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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-07-01 · 7 (Julio, 1970) · p. Seite 23

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
7 (Julio, 1970)
Date
1970-07-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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JULIO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 23 Neuer Gewerkschafts-Boss Qe&en das “Establishment” von Herbert Freeden (Jerusalem) Israels Histadruth, der Gewerkschaftsverband, dem 60% aller Einwohner und 90% aller Arbeiter angehoeren — darunter 150.000 Araber — ist unter der Fuehrung seines neuen Generalsekretaers Jizchak Ben-Aharon ploetzlich in eine kaempferische Phase getreten. Gerade die Histadruth war im Laufe der Zeit mehr zu einem Teil des “Establishment” geworden, wofuer sie in ihrer doppelten Rolle als Vertreterin der Arbeitnehmer und als industrieller Gross-Konzern besonders anfaellig war — allein ihre Baugesellschaft “Solei Boneh” beschaeftigt 22.000 Arbeiter und das gewerkschaftseigene Industrieunternehmen “Kor” ueber 8.000 Leute. Kein Wunder, dass viele Arbeitnehmer in der Histadruth nicht mehr ihre Interessen vertreten sahen, sondern sie als eine Art halbstaatlicher Behoerde betrachteten, und wenn sie unzufrieden waren, streikten sie gegen den Willen der Gewerkschaftsbonzen. Vor kurzem ist Generalsekretaer Becker, durch den 46 jaehrigen Ben-Aharon abgeloest worden. Ben-Aharon, in Czernowitz geboren, hatte in den 20ger Jahren in Berlin Politologie studiert, war im 2. Weltkrieg Hauptmann einer palaestinensischen Einheit der britischen Armee gewesen und in Griechenland in Gefangenschaft geraten. Vor 20 Jahren wurde er ins israelische Parlament, die Knesseth, gewaehlt, 1964 trat er in die Regierung als Verkehrsminister, aber aus Protest gegen die Spaltung der sozialistischen Front gab er sowohl sein Regierungsamt wie seinen Parlamentssitz auf und zog sich in seinen Kibbuz Givath Chaim zurueck. Dort wirkte er in aller Stille fuer eine Wiedervereinigung der Arbeiterbewegung, und er hatte groessten Anteil daran, dass die Spaltung schliesslich ueberwunden wurde. PALASTREVOLUTION Als man ihn in Anerkennung dafuer zum Generalsekretaer der Histadruth vorschlug, war man sich klar, dass man damit einen sozialistischen Doktrinaer gewaehlt hatte, der das Ringen zugunsten der Machtpositionen der Arbeiterschaft bis zur Grenze des Erreichbaren fue h r e n wuerde. “Die Histadruth muss eine unabhaengige Organisation werden und darf keinesfalls Teil der Regierungsmaschinerie sein” — mit dieser These leitete Ben-Aharon eine “Palastrevolution” ein, zumal in der Staatsfuehrung wie in der Gewerkschaft die gleiche Partei am Ruder ist, die Vereinigte Arbeitspartei. Um seinen“ Sozialismus der Tat” durchzusetzen, war sein erster Schritt, die Gewerkschaftsbuerokratie, die er fuer veraltet und verkalkt hielt, zu erneuern. Man warf ihm Kompetenzueberschreitung vor, als er ablehnte, mit den von anderen politischen Fraktionen gewaehlten Vertretern in der Exekutive zusammenzuarbeiten. Als er im Fernsehen ein Interview ueber seine Plaene geben sollte und hoerte, dass auch seine Gegner in derselben Sendung zu Worte kommen wellten, schrie er die verdutzten Fernsehreporter an und weigerte sich, zu erscheinen. Noch unorthodoxer war seine Intervention im Hafen- Konflikt. Seit Jahren sind die Haefen Israels immer wieder durch Streiks paralysiert. So musste vergangenen Winter die Ernte der Zitrusfruechte — Israels wichtigstes Exporterzeugnis — eingestellt werden, weil die Hafenarbeiter neue Normen forderten. Dabei entspricht ihr Monatslohn, einschliesslich Praemien und Ueberstunden. dem Gehalt eines hoeheren Beamten — etwa IL 1.500. Die Histadruth hatte bisher die Streiks fuer illegal OIE PASSIONSSPIELE IN OBERAMMERGAU Die antisemitische Tendenz der gegenwärtig in Oberam mergau in Bayern aufgeführten Passionsspiele ist Gegenstand heftiger Kritiken in der deutschen Presse. Obwohl eine ver gleichende