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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-10-01 · 10 (Octubre, 1970) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
10 (Octubre, 1970)
Date
1970-10-01
Page
Seite 11 (sequence 15)
Language
German
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OCTUBRE 1970 BOLETIN INFOMATIVO 11 DIE ENTTHRONUNG DES DOLLARS Nicht von internationalen Waehrungsf ragen ist hier die Bede, noch etwa von einer inflationsbedingten “Flucht in die Sachwerte”, von der vorlaeufig wenig zu merken ist. In einem ungleich erfreulicheren Sinne,‘ist in Amerika ein Prozess in Gang gekommen, der zu einer Entthronung des Dollars zu fuehren verspricht: fuer einen stark wachsenden Teil der Jugend hat der Dollar aufgehoert, das Ziel alles Strebens und das Mass aller Dinge zu sein. Die viel beklagte Kluft zwischen den Generationen in diesem Lande besteht zu einem erheblichen -Grade in der veraenderten Einstellung zum Gelde. Da es sich um einen Vorgang handelt, der in einem Riesenlande und bei den verschiedensten Bevoelkerungsieilen stattfindet, so koennen liier natuerlich nur die wichtigsten Aspekte aufgezeigt werden. Zu einem gewissen Teil ist die veraenderte Einstellung der juengeren Generation auf die Nachwirkung .-der Weltwirtschaftskrise und des “New Deal” der dreissiger Jahre zurueckfuehren. Das nuechternste aller fuehrenden amerikanischen Blaetter — und oft eines der besten — -das “Wall Street Journal”, brachte vor einiger Zeit eine 'Serie von Artikeln, die sich -mit den Konsumgewohnheiten der verschiedenen Schichten im Lande befassten. Dabei stellte sich das Alter als einer der entscheidenden Faktoren heraus: die aelteren Jahrgaenge, die sich noch lebhaft an die grosse Krise, an Massenarbeitslosigkeit und Not, erinnern konnten, neigten zur Vorsicht in ihren Ausgaben, und zum Sparen. Die Juengeren, die die grosse Krise nur vom Hoerensagen kannten, waren sehr optimistisch und neigten dazu, mindestens so viel auszugeben wie sie verdienten, und auf etwaige Mahnungen zum Sparen, auf Hinweise auf die Moeglichkeit von Krisen und Arbeitslosigkeit, reagierten sie nur mit der Behauptung, so etwas koenne die Regierung heutzutage gar nicht mehr erlauben, — wobei die Faehigkeit der Regierung, Krisen zu verhindern, als selbstverstaendlich angenommen wurde. Aber da die Zahl derer, die das traumatische Erlebnis der grossen Depression gehabt haben, staendig abnimmt, so spielt dieser Faktor schon jetzt keine allzu grosse Rolle mehr und wird allmaehlieh bedeutungslos werden. KRITISCHE JUGEND Dagegen waechst der Einfluss der immer weitere Kreise umfassenden hoeheren Bildung. Waehrend bei Millionen von Menschen der mittleren und hoeheren Altersgruppen das Bildungsniveau meist niedrig ist — handelt es sich doch vielfach um fruehere Einwanderer, die sich mit groesster Muehe erst eine sichere Existenz schaffen mussten -— werden ihre Kinder groesstenteils in den vom Steuerzahler erhaltenen oeffentlichen Schulen bis zum Ende der High School, d.h. bis etwa zum 18 ten Lebensjahr, erzogen, und ein sehr -erheblicher Teil — etwa ein Drittel der ueberhaupt in Frage kommenden Altersgruppe! — geht weiter auf ein College. Dieses steigende Bildungsniveau ist ein wirklich revolutionaerer Faktor, denn die jungen Leute lernen neue Masstaebe und Werte kennen, sie hoeren von anderen Kulturen und lernen vergleichen und zweifeln; sie werden sehr kritisch gegenueber den Werten und Masstaeben der aelteren Generation. Und am staerksten wendet sich ihre Kritik gegen die masslose Hochschaetzung des Geldes und des