Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-06-01 · 6 (Junio, 1970) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
6 (Junio, 1970)
Date
1970-06-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8553624-8554752-9195207--5784-8554869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

JUNIO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 21 Im Gedenken an die kuerzlich verstorbene grosse juedische Dichterin: NELLY SACHS Worte der Trauer und der Hoffnung 0 Du weinendes Herr der Welt Zwiespaeltig Samenkorn aus Leben und Tod. Von dir wollte Gott gefunden werden Keimblatt der Liebe. Bist du verborgen in einer Waise, die am Gelaender des Lebens schwer sich stuetzend weitergeht? Wohnst du bei ihr, dort wo der Stern sein sicheres Versteck hat O du weinendes Herz der Welt! Auch du wirst auffahren wenn die Zeit erfuellt ist Denn nicht haeuslich darf die Sehnsucht (bleiben die brueckenbauende von Stern zu Stern! ABER ES IST UNS IN DER FREMDE eine Freundin geworden: die Abendsonne. Eingesegnet von ihrem Marterlicht sind wir geladen zu ihr zu kommen mit unserer (Trauer, die neben uns geht: Ein Psalm der Nacht. CHOR DER GERETTETEN Wir Geretteten, Aus deren hohlem Gebein der Tod schon seine (Floeten schnitt, An deren Sehnen der Tod schon seinen Bogen (strich _ Unsere Leiber klagen noch nach Mit ihrer verstuemmelten Musik. Wir Geretteten Immer noch haengen die Schlingen fuer unsere (Haelse gedreht Vor uns in der blauen Luft - Immer noch fuellen die Stundenuhren mit unserem tropfenden Blut. Wir Geretteten, Immer noch essen an uns die Wuermer der Angst. Unser Gestirn ist vergraben im Staub. Wir Geretteten Bitten euch: Zeigt uns langsam eure Sonne. Fuehrt uns von Stern zu Stern im Schritt. Lasst uns das Leben leise wieder lernen. Es koennte sonst eines Vogels Lied, Das Fuellen des Eimers am Brunnen Unseren schlecht versiegelten Schmerz aufbre- (chen lassen Und uns wegschaeumen _ Wir bitten euch: Zeigt uns noch nicht einen heissenden Hund - Es koennte sein, es koennte sein Dass wir zu Staub zerfallen _ Vor euren Augen zerfallen in Staub Was haelt denn unsere Webe zusammen Wir odemlos gewordene, Deren Seele zu ihm floh aus der Mitternacht Lange bevor man unseren Leib rettete in die Arche des Augenblicks. Wir Geretteten, Wir druecken eure Hand, Wir erkennen euer Auge _ Aber zusammen haelt uns noch der Abschied, Der Abschied im Staub Haelt uns mit euch zusammen. Dem "Israelitischen Wochenblatt", Zuerich entnehmen wir den folgenden Artikel des frueheren Israel-Botschafters in Santiago: ZUM ERSTEN JAHRZEITTAG: MAX BROD-Der Zionist Von Dr. Uri Naor Ein Jahr ist seit seinem Tode vergangen, schon steht das Bild eindeutig fest, das er in der Literatur einnehmen wird: Ein vielseitiger Dichter, Denker und Künstler, der immer Wesentliches zu sagen hatte — und dies in einer schönen und verstaendlichen Sprache, der aber auch zuzuhören, umzudenken und neue Wege zu beschreiten wagte, der immer wieder aufs neue an die Ewigkeitsfragen, aber auch an draengende Alltagsprobleme heranging und sich ihnen mit Frage und Antwort stellte. Max Brod wurde auch anlaesslich seines Todes überrall, wo noch freies Denken und freie Sprache zu Hause sind, als Dichter, Philosoph, Musiker, Kunstkritiker und literarischer Entdecker gewürdigt — aber seine persönlichen Freunde, die mit ihm einen langen gemeinsamen Weg als Juden gegangen sind, erfüllt es mit Stolz und Genugtuung, an die Spitze ihrer Erinnerungen den einen Satz stellen zu können: Max Brod war Zionist. Er kam zum Zionismus als reifer Mann. Im Jahre 1910 VIÑA DEL MAR Du ganze Jahr geofeffnet. Jedes Zimmer mit Privatbad. Preise ab 1. XII.: Zimmer m. 2 Betten incl. Fruehstueck u. Imp. m. Privatbad EV 66. Zimmer m. 1 Bett incl. Fruehstueck u. Imp. m. Privadbad E<? 46. Mittag/Abendessen E9 15. Nachmittagskaffee etc. nach Bestellungen. HELENE MISCH 1 Poniente 239 TeL 882146 - Casilla 829 Santiago 370663 DAUMECKBJ STEPPDECKEN mit Woll- und Polycronfuellung extra leicht Max Wetzstein tic Sohn Av. M. Montt MM Fono 4337» Nsubeziehen und Umarbeitungen Moderaste importierte BeiagistoH» n. Inletts Parkes Acolchadas da Nylon Schlafsaecka Komme einmal im Monat nach Vlfia u. nehme Auftraege entgegen. fiel ihm bei einem Besuch in der Wohnung seines Freundes Hugo Bergmann in Prag, den er in einem Philosophenzirkel kennengelernt hatte, ein Bild Theodor Herzls auf. Hugo Bergmann informierte ihn über die zionistische Bewegung und gab ihm einige zionistische Schriften zum Lesen. Die zionistische Idee sprach in den einfachen Worten Herzls zu Brod und fand bei ihm aufnahmebereites Gehör. Max Brod begnügte sich jedoch nicht