Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXII (1970)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1970)
- Date
- 1970-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1970 BOLETIN INFOMATIVO 11 Deutschsprachiger Teil des ISRAEL - NACHRICHTEN INFORMATIVO BONN UND JERUSALEM von Herbert Freeden Jeder der vier Kanzler der Bundesrepublik Deutschland setzte den Stempel seiner Persoenlichkeit auf das deutsche Verhaeltnis zu Israel — Adenauer fuehlte eine Sonder beziehung, die aus der juedischen Katastrophe und den deutschen moralischen Verpflichtungen hervorging; Er hardt stellte die diplomati sehen Beziehungen zu Israel her und opferte dafuer die zu fast allen arabischen Laendern; Kiesinger war stolz darauf, diese Beziehungen zu “normalisieren”, gab damit den Sonderstatus Israels preis. Brandts Politik ist noch im Fluss, doch einige Beobachter glauben feststellen zu koennen, dass Bonns “wohlwollende Neutralitaet” gegenueber Israel im Mittelost-Konflikt sich allmaehlich zu einer “objektiven Neutralitaet” wandelt. Die Erfahrungen mit der British Labour Party haben die Israelis vorsichtig in der Beurteilung; sozialdemokratischer Regierungen gemacht. Labour in der Opposition war der beste Freund des Zionismus; als die Partei jedoch an die Macht kam — unter Attlee und Wilson — war aber das Gegenteil der Fall. Noch laesst sich Vergleichbares ueber Kanzler Brandt nicht sagen; dessen Integritaet und Antinazi-Rekord ihn zum idealen politischen Partner machen wuerden. Die Ironie will es, dass gerade seine saubere Vergangenheit und die Abwesenheit eines schlechten Gewis sens und Schuldkomplexes ihn gegenueber Israel frei von Sentiments und persoenlichem Engagement machen — was den Prozess der “Normalisierung” nur beschleunigt. Vieles in der Bundesrepublik ist in letzter Zeit anders geworden. Der etwas forcierte Philosemitismus der ersten Nachkriegsjahre hat einer Indifferenz Platz gemacht und die Solidaritaet mit Israel im Juni 1967 ist von einer mehr kritischen Haltung abgeloest worden. Die deutsche Version der “Neuen Linken”, jetzt einflussreicher als unter den christlich-demokratischen Regierungen, zeichnet sich durch seine anti-israelische Schaerfe aus, von antijuedischen Tendenzen untermalt. Es ist kein Zufall, dass vier der militantesten Linken — Horst Mahler, Andreas Baeder, Ulrige Meinhoff und Gudrun von Essling — nachdem sic der deutschen Gerichtsbarkeit entronnen waren, bei den Terroristen in Jordanien Zuflucht suchten. Selbst wenn man den Drohungen und Gewaltakten gegen juedische Menschen und Institutionen, die in Berlin, Muenchen und anderswo vorgekommen sind, keine grosse politische Bedeutung zumisst, so muss man doch zugeben, dass sie nur in einer Atmosphaere stattfinden konnten, die diesen linken Exzessen mit Tole ranz entgegenkommt. Israel hat sei je den Wunsch der Bundesregierung geachtet, ihre Beziehungen zur arabischen Welt zu ver bessern, solange das nicht auf seine Rechnung geschieht. Rein pragmatische Schritte in dieser Richtung, motiviert von Handelsinteressen, sind nur zu verstaendlich. Aber sie werden verdaechtig, wenn hohe deutsche Fimktionaere anfangen, von der “traditionellen deutsch-arabisc hen Freundschaft” zu sprechen, wobei man nicht umhin kann, die Hoehepunkte jener “Tradi tion” ins Gedaechtnis zurueckzurufen — der Empfang des Mufti bei Hitler, der Besuch