Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 3 (Marzo, 1971)
- Date
- 1971-03-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1971 BOLETIN INFORMATIVO 13 Deutschsprachiger Teil des INFORMATIVO UNSERE HAGGADA (Eine Festbetrachtung) Wiederum werden Juden an der festlichen Sedertafel sitzen und aus jenem Buche lesen, an welchem Jahrhunderte geschrieben haben, der Pessach - Haggada. Auch von ihr gilt, was einst ein geistvoller Franzose vom Menschen fuer seinen Gott verlangte, man muss die Haggada lieben, um sie richtig kennenzulernen; nur Versenkung in ihre Schoenheit wird ihr gerecht. Betrachten wir kurz ihren Anfang und ihren Shluss sowie einige Stellen aus dem mittleren Teil dieser einzigartigen Lektuere: “Dies ist das Brot des Elends, das unsere Vaeter gegessen haben. Jeder Hungrige komme und speise mit uns* jeder Beduerftige feiere mit uns gemeinsam”. Menschen, die selbst Verkennung ertragengen mussten, nehmen sich leider nicht immer der Verkannten an. Doch das juedische Volk, im ganzen betrachtet, erschloss im allgemeinen sein Gemuet umso leichter den Bedraengten und Bedrueckten, wiel es so oft das “Brot des Elends” unter Traenen hatte essen muessen. Wir Juden haben im Leide die Liebe nicht ganz verlernt, und deshalb fand die Forderung unserer Lehre Beachtung: “Einem Fremden sollt ihr nicht wehetun, denn ihr kennt ja die Seelenschmerzen der ihrer Heimat Beraubten”. Der Grundgedanke der Erloesung Israels nimmt von hier seinen Ausgang, durchzieht die ganze Haggada und setzt sich im gesamtjuedischen Schrifttum fort, denn noch heute erwarten wir den Tag der endgueltigen Befreiung und Erloesung von Sklaverei im physischen und geistigen Sinne. Spaeter, im Verlaufe der sinnvollen Erzaehlungen vom Auszug aus Mizrajim, lesen wir: “So tat Hillel, der noch zur Zeit des Tempels lebte. Er genoss Mazza und Maror zusammen, das suesse Brot zugleich mit dem bitteren Kraut”. Unsere alten Lehrer liebten es, in Sinnbildern und Gleichnissen zu reden. Sie predigten und lehrten auch durch symbolische Braeuche; es. will zeigen, dass einst das Erloesungsglueck ueber Israel derart rasch kam, dass die Zeit nicht ausreichte, den Teig gaeren zu lassen. Maror oder Moraur dagegen ist das Symbol der bitteren Leidenszeit. Beides nun, lehrt der grosse Hillel, sollen wir zusammenfuegen. Geniessen wir das suesse Brot des Erfolges, sollen wir gleichzeitig der bitternis der Leiden nicht vergessen. Der Mensch denke im Gluecke an die Moeglichkeiten kuenftiger Entbehrungen und Entsagungen. Doch auch umgekehrt: Uebersieh’ neben dem Moraur die Mazza nicht, denn in Zeiten des Schmerzes muss an das scheinbar so fern liegende Erloesungszeichen gedacht werden. Unsere Haggada endet bekanntlich mit dem etwas sonderbar anmutenden Liede von Laemmchen. Hier draengt sich doch irgendwie das dunkle Gefuehl auf, dass in diesem Sang, der an ein altes Kinder- oder Wiegenlied vom Laemmlein anknuepft, ein lehrreiches Geheimnis verborgen ist. Zweifellos liegt in diesen kindlichen Worten ein Stueck Philosophie der Weltgeschichte; es will den Grundsatz der goettlichen Vergeltung aussprechen, freilich alles in der besonderen Beziehung zu Israel. Hierzu bemerkt ein geistreicher Lehrer des Ju¬ WERKE JUEDISCHER AUTOREN DEUTSCHER SPRACHE dentums, dass Israel jenes Laemmchen und dass Gott selbst der Kaeufer sei. Der Kauf waere die Erloesung aus Aegypten; in den erwaehnten Tieren und Elementen koenne man Israels Feinde versinnbildlicht sehen, die so verschiedenartig gegen uns auftreten, bald mit katzenhafter Falschheit, dann wieder mit huendischer Dreistigkeit, hier in vertierter Verbloedung, dort mit dem Stabe judenfeindlicher Gesetzgebung, einmal in elementarer Leidenschaftlichkeit blutiger Verfolgungswut, ein anderes Mal durch Vorenthaltung der wesentlichsten Lebensbedürfnisse. Doch die Geschichte zeigte, dass ein Volk das andere verschlang, ein Draenger den anderen vernichtete. Israel blieb, und der Ewige selbst nahm sich rettend des bedraengten Volkes an. Im Talmud ist uns ein lehrreiches Zriegespraech aufbewahrt. Da sagt einer: “Wie gross ist das Lamm, das unter 70 Woelfen zu leben vermag. Wie gross ist Israel, dass es unter ihm feindlich-gesinnten Weltvoelkern zu leben vermochte”. Doch der andere Weise entgegnete: “Wie gross ist der Hirt, der das Lamm unter reissenden Raubtieren zu . schuetzen wusste. Wie gross ist Gott, der Israel inmitten hasserfuellter Nationen erhalten hat”. Auch im 23. Lebensjahre des Staates Israel, dessen Schaffung der erste entscheidende Schritt auf dem Wege zur Erloesung des juedischen Volkes war, sind diese Gedanken keineswegs ueberholt; dies zeigt die Lebensfuelle und der Gedankenreichtum unserer alten Haggada. Curt Wilk . I stít. i nwi".ja*íra / I J rTC*} FriTfil ifr H?