Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1970)
- Date
- 1970-11-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1970 BOLETIN INFORMATIVO 13 W. I. Z. 0. Von allen Seiten hoert man Fragen: Was macht die Wizo? Es gibt nur eine Antwort: Sie arbeitet! Frueher war unser Slogan: die Wizo braucht dich — heute ist es der umgekehrte Fall, wir Frauen brauchen die Wizo mehr als je. Wir brauchen das Zusammensein mit Gleichgesinnten, wir brau ■chen den Kontakt mit Israel, ein bisschen Zerstreuung, und auch unsere altgewohnte Kulturarbeit. Wir veranstalten Bridge- und Kanasta-Nachmittage, und wer gerne daran teilnehmen moechte, setze sich doch mit Elena Gassmann (Tel. 251109) in Verbindung, um an einem geeigneten Tisch eingeteilt zu werden. Es gibt noch viele treue Chaveroth, und mit alter Kraft und Talent werden wir uns wieder reorganisieren. Fuer Fragen in dieser Hinsicht steht unsere Praesidentin Dulli Roesler jederzeit zur Verfuegung. Wenn Sie ueber freie Stunden verfuegen, so erwarten wir Sie mit Freude zu unseren Spiel— «der Gruppen-Nachmittagen! In der zweiten Haelfte November ist eine ganz besondere Veranstaltung geplant. Der Botschafter Israels und seine (Frau haben liebenswuerdigerweise die Gaerten der Embajada zur Verfuegung gestellt, um dort einer Trachtenschau beizuwohnen. Mehr als ein Dutzend Laender, die hier vertreten sind, haben schon jetzt ihre typischen Gewaender fuer diese Schau zugeäagt, und es verspricht ein besonders fatrbenpraechtiges Bild zu werden. Der Abschluss und Clou des ■Ganzen, ein kostbares, handgearbeitetes jemenitisches Brautkleid ist uns schon jetzt von der Wizo Israel zugegangen. Sie werden noch ueber das Datum von uns verstaendigt werdeft. Im Dezember finden die traditionellen Abschieds- und ChanukkaiNachmittage statt, die wie stets die einzelnen Gruppen veranstalten, aber der sogen, gemeinsame Abschiedsnachmittag ist schon jetzt fuer Donnerstag den 15.12. festgelegt. Der Ort steht noch nicht fest, aber wir wissen schon jetzt, dass wir ihn vergnuegt verbringen werden. DIE KORREKTUR DER RENTEIUT1ELLEN (Schluss von Seile 12) Entdeckung fuehrte nun zu umfassenden Memor anden und Darlegungen; denn zunaechst galt es, die eigenen Freunde von einem Zustand zu ueberzeugen, den sie schlicht fuer unmoeglich hielten. Weder war einer der vielen Wiedergutmachung s a nwaelte noch einer der Experten der juedischen Organisa tionen je auf die Idee gekommen, dass die Rententabellen falsch berechnet sein koenn ten. Aber unser Freund hatte eine solche Spezialkenntnis des Problems, dass er seine und spaeter auch die anderen Organisationen von der Richtigkeit seiner Entdeckung ueberzeugte. Weit wichtiger aber war, dass unser Freund Mar tin Hirsch diesen Fachmann an seine Seite stellte, um dem gesetzlichen Wiedergutmachungswillen der Bundesrepu blik bei der Durchfuehrung zum Erfolg zu verhelfen. Ich Rabe diesen ausserordentlichen Mann im Herbst 1965 kennengelernt und seit dieser Zeit Rabe ich auf Grund seiner fachlichen Darlegungen, wo immer man mir Gelegenheit gab, den Kampf um die Revision der Rententabellen unter stuetzt. Der Staatsmann, Altbundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, der in verschiedenen Besprechungen mit unseren Freunden Unger und Beer ueber alle wesentlichen Elemente der unrichtig bemessenen Ren tentabellen unterrichtet wurde, hat zuletzt am Spaetnach mittag des 22. Maerz 1967 — das war seine letzte Besprechung in seinem Bonner Bue ro — u.a. erklaert, er wolle sich gemeinsam mit dem hochverdienten Abgeordneten Martin Hirsch fuer eine baldige und befriedigende Rege lung der anstehenden Probleme verwenden. Dann erkrankte und verstarb Adenauer. Nach allem aber bedeuten die neuen Verordnungen den Sieg der Beharrlichkeit von zwei Maennern und ihrer Freunde mit der Kraft des Wortes, der Ueberzeugung des Wissens, fuer das Recht gestritten und das Recht gefunden zu haben. Dieser Einsatz beweist, dass die alte Me thode, “das Wort zum Schwerte zu machen” noch immer wirksam ist. Ueber sieben Jahre haben diese Bemuehungen gedauert, die jetzt zu einem ersten guten Ergebnis gefuehrt