Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 4 (4.1972)
- Date
- 1972-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1972 19 ZWEI RABBINER Christlich-jüdische Ökumene möglich? Die beiden Rabbiner, mit denen sich diese Zeilen beschäftigen, haben fast nichts miteinander gemeinsam, es sei denn, man wolle darauf hinweisen, dass ihren Namen zufolge ihre Urahnen vor Jahrtausenden im Tempeldienst eine besonders aktive Rolle spielen durften, als Kohanim beziehungsweise als Angehörige des anderen Priesterstammes, Levi. Hier hört die wahrlich nicht enge historische Verwandtschaft zwischen beiden Männern auf. Im tragischen Problem der Juden ln der Sowjetunion wurde sie vom Schicksal auf zwei diametral emgegengesetztö Positionen gestellt. Der Mann, dem unser Gedenken gilt, war der Rabbiner der grössten Synagoge Moskaus, Jehuda Leib Lewin, der im November v.J. einem Herzleiden erlag. Fälschlich nannte ihn die Presse oft “Oberrabbiner der UdSSR". Praktisch existierte weder diese Funktion noch der Titel. Er war einer der ganz wenigen noch amtierenden Rabbiner in der Sowjetunion und wirkte von seiner Handvoll Kollegen praktisch isoliert. Kurz nach Pessach 1965 hatte der Verfasser dieser Zeilen in dem kleinen von Folianten überfüllten Amtszimmer des jetzt im Alter von 76 Jahren Verstorbenen ein längeres und unvergessliches Gespräch. Der weisshaarige bärtige Greis wirkte ehrfurchtgebietend und gleichzeitig mitleiderregend. Es war allzu offenkundig, dass ihm die Lippen versiegelt waren, und so waren die Auskünfte, die er zögernd gab, in ihrer Unbestimmtheit traurig und nichtssagend. Er sagte, dass es auser seiner relativ grossen Synagoge (Khoral-Synagoge an der Archipova-Strasse), noch zwei Beb stätten gäbe, er wagte keine Angabe statistischer Zahlen, erwähnte als mutmassliche Zahl der Juden Moskaus 500.000. Als er nach einer Jeschiwa oder einem Rabbinerseminar gefragt wurde, zuckte er nur müde mit den Schultern. Die Frage nach dem Neudruck eines Gebetbuchs beantwortete er mit einem Hinweis auf Druckplatten, die neben seinem Schreibtisch staubbedeckt lagen, und der frommen Äusserung: Rabbiner Kahane V •,, >rv:-.4 zzßm Rabbi Levin (S. L.) “Mit Gottes Hilfe werden wir drucken!” Rabbiner Lewin hat immer wieder Äusserungen publiziert, die das sowjetische System verteidigten, sich jede Einmischung von aussen verbaten und gegenüber Israel die offizielle Moskauer Regierungsposition einnahmen. Niemand wird mit Bestimmtheit sagen können, wie weit hier Überzeugung oder äusserer Druck ihm Feder und Zunge führten. Rabbi Meir Kahane, der amerikanische militante antisowjetische Sprecher, steht ganz auf der anderen Seite der Barrikade. Seit Jahr und Tag hat er in Washington und in New York gegen Sowjetdiplomaten aufs heftigste demonstriert, protestiert und randaliert nicht etwa als überzeugter Antikommunist, sondern als rabiater Verfechter des biblischen Rufes “Lass mein Volk ziehen”, den er den Sowjets entgegenschleudert. Gerade erst stand er wieder in den Nachrichten: Einmal, weil er die Tötung zweier sowjetischer UNO-Diplomaten in Aussicht stellte für den Fall, dass die Sowjets eine inhaftierte todkranke Jüdin nicht freiliessen. Die andere Meldung besagte, dass der britische Oberrabbiner Jakobovitz dem Führer der Jewish Defense League die Erlaubnis versagt habe, in einer Londoner Synagoge zu predigen. Aus der Gegenüberstellung des Moskauer Raws und seines amerikanischen Kollegen soll hier kein Schluss und keine “Moral” gezogen werden. Beide versuchten und versuchen, ihr Leben und Wirken im Einklang mit jüdischer Lehre - ihrer persönlichen Interpretation gemäss — und dem Gebot ihres Gewissens zu gestalten. Beide Rabbiner zeigen aber auch, dass es im rabbinischen Stand alle möglichen Standpunkte und Kontroversen gab und gibt und dass im Judentum, das weder eine autoritäre geistig-geistliche Spitze kennt noch eine einende politische Theologie, keine Uniformierung des Denkens und Handelns existiert. H.L. (Jüdische Wochenzeitung, Düsseldorf) Den Vorschlag, mehr das Gemeinsame als das Trennende in den Vordergrund zu stellen, machte Prof. Baruch Graubard auf einer Gemeinschaftsveranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit dem Kolpinghaus St. Theresia in München, auf der er über die Frage “Ist christlichjüdische Ökumene möglich?” sprach. Prof. Graubard berichtete von einer Umfrage in Israel. Die Hebräische Universität Jerusalem hatte an ihre Studenten die Frage gerichtet, ob sie sich vorstellen könnten, dass in Europa eine neue Verfolgung von Juden wie in der NS-Zeit möglich wäre. 85 Prozent der Studenten