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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1970-02-01 · 2 (Febrero, 1970) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXII (1970)
Issue
2 (Febrero, 1970)
Date
1970-02-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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FEBRERO 1970 BOLETIN INFORMATIVO 13 Deutschsprachiger Teil des INFORMATIVO Imperialistisches Kraut und arabische Rueben Vor einigen Jahren hatte das “B. I.” einmal Gelegenheit, einen der fuehrenden Diplomaten nach dem Hauptziel der Aussenpolitik Israels zu fragen. “Aus den Schlagzeilen zu verschwinden”, war seine Antwort. Wollte man die Entwicklung an diesem Wunschtraum messen, so muesste man zu sehr besorgniserregenden Schlussfolgerungen gelangen, nimmt doch mitunter jenes winzige Land und seine zahlreichen, riesigen Nachbarn einen jeder Proportion spottenden Anteil der taeglichen Zeitungslektuere in Anspruch. So wieder in den letzten Wochen: 9 Die James Bond-Affaire der Entfuehrung der Kanonenboote aus Cherbourg und der sowjetischen Radarstation aus Aegypten. Die Erosion in der Position der USA, die in dem “Friedensplan” des State - Department, auf Kosten der israelischen Shicherheit zusammengeschustert, klar an den Tag kommt. Das Scheitern der arabischen “Gipfel”-Konferenz in Rabat. 9 Nassers Propagandareise nach Libyen und dem Sudan. Die Tatsache, dass er auch den von ihm proklamier t e n “Zermuerbungskrieg” verliert. % Der Freispruch des El Aqsa-Brandstifters Rohan aus Gruenden geistiger Unzurechnungsfaehigkeit und seine Ueberweisung in ein Krankenhaus. Das neue israelische Kabinett legt sich auf eine kompromissl ose Linie fest. Die hohen Verteidigungsausgaben und drohende Finanzkrise zwingen Israel zum Anziehen der Steuerschraube und Opfern auf der ganzen Linie. 9 Die franzoesische Regierung versucht, den schamlosen Waffenhandel mit Libyen aus der Welt zu luegen, wird aber von der eigenen Presse angeprangert. 9 Das Gericht von Winterthur verurteilt die ueberlebenden Attentaeter vom Ueberfall auf das El - Al - Flugzeug von Zuerich zur Hoechststrafe und spricht den Sicherheitsagenten Mordechai Rachamim in Anerkennung des Notwehr-Paragraphen, frei. 9 Der Libanon fuehrt einen politischen Eiertanz auf, um die Handlungsfreiheit der Terroristen so zu lenken, dass sie zu keinen israelischen Repressalien fuehren. 9 Die “Union Nacional Arabe” beendet eine ■— von Beginn an sinnlose— Polemik in der chilenischen Presse mit einem nazistischen Aufruf zum Progrom. Die Versuchung, ueber jedes einzelne dieser Themen nicht nur einen Kommentar, sondern Baende zu schreiben, ist nicht minder gross als die Schwierigkeit, diesen Salat aus imperialistischem Kraut und arabischen Rueben in der kleinen Schuessel eines Zeitungsartikels zuzubereiten und geniessbar zu machen. Kommt doch zum Ueberfluss hinzu, dass so manche Prise Salz, so mancher Schuss Essig und Oel aus Kannen anderer Herkunft das ganze Gericht erst pikant machen. Als da sind Biafra und Peking. DRAMA DER NAECHSTENLIEBE Der israelische Humorist Kischon beschrieb einmal in einer todernsten Satire die wunderbaren Beileidskundgebungen, Grabesreden und Ehrungen, die Israel zuteil geworden waeren, haette es nicht 1956 die Waffen zur Selbstverteidigung rechtzeitig ergriffen. Nach dem nunmehr erfolgten Zusammenbruch von Biafra hat die Welt jetzt Gelegenheit, einen solchen Fall aus dem Bereich der Literatur in den der Wirklichkeit transponiert zu erleben. Dank russischer und britischer Waffenhilfe und trotz aegyptischer Piloten ist es der mohammedanischen Zentralregierung von Lagos nun endlich gelungen, die von ihren franzoesischen “Alliierten” schmaehlich im Stich gelassenen christlichen Ibos von Biafra auszuhungern und zu dezimieren. Und was geschah: wie aus dem Textbuch der Satire des Kischon begannen die westlichen Humanisten, ihre heuchlerischen Trauerkundgebungen zu inszenieren. Englaender und Franzosen erboten sich, mit einem Teil der Zinsen des an dem schmutzigen Waffengeschaeft verdienten Geldes die Sendung von ein paar Saecken Mehl und Zucker zu