Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 9 (9.1972)
- Date
- 1972-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 SEPTEMBRE 1972 DER SCHWILI DER VON SCHALOM BENCHORIN Deutsche boykottieren Auschwitz - Arzt Viele Schwilis kommen heute aus Georgien (Grusien) nach Israel. Alle Juden aus diesem Teil der Sowjetunion, oder doch fast alle, tragen den Schwili im Namen, zum Beispiel Chachamschwili. Das heisst ganz einfach der Sohn des Chacham, des Weisen. Diese Eigenschaft ist aber keine jüdische, denn Schwili ist die georgische Bezeichnung für Sohn, so dass auch Stalin, der in Gori in Georgien geboren wurde, ursprünglich Dschugaschwili hiess. Chajim Schwili in Jerusalem aber hat seinen Namen dadurch hebraisiert, dass er sich nun Schwili allein nennt, wobei das Wort vom hebräischen Schwil Pfad abgeleitet wird. Seit zweiundfünfzig Jahren lebt Chajim Schwili in Jerusalem, wo er vor Sechsundsechzig Jahren geboren wurde. Als kleines Kind aber kehrte er mit seinem Vater nach Georgien zurück, wo dieser das Amt eines Rabbiners übernahm. Der kleine Chajim erhielt die traditionelle Erziehung im Cheder, aber es zog ihn gewaltig nach Juersalem zurück, wo er zuerst an einer Jeschiwah und dann am Misrachi-Lehrerseminar studierte. In der Jerusalemer Altstadt wohnte er im jüdischen Viertel, bis die arabische Legion der Jordanier es 1948 zerstörte. Schwili konnte nur noch sein Buch “Chason Chajim” aus dem Untergang retten. In diesem Erstlingswerk hatte er bereits in kabbalistischen Berechnungen die Staatsgründung vorausgesehen. Am 15. Schewat des Jahres 1947 publizierte Chajim Schwili die Prophezeiung, dass die Juden der Sowjetunion in Massen nach Israel kommen würden. Er stützte sich dabei auf Jeremia 16,14 -15: "Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass man nicht mehr sagen wird: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel aus Ägypten geführt hat, sondern: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel geführt hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Ländern, dahin er sie verstossen hatte. Denn ich will sie wiederbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe”. Moskau liegt direkt in gerader Linie nördlich über Jerusalem. DAS ENDE DER TAGE Numehr erfüllt sich diese Prophezeiung, eine von vielen, die Schwili in seinem neuen Buche “Cheschbonoth Haeeula” (Berechnungen der Erlösung) zusammengestellt hat. Der Verfasser, heute ein pensionierter Beamter der Jewish Agency, lebt jetzt in Jerusalem-Katamon in der Chisch-Strasse 11, ganz eingesponnen in seine kabbalistischen Spekulationen. Er gehört bereits zu den Sehenswürdigkeiten Jerusalems. Filmproduzent und Schnulzensänger Jehoram Gaon läfet den Propheten Schwili in seinem Jerusalemfilm auftreten. Der kleine, wild gestikulierende Mann steht weissagend auf einem Tisch und prophezeit das Ende der Tage für 1976. Da wird der Krieg gegen Gog und Magog im Lande Israel ausbrechen, den der Prophet Ezechiel in den Kapiteln 38 und 39 prophezeit hat. Schwilli erklärt uns, dass die Wissenschaft irre, wenn sie Gog und Magog mit dem wilden Völkerstamm der Skythen identifiziere, Barbaren, die von den Steppengebieten des Kaspischen Meeres und nördlich des Kaukasus im siebenten vorchristlichen Jahrhundert weite Teile der Alten Welt ueberschwemmten, auch das Perserreich, dessen König Koresch im Kampf gegen die Skythen gefallen ist. Gog und Magog seien nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart und Zukunft, ein Deckname für die Russen. Das Wort Rosch in Ezechiel 