hatte diese Frage mit Ja beantwortet. Das zeige, wie tief im Juden seit damals die Angst sitze, dass sich die Ereignisse eines Tages wiederholen könnten. Das gleiche gelte für ein ökumenisches 'Gespräch zwischen Christen und Juden. Auch die Christen betrachteten sich als geistige Kinder des Vaters Abraham, doch gebe es Unterschiede in bezug auf dem Weg zum Königreich Gottes. Die Juden glaubten, wenn man die Gesetze der Thora erfülle, wachse man in das Königreich Gottes hinein. Pflichterfüllung sei für die Juden der Weg zum Königreich Gottes. Durch Leiden, sagte der Prophet Jesaja, komme man ins Königreich Gottes. Er glaubte, dass Leiden und Schmerz den Menschsen wandele. Paulus dagegen meinte, dass der Mensch auch ohne die Fesseln des Gesetzes gut sei. “Wie kann ein Mensch Schlechtes tun”, fragte er, “Wenn er im Schatten Gottes wandelt?” Für das Christentum sei die Erlösung schon da. Als Kaiphas Jesus fragte: “Bist du der Sohn des lebendigen Gottes?”, antwortete dieser nach dem Bericht der Evangelien: “Du sagst es.” Diese Antwort legte Prof. Graubard anders aus als das Christentum. “Jeder Jude”, sagte er, “bezeichnete und fühlte sich damals als “Gottes Sohn’, und im Alten Testament heisst es mehrmals “Ihr seid Gottes Kinder”. Jesus Antwort wäre also kein Grund gewesen, ihn zum Tode zu verurteilen und hinzurichten. Nur ein Aufruf zum Götzendienst war nach damaligem Recht ein todeswürdiges Verbrechen. Um das Jahr 200 sagte Tullian, das Heil der Christen sei mit dem Gespräch mit den Juden verbunden. Aber fast 2000 Jahre lang wurde das Gespräch schlecht geführt, bis die Juden müde geworden wären. Maimonides, der von 1135 bis 1204 gelebt hat, musste Spanien verlassen und nach Ägypten fliehen, weil er in Jesus Christus Gott gelästert hätte. In dieser Atmosphäre konnte kein Gespräch aufkommen. Statt den Talmund zu studieren und zu sehen, was er sagte, verbrannte man ihn. Auf der anderen Seite sei bei den Juden erst sehr spät die Frage gestellt worden: “Wer war Jesus von Nazareth, und was bedeutet er uns?” Jesu Gestalt, meinte Prof. Graubard, sei zu gross, als dass die Juden an ihm Vorbeigehen könnten. Aber das Gespräch müsse anders geführt werden. Es gelte, den 85 Prozent Jerusalemer Studenten die Angst zu nehmen, dass sich so etwas wie in der NS-Zeit wiederholen könnte. Das aber sei nur durch Dialoge und nicht durch Monologe möglich. In den USA sei man in dieser Beziehung schon weiter als in Europa. Dort gebe es gemeinsame Gotteshäuser, in denen am Sonnabend der jüdische und am Sonntag der christliche Gottesdienst abgehalten werde. Das gemeinsame Gotteshaus allein reiche aber nicht aus, “Wir können”, schloss Prof. Graubard seine Ausführungen, “trotz verschiedener Glaubensbekenntnisse und Dogmatik miteinander sprechen, wenn wir mehr das Gemeinsame und weniger das Trennende in den Vordergrund unserer Gespräche stellen.” ____ Herbert Liebmaim (Jüdische Wochenzeitung Düsseldorf) Daunendecken Neubeziehen und Ansbessern sewie alle Federarbeiten in bester Ausfuehrung uebernimmt Frau Ilse Philipp LINCOYAN 862. oltos Ecke Av. Itaiia&Yrarräzaval Yrarräzaval Hoehe 700 Importierte Stoffe und Inlett fuer Daunendecken am Lager TELEFON 498322 Bettwaesche-Aussteuer ELISA stets grösste Auswahl in Uniformen San Antonio 65 Fono 381900 RUDI JELEN Feine Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksachen Barmizwahgeschenke Edif. Pza. de Annas Local 136, (entreplso)( Eingang MONJITAS 878 Telefon 384865 Die Jungend und der NS-Staat Eine vom Institut für Sozialwissenschaften durchgeführte Befragung der öffentlichen Meinung ergab, dass laut Ansicht der Hälfte der Bevölkerung der Bundesrepublik das nationalsozialistische Regime auch positive Aspekte hatte. Unter den 15 bis 20-jährigen waren es nur 29 Prozent; hingegen waren 65 Prozent dieser Jugendlichen der Meinung, dass der Nationalsozialismus nichts Gutes in sich barg. Die älteren Jahrgänge meinten, dass zur Zeit des NS-Regimes Ruhe und Ordnung herrschten, die Zahl der Verbrechen gering war und die Delinquenten hart bestraft wurden. Unter den Jugendlichen waren 77 Prozent dagegen, einer starken Persönlichkeit die. Führung des Staates zu übertragen und nur 20 Prozent waren dafür. Aufgrund dieser Ergebnisse kommt das Institut zu dem Schluss, dass die heutige deutsche Jugend die Demokratie viel ernster nimmt als je zuvor. PERFUMERIA ROSE LTDA. Monjitas 873 - Local 561 Fono 381448 AN UNSERE MITGLIEDER Der Vorstand hat beschlossen, in Hinkunft am Schabbät, wenn keine Bar-Mizva stattfindet, vom Vortrag der Mischeberachs in der Synagoge Abstand zu nehmen. SCI B'ne Jisroel