Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXXI (1969)
- Issue
- 2 (Febrero, 1969)
- Date
- 1969-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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FEBRERO 1969 BOLETIN INFORMATIVO 7 Deutscher Wehrmachioffizier half Juden in Polen. “So ueberlistete ich die Moerder? 5 Eberhard Helmrich, ein Hamburger, der seit fast 20 Jahren in New York lebt, wurde von der Bundesrepublik Deutschland mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. Helmrich hatte in einem ebenso listenreichen wie gefaehrlichen Kleinkrieg mit der SS als Wehrmachtsbeamter 70 jungen Juden das Leben gerettet. Zwanzig Jahre lang war er ein Gesicht in der Menge. Weder in Deutschland noch in den USA, wo er seit 1950 lebt, wusste jemand, dass der Hamburger Eberhard Helmrich einer jener “Gerechten” war, die waehrend des Krieges unter Einsatz des eigenen Lebens juedische Menschen retteten . Denn Helmrich sprach nicht darueber, ist auch heute nur zoegernd bereit, von der Schreckenszeit zwischen 1941 und dem Kriegsende zu berichten, in der er in Galizien als Wehrmachtsbeamter und spaeter als Kreislandwirt 70 jungen Juden, Maedchen und Jungen, mit gefaelschten Papieren zur Flucht vor der “Endloesung” verhalt, zahllose Familien versteckte, durchfuetterte und untertauchen liess. “Ich bin kein Beispiel”, wehrte der ehemalige Diplomlandwirt ab, der heute eine schlichte Buerostellung in einem New Yorker Industrieunternehmen innehat. “Ich hatte juedische Freunde; meine Taetigkeit als ehrlicher Makler erforderte Fairness und Gerechtigkeit. Ich wollte auch in Polen, als ich 1941 als Sonderfuehrer Landwirtschaft eingezogen und als Leiter des Amtes Ernaehrung und Landwirtschaft in Drohobycz unweit Lembergs eingesetzt wurde, nur gerecht sein gegenueber Menschen, fuer die ich verantwortlich war: Polen, Ukrainer und Juden”. SCHUTZ UNTER LEBENSGEFAHR Die von ihm Geretteten dachten anders darueber. Sie wussten, dass dieser Mann, der sie in seinem Wohn - und Buerohaus in Drohobycz versteckte, der im “Gefrierfleischwinter” 1941/42 eine Tonne Lebensmittel aus russischen Armeebes t a e n d e n pfundweise an hungernde Juden verteilte - dass dieser Mann taeglich sein Leben riskierte. Eine Gruppe der geretteten Juden, die heute in Paris lebt, fand ihren Retter nach ueber 20 Jahren wieder. Und sie ruhten nicht, bis, bis Helmrich mit der israelischen “Medaille fuer die Gerechten” ” ausgezeichnet wurde. Und er erzaehlte seine Geschichte: “Als die Wehrmacht Galizien besetzte, gab es keine Grausamkeiten. Erst als die SS kam, begann alles. Ich fragte mich: kannst du dir noch ins Gesicht sehen, wenn du nicht hilfst?”. Unter den Augen der SS, mit ihrer Zustimmung sogar richtete Helmrich ein landwirtschaftliches Gut ein, auf dem ueber 130 junge Juden arbeiteten. Die “Hyrawka” - so hiess das Gut - bot ihnen Schutz vor Verfolgung: “Keiner redete mir da hinein, denn wir pflanzten ]a Gemuese fuer Deutschland”. FLUCHT MIT FALSCHEN PAPIEREN Aber das Entscheidende war, Juden, die auf der Deportationsliste standen, zur Flucht zu verhelfen. “Papiere gab es ueberall schwarz zu kaufen, aber wie sollten die Leute aus Drohobycz entkommen, wo auf dem Bahnhof ukrainische Polizei die