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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1972-03-01 · 3 (3.1972) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIV (1972)
Issue
3 (3.1972)
Date
1972-03-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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MARZO 1972 BOLETIN INFORMATIVO 17 Jn f*C'evolution KIBBUZ •n im Israels ber uehmtestes Schaustueck, der Kibbuz, erlebt eine Revolution. Als vor ueber 60 Jahren die erste Gemeinschafts-Siedlung, Daganiah im Jordantal, gegruendet wurde, verwirklichten die sozialistischen Zionisten damit zwei Prinzipien - den Egalitarismus und die produktive Verbindung mit dem Lande. Beide Grundsaetze werden im Zuge der Entwicklung langsam unterhoehlt, und die Kibbuzim, als Bauernkollektive geplant, um die Forderung „Zurueck zum Boden“ in eigener landwirtschaftlicher Arbeit durchzufuehren, werden mehr und mehr zu einem Teil der Industriegesellschaft. Die technologischen Umwaelzungen, die die Struktur der gesamten westlichen Welt veraendern, machen auch nicht vor diesen Inseln der Ideologie und Ideale Halt. Von allen Experimenten des Lebens in einer kommunalen Gemeinschaft hat sich der Kibbuz am laengsten bewaehrt. Es gibt heute 230 solcher Gemeinschafts-Siedlungen in Israel, deren Einwohnerschaft etwa 4 Prozent der juedischen Bevoelkerung des Landes betraegt. Vor der Gruendung des Staates war die Zahl der Kibbuz-Siedler absolut zwar kleiner, aber ihr Anteil an der damaligen juedischen Bevoelkerung im Verhaeltnis hoeher. Das soziale und moralische Prestige der Kibbuzim ist in Israel zurueckgegangen, aber draussen in der Welt ist seine Idee nach wie vor populaer, und jedes Jahr stroemen tausende von Jugendlichen, Juden wie Nichtjuden, ins Land, um ein paar Wochen oder Monate in einem Kibbuz zu verbringen. In Israel selber hat das Beduerfnis der jungen Generation nach mehr Individualitaet, Privatleben und persoenlicher Initiative vom Kibbuzgedanken weggefuehrt, und es ist kein Zufall, dass die Siedlungsform des genossenschaftlichen Dorfes, des Moschaw, den Kibbuz weit ueberfluegelt hat - es gibt 380 solcher Doerfer mit 138.000 Menschen gegenueber den 230 Kibbuzim mit 94.000 Siedlern. Der Kibbuz legt den Schwerpunkt auf Gemeinschaftsleben, glei che Einkommensverteil u n g, gemeinsame Kindererzieh u n g, gemeinschaftliche Speiseraeume; die Mitglieder eines Moschaw, eines Genossenschaftsdorfes, leben dagegen mit ihren Kindern zusammen in ihren eigenen Haeusern, vermarkten ihre Produkte durch eine Kooperative, die auch die Anschaffungen macht, bebauen aber selbstaendig ihre Landparzellen und verdienen auf Grund ihres persoenlichen Erfolges. Waehrend der Zuzug zu diesen Doerfern groesser ist als die Zahl der zur Verfuegung stehenden Anwesen, leiden mache Kibbuzim, wie z.B. die in der suedlichen Wueste, der Arava, an Menschenmangel. Trotzdem geht der Einfluss der Kibbuzim .weit ueber ihre numerische Staerke hinaus. Etwa 15 Prozent der hoechsten politischen Positionen im Staatsapparat werden von Kibbuz-Mitgliedern bekle i d e t, und in der Knesseth halten sie - und ehemalige Mitglieder - sogar 30 Prozent aller Sitze. von Jedes Jahr beantragen etwa 2.000 Kandidaten, sich einem Kibbuz anschliessen zu duerfen. Der groesste Teil kommt aus westlichen Laendern, junge Menschen, die enttaeuscht vom sinnlosen Leben der Grosstadt und angewidert von der Konsumgesellschaft nach neuen Werten suchen. An erster Stelle standen im vergangenen Jahr Einwanderer aus Suedafrika, an zweiter Stelle Amerikaner. So sehr ist fuer sie die Idee des Kibbuz mit Israel identifiziert, dass jene, die vom Kibbuzleben enttaeuscht sind, nicht nur den Kibbuz, sondern auch das Land wieder verlassen. Unzufriedenheit geht oft von der Frau aus, die sich nicht mit der Gemeinschaftserzieh u n g ihrer Kinder abfinden kann und meistens ist es sie, von der der Wunsch ausgeht, den Kibbuz wieder zu verlassen. Das Prinzip des Egalitarismus wurde mit der zunehmenden Prosperitaet erschuettert. In manchen Kollektivsiedlungen ist es nur noch eine Fiktion und Reliquie