materiellen Erfolges — was sich bei der Berufswahl dann zeigt. Bezeichnenderweise herrscht durchaus kein Andrang zu den “geistlichen Berufen”; denn die religioesen Organisationen stehen bei der Jugend gar nicht hoch im Kurse. Aber noch erstaunlicher ist die Abwendung der Jugend von dem frueher so bewunderten “captain of industry”, dem Multimillionaer, und aehnlichen Typen. Diese erscheinen dem kritischen Blick heute in ganz anderem Lichte: waren sie es nicht, die vielfach die reichen Naturschaetze des Landes fuer sich ausbeuteten, ohne jede Ruecksicht auf nachfolgende Generationen? Waren sie es nicht, deren Folgen heute in den heillos verschmutzten Seen und Fluessen, den abgeholzten Waeldern zu sehen sind, und waeren die Folgen nicht noch viel schlimmer ohne die Eingriffe der Gesetzgebung, die erst in diesem Jahrhundert, mit der Praesidentschaft Theodor Roosevelts, ueberhaupt anfingen? Es ist ein Zeichen der tiefgehenden Besorgnis, die das Volk, aber besonders die Jugend ergriffen hat, dass selbst Praesident Nixon — der den Kreisen des “big business” sehr nahe steht und Staatseingriffe in das Wirtschaftsleben hasst — sich mit einem grossen Programm zur Reinigung von Luft und Wasser und zur Wahrung gewisser Naturschaetze bekannt hat. Uebrigens wird die Durchfuehrung dieses Programms, das Milliarden von Dollars kosten wird, allmaehlich die Preise amerikanischer Waren verteuern und ihre Konkurrenzfaehigkeit auf dem Weltmarkt verringern; aber man wird sich damit abfinden — und vielleicht weniger unnuetze Waren produzieren. REICHTUM UND ELEND Dass der Krieg in Vietnam, und vielleicht noch mehr das Bewusstsein, dass selbst ein Atomkrieg nicht ausgeschlossen ist, aufs Staerkste dazu beitragen, der Jugend die blosse Jagd nach dem Gelde als sinnlos erscheinen zu lassen, bedarf keiner naeheren Ausführung. Soehne und Toechter hoher Offiziere sind in den Friedensdemonstrationen mit an erster Stelle marschiert. Aber auch die inneren Zustaende Amerikas sind durchaus geeignet, Zweifel an der “protestantischen Ethik”, die ja vor allem Geld verdienen und Sparen als Tugenden ansieht, aufkommen zu lassen. Was nuetzt der ungeheuere Reichtum des Landes, wenn Millionen in scheusslichen Elendsvierteln leben und in vielen Grosstäedten die Menschen sich abends nicht mehr auf die Strasse trauen, weil Raub und selbst Mord an der Tagesordnung sind? Waere es nicht an der Zeit, zunaechst dem Massenelend ein Ende zu machen und die Diskriminie rung gegen Neger, Indianer und “Mexicans” zu bekaempfen? Dass haute in den Kreisen, die sich leidenschaftlich gegen die ueberlieferte Einstellung und vor allem gegen den Tanz um das goldene Kalb werden, unendlich viel Verwirrung herrscht, ist gewiss nicht zu leugnen. Aber die Auflehnung selbst ist im Grunde ein hoffnungsvolles Zeichen — und eine Tatsache, die man zur Kenntnis nehmen muss, wenn man die Zukunft erkennen will. Ein prominenter amerikanischer Sozialkritiker, Fletcher Knebel, schrieb kuerzlich: “Die soziale Revolution in diesem Lande ist nicht mehr eine Wahrscheinlichkeit, sondern eine Tatsache. , . .Unsere Gesellschaftsordnung und unser Werte werden stuermisch umstritten”. ARTHUR PRINZ "M. B." Tel-Aviv Max—Reinhardl—Zentrum in Tel Aviv Eine Max-Reinhardt-Ausstellung ist in Jerusalem von dem oesterreichischen Botschafter Artur Agstner eroeffnet worden. Die aus den Bestaenden der Salzburger Max-Reinhardt- Forschungs- und -Gedenkstaette zusammengestellte Ausstellung zeigt vor allem Reproduktionen und Fotos seiner bedeutendsten Berliner, Wie ner und Salzburger Inszenierungen sowie Wiedergaben