Textanalyse der Spielversionen von 1960 und 1970 zeigt, dass zwar viele als stark antisemitisch empfundene Teile des Textes entfernt wurden, sind anderseits noch genug anstössige Textpassagen beibeghalten worden. Das bezeugen die nachfolgenden auszugsweise wiedergegebenen PRESSESTIMMEN ALLGEMEINE JUEDISCHE WOCHENZEITUNG: “Ein Dramaturg oder ein Regisseur kann mildern und verschärfen, und Spielleiter Anton Preisinger hat nichts unterlassen, um die antijüdischen Effekte noch zu erhöhen. War dies nur die Effekthascherei eines Mannes, der sich vom blutrünstigen Geschrei der Priester, von vermehrten Tempelwachen und Söldnerheeren und von den nun Hunderte umfassenden tobenden Scharen des „jüdischen Volkes“ eine besondere Wirkung erhofft? Oder handelt es sich um echten Antisemitismus? Oberammergau spricht immer davon, dass ihm Antisemitismus zutiefst fremd sei und man nichts täte, als ein formmes Gelübde zu erfüllen. Zweierlei hat leider die Mehrheit der Ortsgewaltigen noch immer nicht begriffen: So oft sie es auch behaupten, es stimmt einfach nicht, dass sie „nur das Evangelium“ spielen. Katholische Theologen haben ihnen schon oft erklärt, dass sie irren. Und weiterhin: Mag ihre Absicht noch so edel sein —die Wir kung des Spiels ist unleugbar und aufreizend antijüdisch...” DEUTCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT: “Was die Oberammergauer zu verkünden haben, ist in der Grundtendenz nicht nur weit hin antisemitisch, sondern streckenweise nicht einmal christlich, wie etwa das Bild von einem zürnenden, strafenden und rächenden Gott... Was man im Text als antisemitisch empfinden muss, hat nichts mit modernem rassistischen oder politischen Antisemitismus zu tun, sondern es geht schlicht um die Belastung des gesamten Judentums mit der Kollektivschuld am „Gottesmord“ an Jesus Christus.” EXPRESS (Köln): “Die Oberammergauer Dax steiler der fommen Bibelgestalten haben ihre Bärte fleissig gepflegt und es dabei versäumt, die alten Zöpfe ihres Spiels zu stutzen. Es blieb bei der sogenannten Tradition. Es blieb viel Kitsch und manche Passage, die nicht nur von Juden heftig kritisiert worden ist. Weltweit hatten sich die Proteste jüdischer wie christlicher Organisationen bis hin zur Strafanzeige wegen Antisemitismus und Volksverhetzung gesteigert. Die Oberammergauer blieben hart wie ihr Herrgottsschnitzerholz. Einen Vorzug haben die Spiele von Oberammergau doch: Sie finden nur alle zehn Jahre statt.” KOENISCHE RUNDSCHAU: “Was 35mal in fast 350 Jahren Erfolg hatte — warum sollte es nicht auch in diesem Jahr „gehen“? Es kommen ja immer noch genügend Gäste, die nicht schmähen, sondern sehen und erleben wollen. Sehen und spüren, wie Christus leidet unter den Hassgefühlen und der Torheit des jüdischen Volks.. Die Konsequenzen des Zweiten Valicanums haben beim Oberammergauer Passionsspiel fast keine Auswirkungen gehabt; das Judendekret, welches das jüdische Volk vom „Gottesmord“ freispricht, hatte bislang leider keinen Einfluss auf das Passionsspiel. Die Oberammergauer Spielfunktionäre weigern sich, gefaehrlichen Ballast über Bord zu werfen. Denn gefährlich ist wirklich geworden, was sie als strenge Erfüllung des Passionsspielgelübdes ansehen: das geradezu sture Kleben an den alten Texten.” NEUE RUHR-ZEITUNG (Essen): “Von den Spielern, den Dorfbewohnern selbst, be greifen nur wenige das ganze Hickhack. Antisemitisch? Wieso denn? „San doch alle Juden gewesen, die guatn, die wo für Jesus war’n, grad so wie die Bösen“ — und damit bringen sie, ohne zu wissen, ein Argument ihres Erzbischofs, des Kardinals. Aus dem papierenen Spieltext allerdings wird das nicht so klar. Da wird sauber geschieden zwischen geifernden Juden und edlen „Christen“. Aber diese Undifferenziertheit geht kaum einem auf. „Ischt halt bei denen dort passiert, die ganze Sach“, steht so im Evangelium.“ Und, nicht ohne Selbstironie: „War’ uns schon lieber, wenn’s die Preiss g’wesen wär’n!