Vorteile aus der Zulassung der Charterflüge und schieben den Rückgang der Touristik vor allem der Sicherheitssituation zu. Ohne Zweifel hat ein Teil der Besucher Israel aus seinem Programm gestrichen, weil er Terrorakte oder gar Krieg fürchtet. Wird irgendwo in Israel ein kleines Sprengstoffattentat gemeldet, so macht es in der Wekt Schlagzeilen, und bei den Reisebüros gehen sofort Abbestellungen ein. Die amerikanischen Touristen bleiben zum Teil wirklich wegen der verschlechterten finanziellen Situation aus. Eine Reise für ein Ehepaar kostet immerhin 2500 bis 3000 Dollar i(mit allen Nebenkosten), und viele Familien haben in den USA wegen der Krise ihren Guertel enger schnüren müssen und verzichten auf Reisen ins Ausland. Aber daneben bleiben die “Sicherheitserwägungen” und oft genug gehen in Israel Briefe ein, in denen die Schreiber sich vorstellen, dass Israel heute ein zweites Vietnam oder Kambodscha ist. Wer dagegen nach Israel kommt, ist über die Ruhe und den Frieden überrascht, der weiter im Lande herrscht. “Nach dem was wir in den Zeitungen gelesen haben, trauen wir unseren Augen nicht” — sagten Mitglieder einer deutschen Joumalistengruppe, die Israel besuchten. Es gibt wohl Sicherheitskontrollen auf dem Flugplatz. Wer in ein Warenhaus oder ein Kino geht, muss seine Tasche aufmachen, und hier und dort sieht man die Mitglieder der Bürgerwehr, die abends patrouillieren, um Terroranschlägen zuvorzukommen. Aber bisher hat sich ihre Tätigkeit mehr gegen Diebe als gegen Terroristen ausgewirkt, weil abgesehen von einzelnen Fällen, wie beim Savoy Hotel in Tel Aviv, die Aktionen der Terroristen einen ganz geringen Umfang haben. Alle Opfer sind bedauerlich, um jedes Menschenleben ist es schade — aber ein rechnerischer Vergleich zeigt, wie “sicher” Israel ist. In Israel sind abgesehen von dem Angriff beim Savoy Hotel kaum Menschenleben terroristischen Anschlägen in den letzten Monaten zum Opfer gefallen, während im Libanon bei den Zusammenstössen zwischen den christlichen Phalange-Gruppen und Palästinensern sofort 150 Tote und Mengen von Verletzten sowie gewaltige Sachschäden zu verzeichnen waren. Der Bürgerkrieg, von dem die Anhänger der radikalen Palästinenser-Gruppen träumen, hat sich abgespielt — aber im Libanon und nicht auf dem Boden Israels. Die Mitglieder der erwähnten deutschen Joumalistendelegation trafen eine zweite Feststellung: “Wir haben bei der Bevölkerung Israels selbst ein neues Sicherheitsgefühl gefunden. Alle wissen, dass Anschläge nicht gänzlich zu verhindern sind. Aber Bomben gehören heute auch zum Schicksal von London, Paris, Mailand und vielen anderen Städten, und unter Berücksichtigung dieses Umstandes fühlen die Einwohner des Landes, und vor allem des Zentrums, sich durchaus sicher”. In den Grenzorten herrscht natürlich mehr Besorgnis, und der Bürgermeister der schwer geprüften Grenzstadt Kiriat Schmona im oberen Galil, Abraham Aloni, musste melden, dass seit dem mörderischen Anschlag vor einem Jahre 200 Familien weggezogen sind. Es kamen zwar andere Einwohner nach Kiriat Schmona, ein Parlamentsabgeordneter hat demonstrativ seinen Wohnsitz dorthin verlegt, aber insgesamt ist die Bevölkerungsbilanz für den Ort negativ. Zugleich gab Bürgermeister Aloni zu -und dies bestätigten auch die Ortsvorsteher der Dörfer an der Grenzedass die Sicherheitsvorkehrungen ausserordentlich verstärkt wurden und dass Anschläge heute meist einem Selbstmordunternehmen gleichkommen. Der grösste Teil der Bevölkerung Israels lebt jedoch in völliger Sicherheit, und dies zeigte sich am deutlichsten am letzten Unabhängigkeitstag. Der Charakter dieses Tages hat sich in den letzten Jahren sichtlich gewandelt. Früher war er durch eine grosse Militärparade gekennzeichnet, und viele offizielle Veranstaltungen beherrschten diesen Tag. Die Parade ist seit Jahren annulliert, viele andere offizielle Veranstaltungen sind gestrichen (zum Teil zwecks Einsparungen), und die Initiative wurde mehr der Bevölkerung überlassen. 