■ nr.s entcs oV¡>t; ' n ny'2 irri rrrcrea 'T>p-iT7 ¡Tin •raen zz 'S uV.3 ~z¿7 rr jvpn so "n .a -run Nachdem die von der im B’nai B’rith-Orden veranstaltete Buchausstellung “Werke jüdischer Autoren deutscher Sprache” bereits in Wien, Frankfurt, Berlin, Hamburg und München grosses Interesse gefunden hatte, eroeffnete die Franz-Rosenzweig-Loge in Düsseldorf am 15. November im alten “Hetjens - Museum” eine Ausstellung, bei der etwa 3.500 Baende gezeigt wurden, Werke von Autoren jüdischer Herkunft, die in deutscher Sprache erschienen sind. Die Ausstellung gibt eine Überblick über den Beitrag der Juden zur Entwicklung des deutschen Geisteslebens der letzten 50 Jahre. Von der schoengeistigen Literatur bis hin zu den vielfaeltigen Wissenschaften, die von der Archaeologie, den Geisteswissenschaften zu den Naturwissenschaften reichen, stellte die Ausstellung einen eindrucksvollen Überblick über das vielf aeltige Schaffen dar. Bundespraesident Dr. Gustav W. Heinemann hat die Schirmherrschaft über die Düsseldorfer Ausstellung übernommen. Eine Sonderschau berücksichtigt n i c h t j ü dische Autoren, die seit 1945 in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und den anderen Laendern über die Probleme des Judentums, das jüdische Schicksal waehrend der Verfolgung, den Staat Israel und seine Entstehungsgeschichte sowie über den christlich-jüdischen Dialog in deutscher Sprache geschrieben haben. Der bereits in dritter Auflage vorliegende Katalog von 450 Seiten bringt Kurzbiographien jüdischer Autoren. Die Bundespost hat einen Stempel für die Buchausstellung herausgegeben und stempelt alle von der Ausstellung abgesandte Post in einem Sonderpostamt, das zur Ausstellung gehoert, ab. Parallel zu der Ausstellung werden eine Reihe von Vortragsveranstaltungen in Düsseldorf abgehalten, um das Thema der Beteiligung deutscher Judem am Geistesleben unseres Volkes zu vertiefen. Der Kultusminister des Landes Nordrhein - Westfalen hat in einem Rundschreiben alle Gymnasien des Landes sowie die Schulen in Düsseldorf einschliesslich der Lehrerseminare auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht, damit die Lehrer im Unterricht mit den Schülern diese Ausstellung besuchen. DISKUSSION "DEUTSCHLAND OHNE JUDEN" Zu den wichtigsten Rahmenveranstaltungen anlaesslich der Ausstellung “Werke jüdischer Autoren deutscher Sprache” fand am 26. November in Düsseldorf eine Podiumsdiskussion zu dem Thema des Buches “Deutschland ohne Juden” statt. Neben dem Autor Bernt Engelmann nahmen Frau Dr. Eva Reichmann (London), Marcel Reich-Ranicki, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde München, Dr. Hans Lamm, sowie der Generalsekretaer des Zentralrates der Juden in Deutschland, Hendrik van Dam, teil. Die Leitung hatte Landau, der auch die Konzeption dieser Buchausstellung in Düsseldorf und den Aufbau leitete, waehrend die gleichnamige in Frankfurt vor einigen Monaten seiner Konzeption nicht gefolgt war. R. V. (Deutschland-Berichte) Titelblatt der Prager Haggadá vom Jahre 1527 ERBLOSES VERM0EGEN Bis heute registrierten Schweizer Banken erbloses Vermögen in der Hohe von 11 Millionen Schweizer Franken. Laut dem entsprechenden Gesetz von 1962 sind jene Guthaben, auf die von 1933 bis heute niemand Anspruch erhoben hat, gesondert zu registrieren, entgegen der bekannten üblichen Kontengeheimhaltung in der Schweiz. Die Schweizer Regierung hat beschlossen, den Erben der in Konzentrationslagern oder im Krieg umgekommenen Personen die Guthaben auszuzahlen. Bis heute wurden auf diese Weise zwei Millionen Schweizer Franken Anwaertern zugesprochen. Auf die restlichen neun Millionen Sfrs. erheben jüdische internationale Organisationen Anspruch, bisher liegt jedoch kein Beschluss der Schweizer Regierung vor. NEUE MITGLIEDER IM SICHERHEITSRAT Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat für 1971 und 1972 fünf Laender als nichtstaendige Mitglieder in den Weltsicherheitsrat gewaehlt: Argentinien, Belgien, Italien, Japan und Somalia. Sie werden Finnland, Kolumbien, Nepal, Sambia und Spanien ersetzen, deren Amtszeit im Rat Ende dieses Jahres auslaeuft. Insgesamt hat der Weltsicherheitsrat fünfzehn Sitze, darunter die der fünf stäendigen Mitglieder Frankreich, Grossbritannien, Nationalchina, Sowjetunion und USA. Die Amtszeit der Laender Burundi, Nikaragua, Polen, Syrien und Sierra Leone laeuft bis Ende 1971.