Ausweise kontrollierte und jeden Juden kannte?” Mit Hilfe seines polnischen Chauffeurs Janek brachte Helmrich die Fluechtlinge mitten durch SS - Sperren, “ihnen freundlich zuwinkend” hinaus in andere Staedte, in denen sie unerkannt untertauchen konnten. Juedische Maedchen wurden mit falschen Papieren zu katholischen Polinnen, wurden zu deutschen Familien geschickt, nach Ungarn, nach Italien, nach Frankreich. Ein Prozess um Belsen - Hohne Ausgrabungen nach vierundzwanzig Jahren? Ein internationales Schiedsgericht unter Vorsitz eines schwedischen Richters befasst sich mit einem Streitfall zwischen der französischen Regierung und der deutschen Bundesregierung. Frankreich verlangt die Ausgrabung von Massengraebern in Hohne, wo Haeftlinge des Konzentratioslagers Belsen nach dem Kriege aufgrund britischer Anordnung beigesetzt wurden, um den Versuch zu machen, aus Tausenden von Skeletten die sterblichen Überreste von 139 Franzosen auszusondern und nach Frankreich zu überführen. Sie beruft sich auf einen Vertrag von 1954. Die Bundesregierung hat der Ausgrabung widersprochen,, weil sie in dem Protest internationaler jüdischer Organisationen, insbesondere des Jüdischen Weltkongresses, einen wichtigen Grund erblickt, und ihr auch die Identifizierbarkeit nicht wahrscheinlich genug ist. Der Friedhof Hohne ist in gutem Zustand, und die Bundesregierung wünscht die Totenruhe in diesem spaeten Stadium nicht mehr zu stören. Im November fand die Verhandlung vor dem Schiedsgericht in Koblenz statt. Eine Entscheidung wurde bisher nicht getroffen. Proteste aus aller Welt gegen die Exhurierung, auch von verschiedenen führenden amerikanischen Rabbinern, sind in Bonn eingegangen. “In meinem Haus hatte ich staendig mindestens zwei, manchmal 15 Menschen versteckt, die auf die Flucht warteten”, erzaehlt Helmrich. Und laeehelnd: “Natuerlich musste ich oft hohe SS-Tiere aus Lemberg bei mir bewirten. Sie ahnten nicht, dass sie von Juedinnen bedient wurden, dass im Stockwerk unter meiner Wohnung Juden verborgen waren”. Aber dann kam, was kommen musste. Der NSDAP - Kreisleiter in Drohobycz denunzierte Helmrich beim Gouverneur von Lemberg und bei der SS. Der hochgewachsene blonde Mann - Urbild eines “Ariers” - sei der “Gott der Juden”, er muesse abgesetzt werden. ZERRISSENE SCHULDSCHEINE Doch auch bei der SS gab es Menschen, “die kein Blut an den Haenden hatten”. Ein SD-Fuehrer beim Sicherheitsdienst der SS in Lemberg schuetzte Helmrich. “Ich weiss, dass Sie geholfen haben. Aber Sie halten den Kreis in Ordnung - Sie bleiben”. Andere wurden einfach bestochen, denn Helmrich war ein maechtiger Mann, der ueber Lebensmittelvor r a e t e, Vieh und Pferde verfuegte. “Und wenn’s ans Bezahlen kam, zerriss ich den Schuldschein wie Fugger vor Karl V”. Helmrich trieb die Schulden auf andere Weise ein: indem er Verhaftete mit SS - Hilfe aus dem Gefaengnis holte, einmal auch seinen Fahrer Janek, dessen naechtliche Retterfahrten ans Licht gekommen waren. “Sehen Sie, dieser Mann hat mehr getan als ich. Ich hatte ja ein schlechtes Gewissen fuer mein Volk, er aber war als Pole in einer ganz anderen Situation”. Das Kriegsende hat Helmrich in Hamburg erlebt, wo er im Ernaehrungsamt eine kleine Stellung angenommen