Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIV (1972)
- Issue
- 3 (3.1972)
- Date
- 1972-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1972 11 BOLETIN INFORMATIVO Pessachlegenden Und Alte llagadot Deu tschprach i£er Teil des INFORMATIVO Fast alle juedischen Feiertage haben einen ausgesprochen volkstuemlichen Charakter; sie haben eine lange Geschichte und sind mit den Wechselfaellen des Volksschicksals und seinem Streben nach Einheit eng verknuepft. Waehrend bei vielen Voelkern solche Feste in Jubel und Prunk begangen werden, sucht die juedische Auffassung nach Vergeistigung und Erhebung. So wissen wir, dass in der Zeit des zweiten Tempels » grossartige Vorbereitungen zur $; Feier des Pessachfestes gemacht wurden. Die Zeremonien im Tempel von Jerusa- ISRAEL und AEGYPTEN (Pessachgedanken) Ein grandioses Schauspiel rollt sich vor unseren geistigen Augen am Pessachfeste ab: Aus dem Lande des Nils, dem klassischen Lande der Sklaverei im Altertum, ziehen 600.000 Hebraeer nach Jahrhunderten der Unterdrueckung in die Freiheit hinaus. Doch in der langen Epoche der Sklaverei waren die Seelen dieser Menschen stumpf geworden; unsere Vorfahren waren zu Lasttieren herabgesunken. Aber kaum atmet dieser einstige Sklavenhaufe die Luft der Freiheit, als er beginnt, zu bluehen, sich zu entwickeln. In einer Geschichte von rund 3300 Jahren seit seiner Befreiung aus Aegypten hat sich das Volk Israel, trotz beispielloser Leiden, immer aufs neue verjuengt, und Pessach blieb fuer alle Zeiten das glorreiche Monument seiner Befreiung und Volkwerdung. Israel und Aegypten sind, kulturell gesehen, schroffe Gegensaetze. Waehrend die aegyptischen Koenige, die Pharaonen, darin wetteiferten, immer hoehere Pyramiden zum eigenen Ruhme zu erbauen, stumme Steine auftuermten, um sich selbst zu verewigen, schuf sich Israel geistige Denkmaeler, moralische Werke, als Symbole der Freiheit. Viele jener steinernen Monumente sind unter Ruinen begraben; doch Israels Erloesungsdenkmal besteht; es heisst Pessach und steht mit dem Fruehling und der Wiedergeburt der Natur in unloeslicher Verbindung. Aber mit “Jezias Mizrajim”, mit dem Auszuge aus Aegypten, war das Befreiungswerk nicht vollendet. Erst als die zurueckweichenden Wogen des Schillmeeres den Israeliten den Weg freigaben, fuehlte sich das Volk ganz frei. Man sang ein Freiheitslied vor Gott, das zum Liede der Zukunft wurde. Die befreiten Sklaven empfanden in diesem Liede, unserer “Schirah”, den tiefsten Ausdruck ihrer Seele, und der Dichter Herder sagte hierzu: Das Lied Mcse am Schilfmeere ist das Vorbild der Lobes-Sieges-und Errettungspsalmen fuer alle Zeiten.” Vor mehr als 3000 Jahren kaempften Israel und Aegypten erstmalig gegeneinander, doch niemals sah das juedische Volk in den Aegyptern einen "Erbfeind". Man stand sich spaeter noch oft gegenueber, sowohl als Gegner wie als Verbuendete. Und niemals in der Geschichte haben die Aegypter Ansprueche auf den Boden von Erez Jisrael erhoben. Im Altertum war Aegypten ein Weltreich, eine wirkliche Grossmacht. Heute wollen seine Regierenden, mehr oder weniger im Dienste einer modernen Weltmacht, durch Ausloeschung des jungen juedischen Staates militaerischen Ruhm ernten. Solche Plaene werden von dem um Medinath Jisrael geeinten juedischen Volke zunichte gemacht werden. Wir Juden gehen hierbei von der Lehre Mose aus, von unseren Freiheitsgedanken, die schon festgelegt waren, als Israel noch Sklavendienst in Mizrajim tat. Wir wussten immer, dass ein Volk nur in Freiheit seiner historischen Mission nachkommen, nur in Freiheit “Gott dienen koenne”, um in der Sprache unserer Thora zu reden. Treffend bringt dies ein grosser, moderner, juedischer Denker zum Ausdruck: "Geschichte beginnt, wo Freiheit im Namen Gottes gefordert wird und ihre Aufgabe stellt; wo keine Freiheit ist, dort ist auch keine Geschichte". Doch die Befreiung aus Aegypten wuerde ihren Sinn verfehlt haben, wenn nicht die Bibel zugleich die Aufhebung der Sklaverei verlangt haette. So droht der Prophet Jirmijahu (Jeremia) das schwerste goettliche Strafgericht all denjenigen an, die ihren Volksgenossen die Freiheit missgoennen, und als letztes, hoechstes erreichbares Ziel gilt fortan der soziale, gerechte juedische Staat