haben. Wenn also demnaechst Nachzahlu n g e n und hoehere Renten die immer -geringer werdenden Ueberlebenden erreichen, dann sollten sie nicht vergessen, dass diese Korrektur nicht ohne die Beharrlichkeit dieser beiden Maenner erreicht worden waere, die an die ewigen Grundsaetze von Recht und Gerechtigkeit glauben. (Fuer Beratung der Experten bei der Vorbereitung obigen Artikels spreche ich meinen Dank aus). GOLDEN AGE Wir treffen uns wieder wie ueblich am 7. Dezember nachmittags um 16 Uhr, Portugal 810, bei guter once und interessantem Programm OER ROTE DANHY UNO Der Rote Danny fuehrte waehrend seines achttaegigen Aufenthalts in Israel auf keinerlei Barrikaden. Er rief zu keinerlei Revolution auf. Aber das war allenfalls eine Ent taeuschung fuer einige maoistische oder andere extreme Kommunisten, die noch links von sich selbst stehen. Ueberraschender war, dass er auch intellektuell enttaeuschte. Er hatte zu der grossen Debatte, wie diesem Teil der Welt der Friede gebracht werden kann, nichts beizutragen als die nun schon alten Schlagworte der Neuen Linken. Daniel Cohn-Bendit war aus der Bundesrepublik nach Israel zu einem achttaegigen Be such auf Einladung der Studenten-Union gekommen, die zum Allgemeinen Studententag auch andere Jugendrepraesentanten als Teilnehmer eines zeitnahen Symposiums eingeladen hatte. Nach seiner Rueckkehr will der vormalige Anfuehrer des franzoesischen Studentenaufstands vom Mai 1968 der Leitung des “Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS)” einen Bericht ueber die Lage in Israel vorlegen. Bei seinen verschiedenen Auftritten im Lande, zum groessten Teil in Jerusalem, je einmal auch in einem Kib buz in der Kuestenebene und bei einer Pressekonferenz in Tel-Aviv, sprach Danny englisch. Nur wenn er in Wut geriet, und das kam oefter vor, fiel er ins Franzoesische, das er dann mit dem Argot eines Pariser Taxichauffeurs her unterrasselte. Am wuetendsten wurde er bei der dritten Jerusalemer Versammlung, im Beth Hillel-Studentenheim, als er vergeblich versuchte, eine Gruppe von nationalistischen Opponenten, die sich selbst “die Loewenjungen” nannten, zum Schweigen zu bringen. “Gut gebruellt, Loewen!”, konnte man den Stoerern wirklich nicht zurufen, als sie mit dem Schlachtruf “Matzpen raus”, der die Zentralgruppe der extremlinken Opposition treffen sollte, der stuermischen Debatte die Krone ihres Geistes auf setzen wollten. Danny Cohn-Bendit sah jedoch in diesem Gebruell und in dem Zoegern der Mehrheit der Versammlung, die Stoerer vor die Tuer zu setzen, bereits das Ende der israelischen Demo kratie. Schliesslich schoss er dem Stoerkommando das eindeutigste aller ‘Four letter words’ entgegen. Dafuer reichte sein Englisch noch. Kaum war es ihm entfahren, wollte er’s im Busen nicht bewahren. Zimperlich ist er nicht. ■ Seine politische Vergangen heit hatte beim groessten Teil der Israelis zunaechst nicht gegen ihn gesprochen. Danny vorzuwerfen, dass er von einem ethisch - sozialistischen, zugleich jugendlich - aggressiven Elan erfuellt ist, haette auch einem Volke schlecht angestanden, das im Laufe seiner Geschichte genug der Sucher nach einer besseren sozialen Ordnung aus sich heraus entwickelt hat. Zudem notierte OIE “DEUTSCH- Zum Israel-Besuch Daniel Cohn-Bendits man, dass er sich schon laengst und jetzt auch wieder in Jerusalem von dem antihumanen Scheinsozialis m u s, wie er buereaukratisch-dikta torisch in Moskau praktiziert wird, deutlich abgrenzt. Endlich hatte man hier auch keinerlei Einwand dagegen, dass er dem Prestige der franzoesischen Regierung einige Beulen versetzt hat. JUDE, ABER NICHT ZIONIST “Ich bin als Jude geboren”, erklaerte Danny gleich bei seinem ersten Auftreten im Auditorium Maximum der Hebraeischen Universitaet. Bei anderer Gelegenheit hatte er auch daran erinnert, dass seine Eltern nach 1933 aus Deutschland nach Frankreich gefluechtet waren; er selbst hat dort 1945 das Licht der Welt erblickt. “Ich bin als Jude geboren... in Frankreich, ich habe am revolutionaeren Klassenkampf in Frankreich teilgenommen und dann in Deutschland gelebt. Ich bin kein Zionist. Ich habe weder