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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-08-01 · 8 (Agosto, 1973) · p. Seite 30

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
8 (Agosto, 1973)
Date
1973-08-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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30 Agosto 1973 SOWJETUNION Demonstrationen sind neuerdings kriminelle Handlungen Sechs sowjetische Juden inszenierten in den Räumen des KGB (Sicherheitspolizei) in Moskau eine aussergewöhnliche Demonstration, indem sie sich zu einem Hungerstreik niederliessen, um gegen die Abweisung ihrer Auswanderungsgesuche zu protestieren. Sie waren aufgefordert worden, zu einer Besprechung zu erscheinen, während welcher jedem einzeln von einem General Minin der negative Bescheid mitgeteilt wurde. Die sechs Juden hatten vor einem Monat sich nach den Gründen für die Verzögerung in der Behandlung ihrer Gesuche erkundigt. Als sie der Aufforderung zum Verlassen des Wartezimmers keine Folge leisteten, wurden sie durch einen Milizoffizier verhaftet und in eine Verhörabteilung abgeführt, wo sie wiederum einzeln ausgefragt und verwarnt wurden, dass sie Strafen zu gewärtigen hätten, die unter ein Dekret des Obersten Sowjets vom 25. Dezember 1972 fallen, sofern sie einen neuen Protest versuchen würden. Dieses bis jetzt nicht publizierte Dekret verbietet Demonstrationen, Streiks und Fastproteste. Bisher waren solche Aktionen, auch Versuche, Petitionen zu überreichen, als “grober Unfug” gewertet und mit Haftstrafen bis zu 15 Tagen geahndet woredn. Die Verhörten weigerten sich, das Verwarnungsprotokoll zu unterzeichnen; es handelt sich um Grigorij Krisak,Michail Babel, Moise Belfor, Mark Naschpiz, Boris Tschitlionok und Leonid Tsypin. Offener Brief von 300 Juden Über 300 Juden aus sechs sowjetischen Städten haben sich in einem Offenen Brief, der westlichen Zeitungskorrespondenten in Moskau zugänglich gemacht wurde, an amerikanische Kongressabgeordnete gewandt, ihnen zur Ausreise nach Israel behilflich zu sein. Das sechsseitige Schreiben war an Senator Henry Jackson und den Abgeordneten im Repräsentantenhaus Wilbur Mills gerichtet, die in beiden Häusern eine Mehrheit zusammengebracht haben, um der Sowjetunion die Meistbegünstigungsklausel im Handelsabkommen mit den USA abzusprechen, solange Moskau an der sogenannten Diplomtaxe für Emigranten mit höherer Ausbildung festhält. Die Verfasser des Offenen Briefes, mehrheitlich Wissenschafter und Techniker aus Moskau, Leningrad, Charkow, Wilna, Kiew und Novosibirsk, betonen, dass es die Meinung der Weltöffentlichkeit gewesen sei, die zu einem gewissen Erfolg in der Auswanderung von Juden geführt habe. GROSSBRITANNIEN Nachwuchskrise im britischen Judentum Das Londoner Rabbiner- und Lehrerseminar Jew’s College befindet sich zurzeit in einer Existenzkrise. In den Augen der Studierenden hat es viel von seiner einstigen Anziehungskraft eingebüsst, und eingeweihten Kreisen zufolge hat es sich seit seiner Gründung vor über 100 Jahren noch nie in solchen Schwierigkeiten gesehen wie augenblicklich. Nicht nur ist sein jährliches Defizit auf 40.000 Pfund angestiegen, sondern der Zuspruch von Rabbinatsanwärtem ist mehr als mangelhaft: zurzeit wird nicht einer ausgebildet. Das kann nicht an fehlendem Interesse liegen, denn die verschiedenen Jeschiwot in Grossbritannien erfreuen sich alle eines sehr guten Besuches. Man befürchtet vielmehr, dass der Grund hierfür in einem überholten “System” liegt, das vom Jews’ College verkörpert wird. Nur einige Kantoren und Lehrer werden dort gegenwärtig ausgebildet; und