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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1969-10-01 · 10 (Octubre, 1969) · p. Seite 23

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXI (1969)
Issue
10 (Octubre, 1969)
Date
1969-10-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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OCTUBRE 1969 BOLETIN INFORMATIVO 23 GROSSE GIPFELKONFERENZ UND KLEINE BESPRECHUNG Als Abram hoerie, dass sein Bruder gefangen war, rief er seine Waffenleule und sein Gesinde, dreihunderiundachi* sehn an Zahl, und folgte bis Dan. Hier teilte er sich wider sie in der Nacht, und besiegte sie und verfolgte sie bis Choba, das oberhalb von Damaskus ist. So brachte er alle Habe zurueck, und auch Lot, seinen Bruder... (1. Huch Mose, Kapitel 14, 14-16). Natuerlich hatte Abraham keine diplomatischen Rueck- Sichten zu nehmen, was zweifellos ein Vorteil war. Andererseits gab es damals keine Grossmaechte, keine UN, keinen Pilotenverband und keine oeffentliche Meinung, die die Heimkehr des gefangenen Bruders mit anderen als militaerischen Mitteln haetten bewerkstelligen koennen. Ein Nachteil fuer ihn? Ein Vorteil fuer uns? Symptom einer Entwicklung, welche von den Optimisten gern als Fortschritt der Menschheit bezeichnet wird? Bald werden wir es wissen. Denn irgendeinmal wird die Frist, die den internationalen Grossprechern zur Verfuegung steht, um die beiden GEISEL IN DAMASKUS freizubekommen, gewiss ablaufen. Solange sie noch offen ist, erinnert die Situation an die im Mai 1967. Auch damals erlegte sich Israel jede nur denkbare Maessigung auf, um allen moeglichen internationaln Gremien die Moeglichkeit zu bieten, die Araber zur Vernunft zu bringen. Erst als es klar war, dass deren Impotenz im umgekehrt proportionalen Verhaeltnis zur Arroganz der letzteren wuchs, handelte Israel selbst. Mit den bekannten Resultaten. Auch jetzt wartet man, ob die Syrer von allein oder dank der ueberzeugenden Reden anderer —denn mit Israel redet man ja nicht— zur Vernunft kommen. Man wartet. Aber man vergisst nicht, dass Mr. Muallem und Dr. Samueloff, die zwei israelischen Passagiere der TW A Maschine, noch in Damaskus schmachten. Inzwischen haben die Syrer eine wunderschoene Gelegenheit verpasst, den Vorfall ungeschehen zu machen: Wohlwollende erwarteten die Befreiung der beiden Israelis anlaesslich der Einweihung des neuen Flughafens von Damaskus. Sie taeuschten sich. Veraergert blieben vier Luftlinien —Air France, Alitalia, BOAC und Lufthansa— den Feierlichkeiten fern, was ihnen zur Ehre gereicht. Aber die Zeit verrinnt und wenn die Kavaliere von Damaskus noch eine Gelegenheit verpassen, dann bekommen sie wahrscheinlich eine Lehre —um beim Wort zu bleiben— verpasst. BOCK ZUM GAERINER? Denn viel staerker scheint der internationale Druck, der auf sie ausgeuebt wird, in den letzten zweieinhalb Jahren nicht geworden zu sein. So konnten sich die Piloten immer noch nicht dazu durchringen, ihren mehrfach angekuendigten eintaegigen Streik auch durchzufuehren und wenn es dazu kommt, wird er ja schliesslich kaum mehr als eine symbolische Bedeutung haben. Wie einst im Mai -1967die seefahrenden Nationen, die bei dem tollkuehnen Projekt, einmal symbolisch nach Eilat zu schiffen, kalte Fuesse bekamen. Und so sieht U Thant weiter seine Mission darin, von solch welterschuetternden Massnahmen wie einem symbolischen Streik ab und Maessigung anzuraten. Wie einst im Mai. Pakistan wird nach zweijaehriger glorreicher Taetigkeit aus dem Unsicherheitsrat ausscheiden, um aber den Weltfrieden durch die Abwesenheit des emeritierten Hueters nicht zu gefaehrden, darf Syrien seinen Platz einnehmen. Wie einst im Mai, als Algerien in Anerkennung seiner Weigerung, den Feuereinstellbefehl zu respektieren, in das hehre Gremium berufen wurde. Nur gab es damals noch Leute, die sich entsetzten und sagten: Da hat man aber den Bock zum Gaertner gemacht. Die gibt es inzwischen nicht mehr. Jedermann weiss, dass die UN kein Garten des Friedens sind und die