Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXIII (1971)
- Issue
- 1 (Enero, 1971)
- Date
- 1971-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8554971-9195248--5899-8554982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BOLETIN INFORMATIVO 11 ENERO 1971 HANS HABE: HIER IST DIE WELT NOCH HEIL Nach einem Besuch in Israel — Israelische Ode Irgendwo, zwischen den Golan- Hoehen und Eliat, in Rehovot, am See Gennesaret — fragt die Kinder am Oelberg, fragt die Soldaten am Wegrand, fragt den Greis unter dem Galgen, in Akko, sie kennen den Weg, sie kennen das Haus — “Gott ist in Juda bekannt; in Israel ist sein Name herrlich”, Psalm sechsundsiebzig — ihr kennt die Adresse: Irgendwo ist Gott immer zu Hause Hier ist sein Haus, hier ist die Welt noch heil. Hier ist die Schrift noch sichtbar, Flamme nicht Tinte, verloescht nicht, immer noch gueltig, was der strenge Mann vom Berge Sinai dem Volk herabgetragen, um Beifall nicht besorgt, ein stolzer Diener und also zum Befehlen aufgerufen. Mag sein, dass auf den hohen Schulen andrer Laender man mehr gehoeri von Plato und Adorno, man mehr gelehrt von Lenin und von Freud; man ist genuegsam hier: Man hoert in Jad Waschern die Toten, man ist bescheiden — in Israel lebt man nach zehn Geboten. Hier ist die Welt noch heil. Mirages und Phantoms, neue Trompeten Jerichos, die Schallmauer faellt, in AshKelon faellt eines Menschen Sohn, im Kibbutz Ma’agan schlafen Kinder unter Tag, ein schmaler Schatten steigt von Capernaum, und wo man Josephs Sohn ans Kreuz geschlagen, hoert man den Raupenschlag der Panzerwagen. (Ach so, ihr seid empfindsam gegen Kriegsgesaenge — man kann's verstehn, wer wollte Krieg, da man so friedsam sterben mag in Syriens Kerkern, in Auschwitz, in Katyn, in Dachau und, wenn ihr wollt, in Prag.)' Jenseits des Mittelmeeres herrscht Frieden — so nennt man faulen Wohlstand, blutge Blumenkinder, Fusswaschung des falschen Heilands, Schreiben nach Diktat, Kains Brudermord im Takt des Beat, wer bietet mehr, Werte sind nur Worte; so nennt man Lust nach Lust. Judas gekroent und Magdalena im Bordell, Satans Kompromiss und Satans Sieg —■ in Israel ist Krieg. Hier ist die Welt noch heil. In Israel ist Frieden, Hier, in Jaffa, wo Simons Haus gestanden. gehen des Nachts noch junge Paare Hand in Hand, und wer gestern am Gaza- Streifen kaempfte, blickt heute, einem jungen Rabbi gleich, das Kaeppchen auf den Haaren hinab auf Koenig Salomons heimgefundnen Hafen. (So, ihr habt Angst? Weil ihr Gefuehle fusrchiel, in Kellen schlug euch eure Nuechlernheil und Sklaven seid ihr ungeweintar Traenen.) Geschlagene Menschen, an den Strand gespuelt, schreiten erhobnen Haupts, stolz auf ihre Kinder, und diese Kinder sind’s, die stolz bekennen, dass sie, Stafettenlaeufer in der Juden Team, die Flamme aus Knochenhand empfangen. Man nennt hier Vaterland, was der Vaeter Land gewesen, am Toten Meer, die Schrift auf Eselshaut, doch auch des eignen Vaters Land, die Vaeter kaempfen — achtundvierzig, sechsundfuenfzig —; ein Arzt aus Wien, ein Anwalt von der Moldau, ein maehrscher Haendler, ein Handwerksmann aus dem Banat, ein Jemenit aus Sana und ein Niederlaender. Hier schaemt sich keiner seines eignen Stolzes — ein neues Haus ist Vaterland, ein gruener Baum, ein Altersheim, unweit von Herzls Haus, Kibbutz der Gettokaempfer und wo Dajan geboren wo Yairs Sohn Metsada hielt, neuhundertsechzig starben —: hier findet ihr, den ihr gesucht — wollt ihr gar Paradoxes hoeren? — Gott ist in die eigne Heimat verbannt, Gott ist in Juda bekannt. Hier ist die Welt noch heil. Es koennte sein, dass ihr. nichts Neues lernt, in Israel, die zehn Gebote fuellen keine Spalten. Ihr wollt es kompliziert, es ist so einfach: dass man keinen Gott anbetet als den den einen - Ihn (nicht Mao, Nasser oder Ho Tschi-minh); dass man kein Bildnis schafft, nicht Goetzen ehrt (die Tafeln, die ihr traegt, sind umgekehrt); des Herrn Namen dass man nicht eitel nennt (ihr schafft euch Bildnisse in leerem Rahmen); dass man zu ruhn vermag am siebten Tag (ein komfortables Grab ist auch ein Grab); dass