finanzieren, der unbeschreibliche U T h a n t, zweieinhalb Jahre stumm aus Angst vor seinen Broetchengebern, fand die Sprache wieder und vergoss eine protokollare Krokodilstraene und der Vatikan ersuchte die Sieger um Gnade. Die Antwort, die Golda Meir anlaesslich ihres Besuchs in London einem Redakteur erteilte, kommt einem dabei in den Sinn: “Dass Israel in der Weltpresse von Mal zu Mal negativer beurteilt wird. Das ist bedauerlich. Aber wir ziehen es vor, eine schlechte Presse zu haben und zu ueberleben, als gelobt zu werden und dabei unterzugehen”. Oder Abba Eban soeben bei der Konferenz des Juedischen Weltkongress in Jerusalem: “Wir duerfen der Meinung der Aussenwelt keine uebertriebene Bedeutung zumessen”. Sie haette fuer uns bestenfalls Naechstenliebe. Oder noch nicht einmal das. DIE ZWEITE FRONT DER UdSSR Die kommunistische Presse meldet darueber natuerlich nur, was sie soll und darf, d.h. was Partei und Regierung veroeffentlicht haben wollen. Und trotzdem verdichtet sich der Eindruck, dass es mit den russisch-chinesischen Verhandlungen, nicht vorwaerts geht. Das heisst zwar nicht, dass ein endgueltiger Abbruch, neue blutige Grenzzwischenfaelle oder gar der schon wiederholt erwaehnte russische atomare Praeventivschlag unmittelbar bevorstehen, aber keine der drei Moeglichkeiten oder deren Verkettung in Form einer Eskalation sind von der Hand zu weisen. Die USA koennen diesem gefaehrlichen Spiel, in das sie nicht nur durch Vietnam, sondern aufgrund ihrer weltweiten Interessen ehedem verstrickt sind, natuerlich nicht fernbleiben. So schalten sie sich ein, manchmal vorsichtig wie durch die neue Runde amerikanisch - chinesis eher Kontakte in Warschau einerseits oder mit den mehr scheinbaren als tatsaechlichen Fortschritten der Verhandlungen ueber Begrenzung strategischer Waffen mit der Sowjet-Union andererseits; manchmal mit sinnlosen und uebertriebenen Konzessionen wie bei den Mittelost-Verhandlungen, die man auch —wenn auch nicht allein— im Rahmen dieser Global-Strategie betrachten muss. Warum sinnlos und uebertrieben? Weil ein Zunehmen der Spannung an der asiatischen Ostgrenze fuer Russland der Gefahr einer zweiten Front gleichkommt. Da kein Grund zur Annahme besteht, dass Brezhnev, trotz sonstiger Analogien, unbedingt alle Fehler Hitlers wiederholen moechte, wuerden die USA gut daran tun, vorerst einmal mit Konzessionen hinterm Berg zu halten. Vielleicht wird es nicht mehr sehr lange dauern, dass Moskau an Entspannung im Westen interessiert sein wird und auch bereit, Opfer dafuer zu bringen. So manches Volk im Ostblock, das unter sowjetischer Besatzung schmachtet, so mancher Bevoelkerungssektor in der Sowjet-Union selbst, durch die neue stalinistische Welle besonders unterdrueckt, wartet nicht nur darauf, sondern ist ganz gewiss gedanklich an der Vorbereitung, die neue Situation auszunutzen. Warum sollten die USA es nicht tun? Moskaus Politik in den arabischen Laendern deutet gleichfalls darauf hin, dass der Kreml sich der ihm drohenden Gefahren wohl bewusst ist. Denn wenn er seinen Alliierten dort zwar Waffen liefert, sie aber bei deren Gebrauch bremst, dann nicht nur weil er sie immer wieder ersetzen muss, bevor sie bezahlt werden. Nicht nur, weil der Zustand “kein Krieg ■— kein Frieden” seinen Interessen am nuetzlichsten ist. Nicht nur, weil er mit Recht fuerchtet, dass die Israelis nach und nach in Besitz der schoensten russischen Waffen gelangen. Nicht nur, weil ohne direktes russisches' Eingreifen die Araber sich wieder unsterblich blamieren wuerden. Nicht nur, weil er direkt weder eingreifen kann noch will und den Teufel der Gefahr einer Kraftprobe mit USA, so unwahrscheinlich sie auch ist, erst garnicht an die Wand malen will. Nein: vor allem ist er sich der ihm aus dem Osten drohenden Gefahr bewusst. Das ist ein Faktor, der in der Weltpolitik der 70er Dekade eine entscheidende Rolle spielen wird. NACH RABAT Mosche Dajan: “Wir messen dem Scheitern der Konferenz von Rabat keine uebertriebene Bedeutung bei. Eine gleiche Haltung haetten wir eingenommen, waere sie erfolgreich gewesen”. Damit ist alles gesagt. Interessant bleibt