Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 9 (9.1972)
- Date
- 1972-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschsprachiger Teil des IN FORM AT1VO UNGERECHTE VERURTEILUNG DES EINSTIGEN DEUTSCHEN JUDENTUMS Durch die jüdische Presse ging der Bericht über eine Ansprache die der aschkenasische Oberrabbiner von Israel, Raw Isser Jehuda Unterman, gelegentlich einer Trauerfeier für die zerstörten juedischen Gemeinden Europas im “Hechal Schlomo” zu Jerusalem gehalten hat. In dieser Rede finden sich derartig unsachliche und kränkende Aeusserungen, dass bereits hervorragende ehemalige deutsche Juden energisch Proest erhoben haben. Auch wir bei allem Respekt vor der ehrwürdigen Gestalt des 86jährigen gelehrten Rabbiners, würden es fuer schädlich halten, diese Ausführungen unwidersprochen zu lassen. Raw Untermann sagte nach dem vorliegenden Bericht: “Das grösste Unglück, das uns in unserer Geschichte betroffen hat, ist von Deutschland ausgegangen, weil die deutschen Juden treulos waren, ihren Glauben Preisgaben und vom jüdischen Volke nichts mehr wissen wollten.” Hierzu einige kurze sachliche Bemerkungen: Die Juden, die mehr als tausend Jahre auf deutschem Boden gelebt haben, waren keine schlechteren Juden als diejenigen vieler anderer Länder. Selbst in den Zeiten der schlimmsten Assimilation, in der Epoche, die vor 200 Jahren mit den Emanzipationsbestrebungen ihren Anfang nahm, in den Jahren des Abfalls und der Übertritte, blieb die ganz grosse Mehrheit dem' Judentum treu! Wohl war echte Religiosität in jenen Zeiten im Schwinden begriffen und der nationale Gedanke wurde m~ist zu Gunsten eines falschverstandenen deutschen Patriotismus aufgegeben, doch -jüdische Geistigkeit und Riidung konnten viele ruhmvolle Leistungen auf weisen. Die Gemeinden wurden mit Liebe und viel Aufopferung aufrechterhalten, und der Kampf gegen judenfeindliche Tendenzen ist mit Stolz und Ehrlichkeit geführt worden. Kann dem Herrn Oberrabbiner unbekannt sein, dass gewaltige Schoepfungen juedischer Gelehrsamkeit auf deutschem Boden entstanden sind, dass deutsche Juden wie Riesser, Berend Lehmann und viele andere mit “Männerstolz vor Fürstenthronen” vor Kaisern und Fürsten, vor Mächtigen, die jüdische Sache mit Würde vertreten haben? Wir brauchen auf grosse Juden Deutschlands, auch ausserhalb der Orthodoxie, nicht hinzuweisen, denn deren Namen bedeuten Raw Unterman vielleicht nichts, aber die Orthodoxie, welcher er angehört? Waren nicht Persönlichkeiten wie Samson Raphael Hirsch, Selig Bamberger Salomon Breuer, Nehemia A. Nobel, Joseph Carlebach, um nur einige Namen zu ^nennen, Menschen, auf welche auch die nicht streng - religiösen Kreise stolz sind? Muss man daran erinnern dass es auch deutsche Juden waren, die sich um Theodor Herzl scharten, ihn begriffen und zu grossen Figuren der zionistischen Weltbewegung, zu Wegbereitern des Staates Israel, wurden? Ich rufe dem Herrn Oberrabbiner nur die glanzvollen Namen von Otto Warbung, Arthur Hantke, Arthur Ruppin, Heinrich Loewe u. a. ins Gedächtnis zurück. Gewiss, niemand soll die schweren Fehler und Irrtümer vergangener Zeiten verschweigen, aber wo gab es nicht Assimilation-und Loslösung vom Judentum? Waren die französischen, italienischen, belgischen Juden u. a. in ihrer Mehrheit bessere Juden als die deutschen, die noch 1929 an dritter Stelle standen in der Beisteuerung zum Keren Hajessod? Ist etwa unbekannt, drss der Kölner Rechtsanwalt Max Bodenheimer iahrelang ein wunderbarer Vorkämpfer für den Keren Kajemet Lejisrael gewesen ist? Das Urteil darüber, wer der bessere Jude ist und welche Judenheit mehr fuer die jüdische Zukunft vollbracht hat als eine andere, sollte nicht von uns selbst ausgesprochen werden, aber alle Juden, ausnahmslos, welche der grössten Katastrophe unserer Geschichte zum Opfer fielen, ob sie alle Mizwoth hielten oder nicht, sie alle starben für Kidusch Haschern, für die Heiligung