israelische Wertpapiere noch Bomben anzubieten, nur meine eigenen Gedanken”. Aber die Gedanken, die er anzubieten hatte, waren recht blass und fluegellahm, und von der israel-arabischen Wirklichkeit, die er ein wenig aufzuhellen und vor allem zu analysieren versprochen hatte, schien er keinerlei klaren Begriff zu haben. Seine erste Idee lautete: “Mit Kraft- und Gewaltanwendung allein werdet ihr nicht zum Frieden kommen”. Da waren die meisten bereit, ihm zu folgen. Doch war dies schliesslich eine Binsenwahrheit, ueber die nicht einmal zu diskutieren lohnte. Die Angriffe, die heute, zu Recht oder Unrecht, gegen die israelische Regierung gerichtet werden, beschuldigen sie nicht, dass sie nicht den Frieden will, sondern dass sie ihn auf falsche Weise und mit der falschen Terminologie sucht und dass sie die Ausfindung von moeglichen Gespraechspartnern ungeschickt manipuliert hat. Die zweite Idee war, dass die Israelis ihre eigene arabische Minderheit ebenso wie die Araber der besetzten Gebiete unterdruecken, wobei sich herausstellte, dass die Matzpenisten, die den Gast sofort nach seiner Ankunft im Land unter ihre Fittiche genommen hatten, fuer ihn zwar eine arabische Ortschaft ohne Anschluss an das elektrische Licht-System ausfindig gemacht hatten, ihm gegenueber aber die zahllosen Beispiele technischer, oekonomisc her und sozialer Hilfe fuer die Araber, um die sich die israelische Verwaltung aufrichtig und intensiv bemueht, mit keinem Wort erwaehnt hatten. FUER DEN ' KLASSENKRIEG Die dritte Danny-Idee gipfelte darin, dass die Israelis nicht nur fuer die “Selbstbestimmung ihrer Arbeiter in den Fabr i k e n und Kibbuzim” kaempfen, sondern sich auch mit den arabischen Massen in Jordanien und Aegypten verbruedern sollen, die dort “gegen ihre reaktionaeren und feudalen Unterdruecker Krieg fuehren”. Kurz: die Israelis sollten aus dem Nationalkrieg einen Klassenkrieg machen”, dann wird sich alles, alles gegen den gemeinsamen Feind wenden — “den kapitalistischen Ausbeuter”. Endlich versuchte Danny seinen Hoerern klarzumachen, dass auch im Mittleren Osten nicht alles so heiss gegessen, wie es gekocht wird; dass Nassers Androhung eines Vernichtungkriegs gegen Israel nicht ernst zu nehmen, sondern nur als “taktisches Manoever” gegenueber den waf fenspendenden Russen zu verstehen sei; dass er weder fuer Nasser noch fuer Yasser Arafat Sympathien hege, da sie nicht als die Fuehrer des arabischen Proletariats zu bewer ten waeren; dass die palaestinensisch-arabischen Guerrillaorganisationen nicht eingentlich die Toetung von Juden im Auge haetten, sondern nur die Aufloesung des Staates Israel und die Schaffung eines binationalen, in dem den Juden alle religioesen und kulturellen Rechte gewahrt werden koennten... Bei seiner dritten Rede in Jerusalem, im Hillel-Studentenheim, fuehrte Danny noch weiter aus, warum die arabi sehen Arbeiter der besetzten Gebiete in keiner Weise antijuedisch, sondern nur antiisraelisch, anti-kapitalistisch und anti-imperialistisch eingestellt seien. Die grundsaetzliche Solidaritaet der arabischen Arbeiter mit den Juden habe sich gezeigt, als sie sich zusammen mit ihren franzoesischen Kameraden schuetzend vor ihn gestellt hatten, als beim Pariser Maiaufstand vor zwei Jahren die franzoesi sehen Behoerden beschlossen hatten, dass er als “deutscher Jude” und Traeger eines deutschen Passes aus Frankreich auszuweisen sei. Danny berichtete: “Bei unserem Marsch durch den Pariser Vorort Belleville, da riefen auch die arabischen Arbeiter gemeinsam mit ihren franzoesischen Genossen im Sprechchor — und ihre gutturalen Stimmen waren deutlich herauszuhoeren: “Nous sommes tous des Juifs Allemands... Nous sommes tous des Juifs Allemands ...” Als Danny dies als Beweis fuer die internationale und judenfreundliche Gesinnungsweise der palaestinensischen Araber und fuer die Logik seiner Gedankengaenge angefuehrt hatte — da legte sich die chaotische Versammlungsunruhe und machte einer allgemeinen Heiterkeit Platz. Fast vaeterlich -wohlwollend rief einer der anwesenden Studenten ihm zu: “Danny — go home!” ERICH GOTTGETREU ("M. B.“ - Tel. Aviv)