nun haben die Lehramtsanwärter — ihre Zahl ist klein genug — selbst öffentlich potestiert. Sie führen Klage darüber, dass fast all ihre Kurse lediglich auf eine Vertiefung des jüdischen Wissens ausgerichtet seien, während die pädagogische Ausbildung -vernachlässigt würde. Demgegenüber unterstrich die Verwaltung, dem Schaffen einer guten jüdischen Grundlage müsse Vorrang gebühren;, und jüdische Kenntnisse, immerhin die erste Vorbedingung, fehlten noch weitgehend. Man rechnet in England mit einem unmittelbar bevorstehenden Rabbinermangel, wenn nämlich eine Reihe von amtierenden Rabbinern demnächst in den Ruhestand versetzt werden müssen. Jews’ College also bildet keinen Nachwuchs aus, und die meisten Jeschiwa-Studenten sind an einer Gemeindeanstellung nicht interessiert. Was nicht mehr bevorsteht, sondern ♦ SAN ANTONIO 367 TONO 31238 , SANTIAGO . längstens bereits existiert, das ist eine ernstliche Knappheit an jüdischen Religionslehrem, und in dieser Situation kündet der jüngste Studentenprotest an Jews’ College nichts Gutes. Die praktisce und unmittelbare Auswirkung der Lehrerknappheit ist diese: Viele Religionsklassen sehen sich gezwungen, Primär und Primanerinnen aushilfsweise als Lehrkräfte zu beschäftigen. Diese jungen Leute mögen zwar eine natürliche Veranlagung zum Lehramte haben, es gehen ihnen aber jede praktische Erfahrung und Elementarkenntnisse ab. Die Schulverwaltungen selbst haben mit dieser Notmassnahme zwei hauptsächliche Ziele im Auge: Das erste und naheliegende Ziel ist natürlich, die Klassen überhaupt aufrechterhalten und durchführen zu können. Ein zweites Ziel besteht darin, unter diesen ausgewählten und als befähigt angesehenen Primanern ihr Interesse an Judentum und Religion wachzuhalten und ihnen eventuell eine pädagogische Karriere nahezulegen. Sie werden aber fürs erste miserabel bezahlt. Der gewaltige Minuspunkt — nämlich dass diesen Aushilfslehrem jede pädagogische Erfahrung fehlt — soll durch einen neuerdings gemachten Vorschlag behoben oder wenigstens gemidert werden: Der Vorschlag geht dahin, diesen jungen Leuten in der Form von Abendkursen wenigstens einige Elementarkenntnisse in Methodik und dergleichen Fächern zu verschaffen (womit sie übrigens mehr konkrete Anweisungen auf diesen Gebieten erhalten würden als Studenten am Jews’ College). Was verantwortungsbewusste britisch-jüdische Gemeindebeamte betonen, ist dies: Wenn das Nachwuchsproblem für Lehrer sowohl wie für Rabbiner nicht viel kühner angepackt und energisch einer praktischen Lösung entgegengeführt wird, dann ist es um die Zukunft des britischen Judentums schlecht bestellt. Die Lubawitsch-Organisation, die aktiv und erfolgreich genug vorgeht, kann die ganze Krise allein nicht lösen, solange sie Sich i nicht auf die Mithilfe aller Gemeinde-Instanzen verlassen kann. Neben einer bio¬ PARAGUAS ' COSMOS" A. Prcrt 26 BOUTIQUE Providencia 2682 logischen Verminderung der britischen Juden droht auch eine geistige Verödung. William Stern, London BUNDESREPUBLIK Staatssekretär Duckwitz, Retter der dänischen Juden, gestorben In seiner Heimatstadt Bremen ist im Alter von 68 Jahren Staatssekretär Georg Ferdinand Duckwitz gestorben, der in der Nachkriegszeit seit 1950 dem Auswärtigen Amt in Bonn angehörte. Auf Duckwitz, der während der deutschen Besetzung Dänemarks Schifffahrtsattaché im Amt des Reichsbevollmächtigten Dr. Werner Best gewesen war, geht die wunderbare Rettung des Grossteiis der in Dänemark weilenden Juden zurück. Als im September 1943 Best einen “Führerbefehl” auf Deportationen erhalten hatte — diese hatten seit dem Beginn der Besetzung 