Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1971-02-01 · 2 (Febrero, 1971) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXIII (1971)
Issue
2 (Febrero, 1971)
Date
1971-02-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8554971-9195252--5915-8554993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

12 BOLETIN INFORMATIVO FEBRERO 1971 KLARE POLITISCHE STELLUNGNAHME DER WUJS INKRAFTTRETEN DER KONVENTION UEBER DK UNVERJAEHRBARKEIT VON KRIEGSVERBRECHEN KLARE POLITISCHE STELLUNGNAHME DER WUJS Der 15. Kongress der Weltvereinigung der juedischen Studenten (WUJS) vom vergangenen Sommer loeste in der israelischen Oeffentlichkeit heftige Diskussionen aus. Zahlreiche Aeusserungen, Vorfaelle und gar Resolutionen dieser Veranstaltung wurden von der israelischen Presse missverstanden und zusammenhanglos veroeffentli c h t. Auch kommentarlos publizierte Resolutionstexte fuehrten zu Missverstaendnissen, deren tiefere Ursachen auch in den nonkonformen Ansichten vieler Kongressdelegierter zu suchen ist. Eine analoge Diskussion blieb bei uns bis jetzt noch aus. Vielleicht mangels Informationen ueber den Kongress, hoffentlich nicht wegen Desinteresses. Die eventuelle Informationsluecke soll mit dem folgenden Bericht aufgefuellt werden. Dieser Kongress bedeutete fuer die WUJS einen bedeutenden Wendepunkt in ihrer Geschichte, wurde doch im Gegensatz zum vorhergehenden Kongress in den meisten fuer die juedische Nation relevanten politischen Fragenkomplexen mit Resolutionen Stellung bezogen. In den folgenden Punkten demonstrierten die Delegierten ihre unabhaengige Stellung am deutlichsten: 1. Das Verhaeltnis zur offiziellen israelischen Politik An diesem Kongress warfen die Delegierten die Zwangsjacke ab, die sie zu Hause daran hindert, oeffentlich die israelische Regierungspolitik zu kritisieren. Bereits in der Eroeffnungsnacht gab dazu der als gemaessigt bekannte Praesident der WUJS, Mike Hunter, England, das Startzeichen. In einer brillanten Rede deckte er ganz ungeschminkt einige fuer das israelische Volk seines Erachtens gefaehrliche Tendenzen in der israelischen Regierung auf. Waehrend des ganzen Kongresses fanden dann heftige Diskussionen statt, in welchen die israelische Delegation gegenueber einer grossen Zahl von Delegationen aus Amerika und Europa hartnaeckig ihre entgegengesetzte Stellung zu verteidigen versuchte. Bei der Debatte ueber den Nahen Osten wurde dies am deutlichsten, wo erst in den fruehen Morgenstunden ein Resolutionstext verabschiedet werden konnte. Darin wird einleitend festgehalten, dass eine dauernde Loesung des Konfliktes nicht moeglich sei, ohne das Selbstbestimmungsrecht der palaestinensischen Nation anzuerkennen. Gleich anschliessend wird mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, dass dieses Recht aber auf keinen Fall auf Kosten des Anspruches der juedischen Nation, in Friede und Sicherheit in ihrem eigenen Staat zu leben, verwirklicht werden darf. Trotz der teilweise grossen Meinungsuntersc h i e d e zwischen den Israelis und uns Diaspora - Studenten darf rueckblickend gesagt werden, dass gerade die harten Diskussionen dazu gefuehrt haben, dass auf beiden Seiten jetzt groesseres Verstaendnis besteht. Die Israelis wurden mit einer Reihe von Argumentationen politischer und ideologischer Probleme vertraut gemacht, mit denen sie sich bis anhin noch gar nicht befasst hatten. Sie begriffen aber vor allem, dass die harte Kritik der Diaspora-Studenten nicht aus geringerer Anteilnahme am Wohl des Staates Israel erfolge. Fuer die Israelis war dieser Kongress sicher deshalb sehr wertvoll, da sie zehn Tage lang Gelegenheit hatten, politische Themen mit Freunden zu besprechen, die zwar im gleichen Boot sitzen, die Problematik aber weniger vom tragischen Alltagsgeschehen an den Waffenstillstandslinien beeinflusst, das heisst weniger von Gefuehlen, um so mehr aber von Ideologien geleitet, beurteilen. 