Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 8 (Agosto, 1971)
- Date
- 1971-08-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 13 Deutschsprachi¿er Teil des ZWEI GEDENKBÜfCIR INFORMATIVO OESTERREICH Hugo Gold. Geschichte der Juden 'in Oesterreich. Ein Gedenkbuch. Verlag Olamenu, Tel Aviv, 1971. Das Erscheinen dieses wundervollen Bandes in Grossformat bedeutet eine Gabe, die der Herausgeber zu seinem 75. Geburtstag seinen vielen Freunden ueberreicht, und wir sind ueberzeugt, dass sie dem verdienstvollen und unermüdlichen Historiker noch zahlreiche weitere Verehrer einbringt. Frueh schon von dem Gedenken beseelt, den DER GOTTESDIENST IN UNSERER SYNAGOGE Der Vorstand und die Repraesenlanz unserer Gemeinde haben sich kuerzlich mit einem Problem beschaeftigt, das bereits seit laengerer Zeit in Erscheinung trat und zu vielfachen Besorgnissen Anlass gibt. Es handelt sich um die bedauerliche Tatsache, dass auch der kleinste Synagogenraum unserer Gemeinde, der fuer den taeglichen Gottesdienst eingerichtet wurde, jetzt zu gross geworden ist: Die Teilnehmer an unseren Gottesdiensten sind immer weniger, insbesondere das taegliche Minjen frueh und abends ist in staendiger Gefahr. Die Glaeubigen der leeren Plaelze ueberw'legen derart, dass der Moment gekommen ist, um eine Entscheidung zu treffen. Welche Entscheidung? Zu diesem Zwecke scheint es angezeigt, das Problem des Gottesdienstes einmal gruendlich und in allen seinen Aspekten zu studieren: 1) Die Aufrechterhaltung des Gottesdienstes. Wir muessen von der Voraussetzung ausgehen, dass die Aufrechterhaliung des taeglichen Gottesdienstes nicht nur ein religioeses Gebot ist, sondern auch eine der grundbaetzlichen Aufgaben der Gemeinde, die in den Statuten (Art. 2, Ziffer c) ausdruecklich als solche hervorgehoben ist. Der Vorstand wuerde sich eines Verstosses gegen die Statuten schuldig machen, wenn er nicht mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Einhaltung dieser sich 'selbst gesetzten Verpflichtung nachkommen sollte. Weiters muessen wir von der Tatsache ausgehen, dass die Abhaltung der Gottesdienste fuer weite Kreise unserer Mitglieder einem religioesen Beduerfnis entspricht, insbesondere aber fuer diejenigen, die am Jahrzeitstage ihrer verstorbenen Angehoerigen gedenken und das traditionelle Kadischgebet sprechen wollen. 2) Die Aufrechterhaliung des Minjens. Auf Grund der religioesen Vorschriften, die unsere Mitglieder sicher sehr gut kennen, ist fuer die Abhaltung eines traditionellen Gottesdienstes die Anwesenheit des "Minjens" notwendig, das au\s zehn maennlichen Erwachsenen (einschliesslich der Jungens nach Abhaltung ihrer Barmizva) bestehen muss. An dieser Vorschrift kann man nichts aendern. Man kann sie auch nicht einfach ueber Bord werfen. Es ist hier nicht beabsichtigt, ueber Fragen der Zweckmaessigkeit oder Moeglichkeit einer religioesen Reform Stellung zu nehmen oder darueber eine Diskussion zu provozieren. Das ist schon oft von anderen versucht worden und hat nie zu einem Resultat gefuehri, hauplsaechlich deshalb, weil die Ansichten geteilt sind und eine Mayorisierung jeglicher Minderheit unweigerlich religioese Gefuehle verletzen muesste, wodurch wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen gestiftet wuerde. Das Minjen bleibt also als Grundsatz fuer den Gottesdienst beste-; hen. Dass es in der Praxis aber leider nicht immer, und sogar immer weniger