und das soziale, Gerechtigkeit uebende juedische Volk. Heute beobachten wir, dass in den grossen wie den kleineren Laendern, die unter einer Zwangsherrschaft, irgendeiner Art von Diktatur leben, der allgemeine Wohlstand keineswegs groesser ist als in den Laendern mit allen demokratischen Freiheiten. Auch das heutige Aegypten, in seiner Volksipajoritaet, befindet sich im Zustande eines niedrigen Lebensniveaus; Armut und Elend sind das Schicksal von Millionen seiner Bewohner. Der von Wenigen den Vielen aufgedraengte politische Wille vermochte bis heute nicht, den Massen ein angenehmeres Dasein zu ermoeglichen. Sollte einmal Israel, der juedische Staat, in Frieden mit seinen arabischen Nachbarn leben koennen, dann besteht auch die Hoffnung, dass es zu einem Austausch kultureller, sozialer, allgemein-menschlicher Gueter kommt. Das juedische Volk hatte einmal die Schmach Mizrajims von sich abgewaelzt; es moechte mit allen, die Freiheit und das Recht suchenden Voelkern in Frieden und Freundschaft leben. Vielleicht kommt eines Tages von einem erneuerten Aegypten, das sich auf seine echten Werte besinnt, eine Botschaft der Freiheit, die aus sich heute noch misstrauisch gegenueberstehenden Laendern gute und friedlich gesinnte Nachbarlaender macht. Das waere ein schoenes Pessach der Zukunft. Curt Wilk. ZT i 1 ’■Sklaven waren wir In Aegypten”. Von Hannah Pelor lern waren von ausserordentlich feierlichem Charakter und versetzten die ganze Stadt in gehobene Stimmung. Der jue. disch - roemische Historiker Flavius Josephus berichtet, dass” vor Pessach die Wege nach Jerusalem und der Tempelbau instand gesetzt wurden. Der Anblick des Tempels bot allen, was nur Auge und Herz begehren konnten. Er war mit schweren Goldplatten bedeckt, wenn die Sonne schien, glitzerte er wie im Feuer und blendete das Auge. Fuer die in die Stadt stroemenden Pilger war alles bereit, selbst wenn ihre Zahl ungewoehnlich hoch war. Die Priester bereiteten 256500 Laemmer fuer das Pessachop-, fer; um jedes Lamm waren 10 bis 20 Festteilnehmer versammelt. Dies beweist die Menge der Pilger, die von allen Teilen des Landes und vom Ausland herbeigekommen waren”. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich um dieses Volksfest, das eigentlich den Grundstein des Nationalbewusstseins schuf, mit der Zeit viele Legenden gerankt haben. Gelehrte haben sie gesammelt und in vielen Werken veroeffentlicht. Laufend kommen neue, bisher unbekannte Sagen hinzu, wie sie langsam aus dem Bewusstsein der juedischen, nach Israel ziehenden Staemme auftauchen. Da sind unter anderem die Legenden, die sich um das Leben und Wirken des Fuehrers Moses ranken und die oft im Sagenschatz anderer Voeffter Parallelen besitzen. Bezueglich des Uebergangs der Israeliten durch das Rote Meer berichten Josephus Flavius und andere Schriftsteller, dass beim Zug Alexanders des Grossen gegen die Perser sich das pamphylische Meer wunderbarerweise teilte, so dass seine Armee trockenen Fusses hindurchschreiten konnte. Auch der roemische Historiker Livius erzaehlt uns, dass, als Scipius der Aeltere im zweiten punischen Krieg die Stadt Karthago belagerte, der Gott Neptun ihm zu Hilfe kam und die Wasser eines dazwischen liegenden Kanals aufhielt, so dass die Eroberer ungehindert hindurchschreiten konnten. So ist auch die Hagada des Pessachfestes ein wirkliches Volksbuch. Sie ist mit ihren Geschichten, Liedern und Bildern das schoenste Beispiel einer unsterblichen Volkskunst; die vielen Einfluesse, die die juedischen Gemeinden je nach ihrem Wohnsitz durch die Umwelt empfingen, spiegeln sich in dieser Kunst wieder. Es ist wahrscheinlich, dass Teile der Hagada, wie sie heute gebraeuchlich ist, zur Zeit des zweiten Tempels bereits beim Verzehren des Pessachlammes, zusammen mit Mazzot und Maror, aufgesagt wurden, wozu noch Hymnen und Teile der Psalmen kamen. Auch in den Jahrhunderten der Zerstreuung blieb die Festmahlzeit im juedischen Hause der Mittelpunkt des Pessachfestes und ersetzte das Verzehren des Opferlammes im einstigen Tempel. Dazu wurden noch geschichtliche Begebenheiten des Exodus mit Zusaetzen aus den Bibelteilen erzaehlt. Der allgemeine Text der Hagada kristallisierte sich in den ersten beiden Jahrhun- (Fortsetzung Seite 12)