des göttlichen Namens und die Ehre des jüdischen Volkes, weil sie als Juden den Märtyrertod erleiden mussten. Curt Wilk AUSTRITTSWELLE BEI DER NPD Bei der rechtsextremen NPD hat seit den Bundestagswahlen 1969 eine “Austrittswelle” eingesetzt, die zur Zeit noch anhält. Auf eine Frage des SPD-Abgeordneten Wilderich Ostmann von der Leye teilte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Wolfram Dorn, in der Fragestunde des Bundestages mit, dass die NPD Ende 1969 noch 28.000 Mitglieder, Ende 1970 noch 21.000 Mitglieder und Ende 1971 nur noch 18.000 Mitglieder gehabt habe. Auch andere rechtsradikale Organisationen hätten erhebliche Mitgliedsverluste hinnehmen müssen. Wieviele Mitglieder rcchtsextremer Organisationen im öffentlichen Dienst beschäftigt waren, lässt sich nach Auskunft Dorns im Augenblick nicht genau angeben. Entsprechende Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. LAMPARAS El surtido más grande en todos los estilos F err iluz Merced 555, Tel. 393905 Der Zensus in Israel soll künftighin alle zehn Jahre durchgeführt und in einem diesbezüglichen Gesetz verankert werden. Die erste Volkszählung fand 1948, die zweite nach dreizehn Jahren, 1951, statt, zur dritten kam es heuer im Mai, also nach elf Jahren. So war es bis jetzt unmöglich, gleiche Zeitabschnitte miteinander zu vergleichen. Volkszählung in Israel. Tausende von Helfern erfassen im Gespräch die für Verwaltung und Planung wichtigen Daten. Die Friedensbotschaft des Sukkotfestes Im Sukkot- oder Huettenfeste finden sowohl die Lebens« freude des Juden als auch seine Friedenssehnsucht den stärksten Ausdruck. Das jüdische Volk, das einst die Wüste durchstreifte, um in das Land der Verheissung zu gelangen, das durch Länder und Kontinente wanderte, sah in der schützenden, schwachen, Hütte symbolisch jene “Hütte des Friedens” ausgebreitet, von der das Gebet sagt” dass sie sich über uns,, über ganz Israel und über Jeruschalajim, die ewige, heilige, Stadt spannnen möge.” Wir Juden sehen in dem unteilbaren Frieden dasjenige Ideal, dem nachzustreben höchste Verpflichtung sein dürfte. Weniger himmelragende Friedenspalaeste als der aufrichtige Wille, Streitigkeiten zwischen Nationen auf friedliche Weise beizulegen, dürften heute mehr denn je erforderlich sein. Und vielleicht ist gerade Jerusalem, die altneue Hauptstadt Israel, dafür geeignet, Sitz einer Weltliga für den Frieden zu werden. Innerhalb seiner alten, uns seit fünf Jahren wieder zugänglichen, Stadtteile hat es die heiligsten Staetten dreier Weltreligionen, und von Zion aus haben Israels grosse Propheten ihre hinreissenden, die Menschheit aufwühlenden, von tiefster Frkdenssehnsucht getragenen, Reden an die damalige Welt ergehen lassen. In Jeruschalajim dichtete König David seine Psalmen, wohl die erhabenste religiöse Lyrik, die jemals geschaffen wurde, und die z.B. im protestantischen Gottesdienst einen nicht wegzudenkenden Bestandteil bilden. Nach Israel und besonders nach Jerusalem, richten sich am Sukkotfeste unsere Blicke. Dort, in uneingeschränkter Freiheit, begeht ein Teil unseres Volkes das Fest der Ernte, das bedeutendste der alt jüdischen, biblischen, Wallfahrtsfeste in einer neuen Form der Freude, welche an die glücklichsten Zeiten der ältesten jüdischen Geschichte erinnert. In Fröhlichkeit und mit Dank begeht man dort Sukkot an goldenleuchtenden Herbsttagen, im Gebet den Regen erflehend, dessen segenspendende Kraft in der alten Festliturgie so eindringlich gepriesen wird. In Israel gibt man sich der Hoffnung hin, dass die Verheissung des Propheten Secharja, die wir am 1. Feiertage vernehmen, sich einst verwirklichen lassen möge, dass nämlich die Völker nach Zion und Jerusalem hinaufziehen werden, um dem Friedensgedanken die Krönung zu geben und eine neue “Huette des Friedens” für die gesamte Menschheit erstehen zu lassen. Curt Wilk PERFUMERIA ROSE LTDA. Monjitas 873 - Local 561 Fono 3814 4 8