1940 infolge des Widerstandes von König Christian und der dänischen Bevölkerung verhindert werden können — gab Duckwitz die Nachricht vom drohenden Unheil drei Tage vor dem entscheidenden Datum an die sozialdemokratischen Abgeordneten Hans Hedtoft und H. C. Hansen weiter, die ihrerseits die jüdische Gemiende informieren liessen. In einer grossanlegten Aktion, während der etwa 5500 Juden untertauchten, konnten in aller Eile diese Menschen in Fischerbooten über den Öresund nach Schweden übergesetzt werden. Damals befanden sich in Dänemark rund 6000 Juden, unter ihnen etwa 1400 Flüchtlinge aus Deutschland. Dank der mutigen Warnung durch Duckwitz gelang so die Rettung der meisten dortigen Juden, während etwa 500 Personen von der Gestapo ergriffen und ins KZ Theresienstadt abgeführt wurden, wo die Deutschen sie nicht den Todestransporten zuteilen, und so beinahe alle dem schrecklichen Ende entgehen konnten. NIEDERLANDE Fonds für ein Sportzentrum zu Ehren, eines Münchener Opfers In der Sportsendung des holländischen Fernsehens wurde eine Kampagne eröffnet, um einen Fonds zu gründen, der für die Errichtung eines internationalen Sportzentrums in Israel zum Gedenken an André Spitzer bestimmt ist. Spitzer war eines der Opfer des mörderischen Anschlags auf die israelischen Sportler an der Münchner Olympiade im vergangenen Sommer. Dessen Witwe, Ankie Spitzer, die holländischer Abstammung ist, teilte mit, dass dieses Zentrum geeignet sein werde, die Ideale des Umgekommenen zu verwirklischen. Frau Spitzer hat die ihr durch die Bundesrepublik ausbezahlte Entschädigung dem Fonds zugesagt. Seitens des Sportministeriums ist die Unterstützung des Projektes in Aussicht gestellt worden. TÜRKEI Der Prozess gegen jüdische Religionsiehrer In dem seit dem Herbst laufenden Verfahren gegen dreizehn Religionslehrer, darunter zwei Rabbiner und sechs Frauen, der Machsikei Tora in Istanbul wegen Missachtung des Verbots des Hebräischunterrichts haben in einer neuen Verhandlungsphase zwei Inspektoren des türkischen Erziehungsministeriums vor dem Gericht ausgesagt, dass Hebräisch zum Studium der Bibel und für die Ausübung der Gebete nicht erforderlich sei. So werde auch die , arabische Sprache im Koranunterricht nicht gebraucht. Ein dritter Inspektor war hingegen der Ansicht, Hebräisch sein eine Voraussetzung für das Bibelstudium. Als Zeuge der Verteidigung wies ein Schüler der Machsikei Tora, dervorher von der Polizei einvernommen worden war, darauf hin, dass Hebräisch und Jüdische Geschichte nicht als eigene Fächer, sondern im Rahmen des Bibelunterrichts gelehrt würden. Hebräisch werde nicht als eigentliche Fremdsprache doziert. Dieselbe Erklärung hatte bereits am ersten Verhandlungstag Eli Cohen, der Vorsteher der Schule, abgegeben. Der Gerichtshof beschloss jetzt, sechs weitere Zeugen anzuhören und das Verfahren zu vertagen. Obwohl der Prozess noch immer in seinem Anfangsstadium steckt, wird es noch Monate bis zu seinem Ende dauern, da es in Fällen, die nicht als dringlich betrachtet werden, so der Brauch ist. Im Fall des Jüdischen Waisenhauses hat das türkische Erziehungsministerium nach Vorstellungen der Gemeindeführer entschieden, den Beschluss auf Schliessung der Institution aufzuheben. Das Waisenhaus war infolge ständigen Rückgangs der Zahl der Kinder — heute sind es noch 26 — aus dem früheren Gebäude in ein kleineres Heim in der Nähe des Oberrabbinats transferiert worden. Deswegen hatten die Behörden ein Verfahren angestrengt, da die Gemeinde ohne amtliche Genehmigung hierzu nicht autorisiert gewesen sei.

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