Eichmanns in Palaestina, der Aufstand Rashid Ali’s im Irak und, aus der noch juengeren Zeit, die deutschen Experten in der aegyptischen Raketen- Manufaktur in Heliopolis. Obwohl die westdeutsche Presse, im grossen Ganzen, nach wie vor Verstaendnis fuer die Situation Israels zeigt, mehren sich in den staatseigenen Fernsehdiensten feindselige Stimmen politischer Kommentatoren. Auch die ueberraschende, einseitige Stellungnahme des Regierungssprechers Conrad Ahlers nach der israelischen Aktion im Libanon, ist noch in unangenehmer Erinnerung. Unbestaetig t e n, aber hartnaeckigen Geruechten zufolge hat Aussenminister Scheel beim juengsten NATO Treffen gegen weitere Lieferungen amerikanisc her Kampfflugzeuge nach Israel Stellung genommen und sich fuer einen totalen Rueckzug Israels aus den besetzten Gebieten ausgesprochen. Es ist noch zu frueh, die Folgen der westdeutschen “Oeffnung nach dem Osten” zu ermessen. Ohne Zweifel stellt man sich. in Jerusalem die Frage, ob und wie weit das “neue Kapitel in den Bezie hungen zwischen der Bundesrepublik und Russland” ihre Stellungnahme zu Problemen des Mittelostens beeinflussen wird. Selbst wenn der arabisch-israelische Konflikt kein Diskussionsthema in Moskau gewesen sein sollte — was nicht erwiesen ist — so duerfte doch der neue Pakt mit der Sowjetunion einen unabhaengigen Standpunkt Bonns in der Mittelostfrage erschweren und begrenzen, und somit langsam das freundschaftliche Verhaeltnis zu Israel aushoehlen. In einer offiziellen Erklaerung glaubte Abba Eban fest stellen zu muessen, dass die Bonner Ostpolitik nicht in Ver bindung mit den deutsch-israe lischen Beziehungen zu brin gen sei und keinen Einfluss auf sie habe. Es sei nicht Sache Israels, sich zu aeussem, wenn die Bundesregierung das Verhaeltnis mit ihren Nachbarn im Osten auf eine neue Basis stellen wolle. Anderseits aber nahm Eban den Besuch einer Delegation der “Deutsch- Israelischen Gesellschaft” zum Anlass, um warnend darauf hinzuweisen, dass der sowjetische Druck im Mittelmeer raum auch die Laender Euro pas, einschliesslich der Bundesrepublik, beeintraechtigen muesse und dass ein weiteres russisches Vordringen im Nahen Osten weitgehende Auswirkungen auf dem europaeischen Kontinent nach sich ziehen wuerde. Achtung Fristablauf! Die United Restitution Organization URO gibt bekannt, dass die Frist zur Anmeldung von Lastenausgleichs-Anspruechen am 31. Dezember 1970 ablaeuft. NEVE AVIV CLUB Wer mit eigenen Augen sehen moechte, was der Pioniergeist einer alt-neuen Nation in wenigen Jahrzehnten erbaut und erkaempft, fuer den ist Israel ein unumstrittenes Reiseziel. Was man auch vorziehen moe ge, den sonnigen Strand der vier Meere Israels, die maleri sehen Berge des Galil, die weiten Wuesten des Negew und Sinai, oder die Jahrtausende alten Ruinen vergangener Zivilisationen ■— Israel wird niemanden enttaeuschen. Inmitten der bluehenden Gaerten von Kfar Schmarjahu, eine Viertelstunde von Tel Aviv, unweit des schoenen Strandes von Herzlia und seiner geschmackvollen Villen, liegt der Neve Aviv Club, wo man einen angenehmen Aufenthalt im goldenen Alter findet, der allen Wuenschen entspricht. Der Neve Aviv Club ist eine erfolgreiche Kombina tion eines erstklassigen Hotels und eines Seniorenklubs. Gaeste koennen unter anderem Gesundheitsgymn a s t i k wie auch an hebraeischem Unterricht teilnehmen. Ein modernes