“ DER SPIEGEL: “Und wer jahrhundertelang in einer antisemitischen Sittenlehre erzogen wurde, dem will es nicht in den Holzschnitzerschädel, dass wegen eines einzigen Beschlusses im fernen Rom plötzlich aus Gottesmördern Mitmenschen geworden sind, die man nicht einmal mehr in einem frommen Spiel diskriminieren darf.” „Juedischer Presse-Dienst" “TERROR GW TERROR“ In einem anonymen Schreiben aus Strassburg hat eine “Internationale Anti-Terror-Organisation” “Terror gegen Terror” angekuendigt, um, “im Interesse des Friedens und der Sicherheit in der zivilen Luftfahrt” den Attentaten auf El-Al-Flugzeuge und andere Israel anfliegende Maschinen zu begegnen. “Die Ohnmacht der weltweiten zustaendigen Autoritaeten, wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen”, hiess es in dem mit “Warnung” ueberchriebenen Brief, habe die Mitglieder dieser Organisation dazu veranlasst, künftig jeden Anschlag auf Flugzeuge, die Israel anfliegen —egal welcher Nationaliaet— mit zwei Anschlaegen auf Flugzeuge arabischer Fluglinien zu vergelten. Die “Anti - Terror-Organisation”. die in ihrem Brief an die Deutsche Presse- Agentur keine Absenderadresse angab, will “an"jedem Flughafen der Welt zuschlagen”, im Gegensatz zu den arabischen Terroristen jedoch unschuldige Opfer vermeiden. VINA DEL MAB Daa ganze Jahr geoeffnet. Jedes Zimmer mit Privatbad. Preise ab 1. XII.: Zimmer m. 2 Betten incl. Fruehstueck u. Imp. m. Privatbad EP 66. Zimmer m. 1 Bett incl. Fruehstueck u. Imp. m. Privadbad E? 46. Mittag/Abendessen EP 15. Nachmittagskaffee etc. nach Bestellungen. HELENE MISCH 1 Ponlente 239 TeL 882146 - Oasllla 829 Santiago 370663 JITZCHAK BEN AHARON erklaert und vergebens ihren Einfluss als Vermittler geltend gemacht. Jetzt hat Ben-Aharon das Steuer herumgeworfen und sich auf die Seite der Hafenarbeiter gestellt. Mehr noch, der Gewerkschaftsboss hat die sofortige Entlassung des Leiters der Hafenbohoerde, des ehemaligen Stabschefs Laskow verlangt, den er oeffentlich der “Mentalitaet eines Sklavenhalters” bezichtigte und ihm “Mangel an menschlichem Verstaendnis” und “voellige Unfaehigkeit in Arbeitsbeziehungen” vorwarf. In israelischen Wirtschaftskreisen schlug Ben - Aharons Schritt wie eine Bombe ein — praezedenzlos, dass die Gewerkschaft den Arbeitsgebern diktieren will, wer sie vertritt, gleichgueltig ob ihr, wie in diesem Fall, der Staat oder ein privatwirtschaftlicher Unternehmer gegenueber steht. DER ALTE KLASSENKAMPF Ben-Aharon hat keine gute Presse. “Ein Mann, den es draengt, seine politischen Ambitionen zu befriedigen, spornt die Arbeiterschaft in den Betrieben und die Funktionaere in den Gewerkschaftssektionen zu einer intransigenten Haltung an, die dem Notstand unseres Staates nicht Rechnung traegt”, warnte die Tel Aviver Tageszeitung “Yedioth Chadashoth”. Tn seinem Bestreben, das Vertrauen der Arbeiterschaft wiederzugewinnen, so warf man ihm vor, bediene er sich der Schlagworte und Methoden der Dreissiger Jahre. Seine Versprechungen koennten nur als Erneuerung des Klassenkampfes verstanden werden und man zweifelt, ob der Belagerungszustand, in dem das Land sich befindet, der geeignete Zeitpunkt sei, den sozialen Hausfrieden aufzukuendigen. “Der kaempferische Geist, den Ben-Aharon verbreitet, traegt Mitschuld daran, dass die Arbeitsleistung in vielen oeffentlichen Betrieben gesunken ist”, glaubte die Abendzeitung “Ma’ariv” festzustellen. Wie dem auch sei ■— eine Persoenlichkeit von grosser Spannkraft und Energie, ein Non-Konformist ist an die Spitze der groessten Organisation Israels getreten. Ob Ben- Aharon ein “Elefant im Gewerkschaftsladen” ist, der die sozialen Unruhen verstaerken wird, oder ob es ihm gelingen wird, die Autoritaet der Histadruth wieder herzustellen: in einem stimmen Freunde und Gegner ueberein — er ist nicht der Mann, der auf halbem Wege stehen bleibt. Dass er trotz aller Opposition in der Exekutive der Histadruth ein Vertrauensvotum von 104: 27 erhalten hat, wird ihn nur darin ermutigen, das “Establishment” weiterhin herauszuforden.

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