38,2 liest Schwili als Russ, deutliche Abkürzung für Russland... Die Russen würden Istanbul (Konstantinopel) erobern, sich den Durchzug durch die Türkei erzwingen, um den Arabern zu Hilfe zu eilen. Sie brächten wilde Völkerschaften aus dem Kaukasus mit sich, die echten Nachkommen Amaleks, des mythischen Erzfeindes Israels. Amalek sei, so erklärt Schwili, der Enkel Esaus; dieser würde auch Edom, der Rote, genannt . . . und rot seien die Sowjets. Nun aber marschiere die Rote Armee Edom-Amalek gen Jerusalem, in ihr eigenes Verderben. Denn jetzt greife Gott selbst ein, wie es der Prophet Sacharja in den Kapiteln 12 und 14 beschrieben hat: “Siehe, ich will Jesusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker, die umher sind...” (Sach. 12,2). Jerusalem solle nicht verzagen, denn “Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen” (Psalm 46,6). DER RETTER MESSIAS Wie hilft Gott nach Meinung Schwilis seinem Volke? Durch Naturkatastrophen. Ein Erdbeben solle alle Moscheen, Kirchen und Klöster in Jerusalem zerstören (und die Synagogen, Wohnhäuser, Schikunim? — Hierüber schweigt des Autors Höflichkeit). Der-ölberg werde gespalten (Sacharja 14, 4-5), eine Quelle breche aus dem Tempelberg hervor. Inmitten dieser Verwirrung von Regen und Hagel aller Art trete nun der Retter in der Not, der Messias, hervor. Der Dritte Tempel werde errichtet und die Stadt Jerusalem nach den Plänen vollendet, die im letzten Kapitel des Propheten Ezechiel (48) angedeutet sind. Ezechiel und Sacharja sind die meist zitierten Propheten bei Chajim Schwili, aber auch Joel 4,17 ist von grosser Bedeutung: “Und ihr sollt es erfahren, dass ich, der Herr euer Gott, zu Zion auf meinem Heiligen Berge wohne. Alsdann wird Jerusalem heilig sein und kein Fremder mehr durch sie wandeln”. Tatsächlich nimmt Schwili an, dass die Araber in die umliegenden Länder auswandern würden. Die Versicherung, dass kein Fremder mehr durch Jerusalem wandeln werde, dürfte Touristikminister Mosche Kol weniger erfreuen. Darauf kann Schwili keine Rücksicht nehmen, auch den Linksparteien hat er den Kampf angesagt, da sie bereit sind, Teile des Landes der Verheissung zurückzugeben. Die Weltgeschichte liegt klar vor den Augen des Propheten Chajim Schwili, Man muss nur beim Propheten Daniel im Kapitel 7 nachlesen, im Traum von den vier grossen Tieren. Der Löwe, Seit dem im vergangenen November erfolgten Ableben von Oberrabbiner Jehuda Leib Levin war das hohe Amt des geistlichen Oberhaupts der Moskauer Juden verwaist gewesen. Nun wurde die Einsetzung von Rabbiner Jakow Fischman von der jüdischen Gemeinde Perm im Ural als Rabbiner der Moskauer Zentralsynagoge von den sowjetischen Behörden bestätigt. Längere Zeit war davon die Rede gewesen, Rabbi Israel Schwarzblatt aus Odessa als Nachfolger zu nominieren, doch sties-s diese Kandidatur in der jüdischen Gemeinschaft auf Ablehnung, da man wohl wusste, dass Schwarzblatt in den vergangenen Jahren sich als Wortführer einer scharf antizionistischen Kampagne hergegeben hatte. Die sowjetischen das ist natürlich England, der Adler ist das Symbol der USA, auf den Dollarnoten zu sehen. Der Bär ist fraglos Russland und der Parder wird auf Frankreich gedeutet. Das Gericht über diese Tiere, das heisst über diese Reiche, ist beschlossen. Schwili liest es aus dem Propheten heraus, aber mit Hilfe des Gaon von Wilna einerseits und des ARI, Rabbi Isaak Luria, andererseits, der bereits vor vierhundert Jahren errechnet hat, dass 1970 — 76 die Endzeit anbrechc. Nach Erscheinen des