besieht, fuehrt uns zur Untersuchung ueber die Frage: 3) Was muss zur Erreichung des Minjens getan werden? Die Antwort auf diese Frage ist, — theoretisch — sehr einfach: Es muessen zehn erwachsene Maenner zusammen kommen. Zehn Maenner, denen das religioese Gefuehl oder das juedische Gewissen sagt, dass sie die verschiedenen Hindernisse beseitigen muessten, die auf dem Weg zur Synagoge liegen. Diese koennlen sein: a) berufliche Verpflichtungen: Das ist wohl bei den vielen unserer Mitglieder, die berufstaetig sind, der Fall. Es ist verslaendlich: Der Arzt kann nicht zwanzig Minuten vor sieben die wartenden Patienten verlassen, der Rechtsanwalt nicht seine Klienten, der Geschaeftsmann nicht seinen Laden. Zugegeben. Aber gibt ös nicht sehr viele selbslaendige Unternehmer, die um 5 oder 6 Uhr nachmittags ihren Betrieb sperren und dann "Feierabend" machen? Sie koennten diesen in der Synagoge beginnen. Und gibt es nicht sehr viele unselbstaendige Berufstaeiige, Angestellte, unter unseren Milgliedern, die um dieselbe Zeit, meistens gegen sechs Uhr abends, denselben Feierabend antreten, den sie auch beim Minjen beginnen koennen? Und ausherdem gibt es viele nicht berufstaetige Gemeindemitgliedsr, die "allen Herren", die taeglich in dem oder jenem Café anzutreffen sind, wo sie keinerlei Verpflichtungen festhalten. b) Die Traegheit des Herzens. Das ist eine Erscheinung, ueber die schon sehr viel geschrieben wurde. Sie besieht im wesentlichen darin, dass der gute Vorsatz oft auf der Strecke liegen bleibt, weil ihm der Schwung fehlt, mit dem er haette begonnen werden muessen, oder weil er unterwegs verloren ging, von der Bequemlichkeit verdraengi oder einfach vergessen wurde. Das erinnert an den weisen Spruch des grossen franzoesischen Dichters Romain Rolland, der einmal gesagt hat: "Der Mensch ist gut, man muss ihn nur oft daran erinnern". Also muesste jemand die Aufgabe uebernehmen, den guten, d.h. den religioesen Menschen daran zu erinnern, dass er im Grunde religioes ist und dass er, wenn er auch nicht selber Kadisch zu sagen hat, doch anderen dis Moeglichkeit geben sollte, dies in traditioneller Weise zu tun. 4) Ein praktischer Vorschlag: Nachdem wir fesfgesielll haben, dass man fuer den Gottesdienst zehn erwachsene Maenner braucht, die wir unter den Beruibiaefigen und den Nichtberufstaetigen finden koennen, und dass es im wesentlichen darum geht, die bei vielen bestehende Bereitwilligkeit zu wecken, zu foerdern oder zu "organisieren", wenden wir uns an alle unsere Mitglieder mit dem AUFRUF, dem Gemeindebuero telefonisch (Tel. 3S8101) EINEN TAG IN DER WOCHE, (Montag bis Donnerstag oder Sonntag) bekannt zu geben, an dem sie bereit waeren, nachmittags um 19 Uhr am Gottesdienst ieilzunehmen. Auf Grund der eingegangenen Meldungen wird unser Buero fuer jeden dieser Tage eine Anwesenheitsliste zusammensiellen. Die auf der Liste vorgemerkten Mitglieder werden am Tag vorher an den Turnus erinnert und besonders zum Minjen eingeladen werden. Durch Anschluss dieser Listen der freiwilligen Mitarbeiter an den Gottesdienstkalender, der allmonatlich im Gemeideblatt veroeffentlichl wird, soll auf die besondere Wichtigkeit dieser Mitarbeit hingewiesen werden. Die bezuegliche Publikation wuerde nicht nur die technische Durchführung des Turnus erleichtern. sondern auch den angemeldeten (und vielleicht ebenso den nichlangemeldelen) Mitgliedern die Erfuellung einer