2. Das Verhaeltnis zur Neuen Linken Die Tatsache, dass ein grosser Teil der Delegierten selbst der Neuen Linken angehoerten, hinderte diese nicht daran, die Haltung extremer Gruppen der Neuen Linken dem Nahostkonflikt gegenueber als dogmatisch, stereotyp und keinesfalls auf einer serioesen Analyse beruhend zu bezeichnen. Dies kam sowohl in den zahlreichen privaten Diskussionen als auch in der einhelligen Annahme einer Resolution zum Ausdruck, welche die Terrorakte der palaestinensischen Organisationen aufs schaerfste verurteilt. Mit dem klaren politischen Stellungsbezüg haben die 130 Delegierten aus 34 Laendern zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht nur bereit und willens sind, sich an der juedischen Politik in Israel und der Diaspora aktiv zu beteiligen, sondern dieses Recht fuer sich in Anspruch nehmen. Die Studentenschaften erwar t e n von der israelischen Regierung und den juedischen Organisationen in der Diaspora, angehoert und auch angemessen beruecksichtigt zu werden. Roman Rosenstein (Delegierter aus der Schweiz) KURZ BERICHTET FÜNFUNDZWANZIG JAHRE JÜDISCHE ENTSCHAEDIGUNGS- FORDERUNGEN Kürzlich waren es 25 Jahre, dass Chaim Weizmann im Namen des jüdischen Volkes, vertreten durch die Jewish Agency, deren Praesident er damals war, den USA, der UdSSR, England und Frankreich eine Note überreichte, die die Rechte auf Entschaedigung, Rehabilitation und Restitution in einem ein drucksvollen Manifest begründete. Die Forderungen der individuellen E n t s chaedigung hatten bereits vorher in einer Schrift von Dr. Siegfried Moses ihre ausführliche Begründung erhalten; vieles, das hier angeführt wurde, ist im BEG übernommen worden. Die Geschichte der Entschaedigung an das jüdische Volk, vertreten durch den jungen Staat Israel, wird, ausführlich in der Schrift von Felix E. Shinnar, “Bericht eines Beauftragten”, behandelt. EINE GEDENKSAEULE FÜR ANNE FRANK IN DER DDR Eine zur Erinnerung an Anne Frank errichtete Gedenksaeule in der Oberschule Tessin im Kreis Rostock in der Deutschen Demokratischen Republik wurde unter Teilnahme von 2000 Schulkindern feierlich enthüllt. Die Gedenkrede hielt ein Mitglied des Zentralrates der Freien Deutschen Jugend. Die Gedenksaeule ist eine Schoepfung des Bildhauers Gerhard Rommel in Berlin- GUSTAV WARBUNG 70 JAHRE ALT Seinen 70. Geburtstag beging Dr. Gustav Warburg, seit 1960 Vertreter der Bne Brit bei den Koerperschaften der Uno und jetzt am Europarat in Strassburg. In Berlin gebürtig, war er lange — auch nach siner Emigration nach England — im Zeitungs¬ und Informationswesen taetig. Er ist Verfasser des Buches “Six Years under Hitler”. Sein Vater war der ehemalige Praesident der Zionistischen Weltorganis a t i o n, Prof. Dr. Otto Warburg. MILIT AERPOLIZIST MASS ROCKLAENGE Schwerwiegende Folgen — naemlich 35 Tage Arrest — hatte für einen israelischen Militaerpolizisten seine offensichtliche Entrüstung über den kurzen Rock einer Armeeangehoerigen. N a c hdem kürzlich durch zahlreiche Zeitungen des Landes ein Foto gegangen war, auf dem er die Laenge einer Uniform misst, wurde in zustaendigen Kreisen in Tel Aviv erklaert: “Niemand hat die Rocklaenge israelischer Soldatinnen zu messen”. Tatsaechlich gibt es eine Verordnung in der Armee, die verbietet, dass der Saum der Uniformroecke hoeher als drei Zentimeter über das Knie rutscht. Andererseits sind Roecke, die eine Handbreit über dem Knie enden, durchaus keine Seltenheit im Strassnbild. Die Konvention ueber die Nichtanwendbarkeit der Verjaehrung auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist am 11. November 1970 in Kraft getreten, da nunmehr die Tschechoslowakei als zehnter Staat das Uebereinkommen ratifiziert hat. Es war bereits von der Sowjetunion und den andern Oststa a t e n ratifiziert worden. Die Frage der Verjaehrungsgefahr fuer die Verfolgung