Schwimmbad befindet sich unmittelbar in der Naehe. Kulturelle Veranstaltu n g e n jeglicher Art, darunter Vortraege — Plattenkonzerte — Filme, gibt es fast jeden Abend. HELLSEHER! Dem Tel Aviver “Jedioth Chadashoth” entenehmen wir folgende interessante Notiz: Der Telepath und Gedankenleser Uri Geller, der im Zawta-Klub in Tel Aviv auftrat, und sich seit zehn Uhr abends ununterbrochen auf der Buehne befand, rief um 10.45 Uhr, nachdem er ein starkes Herzklopfen gefuehlt hatte, in grosser Erregung ploetzlich aus: “Nasser ist gestorben, ich bin sicher, dass Nasser gestorben ist”. Der Ausruf loeste unter den Anwesenden grosse Erregung aus und 15 Minuten spaeter wurde die Nachricht in der Nachrichtensend u n g bestaetigt. Uri Geller hatte vor einigen Monaten 48 Stunden vor dem Ableben Schraga Friedmanns vorausgesagt, dass eine Per soenlichkeit des hebraeischen Theaters sterben werde. CEYLON UEBT DRUCK AUS Die linksgerichtete Regierung Ceylons unter Minister praesidentin Bandaranaike hat kuerzlich die diplomatischen Beziehungen mit Israel unter brochen und die Fortsetzung von der Raeumung der von Israel im Junikrieg 1967 besetzen Gebiete abhaengig gemacht. HAFTENTLASSUNG AEGYPTISCHER JUDEN Einer Information aus Pariser Regierungskreisen zufolge hat Aegypten rund achtzig aegyptische Juden nach Frankreich ausreisen lassen, die sich seit dem Sechstagekrieg in Haft befanden. Sie muessten allerdings ihre aegyptische Staatsbuergerschaft aufgeben. Auch die anderen seit Juni 1967 inhaftierten Juden sollen freigelassen worden sein. KIBBUTZIM - GAESTEHAEUSER BILLIGER Angesichts des wachsenden Interesses von Jugendlichen und Studenten in Deutschland, Frankreich und England, ihre Ferien in einer israelischen Kibbutzgemeinschaft zu verbringen, wirbt jetzt die israelische Luftfahrtgesellschaft El Al gemeinsam mit dem Verband der Kibbutzim-Gaestehaeuser fuer einen billigeren Urlaub in deren Gaestehaeusern. "WIE UNTER DER NAZI-BESATZUNG" Anlaesslich des Todes von Nasser beschloss die Munizipalitaet von Nablus, das in dem von Israel verwalteten Gebiet liegt, eine Delegation nach Kairo zwecks Teilnahme an den Beerdigungsfeierlichkeiten fuer den aegyptischen Diktator zu entsenden. In Shefar Am, in Ober-Galilaea. demonstrierten arabische Schueler mit Trauer-Fahnen. In zahlreichen Ortschaften wurde Trauer fuer 3 Tage dekretiert und fuer diese Zeiten waren die Geschaefte geschlossen. Das geschah alles vor der Militaerver waltun g zu Ehren des Mannes, der “im juedischen Blut waten” wollte! Bekanntlich schickten die Israelies ueber die Allenby- Bruecke Lebensmittel und Medikamente fuer die Opfer des Buergerkrieges in Jordanien. Auch den Einwohnern des Westgebietes (Samaria und Judaea) wurde von den Militaerbehoerden gestattet, von sich aus' 4 Lastwagen mit Lebensmiiteln nach Jordanien zu entsenden. Die Russen und ihre Anbaenger in den westlichen Laendem verbreiten das Maerchen von der “brutalen Unterdrueckung” der arabischen Bevoelkerung in den besetzten Gebieten. Die Israelies wuerden “typische Nazi-Methoden” anwenden. Haetten die Nazis in den von ihnen besetzen Gebieten den Einwohnern erlaubt, ganz offen fuer Roose velt zu demonstrieren, als die Nachricht von seinem Tode eintraf? Wenn man den Israelies einen Vorwurf machen kann, so nur den, dass sie ihre Feinde mit Glace-Handschuben behandeln. (Semanario Israeliia, Buenos Airss)