Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-09-01 · 9 (Noviembre, 1973) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
9 (Noviembre, 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8553624-8555347-9195530--6411-8555472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Deutschsprachiger Teil des Zu Jom Kippur Der Versoehner Von Rabbiner Dr. Lothar Rothschild INFORMATIVO spy ■ ■- '■m .yti Marc Chagall. Das Gebet (Macght, Paris) Jom Kippur Diese alten, frommen Saenge Wie sie uns das Herz bewegen. Wie sie in die Seele dringen Und in ihren Bann uns zwingen. Am Jom Kippur dem Kol Nidrei Allgewaltig, tief erschuettemd. Ob wir zweifeln, ob wir glauben. Nichts kann uns die Ehrfurcht rauben. Und ich sehe meinen Vater Eingehuellt im weissen Kittel, Umischtachawin Umaudim Tief zur Erde neigen hin. Kaum hat das Jahr begonnen, so stehen wir auch schon vor seinem bedeutendsten Tag. Eine Woche der Vorbereitung, und die hoechste Erhebung umfaengt uns in Reinheit, Wuerde und Weihe, damit wir fuer den Rest des Jahres, wie man so schoen sagt, auf der Hoehe bleiben: auf der Hoehe unserer Aufgabe, auf der Hoehe der Menschlichkeit und auf der Hoehe des religioesen Gefuehls, das unbedingt umfassende Liebe und weitgesteckte Gefaelligkeitsbereitschaft zum Ausdruck bringen muss. In Versoehnung soll der Mensch die ihm geschenkte Zeit verbringen, und alle Jahre soll er den suehnenden Vorgang erneut verspueren. Wir denken dabei mehr an die Suehnung im biblischen Sinn, an die Reinheitserneuerung fuer die Gesamtgemeinde, als an die individuelle Versoehnung mit dem Nebenmann, die nicht jeder benoetigt. Die meisten Menschen leben in Frieden und gangbarer Freundlichkeit mit ihrer Umgebung, so dass die Versoehnung in der Bekraeftigung guter Wuensche bestehen kann. Wiederholt hoeren wir am Jom Kippur im Gebet sowie aus der Thoravorlesung am Vormittag den Satz: "Denn an diesem Tag wird er euch suehnen, dass ihr rein werdet; von all euren Suenden sollt ihr rein werden vor dem Ewigen" (Lev. 16, 30). Die Opferbeschreibung berichtet ueber die Gewinnung der Reinheit, und hier wirkt Gott, der Eine und Einzige, als Versoehner, als alleiniger und ausschliesslicher Versoehner. Mit den dem Versoehnungstag zugrunde liegenden Gedanken hat sich Hermann Cohen sehr einlaesslich beschaeftigt und anregende Gedanken geaeussert. Wir greifen ins Volle und zitieren aus seinem nachgelassenen Werk "Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" folgendes: "Der Priester fungiert nur bei der symbolischen Suehnung: dagegen hat er nicht mitzuwirken bei der Versoehnung des Menschen mit Gott. Dieser negative Gewinn beim Opfer wird zu einem Hauptgewinn, den die bisherige Geschichte der religioesen Menschheit darstellt. Der tiefste Gehalt des einzigen Gottes kommt hier zum Ertrag. Wie die Einzigkeit Gottes zuvoerderst seine Einheit bedeutet, so geht von ihm allein und ohne jegliche Mitwirkung die Versoehnung und die Erloesung aus. Wenn es ueberhaupt denkbar waere, dass ein Logos, eine Mittelkraft bei der Schoepfung mitwirken koennte, so wuerde der korrelative Begriff des Menschen eine jede solche Mitwirkung bei der Versoehnung ausschliessen. Nur der einzige Gott in seiner wahrhaften Einheit kann die Erloesung bewirken. Diese Konsequenz macht das Opfer anschaulich. Denn bei ihm wird ein Tier geopfert; kein Mensch, geschweige ein gottesartiges Wesen. Und kein Gott opfert, geschweige er selbst und sich selbst; sondern nur der Priester ist der Sachverstaendige des Opferkultus. Ueber diesen Priester und ueber den Altar hinaus, an dem er hantiert, wird der Blick des opfernden Israeliten emporgehoben zu dem Gotte, vor dem er steht. Dies bedeutet der durchgaengige Ausdruck, »Vor Gott'... 'Vor Gott', heisst es nicht durch Gott, noch auch nur mit Gott, sondern durchaus nur vor Gott." (S. 234 f.) Vor Gott und keinesfalls vor dem Priester wird gesuehnt. Vor Gott und nicht vor den Menschen soll Religiositaet betaetigt werden. Das priesterliche Opfer ist vergangen, und doch opfert der Israelit vor Gott: sein Herz naemlich, seine Gesinnung und sein Gemuet. Ein Opfer der Weihe wird dargebracht, und die Weihe erfolgt durch den Versoehner, welcher sich keinem entzieht, der nach IHM sich sehnt. (Isr. Wochenblatt, Zürich) Ob die Zukunft fuer uns truebe Oder liegt im lichten Schein, Immer, so lang Juden leben. Wird auch ein Jom Kippur sein. William Baruch (New York) ■cron roía

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.