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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1973-04-01 · 4 (Abril, 1973) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXV (1973)
Issue
4 (Abril, 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ABRIL 1973 5 WIE EINE TORAROLLE GESCHRIEBEN WIRD Die Treue zum Wort, die den Juden seit je kennzeichnete, hat nicht in einem philologischen Beduerfnis ihren Ursprung, sondern in der Liebe zu all dem, was ein Gefaess des Geistes ist. Darum galt dem heiligsten Buche des Juden auch seine heiligste Treue. Heute ueberrascht die Bibelforscher die peinliche Genauigkeit, mit der die geschriebenen Texte der Bibel nahezu uebereinstimmend erhalten sind. Von keinem Werke eines anderen Volkes (auch nicht vom Neuen Testament) laesst sich annaehemd Aehnliches behaupten. Wenn heute der Jude vor die Torarolle tritt, so genuegt ihm nicht der blosse Text, den man schneller und kuenstlerisch gewiss nicht minder schoen durch Druck herstellen koennte. Die Worte sollen nur durch den Geist leben. Und in jeden der geschriebenen Buchstaben hat ein Mensch die ganze Hingabe eines gesammelten Augenblickes hineingelegt, mit aller Anspannung des Denkes, mit aller Verantwortung vor der Geschichte, mit aller Freude, ewige Zeichen durch vergaengliche Finger festzuhalten. Nur aus menschlich-uebermenschlichem Zusammenwirken kann die Welt sich vervollkommen. Und was gibt es groesseres fuer den Menschen als Mitschoepfer zu sein? Selbst das Vorlesen aus der Tora, das in den Buchstaben nur Anhaltszeichen fuer Ton und Sinn vorfindet, verlangt noch rein lautmechanisch die Energie innerer Teilnahme. In einem Privatdruck der Soncino-Gesellschaft weist der Budapester Professor Ludwig Blau darauf hin, dass die Torarolle auch in ihrer aeusseren Gestalt Jahrtausende alt und neben der Esterrolle die einzige lebende Vertreterin des antiken Buches ist. Waehrend aber die Buchschreiber der griechisch-roemischen Antike zumeist Sklaven waren, musste die Tora seit je von einem Manne geschrieben sein, der durch grosses Wissen und makellos sittlichen Lebenswandel hervorragte. Eine Fuelle von aeusseren Bestimmungen, welche den Schreibenden fuer eine staendige, gesteigerte Weihe vorbereiten, sind festgesetzt worden. Vor Beginn der Arbeit muss er mit aller Innigkeit die Worte sprechen: Ich schreibe, um die heilige Lehre aufzuzeichnen. Als Schreibstoff kommt traditionsgemaess das rein gegerbte, weisse, nicht gefaerbte Fell eines sonst zum Genüsse “erlaubten” Tieres in Betracht; doch ist es nicht noetig, dass das Tier rituell geschlachtet wurde. Die Schreibtinte ist eine feste Tusche, zu deren Herstellung Russ (Gewoehnlich von Olivenoel), Gummi (Harz) und Honig genommen wird. Die Tinte soll naemlich schwarz, dauerhaft, aber gleichzeitig auch abwaschbar sein. Darum darf metallische Tinte, die den Schreibstoff angreift, oder irgendein Farbstoff nicht verwendet werden. Zum Schreiben kann jede Art von “Feder”, auch die Stahlfeder be-, nuetzt werden. Bevor nun auf dem Pergamentblatt geschrieben wird, hat es der Schreiber zu linieren, und zwar mit einem Rohr und nicht mit einem Stift. Die Linierung bildet einen unermesslichen Bestandteil des Werkes und ist geradezu ein Pruefstein fuer die Echtheit von Torarollen. Geschrieben wird ueber und nicht unter der Linie. Sind die einzelnen Blaetter beschrieben, werden sie mit Sehnen aus dem gleichen Material zusammengenaeht, aber oben und unten wird ein Stueck freigelassen, weil sonst das Buch beim Rollen infolge der Spannung beschaedigt werden koennte. Man rollt die Tora um zwei Staebe, die oben und unten mit runden Platten versehen sind, damit sich die Windungen der Rolle nicht verschieben. Der Schreiber muss eine Vorlage vor sich haben und den Text laut lesen; und zwar nur soviel Worte, als er auf einmal im Gedaechtnis behalten kann. Bevor er das Wort niederschreibt, muss er es aussprechen. Hat er sich geirrt, darf er die Stelle ausradieren und das Richtige an seine Stelle setzen. Nur der Gottesname darf unter keinen Umstaenden ausgewischt werden; das ganze Blatt ist dann unbrauchbar. Die Schreibung des Gottesnamens verlangt besondere Andacht. Viele Schreiber waschen sich sogar' vorher die Haende. Die grosse geistige Arbeit, die das Schreiben der Torarolle erfordert, drueckt sich auch in der Ehrfurcht vor dem geschriebenen Werke aus. Wenn man eine Torarolle erblickt, steht man vor ihr auf, wenn sie zerrissen wird, begraebt man sie wie einen Menschen, wenn sie verbrannt wurde, trauert man um sie wie um einen nahen Verwandten. Friedrich Thieberger ISRAEL 36 KINDER Die grösste Familie in Israel dürfte die