arabischen Boecke nicht fehl am Platz. Im Gegenteil. Der Widerspruch ist nur scheinbar fuer jene, die bei der Sorte Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit und Logik, die dort administriert wird, die Vorsilbe UN vergessen. Die wurden aber wieder an die Fabrikmarke am 15. September erinnert, als Israel wegen des Brands des Al-Aqsa- Moschee ‘verurteilt” wurde. Bekanntlich hatte ein fanatischer Christ die musulmanischen Waechter der Moschee bestochen, um das Feuer zu legen: dass man dafuer nur die Juden beschuldigen kann, ist von bestechender UN-Logik. Dazu Israel-Delegierter Tekoah: “UN-Beschluesse ueber Jerusalen sind wie Papiergeld. Je mehr sie drucken, desto wertloser”. DAS WAR DER GIPFEL Aber nicht nur die Weltorganisation in New York wurde von den in ihren heiligsten religioesen Gefuehlen verletzten Marxisten von Kairo, Damaskus und Baghdad bemueht. Nein. Sie gipfelkonferierten, zusammen mit Minikoenig Hussein, selbst der froemmsten einer, ueber die Heiligkeit und Strategie des Heiligen Kriegs. Zwar hatten die Kavaliere, die sich in Irak Regierung schimpfen, am gleichen Tage wieder Menschen auf den Plaetzen und Strassen aufgehaengt, aber das tat der Heiligkeit der Tagung keinen Abbruch, so wie es die zwingende UN-Logik von New York nicht beeinflussen konnte. MONATSSPIEGEL Da aber nicht alles nach Wunsch gehen kann, machten die boesen Israelis am 8. September, kaum waren die Koenige, Praesidenten und Generaele im Vollgefuehl erfuellter Pflicht wieder heimgeeilt, diesen einen Strich durch die militaerische Rechnung. Sie landeten suedlich von Suez bei El Hafair, fuhren zehn Stunden dort buchstaeblich spazieren, 50 km landeinwaerts, 70 km suedlich, schifften sich bei Ras Zaafran wieder ein, nachdem sie das in der Gegend befindliche russische Material, mit dem Aegypter bekanntlich nichts anzufangen wissen, zerstoert hatten, wobei viele bedauernswerte aegyptische Jugendliche, die fuer die pathologische Ambition ihres Fuehrers garnicht veranwortlich sind, ihr Leben lassen mussten. Nun hatte der Fuehrer aber vor garnicht langer Zeit erklaert, an dem kleinen Rueckschlag im Juni 1967 seien nur die Generaele schuld gewesen, weshalb er sie abgesetzt und die Verantwortung nun selbst uebernommen habe. Wie Goering 1939, der versprach, kein feindliches Flugzeug werde je ueber Deutschland fliegen, wusste er zu verkuenden, kein Israeli wuerde je aegyptischen Boden entweihen. Und siehe da, sie entweihten nicht nur, sondern in ihrer nun schon laestigen Art und Weise schienen sie erneut darauf zu bestehen, dass man Schlachten nicht am Radio und in Leitartikeln gewinnt, und noch nicht einmal in Gipfelkonferenzen. Aber da war es schon zu spaet. Denn die gipfelste aller Gipfelkonferenzen, die aller moslemi sehen Staatsoberhaeupter, war inzwischen schon nach Rabat einberufen worden. Und so trudelten die Delegierten ein, nicht ganz so zahlreich wie erwartet, und manche wussten auch nicht recht, wozu man sie da wollte, und wenn auch die sogenannten “Gemaessigten” wie Feisal und Hussein, die die Juden nur steinigen aber nicht verbrennen wollen, dank der Unterstuet z u n g nichtarabischer Potentaten den Ton angaben und obwohl dadurch der Anti-Israel-Beschluss von Rabat nur mit Rabatt angenommen wurde, so konferierten sie doch, dass es eine wahre Lust und Freude war. Kein Zweifel: sie verstehen sich drauf. Nasser selbst glaenzte durch Abwesenheit. Vinog r a d o v, Moskaus Gauleiter in Kairo, hatte ihn ebenso hoeflich wie diplomatisch gefragt, ob er verrueckt geworden sei, die teuren anti-israelischen Parolen an die “Reaktionaere” zu verschenken (in diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass er im Lexikon des Kreml als “fortschrittlich” figuriert), und beorderte ihn nach Moskau, um neue Instruktionen einzuholen. Darauf beschwerte er sich ueber des Gauleiters zwar herzlichen, aber rauhen Ton, erklaerte aber der Presse, es sei nicht so gemeint, die Beschwerde naemlich. Das Dilemma erschien jedenfalls unloesbar: In Rabat die muselmaennliche