1974 hatte die Erinnerung an den Oktoberkrieg von 1973 noch die Stimmung sehr gedämpft. In diesem Jahre waren dagegen die Einwohner Israels bemerkenswert unbeschwert und fröhlich. Den Abbruch der Nahost-Verhandlungen mit Dr. Kissinger nahmen sie fast mit Erleichterung auf, und das Scheitern dieser Aktion wirkte in keiner Weise auf die Stimmung. Vielmehr beeinflussten die Vorgänge in Südostasien die Bürger Israels dahin, dass man sich am besten auf eigene Kraft und nicht auf Versprechungen Aussenstehender verlassen solle. Wenn in der Weltpresse und auch in ägyptischen Meldungen nach dem Scheitern der Besprechungen der Nahe Osten mit einem Pulverfass verglichen wurde, so war am israelischen Unabhängigkeitstag nichts davon zu spüren. In grossen Mengen fuhren die Einwohner des Landes in Erholungsorte und Naturschutzgebiete, die Camping Plätze waren dicht besetzt, und in den Städten sammelten sich auf den grossen Plätzen viele tausende von Jugendlichen und tanzten mit unweschwingter Fröhlichkeit — sehr zum Erstaunen ausländischer Besucher, die das bunte friedfertige Bild kaum in ihr Bewusstsein aufnehmen konnten. Nichts hat auf Gäste mehr Eindruck gemacht als dieser Unabhängigkeitstag, der dieses Mal kein von oben dirigiertes Fest, sondern eine, wahre Volksfeier war. Gerade durch Frohsinn und Gleichmut wollte die Bevölkerung Israels ihrem Protest gegen Drohungen und Einschüchterungsversuche Luft machen, und dies hat sie in ausgiebiger Weise getan. Die Führer des Staates haben abgesehen von allem in genügend Reden über Rundfunk und Fernsehen auf die aussenpolitischen Schwierigkeiten hingewiesen, aber die Einwohner des Landes liessen sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen, und immer wieder ging die Frage an Touristen: “Warum haben Besucher Angst hierher zu kommen, wenn wir keine haben? Bei uns ist es um nichts weniger sicher als in vielen Städten der Welt. “Und ausländische Besucher gaben auch dementsprechend ihre Eindrücke weiter, worauf hin die verantwortlichen Stellen in Israel mit erneutem Anschwellen der Touristik-Bewegung rechnen. PLO gegen Luft- Piraterie Die palästinensischen Terroristenorganisationen haben durch Erklärungen zweier ihrer prominentesten Vertreter erneut Terroranschlägen auf Flugzeuge eine Absage erteilt. Im Zuge der Bemühungen der PLO, internationale politische Anerkennung zu finden, sprach sich der Stellvertreter Jassir Arafats, Abu Ijad, wie zuvor schon der Chef der “Volksbefreiungsfront”, Georges Habbasch, gegen diese “unproduktiven Gewaltakte” aus. Beide ausserten sich in Beiruter Zeitungen zu diesem Thema. Habbasch, jahrelang ‘‘Spezialist” für Flugzeugentführungen, erklärte, solche Aktionen hätten “nicht mehr dieselben Ergebnisse und Ziele wie früher”. ITALIENISCHE JUDEN FORDERN WIEDERGUT¬ MACHUNG Italiens Juden haben an Präsident Giovanni Leone appelliert, sich dafür einzusetzen, dass italienische Juden für die Verfolgungen im Zweiten Weltkrieg entschädigt werden. Roms Oberrabinner Elio Toaff erklärte in einem Interview in der Turiner “Stampa Sera”, es sei eine Schande, dass die Kommission, die sich mit der Entschädigung an Kriegsveteranen und politisch und rassisch Verfolgte zubefassen habe, immer noch nicht vorwärts gekommen sei. Sie sei auch unfähig, die besondere Situation der Juden im Zweiten Weltkrieg zu beurteilen. Neture Karta und PLO Aus Jerusalem kommt die Nachricht, dass der Sekretär der ultra-orthodoxen, antizionistischen Gruppe Neture Karta, Mosche Kirsch, die Bereitschaft bekanntgegeben habe, einen Vertreter der Nature Karta in eine eventuelle Exilregierung der Palästinenser zu entsenden. Ein entsprechendes Angebot von seiten der PLO soll, so lauten Gerüchte, erfolgt sein. Ein Kommentar erübrigt -sich. Eine kürzlich von der Gruppe in Mea Shearim veröffentlichte Flugschrift unterstützt “Jasser Arafats Vision” eines “säkularen Staates für Moslems, Juden und Christen”, während in PLO- Schriften in letzter Zeit der Widerstand der Neture Karta gegen den Zionismus lobend hervorgehoben wird. Deutschsprachiger Teil des INFOBMATIVO