juedischen Ehrenpflicht in Erinnerung bringen. Bei dieser Gelegenheit muss hervorgehoben werden, dass der Besuch des Schabbat-Gottesdien'ites und ein eventueller Aufruf bei der Toravorlesung nicht mit einer Spende verbunden sein muss. Eine derartige Verpflichtung hat es nie gegeben und um ln dieser Hinsicht jeden Zweifel auszuschliessen, wird kuenfiig der Ausspruch des "Mischeberach" (der eigentlich nicht zum Ritual gehoert), auf Wunsch deb Aufgerufenen unterlassen werden, wodurch die Freiwilligkeit einer Spende besonders unterstrichen wird. Wir hoffen, dass dieser Vorschlag dazu beilragen koennie, den sicherlich in weiten Kreisen vorhandenen guten Willen zu einem sichtbaren Ausdruck zu bringen und so einzuordnen, dass er dem Vorstand bei seiner 'schweren Aufgabe in Bezug auf den Gottesdienst behilflich sein kann. Hierbei muss sich jeder vor Augen halten, dass unser Gemeindevorsland ehrenamtlich komplizierte und umfassende Arbeiten leistet, die ctaendig betraechtliche Opfer an Zeit und Energie erfordern, dass sie also allen uebrigen Mitgliedern seit jeher mit gutem Beispiel vorangehen. Jetzt erwarten wir, dass andere, die dies bisher nie getan haben, diesem Beispiel folgen. Denn nur mit der Zusammenarbeit und dem guten Willen unserer Mitglieder wird das Problem des Gottesdienstes zu loesen sein. Der Mensch ist gut, wir wollen ihn nur gelegentlich daran erinnern... absterbenden kleineren Gemeinden ein Gedenken zu vermitteln, hat sich Hugo Gold nach der Katastrophe der Hitlerzeit mit noch groesserer Hingabe der Aufgabe gewidmet, den zerstoerten Gemeinden, zu denen nun auch die einstmals groesseren gehoeren, eine Erinnerung zu widmen, die die spaeteren Generationen ein ein bluehendes Leben erinnert, dessen Beginn ueberall mit Schwierigkeiten verknuepft gewesen ist. Aus dem untergegangenen Leben erbluehte ein neues juedisches Leben, und das Buch traegt daher das Motto: “Dieses Werk ist gewidmet den unvergesslichen Helden, die bei dem Kampf um Israel ihr Leben gegeben haben und die wir niemals vergessen werden”. Aber auch die Diasporahelden, die unter schwierigem Einsatz fuer die Gruendung kleinerer und groesserer Gemeinden eingetreten sind, duerfen wir nie vergessen, und so wissen wir Hugo Gold herzlichsten Dank fuer seine Sammelwerke, die an fruehere Gemeinden erinnern. Mit Recht darf er nach langer Historiker arpeit i m Vorwort zu diesem Buch, das den Leser mit wehmuetigem Stolz erfuellt, ausfuehren: “Es war der letzte Augenblick, die Trilogie der Geschichte des oesterreichischen Judentums fertigzustellen, die ein unvergaengliches Denkmal an die letzte Generation der oester - reichischen Juden ist und unseren Nachkommen Kunde geben soll vom Sein, Werden und Vergehen eines grossen juedischen Kulturzentr ums, in welchem es ein grosses und stolzes Judentum gab, bis es Hitler und seine Mordgesellen vernichteten. Koennten meine Werke sprechen, wuerden sie von muehsamer Arbeit und quaelenden Sorgen, von halbdurchwaehten Naechten und erschoepfander Tagesarb eit berichten, die sich mir in einem fuenfzigjaehrigen Ringen bis zum Erscheinen eines jeden Buches entgegengestellt haben”. Besser koennten auch wir es zu Golds Geburtstag nicht sagen, zumal wir in Tel Aviv Einblick in das Werden dieses Buches nehmen konnten. (Pase a la pág. 14) MONEDA 1037 RICHARD WERNER SPIEGEL Avda. Irarrázaval 1232 Teléfono 494300 Cocktails, Barmitzwah, Casamientos, Recepciones.