der Vergangenheit. Einige Mitglieder fahren auf Kosten reicher Verwandter ins Ausland, andere bekommen von aussen her Geschenke wie Stereo- Anlagen oder sonstige kostspielige Dinge; wieder andere haben Nebenverdienste, wie etwa bildende Kuenstler, die ihre Arbeiten verkaufen; Fotografen, die ihr „hobby“ kommerziell auswerten; Hundezuechter, die fuer ihre Tiere Abnehmer „draussen“ finden. Natuerlich haengt das Ausmass solcher „Abweichungen“ von der Disziplin jeder einzelnen Siedlung ab. Um Unklarheiten aus der Welt zu schaffen, wird in der Knesseth ein Gestz vorbereitet, das folgende allergische Punkte regeln soll: Was geschieht, wenn ein Kibbuz-Mitglied Vermoegenswerte erhaelt? (z. B. Erbschaft oder Wiedergutmachung aus Deutschland). Gehoeren sie dem Mitglied oder sollen sie dem Kibbuz zufallen? Der Vorschlag sieht vor, dass bei Anfall der Werte das Mitglied eine Bedenkzeit von vier Monaten erhaelt, in der es sich entscheiden kann, das Vermoegen dem Kibbuz abzutreten, oder aus dem Kollektiv auszuscheiden. Fuer die religioesen Kibbuzim stellt sich die zusaetzliche Frage, ob ein Mitglied, das seinen religioesen Lebensstil in der Oeffentlichkeit aendert, ausgeschlossen werden kann. Dieser Ausschuss soll mit einer Dreiviertelmehrheit der Mitglieder moeglich werden. In den fuenfziger Jahren begann ein neues Moment - die Industrialisierung der Kibbuzim. Bis dahin war die Landwirtschaft nicht nur ihre zentrale Taetigkeit .sondern auch ihre ideologische Basis. Es stellte sich jedoch heraus, dass bei der fortschreitenden Mechanisierung der Landwirtschaft nicht mehr alle Mitglieder bei Farmarbeiten Beschaeftigung finden konnten und dass die Einkuenfte nicht erlaubten, die Siedlungen entsprechend dem Wachstum ihrer Bevoelkerung zu erweitern, so dass zusaetzliche Einnahmequellen gefunden werden mussten. Der ganzen Kibbuz-Bewegung drohte Stagnation, wenn es nicht gelaenge, Herbert Freeden (Jerusalem) mit der dynamischen Entwicklung der modernen Wirtschaft Schritt zu halten und Industrie zu einem integralen Teil des Kollektivs zu machen. Ein Prinzip allerdings ging dabei ueber Bordder Grundsatz, dass keine Lohnarbeiter angestellt werden duerfen. Was sich in den vergangenen zwanzig Jahren in den Kibbuzim ereignet hat, gleicht einer industriellen Revolution. 192 industrielle Unternehmungen sind in den Siedlungen entstanden, in denen 10.000 Menschen beschaeftigt sind - etwa die Haelfte davon eigentliche Kibbuz-Mitglieder. Die Produktion pro Mann ist um ein Viertel hoeher als in staedtischen Fabriken. Ihre Jahreserzeugung liegt bei 150 Millionen Dollar, der Export ueberschreitet 30 Millionen Dollar. Jedes Jahr kommen ungefaehr zehn neue industrielle Kibbuz-Betriebe hinzu, mit Investierungen von 20 - 30 Millionen Dollar. Die organisatorische Struktur der Kibbuzim hat es ermoeglicht, in kurzer Zeit die staedtische Industrie an dynamischer Entwicklung zu ueberholen Die Folge ist, dass bei einem Bevoelkerungsanteil von 4 Prozent, die Kibbuzim ueber 10 Prozent aller industriellen Investitionen erhalten haben. Viele Kibbuz - Mitglieder fuerchteten, dass eine Fabrik das „Image“ ihrer Siedlung zerstoeren koenne. Sie traten deshalb in ihr industrielles Zeitalter mit einer viel besseren Planung als die Staedte. Von vornherein wurden alle Industriezweige ausgechaltet, die mit dem Gemeinschaftsleben nicht vereinbar sind und, nicht weniger wichtig, die von ihnen so geliebte und gehegte Umwelt verschmutzen. Damit waren Schwerindustrie sowie alle Produktionsprozesse ausgeschlossen, die Gesundheits¬ und oekologische Schaeden mit sich bringen. Die Industrie, die die Kibbuzim auf diese Weise und unter diesen Voraussetzungen geschaf f e n haben, ist fuer viele Entwicklungslaender von Interesse, die die schaedlichen Folgen der Industrialisierung vermeiden wollen. An erster Stelle der Kibbuz- Industrie steht die Lebensmittel-Verarbeitung, bei der zum grossen Teil die Agrarprodukte der eigenen Siedlungen verwertet werden - Fruchtsaefte, Marmeladen, Gemuesekonser. ven. Besondere Leistungen sind in der Moebelindustrie zu verzeichnen, sowohl in