derartiger Verbrechen war im Jahre 1956 von Polen bei der Menschenrechtskommission. der Vereinten Nationen zur Sprache gebracht worden. Damals handelte es sich darum, auf die Bundesrepublik Deutschland dahin einzuwirken, sich nicht der weiteren Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrecher mit Ruecksicht auf die in jenen Tagen geltenden Rechtsvorschriften zu entziehen. Der Schlusstext des muehsam erarbeiteten internationalen Uebereinkommens lag der Generalversammlung der Uno erst im November 1968 vor. Er wurde mit 58 gegen sieben Stimmen, bei 36 Stimmenthaltungen, gebilligt. Die vielen Enthaltungen lassen klar erkennen, dass viele Staaten — insbesondere jene, die dem kommunistischen Block und seinen Bundesgenossen fernstehen — die Konvention nicht fuer einen guten Beitrag zur internati o n a 1 e n Rechtspflege halten. Im Laufe der Textausarbeitung war naemlich der Kreis der “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” auf Handlungen, die sich aus der Apartheid-Politik ergeben, sowie auf die Austreibung durch bewaffnete Angriffe oder Okkupation ausgedehnt worden. Damit sollen offenbar Suedafrika und Israel als Verbrecherstaaten gebrandmarkt und den arabischen und afrikanischen Gruppierungen in der Uno eine Gefaelligkeit erwiesen werden. So wurde wieder einmal eine gute Idee fuer bestimmte politische Zwecke missbraucht. DIE KIBBUZIM IN ISRAEL NICHT MEHR ANTIRELIGIOES In der antireligioesen Haltung der Kibbuzim, namentlich derer, die im Rahmenverband (Ichud hakwuzot wehakibbuzim) zusammengeschlossen sind, ist nun eine grundlegende Aenderung eingetreten. Der Ichud hat naemlich vor kurzem den Leitern der Rabbinatsgerichte mitgeteilt, dass in allen Kibbuzim, die dem Ichud angeschlossen sind, jedes Mitglied ein religioeses Leben fuehren, den Schabbat und die Feiertage einhalten, ferner die Kaschrutvorschriften und saemtliche religioesen Gesetze beobachten koenne. Diese Mitteilung des Ichud an die Rabbinatsgerichte ist im Zusammenhang mit der Frage des Uebertrittes nichtjuedischer Mitglieder zum Judentum ergangen. Es wurde naemlich in letzter Zeit oefter die Frage aufgeworfen, ob der Uebertritt von Nichtjuden zum Judentum im Kibbuz nicht bloss eine Fiktion sei? Die Erklaerung des Ichud erwiderte nun auf diese Fra- “Immer wenn in Europa Antisemitismus ausbricht, bedeutet das, dass die Voelker sich geniert fuehlen durch den juedischen Geist in (ihren) schlimmen Gekiesten, dass sie Boeses begehen, hinter die Schule laufen und Kriegsmetzeleien anstellen moechten, statt das Rechte. Vernunftgebotene und Notwendige zu tun. Dann haben die Juden izu leiden. Aber sie werden leiden. Aber sie werden leiden und leben, und man kann ueberzeugt sein, dass ihrem maechtigen Diesseitssinn, ihrem angeborenen Sozi alismus eine wichtige Rolle zugewiesen ist beim Aufbau der neuen, aus Krisen langsam sich hervorringenden Menschenwelt”. Thomas Mann — Aus einer Ansprache in Zuerich 1937. ge, dass von nun an jedes Kibbuzmitglied die Moeglichkeit haben werde, ganz nach seinem Wunsche restlos alle religioesen Vorschriften zu erfuellen und in seiner Behausung oder seiner Stube eine koschere Kueche zu fuehren. Den Mitgliedern, die hierauf Anspruch erheben, wird der Kibbuz weitgehend behilflich sein und wer auf koschere Kost Anspruch erhebt, ist nicht verpflichtet, den gemeinschaftlichen Speisesaal in Anspruch zu nehmen. Ferner heisst es im Schreiben, dass die Mitglieder berechtigt sind, den Schabbat zu beobachten, wobei betont wird, dass alle Kibbuzmitglieder in der Regel am Schabat ruhen und bloss in lebenswichtigen Diensten zu Arbeiten angehalten werden. Diese religioese Wandlung der Kibbuzim hat ungeheures Aufsehen in Israel erregt und duerfte zu einer Aenderung des Kibbuzlebens fuehren. J. L. BATO RESERVE UD LA FECHA 11 DE MARZO FIESTA DE PURIM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.