Messias findet auch die Auferstehung der Toten statt. Man denke nicht, dass die Praphezeiungen Schwilis die Umwelt kalt Hessen. Nicht nur orientalische Juden und kabbalistische Chassidim, nicht nur Schwilis eigene Brüder, die anderen Schwilis aus Georgien, leihen ihm ein williges Ohr. Auch in den Kreisen fundamentalistischer Bibslchristen findet er reges Interesse. Eine amerikanische Dame, die nach Jerusalem gezogen ist, um hier, am Schauplatz der Handlung die letzten Tage der Menschheit zu erleben, gehört zu den Jüngern Schwilis. Wenn seine Berechnungen der Endzeit ins Englische und Deutsche übersetzt würden, hätten sie Aussicht, Besteller zu werden. Aber der Prophet will den “Heidenvölkem” seine Geheimnisse nicht preisgeben, sondern seine Brüder warnen und trösten. Auch er fühlt sich nur zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel gesandt. Behörden scheinen sich des Widerstandes gegen diesen Kandidaten bewusst gewesen zu sein. Rabbi Fischman wurde 1913 in Luzk in Wolhynien geboren, das zu jener Zeit Teil Polens war. Uber seinen Werdegang in jungen Jahren ist kaum etwas bekannt. Er wurde 1939 in die Rote Armee eingezogen, während seine erste Frau und die Kinder zwei Jahre später im Luzker Getto von den Naziokkupanten ermordet wurden. Später heiratete er eine Moskauer Jüdin und liess sich in Moskau nieder. 1962 graduierte er an der dortigen Jeschiwa und erhielt Semicha vom damaligen Oberrabbiner Levin, der gleichzeitig Leiter der Jeschiwa war. Rabbi Fischmann betätigte sich auch als Schochet und Mohel. Die Biologiestudenten der Frankfurter Universität haben die Vorlesungen des Anthropologie-Professors Hans Fleischhacker “aus moralischen Gründen” bestreikt Dieser war vergangenes Jahr von der Komplizenschaft des Mordes an 115 KZ-Häftlingen aus Auschwitz freigesprochen worden. Die Anklage hatte vorgebracht, dass er die Schädel der Gefangenen ausgemessen hatte, bevor diese nach dem elsässischen Lager Natzweiler transportiert wurden, wo man sie umbrachte. Die Organisation “Ahnenerbe” wollte die Schädel als “typische Beispiele von jüdischen und bolschewistischen Untermenschen” zur Schau stellen. Trotz der Behauptungen von Fleischhacker, er hätte geglaubt, an echten Forschungen in Auschwitz teilzunehmen, Hessen nun die Studenten wissen, dass er als Lehrer wegen seiner Verstrickung mit den Seheusslichkeiten der Nazis untragbar sei, umsomehr er weder die Untaten verurteilt, noch seine Tätigkeit bedauert habe. Das hessische Kultusministerium erklärte dazu, das Verhalten von Fleischhacker zu missbilligen, jedoch ausserstande zu sein, ihn entlassen zu können oder gegen ihn disziplinarische Schritte zu unternehmen. Anne Franks Kastanienbaum in Gefahr Uber 160 Einwohner, die in der Nachbarschaft des Hauses in Amsterdam leben, wo Anne Frank von 1942 bis 1944 in ihrem Versteck gelebt hatte, haben eine Petition an den Bürgermeister und den Gemeinderat gerichtet. Sie protestieren damit gegen eine kürzlich errichtete Ziegelmauer und verlangen deren Entfernung. Der durch diese Mauer gefährdete 200 Jahre alte Kastanienbaum bildet ein starkes Merkmal in den Memoiren der 15jährigen Anne Frank und war ihr ein Born der Hoffnung. Zehntausende von Menschen besuchen alljährlich die Gedenkstätte und betrachten mit Wehmut diesen Baum, dessen Wurzeln nun anscheinend beschädigt worden sind. Das Anne- Frank-Haus ist eine Stätte der Begegnung namentlich junger Menschen im Sinne der internationalen und interkonfessionellen Verständigung. Moskau hat wieder einen Oberrabbinner