Konferenz, von ihm selbst zusammengetrommelt, in Moskau der Chef, der wartet. Da konnte nur der Himmel noch helfen und siehe, er tat es, in Gestalt einer Grippe. Brezhnev ist Brezhnev und Nasser ist sein Prophet. Vom Krankenlager aus entliess er dann die fuer das Fiasko vom 8. September “verantwortlichen” Generaele. Hatte Goe ring nicht auch Udet entlassen? Und liess Ali Sabry, seinen Rudolf Hess, in der Versenkung verschwinden. Allerdings kraehte kaum ein Hahn vom Gipfel des Heuschobers danach. NUR EINE BESPRECHUNG Gegen Monatsende traf Golda Meir in U.S.A. ein, um mit Praesident Nixon zu konferieren. Nur so, ganz schlicht, ohne Spur von Gipfel. Und als die Besprechungen zu Ende waren, gab es, sehr zum Leidwesen der Presse, nicht einmal ein Kommunique. Man ist also, um die Resultate zu beurteilen, auf aeussere Anzeichen angewiesen. Deren sind es hauptsaechlich folgende: Einmal die Mutmassung, dass die amerikanische Bereitschaft, Israel zu helfen, groesser ist, als man dies in aller Oeffentlichkeit zugeben will. Zum andern eine Analyse der Rede Nixons vor der Vollversammlung der UN, in welcher er eine weitergehende Uebereinstimmung mit der israelischen Position an den Tag legte, als dies zu Beginn seiner Praesidentschaft der Fall war. Und schliesslich die Stimmung von Golda Meir: “Ich fahre leichteren Herzens weg, als ich es bei meiner Ankunft war”. Es wird angenommen, dass vier Punkte zur Debatte standen: © Mehr Waffen, vor allem Flugzeuge. Vor dem Presse- Club befragt, antwortete Golda Meir im Scherz, sie habe sie bereits in ihrer Einkaufstasche. Scherz beiseit, darf man unterstellen, dass dieser Punkt OK geht. © Bessere Zahlungsbedingungen, niedrigere Zinsen. Die israelischen Dollar-Reserven sind auf ein gefaehrliches $ 500mio Minimum geschrumpft. Andere Laender bekommen langfristige und billige Kredite, sofern sie ueberhaupt zahlen, aber USA leidet selbst unter Inflation und das Geld wird immer teurer. Eine Empfehlung des Praesidenten an die Finanzbehoerden, den Fall wohlwollend zu studieren, scheint das wahrscheinlichste Ergebnis. © Mittelost-Politik. Prinzipiell decken sich die grossen Ziele der U.S.A. und Israels mehr denn je, seit Nixon sich zu der Ueberzeugung durchgerungen hat, dass der neue statu quo aufrechterhalten werden muss, bis ein echter Frieden geschlossen werden kann. Von Rueckzug der israelischen Truppen ohne Kompensation ist keine Rede mehr und dass Washington den Fehler von 1958 wiederholen koennte, vollkommen undenkbar. © Grossmaec h t e - Besprechungen. In dieser taktischen Frage scheiden sich die Geister. Jerusalem ist ueberzeugt, dass die Sowjet-Union keinen Frieden in Mittelost will und die Gespraeche, so wie sie in Washington, Moskau und New York gefuehrt werden, gegenstandslos sind. Darueber hinaus wuerde man selbst im hypothetischen Fall eines Grossmaechte-Abkommens einem solchem widerstehen, sollte es auf Israels Kosten erreicht werden. Washington dagegen wuenscht, mit dem Kreml ueber alle schwebenden Fragen engste Fuehlung zu wahren. Dazu Golda Meir: “Das ist ihr Problem”. Zusammenfassend: weitgehende, wenn auch nicht absolute, Uebereinstimmung in den grundlegenden prinzipiel len Problemen. Gegensaetze in taktischen Fragen, die wohl schon dadurch irrelevant sind, weil die amerikanische Diplomatie in diesem Punkt ehedem in eine Sackgasse laeuft. Materielle Unterstuetzung zur Wahrung der israelischen Ueberlegenheit, in der beide Gespraechspartner die beste Garantie —wenn auch nicht zur Wahrung des Friedens, so doch—: gegen Aushruch eines neuen Kriegs sehen. Eine Verlautbarung wurde, wie gesagt, nicht herausgegeben. Nichts von “unverbruechlich”, von “letzten Blutstropfen”, von “unerschuetterlich”, von “heilig”, kein Fluch und kein Segen, kein Schwur und keine Beschwoerung. Es war die entgipfelste Besprechung, die man sich vorstellen kann. Diesen Israelis scheint eben lange nicht so viel daran zu liegen, was die Amerikaner sagen, wie daran was sie tun. ATSCHEKA

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