mit einem blossen Bekenntnis; er entwickelte bald auf zionistischem Boden eine fruchtbare Agilitaet, wird führend im neugegründeten “Zionistischen Klub”, in dem in ernster und gründlicher Art jüdische Werte vermittelt und die Diskussion zionistischer Probleme jenseits der damals üblichen seichten Versammlungspropaganda geführt wird. Der Erste Weltkrieg bricht aus, die zionistische Bewegung droht auseinanderzufallen. Da tritt Max Brod in das Prager Zionistische Distrikts-Komitee ein und entfaltet eine überaus weitreichende Aktivitaet. Die Bewegung, die bisher nur in kleinstem Rahmen gearbeitet hatte, wird vor neue, grosse Aufgaben gestellt. Ein. Strom von Flüchtlingen kommt nach Prag, bedarf der Hilfe und Beratung. Brod lernt, wie viele andere, zum ersten Male das Ostjudentum kennen und sucht, wie wenige andere, es auch wirklich zu verstehen und zu erfassen, und er entfaltet eine reiche Hilfstaetigkeit für die Flüchtlinge. Der Krieg zieht sich in die Laenge; im Gebaeude der österreichisch-ungarischen Monarchie beginn es zu brökkeln. Jetzt erweist sich Brod als weitsichtiger Politiker. Er erkennt die auch für die Juden in den einzelnen Laendern der Monarchie nahende neue gefahrdrohende. aber zugleich auch aussichtsreiche Situation und alarmiert die Führer der zionistischen Bewegung. Er vertrat gemeinsam mit Siegmund Katznelson, dem Redaktor der Prager zionistischen Wochenschrift “Selbstwehr”, den Plan der Veranstaltung einer jüdischen Reichskonferenz in Wien, die zu den sich naehernden Umwaelzungen Stellung beziehen sollte. Die Verwirklichung dieses Planes stiess jedoch auf zu grosse Schwierigkeiten. Die Vorbesprechungen hatten inmerhin die grosse Bedeutung, dass hier in grossen Umrissen die Grundlagen für die jüdischen Nationalraete durchberaten wurden, die beim Zerfall der Monarchie spaeter in den Nachfolgestaaten entstanden. Brod bahnte bereits in Wien Beziehungen zu den führenden tschechischen Politikern an. Am 22. Oktober 1918, sechs Tage vor der Etablierung der Tschechoslowakei, wurde der jüdische Nationalrat in Prag gegründet, dem Max Brod als Vizepraesident angehörte. Es folgten nun Monate der fieberhaftesten politischen Taetigkeit. Tag und Nacht ist Brod gemeinsam mit dem Praesidenten des Nationalrates, Dr. Ludwig Singer, taetig, um das tschechoslowakische Judentum durch Wirren und Gefahren zu führen und in den neuen Staat einzugliedern. Am Tage der Gründung der Tschechoslowakischen Republik tragen sie dem tchechischen Nationalrat in Prag die Stellung und Wünsche der Juden vor. Am 31. Dezember 1918 werden beide als Vertreter der Judenheit von dem aus dem Exil zurückgekehrten Praesidenten der Republik, Prof. Thomas Masaryk, empfangen. Spaeter vertauscht Max Brod seinen Platz als führender Politiker unauffaellig mit dem des Literaten, verlaesst bescheiden die politische Arena, auf der er so unerschrocken und erfolgreich agiert hatte. Nun ist er wieder der einfache zionistische Mitarbeiter, steht unermüdlich im engen Kontakt mit dem Aufbauwerk in Palaestina, immer bereit und zur Stelle, wenn seine wertvolle Arbeitskraft vonnöten ist. Er hielt dem Zionismus die Treue, in guten und in bösen Stunden. Andere aus seiner literarischen Sphaere zogen es vor, die jüdische Problematik und besonders die jüdische Verpflichtung zu übersehen. Er aber war immer da, ungerufen, wenn man ihn brauchte, und ermahnte offen und öffentlich zu verstaerkter Anstrengung — z. B. waehrend der Palaestina-Unruhen im Jahre 1929 —, wenn andere schwach und wankelmütig wurden. Und innerhalb der zionistischen Bewegung hielt er stets den Blick offen und hob kritisch seine Stimme, wenn Auseinandersetzungen und Aktivitaeten ihrer Anii aenger sich in unverbindlicher und unwesentlicher Vereinsmeierei zu erschöpfen drohten. Sein im Jahre 1913 gegen “Kraehwinkelei im Zionismus” in der “Selbstwehr” erschienener Artikel hat ein halbes Jahrhundert spaeter kaum an Aktualitaet verloren. Er ist auch angesichts der drohenden Nazi-Katastrophe konsequent seinen Weg als Zionist gegangen, nach dem damaligen Palaestina und nicht ingendwohin in die Welt, in die Emigration. Auch er musste um seine Einordnung im Lande in der für eine Integration besonders schwierigen Epoche des II. Weltkrieges ringen und ist Schritt für Schritt dem Ziel einer gelungenen Alija naehergekcmmen. Als ich ihn kurz vor seinem Tode zum letztenmal besuchte, erzaehlte er mir mit sichtlichem Vergnügen von seiner letzten anstrengenden Europa - Reise “Nun bin ich wieder zu Hause, und das ist das Schönste”. Er ist sich auch in Israel als Zionist treu geblieben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.