hatte. Nach dem Einmarsch der Englaender rueckte er auf, leitete spaeter die Sachbewirtschaftung in den drei Westzonen. Bald darauf beschloss Helmrich nach den USA auszuwandern. Und er wollte auch all das Schreckliche vergessen, das er mit angesehen hatte. Vergessen war er aber nicht bei denen, die ihm ihr Leben verdankten. “Zu einer Zeit, als es dunkel war, gab er Hoffnung. Und manchen schenkte er die hoechste Gabe: das Leben selbst. “Mit diesen Worten ehrten amerikanische Juden ihren Freund Ed Helmrich. EHRUNG IN ISRAEL Als er mit in New York gesammeltem Geld den Flug nach Israel antrat, um seinen Baum in der “Allee der Gerechten” auf dem “Berg des Erinnerns” in Jerusalem zu pflanzen, empfingen Helmrich auf dem Flughafen Hunderte von Menschen, die ihn umarmten, sich bedankten. “Viele kannte ich gar nicht”, sagt Helmrich. “In Tel-Aviv kam eine Frau zu mir und dankte mir. “Wofuer?” fragte ich. “Immer, wenn Sie am Sonntag Hyrawka besuchten, dann kamen Sie bei meiner kranken Tochter vorbei, strichen ihr ueber den Kopf und brachten ihr Zitronen” . Drohobysz hatte den hoechsten Anteil an ueberlebenden Juden in Galizien. Aber es waren doch nur 1000 von einmal 85.000. Das lastet auf Helmrich auch heute noch wie ein Schatten. “Es war nicht leicht zwoelf Jahre lang gegen den Strom zu schwimmen”, sagte er. An materiellen Guetern ist ihm nicht viel geblieben. Seine Frau, eine gebuertige Oesterreicherin, arbeitet mit, “damit wir auskoemmlich leben koennen”. "Well am Sonntag" DER SKMLOESE FREISPRUCH EIS Der Berliner Freispruch des Beisitzers des NS-Volksgerichtshofs, Rehse, ist noch weitmehr wegen der Begründung als wegen des Ergebnisses ein ausgesprochener Rechtssprechungsskandal. Es wirft ein bedenkliches Licht auf die Personalpolitik des demokratischen Nachkriegsdeutschlands, dass der Vorsitzende des Gericht, Oske, sich nicht damit begnügt, aus subjektiven Gründen den Blutrichter frei- RECEPCION DE AVISOS Los Serenos 476 Oficinas 22/23 Teléfono 87765 Casilla 10172-Sigo. zusprechen, sondern die mörderische Praxis des Volksgerichtshofs mit fadenscheinigen historischen Parallelen zu rechtfertigen. Hier wird nicht ein Menschlichkeitsverbrecher und Mörder freigesprochen, vielmehr das Menschlichkeitsverbrechen rehabilitiert, das zum martervollen Tode vieler Menschen und zur Spaltung Deutschlands und der gleichen Stadt, in der das demokratische Gericht judizieren darf, geführt hat. Aus der mündlichen Begründung spricht eine Verneinung des demokratischen Rechtsstaats und offensichtliche Sehnsucht nach dem Dritten Reich, dessen Volksgerichtshof in einer historischen Notlage gehandelt haben soll. Mit dem Freispruch des Spiessgesellen Freislers wird sich die Revisionsinstanz zu befassen haben . Maenner, die derartige Begründungen abgeben, liefern damit gleichzeitig die Grundlage für eine Ablehnung als Richter in Strafsachen. Die Personalpolitik der Justizbehörden bedarf dringend der Ueberprüfung. "Juedischer Pressedienst" l/iaje por 13 Palto» da EUROPA con un boleto de I* clase sin recargo para trenes expresos o reserva de asientos con duraeióa de 1 2 6 J meses EURAILPASS DIRIJASE A SU AGENTE DE VIAJES o a la oficina de emisión en Santiago BANDERA 75 OF 112 Cas. 3938 FONO 85700 952833