nur, sich zu fragen, wieso der ganze Gesangverein noch nicht einmal mehr die anti-israelische Melodie einstimmig herausbekommt. Das ging doch bisher, trotz aller Dissonanzen bei Erdoel - Oratorien, sozialistischem Foiklore oder Finanz- Opern, in voller Harmonie! Eine moegliche Antwort: die koeniglichen Geldgeber von Esso Standard Oil-Gnaden glaubten bisher, sie brauchten die aegyptische Bestie nur gegen das israelische Lamm zu hetzen, um selbst in Ruhe gelassen zu werden. Mit der Finanzierung des Kriegs gegen die Juden hofften sie, die Fellachen von dem dummen Gedanken abzubringen, einen “Sozialismus” nasseristischer Praegung ein— und ihre koenigliche Hoheit selbst abzufuehren. Der Gedanke ist weder neu noch originell, obwohl der aegyptische Giftgaskrieg in Jemen sie haette eines Besseren belehren koennen. Nun wurden sie es aber anscheinend: durch den Putsch in Libyen naemlich. Hatte nicht der liebe alte Idriss den Israelis den Krieg erklaert (dies Mr. Pompidou, der Waffen nur an “nicht kriegfuehrende Staaten” liefert, an den Hut geschrieben), hatte er nicht klingende Muenze beigesteuert? Und da hatte man, bei Allah welch Undank, mit diesem Geld statt Juden totzuschiessen, ihn seines Thrones beraubt? Nein, sie werden jetzt vorsichtiger sein. Da kann doch wahrlich jeder Dollar, der noch rasch in die Schweiz geschafft wird, den hoeheren Interessen des Islam mehr Nutzen bringen, als den nicht nur zweifelhaften, sondern wahrscheinlich umstuerzlerischen, wenn man ihn einem Nasser oder Arafat anvertraut. Offen bleibt bei dieser moeglichen Antwort noch die Frage nach dem Grund des ZerwuerfnisseS zwischen Nasser und Boumedienne, das in Rabat ebenso offen wie ueberraschend heftig zu Tage trat, handelt es sich doch hierbei um zwei waschechte “Sozialisten”, die ansonsten zur Stunde des Gebets ins gleiche' moskauer Horn blasen. Persoenliche Rivalitaet? Ablehnung des heute mehr denn je ueberholten und unbegründeten Fuehrungsanspr u c h s, den der Diktator vom Nil auf die arabische Welt erhebt? Dinge hinter den Kulissen, die man noch nicht weiss? Vielleicht dies, vielleicht jenes, wahrscheinlich etwas von allem. Dajan hat recht (wie immer): nicht so wichtig. Sie schlagen sich, sie vertragen sich. Er sorgt ganz gut dafuer, auch fuer den letzteren Fall gewappnet zu sein. DER ZERMUERBUNGSKRIEG Um sein arg laediertes Prestige wieder etwas zu flicken, machte der Fuehrer vor seiner Rueckkehr nach Kairo noch einen Umweg ueber Libyen und den Sudan. Auf der Suche nach primitivem Mob, der ihm jede Prahlerei jubelnd quittiert, waren das die richtigen S t a ti o n e n. Das “Fuehrer befiehl, wir folgen” wurde direkt nach Kairo uebertragen und so konnte er sich nach Hause trauen. Er versprach, eine Million Menschen(?) —das Fragezeichen bezieht '.sich auf das Wort Million— gegen Israel zu mobilisieren. Es ist eigentlich schade, dass er das nicht schon 1967 tat; das Ergebnis in Sinai waere noch gruendücher gewesen. Inzwischen bleibt schon kein Zweifel mehr, dass er den von ihm selbst proklamierten Zermuerbungskrieg rettungs los verliert, wenn nicht schon verloren hat. Die Bar-Lev-Linie, von deren Zerstoerung er schon vor Monaten faselte, ist intakt, die aegyptischen Linien auf der Westseite des Kanals dagegen bereits so zerfetzt, dass die taeglichen israelischen “Zermuerbungs”- Angriffe sich mehr und mehr gegen die strategischen Kommando-Stellen, Radar-Stationen, Verbindungswege im Hinterland richten. In einem Interview soll er jetzt von einer neuen Frist von 5 Jahren bis zum “Endkampf” gesprochen haben. Es mag dahingej stellt bleiben, ob ihm noch o Jahre gewaehrt sind. Die Sicherung der aegyptischen Front bedeutet jedenfalls fuer Israel, den Kampf gegen die Terroristen verschaerfen zu koennen, sowie sich auf die kommenden diplomatischen Auseinandersetzungen mit den vielen Feinden und den wenigen —sogenannten— Freunden in der Gewissheit vorzubereiten, dass von dort im Moment keine entscheidende Gefahr droht. Und das ist nicht wenig, denn sie ist nach wie vor die Hauptfront und Aegypten der Hauptfeind. * ATSCHEKA

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