man die Eltern ehrt und Ehre erblich (auch wenn er greisenhaft, wenn sie gebrechlich); dass man nicht toete, morde, schlachte (und wenn Profit lockt und die Blutlust lacht); dass man nicht ehebricht und nicht betruegt (auch wenn Gesetz wird, dass man luegt); dass man nicht stiehlt, was ein andrer erwarb (und steht im “Kapital” auch, dass mans darf); dass man nicht falschen Eid spricht vor Gericht (auch wenn der Meineid Mode ist); dass man nicht neidvoll aeugt des Naechsten Weib (boese Absicht ist kein Zeitvertreib.) Es koennte sein, dass ihr nichts Neues lernt, in Israel, die zehn Gebote fuellen keine Spalten, was es dort gibt, das gab es anderswo: dass Lehrer lehren und dass Schueler lernen, dass man die Buecher achtet, nicht verbrennt, dass man des Greises Stab nicht raubt, dass man nicht schlaeft mit Ziegen und mit Huren, dass man nicht im Gitarrenwehleid sich ertraenkt, dass man nicht Haschisch schnupft, nicht El-Es-Di erbricht, dass man Verbrecher bringt vors Tribunal und nicht Verbrecher sitzen zu Gericht — das gab es anderswo, ein andermal. Europa nannten wir’s, das Abendland. (Ach ja, ihr fragt: Wer hat es denn vertan? Es kann schon sein, dass wir es selbst getan. Doch muessi ihr es tun? Seid ihr gerechter, Imitatoren verlotterter Geschlechter?) Das Abendland lebt jetzt im Morgenland, in Scharm el-Scheikh koennt ihr es wiederfinden, Altneuland nannte er ’s. Via Dolorosa, jenseits des Mittelmeers, in Asien, Orangenhaine duften in der Wueste, Piloten gehen hier in Bibelstunden und Maedchen spotten nicht beim Worte Tugend, Reichtum in Armut, Traeume ohne Trauma, und keiner flieht und keinem ist’s zu viel — wollt ihr gar Paradoxes hoeren? — die Juden fliehen nicht, sie geben euch Asyl. Hier ist die Welt noch heil. Wer Frieden will, der baue hier im Krieg. Moral ist eine Festung, Sittlichkeit ein Damm, seid ihr des Heroines muede. hier findet ihr Heroen; im Negevsand stand eine Huette — morgen ein Spital; Psalmen singt der Fluss im Jordantal. Hier wachsen Schulen, nicht Korallen, unter Meeresflaeche, hier baut man nicht auf Sand. Der Garten Gethsemane, Fabriken; wer das Gesetz verletzt, verletzt sich selbst, Dizengoff-Street, die Ambulanzsirenen heulen, man blickt erstarrt: Wer wird es morgen sein? In Beerscheba wird Beton gemischt, Drei-Tage-Marsch, die Nacht ist sicher — kennt ihr dieses Land? (Ihr glaubt, ich sprech von gestern, und morgen schon wird diese Jugend krank und angepestel von der Jugend Seuche — da irrt ihr euch: Gemeinsamkeit ist nicht gemein und nicht kommun; wer hier geboren, ist gegen euch immun.) Hier ist sein Haus, hier ist die Welt noch heil. Merkt ihr es nicht? Gerechtigkeit ward hier geboren und Liebe auch - Sinai und Bethlehem, aus Judensamen und aus Judensaat, doch fremde Saat wars, ausgestossen ward es aus fremder Erde, vor und nach der Zeit. Hier ist die Welt noch heil. doch nicht von gestern, hier ist sie neu, Gott hatte Urlaub, nun ist er zu Haus. Ihr wollt es kompliziert, es ist so einfach: Mag sein, dass auf den Feldern andrer Laender das Gruen noch gruener, dass die Haeuser hoeher, reicher sind die Reichen, der Fortschritt schreitet fort. Mag sein, dass man hier Weizen baut, nicht Mondraketen, dass Pharisaeer tief im Kurs und eine Schrift genuegt. Man ist genuegsam hier: man hoert in Jad Waschern die Toten, man ist bescheiden — in Israel lebt man nach zehn Geboten. "Juedische Wochenzeiiung", Duesseldorf Tod und neues Leben Stille Besinnung Zwei künstlerische Aufnahmen unseres Gemeindemitgliedes Frau Gertrude Moses,die am 27.d.M ihren 70. Geburtstag feiern wird. Frau Moses ist eine über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannte Künstlerin auf dem Gebiet der Photographie und wurde als solche von der Federation International de L’Art Fotographique in Paris und vom Foto- Club de Chile besonders ausgezeichnet. Ihre Lichtbilder, die in charakteristischer Eigenart Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen, wurden in verschiedenen Ausstellungen, unter anderen auch im Instituto Cultural de fiunoa mit grossem Erfolg gezeigt.