Wohn-wie in Bueroeinrichtungen, und sie beginnen, den lokalen Markt zu beherrschen. Textilfabriken und Webereien nehmen ebenfalls einen prominenten Platz ein, aber die Vielfalt der Erzeugnisse erstreckt sich von Wasserroehren ueber Plastikartikel bis zum Spielzeug. Prof. Herbert Marcuse, der „geistige Vater“ der Neuen Linken, war bei seinem kuerzlichen Besuch in Israel von den Kibbuzim sehr beeindruckt, er zweifelte aber, ob sie sich halten werden. Gerade dadurch dass sie sich an die moderne Industriegesellschaft adaptieren, versuchen sie, ihre Ueberlebens-Chance sicherzustellen. LONDONER NOTIZEN Die Auguren haben es wieder einmal vorausgesagt: Es sei leicht moeglich, dass im Jahre 2000 die britische Judenheit, wie wir sie heute kennen, praktisch nicht mehr existieren werde. Von den derzeit etwa 450.000 Juden koennte, so heisst, es, die weitaus überwiegende Mehrheit nicht mehr “da” sein —ausgewmidert, ausgestorben, ausgetreten oder dem Judentum anderweitig verlorengegangen. Dann würde es nur noch einige wenige Oasen oder Enklaven geben, vielleicht—■ es war zu erwarten! —um Golders Green oder Stämford Hill herum. Diese pessimistischen Voraussagen basieren auf gewissen statistischen Hypothesen, denenzufolge die jüdische Bevoelkerung in Grossbritannien jedes Jahr um ein bis zwei Prozent abnimmt; und wenn diese Entwicklung kumulativ anhielte, so heisst es, sei es ja nur eine Sache der elementarsten Mathe matik, das Ende auszurechnen. Die Frage ist nur, ob hier nicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht wird, das heisst, ob die Praemisse stimmt: Kann das Abstiegsmass für die naechsten 30 Jahre als apodiktisch und unwiderruflich angesehen werden, wird es gleichbleibend sein? Oder wird von einem Einzelfall von einem oder zwei Jahren sofort, ohne wissenschaftliche Berechtigung, eine allgemeine Regel abgeleitet und eine kühne Prophezeiung für 30 Jahre gemacht? Ein in unseren Tagen sehr beliebtes englisches Wort ist “semantics”, welches das Woerter buch —nicht besonders gut— mit “Wortbedeutungslehre” übersetzt. Man sollte es lieber mit “Wortklauberei” wieder geben. Bei diesen Prophezeiungen wird naemlich zuerst mit Zahlen herumgespielt, und dann wird damit “semantics” getrieben; und wenn man Worte lang genug geklaubt und Haare fein genug gespalten hat, dann kann man schliesslich “beweisen”, was man beweisen will. * Die zentrale Vertretung der britischen Juden, der Board of Deputies, hat soeben eine kleine Änderung seiner Verfassung vergenommen. Statutengemaess gelten als die gemeinsame “geistliche Autoritaet” des Board der aschkenasische Oberrabbiner und der sephardische Chacham, beide orthodox; sie allein haben das Recht, dem Gremium Entscheidungen über religiöse Fragen vorzulegen. Die nunmehrige Abaenderung der Statuten sieht vor, dass den geistlichen Führern des liberalen Judentums fortan eingeraeumt wird, bei Fragen, die ihre eigene jüdische Richtung angehen, zu Rate gezogen zu werden. Dabei soll jedoch —se heisst es— das letztlich religiöse Entscheidungsrecht des orthodoxen Rabbinats unangetastet bleiben. Alles in allem: ein Kompromiss, der nur wenigen vollauf zusagt, doch immerhin besser als eine Spaltung im Board und im britischen Judentum überhaupt, die vorher gedroht hatte. Ob der Kompromiss in der Praxis durchführbar ist, das wird die Zukunft zeigen müssen. \ Wir beraten Sie unverbindlich bei der Zusam- I i menstellung Ihrer Reisen im In- und Ausland, j i Hotel Reserven-Ausfluege-Passagen | > Guestige Zahlungsbedingungen! | SPORTSTOURj | Teatinos 304, Tels. 68832-83058-63100 \ PEDICURO "LUSTIG" CASA CENTRAL SANTIAGO San Antonio 510, Of. Z03, 3« pise Fon# 33903 KINESIOLOGIA SUC. VINA DEL MAE Plaza de Viña del Mar 173 Of. 19, Entrepiso Edificio El Escorial Fono 833953 _ ORTOPEDIA Manicure: Damas Caballeras Depilación a la Cera MONEDA 1037 RUDI JELEIN Feine Goldichmlede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl ven Schmueksaehen Barmizwahgeechenke Edil. 'Pza. de Ar mas Local 138, (entrepiso) Eingang MONJITAS 173 Teléfono 3S4SU

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