des 55jährigen Arabers Hussein Abdul Karim Hadsch Adscharah sein: Kürzlich wurde ihm sein — sechsunddreissigtes Kind geboren. Dieser arabische Farmer, der drei Frauen hat, hat nun 19 Töchter und 17 Söhne. Der älteste Sohn ist 31 Jahre alt, hat es abeh bisher nur auf fünf Kinder gebracht. Adscharah, der in einem Dorf bei Kirjat Tivon in der Nähe von Haifa lebt, wird von den übrigen Dorfbewohnern mit dem Namen „Abu Tamin“, „Vater der Versicherung“ bezeichnet, weil ihm die staatliche Sozialversicherung allmonatlich für seine minderjährigen Kinder IL 700 auszahlt. Dieser Betrag muss nun natürlich wieder erhöht werden. Dieser kinderreiche Mann lebt mit seiner Familie in einer Reihe von Steinhäusern, die er zusammen mit seinen älteren Söhnen gebaut hat. Während einige seiner verheirateten Töchter diese Elternhäuser bei ihrer Eheschliessung verlassen haben, wohnen sämtliche Söhne, verheiratete wie unverheiratete, weiterhin in dem grossen Familiengrundbesitzlager. — Nicht weit vom Dorf dieses Arabers wohnt die kinderreichste jüdische Familie, in der es allerdings erst 22 Kinder gibt. Eine andere jüdische Familie gilt mit 14 Kindern bereits als die drittgrösste in Israel. POSTKUTSCHE WIEDER MODERN Das Postamt auf Rädern ist eine besonders nützliche Einrichtung für ländliche Bezirke. Im Jahre 1955, als man diese Neuschaffung in Israel einführte, gab es vierzehn solcher Postautos, die entlegene Ortschaften aufsuchten. Die Zahl der rollenden Postämter wurde nach und nach vergrössert und beträgt heute 36, die zusammen 620 Ortschaften anfahren und täglich eine Strecke von mehr als 4500 km zurücklegen. Die längste Reiseroute, nämlich 210 km, hat ein rollendes Postamt im Negew. Diese Postautos verkaufen Briefmarken, nehmen Pakete an, liefern Post und Pakete aus und führen sämtliche Transaktionen eines Postamtes in Israel durch; dazu gehören auch die Aufgaben der Postbank, die wiederum die verschiedenen Auszahlungen der staatlichen Sozialversicherung (Altersrenten und andere Beihilfen) einschliessen. Das rollende Postamt, das etwa sechs Stunden täglich unterwegs ist, kündigt seine Ankunft, die zumeist zu einer festbestimmten Zeit erfolgt, durch ein lautes, wohlklingendes Hupsignal an. Im allgemeinen hält das Postauto an jedem Ort etwa zehn Minuten; an Tagen aber, an denen die Auszahlungen der Renten erfolgen, wird ein längerer Aufenthalt benötigt. Zeigt sich indes, dass die regelmässige Zeit, die für einen Ort notwendig ist, länger als eine Viertelstunde ist, so wird diese Ortschaft vom weiteren Besuch des Postautos ausgeschlossen und es wird statt dessen dort eine Posthilfsstelle eingerichtet; die Zahl der Posthilfsstellen im ganzen Lande ist von 47 im Jahre 1948 heute auf bereits 345 angestiegen. ''IliiisfP ■; ímm. ikÉüÍM«MNÍl Der Toraschreiber (Nach dem Gemälde von Josef Israels) GESUNDHEITS-PROBLEME Eine Reihe von führenden Ärzten hat kürzlich bei einer Konferenz die Öffentlichkeit mit der Mitteilung überrascht, dass die allgemeine körperliche Tauglichkeit der Israelis, insbesondere der Jugendlichen im Alter der Absolvierung der höheren Schule, viel zu niedrig sei. Unter anderem zeigt sich bei der ärztlichen Untersuchung für die Militärdienstpflicht, dass 20 Prozent dieser 18jährigen jungen Männer zu fett und zu korpulent sind. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass die 120 Parlamentarier, über die Israel verfügt, sich durch besonders niedrige körperliche Tauglichkeit auszeichnen. Auch die Mitglieder der Kibbuzim weisen eine unzureichende körperliche Tauglichkeit auf; die untersuchenden Ärzte führen diese Tatsache auf die fortschreitende Urbanisierung und Mechanisierung in den Kibbuzim zurück. In bezug auf die Todesursachen der Israelis brachte die Ärztekonferenz gleichfalls einige Überraschungen ans Tageslicht. Nur 17 Prozent aller Todesursachen sind auf Krebs zurückzuführen, während Herzkrankheiten mit 52 Prozent an erster Stelle unter den Todesursachen rangieren. Die dritte und vielleicht erstaunlichste Mitteilung der Wissenschaftler aber war, dass unter den religiösen Juden der Prozentsatz der Herzkranken (und damit der Herzkrankheiten als Todesursache) um nahezu die Hälfte geringer war als unter den „ungläubigen“ Juden. Auch das Herkunftsland spielt eine Rolle in bezug auf Herzkrankheiten. Jemenitische Juden bleiben nahezu völlig verschont von Herzkrankheiten. Auf der anderen Seite hat die Sesshaftmachung der Beduinen in Israel ihnen auch die verschiedenen Zivilisationskrankheiten gebracht und der Stress des neuen Lebens hat selbst bei ihnen Erkrankungen des Herzens hervorgerufen.

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