von Briefen, Programmen und Dokumenten. Es ist die bisher umfangreichste europaeische Theaterausstellung in Israel. Bei der Eroeffnung wurde bekannt, dass ein Max-Reinhardt-Zentraum in Tel Aviv entsteht, das ein Kammertheater, eine Schauspielschule, ein Theatermuseum und eine Theaterbibliothek enthaelt. Insiiiui fuer Friedensiorschung in Dachau Geplant WIEDERGUTMACHUNG IN DER SOZIALVERSICHERUNG Der Zentralrat der Juden in Deutschland und die deutschen Verfolgtenorganisatiovien haben dem Bundestags- -ausschuss fuer Arbeit und Sozialordnung auf Wunsch des Vorsitzenden, Professor Schellenberg, ihre Vorstellungen ueber den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung und Ergaenzung der Vorschriften ue- Rer die Wiedergutmachung nationalsozialisti sehen Unrechts in der Sozialversiche rung mitgeteilt. Die Anhoerung fand am 25. September 1970 statt. Ein ausführliches Memorandum des . Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verfolgten-Organisationen war dem Bundestag bereits zugeleitet worden. Auch die Internationale Wiedergutmachungskonferenz hatte ihre Auffas sungen dem Ausschuss mitgeteilt. Verfolgte, die waehrend des Dritten Reiches dazu gezwungen wurden, fuer deutsche Firmen Zwangsarbeit zu leisten, stellen den berechtigten Anspruch, durch die Sozialversicherung beruecksichtigt zu werden. Ihr Ausschluss von der Sozialversicherung war rechtswidrig und sittenwidrig. Man wird daher der Erwartung Ausdruck geben duerfen, dass diesem Kreis besonders betroffener Personen in angemessener Weise Wiedergutmachung gewaehrt wird. (Juedischer Presse - Dienst) Die Errichtung eines Insti tuts fuer Friedensforschung im Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau (Aberbayern) haben drei Dachauer Stadtraete vorgeschlagen. “Es muss ein Anliegen des ganzen deutschen Volkes sein, an der Staette vergangener Unmenschlichkeiten Zeichen mitmenschlicher Verantwortung fuer die Zukunft zu setzen”, begruendeten die Stadtraete ihren Vorschlag, den sie den Fraktionen des Fluchthilfe Dachauer Stadtpariamen t e s zugeleitet haben. Als weitere Moeglichkeit, in diesem Sinne Verantwortung fuer die Verbrechen des NS-Regimes im KZ Dachau zu beweisen, wird in dem Antrag die Ansiedlung humanitaerer Einrichtun gen wie die eines SOS-Kinderdorfes, einer Heimstaette fuer terror- und kriegsgeschaedigte Kinder oder eines Pflegezentrums fuer koerperlich und geistig behinderte Kinder genannt. fuer Nazis? ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS BOLETIN INFORMATIVO LOS SERENOS 476 - OFICINAS 22/2) CASILLA 1C172 - STGD, TELEFONO B7765 “Es mag wohl sein, dass der Vatikan, im Wirrwarr der damaligen Zeiten, unwissentlich auch einigen Nazis zur Flucht verholfen hat”. Mit dieser vorsichtigen Formulierung gab ein deutscher Praelat — der im Jahre 1945 in Rom taetig war und heute noch einen Posten im Verwaltungsapparat des Vatikans bekleidet — zu, dass der Weg zu einem Zufluchtsort im Nahen Osten oder in Suedamerika fuer einige Nazis ueber den Vatikan gefuehrt hatte. Somit fand auch die vor einem Duesseldorfer Gericht gemachte Aussage des wegen Kriegsverbrechen angek 1 a g t e n Franz Stangls eine Bestaetigung, wonach ihm ein oesterreichischer Bischof im Vatikan durch Verschaffung eines Rot-Kreuz- Reisepasses zur Flucht nach Damaskus verholfen haette. Der Bischof starb vor einigen Jahren. Er soll mit den Nazis schon vor und auch waehrend des Krieges sympathisiert und sich als Verbindungsmann zwischen dem Vatikan und dem Vatikan und dem Hitler- Regime betaetigt haben.

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