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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1969-02-01 · 2 (Febrero, 1969) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXXI (1969)
Issue
2 (Febrero, 1969)
Date
1969-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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FEBRERO 1969 BOLETIN INFORMATIVO 5 Frankreichs Weg,e und Umwege in den Nahen Osten Ein Monat ist nun vergangen seit der massiven Repressalie gegen den Flughafen von Beirut und das sollte genuegen, um einige ihrer Folgen einer vorlaeufigen Betrachtung zu unterziehen. Posten im Aktivum: O Die terroristische Front ist ruhiger geworden. # Die fortdauernde Regierungskrise in Libanon zeigt, dass man sich dort, trotz fremder Ermunterung und eigenen Lippenbekenntniss e s, ueber die Fortsetzung der Ermunterung des Terrorismus noch garnicht schluessig ist. Im Passivum dagegen: # Auftrieb fuer die diplomatische Strategie der U.d.S.S.R. 9 Absolute Isolierung Israels im UN-Sicherheitsrat. # Unguenstige Reaktion der Weltmeinung, obwohl hier unterstrichen werden muss, dass in einer zweiten Lesart viele ernste Zeitungen ihr erstes, vore i 1 i g e s, Urteil gruendlich revidiert haben. '0 Das Embargo auf die Ersatzteil-Lieferungen aus Frankreich. GRUND UND ANLASS Es lohnt sich, gerade dieses letztere Ereignis etwas eingehender zu betrachten. Es ist naemlich erstens wichtig als solches, zweitens symptomatisch fuer die Wendung in der franzoesis c h e n Politik im allgemeinen und drittens kurios. Als die Nachricht aus Paris kam, war in Israel die unvermeidliche Debatte zwischen Falken und Tauben, ob die Repressalie gegen Beirut klug war, noch in vollem Gange. Sie schien den Gemaessigten Auftrieb zu verleihen. Bevor man-daher die Auswirkungen der franzoesischen Kehlt - Marsch-Wendung untersucht, darf man sich fragen, ob sie sich haette vermeiden lassen. Man kann diese Frage getrost verneinen. Bei politischen Ereignissen muss zwischen Grund und Anlass unterschieden werden. Der Grund zum ersten Weltkrieg waren nicht die Scliu esse von Sarajewo, sondern die GrosSmacht-Rivalitaeten auf dem Balkan. Der Grund zum zweiten war nicht Danzig, sondern Hitlers verbrecherische Expansions-Politik. Sarajewo, Danzig, das waren die Anlaesse. Haette es sie nicht gegeben, so waeren andere gekommen, frueher oder spaeter, aber unaufhaltsam, unausweichlich, fatal. Bleibt der Anlass aus, so genuegt auch ein Vorwand. Der Anschlag auf den Legationsrat von Rath diente Hitler als Vorwand zur Kristallnacht. Dass es anders gekommen waere, wenn P. ersehet Grynszpan nicht ge schossen haette, glaubt wohl niemand. Die Vergeltungsaktion gegen den Flughafen von Beirut wurde von De Gaulle ausgenutzt, um die letzten zehn Grad seiner 180-Gradwendung in der Nahostpolitik zu vollziehen. Obwohl ihr perfider Charakter nicht sehr verschleiert ist, war der Vorwand psychologisch geschickt gewaehlt. Vollzogen haette er die Wendung aber auch ohne ihn. Er ist nicht der Mann, der fuer das Pulverfaessehen seiner Senilitaet fremden Zuendstoff braucht. Wer das glaubt, soll in Kanada Referenzen einholen, wo er sich als Agitator einer Regierung gegenueber gebaerdete, die glaubte, er sei ihr Gast. DIE WAHREN GRUENDE In einem sehr intelligenten Artikel hat die Zeitschrift “PEC”, unseres Wissens die einzige aus der chilenischen Presse, die das getan hat, unter der Ueberschrift “De Gaulle y los Judíos” die Frage nach seinen wahren, tiefen, verborgenen Beweggruenden analysiert. Der Autor geht von der Moeglichkeit aus, dass es nackter Antisemitismus sei und verwirft sie. Dann untersucht er das Interesse Frankreichs am Oelgeschaeft und findet, dass da der Hase im Pfeffer liegt. Damit ist viel Richtiges gesagt, aber noch nicht alles. So sollte man die Moeglichkeit, dass De Gaulle ein ganz handfester Antisemit ist, nicht so von der Hand weisen. So manche Erklaerung, wie jene vom “herrschsuechtigen Volk” oder die letzte vom juedischen Einfluss in der franzoesischen Presse (und angeblich auch im franzoesischen Heer?!) scheinen direckt aus dem Deutsch der dreissiger Jahre uebersetzt. Ein solcher Antisemitismus, selbst einer mehr hausbackener Machart, waere auch ein nicht unwesentlicher Zug in dem sich immer klarer profilierenden faschistischen Charakter der Administration De Gaulle. In dem autoritaeren, um nicht zu sagen totalitaeren, Gebaeude des spaetgaullistischen Frankreich, welches das letzte Erdbeben der Franc- Krise geradeueberstan den hat und dem naechsten mit morschen Ziegeln entgegenzittert, kann der gesellschaftsbindende Moertel des Antisemitismus nicht fehlen. Und er fehlt nicht. Ausserdem waren die boesen Worte gegen die Juden in den Ohren der sowjetischen Minister-Delegation, die sie sich in Paris anhoeren durfte, ein Gesang aus tausend Marx- und Engelszungen. Fuer die Koordination mit der sowjetischen Aussenpolitik naemlich, die De Gaulle mit solchem Nachdruck sucht, ist eine Prise Judenfeindschaft das beste Salz fuer die Suppe. Aber das wesentliche Element ist sie auch auf diesem aussenpolitischen, ebensowenig wie auf innenpolitischem, Gebiet gewiss nicht. Was De Gaulle durch seine Gleichschaltung auf die Linie von Moskau im Grunde genommen sucht, ist nur, im Nahost ueberhaupt mitreden zu koennen und ernstgenommen zu werden. Und in letzter Instanz, dies nicht nur im Nahost. Haende hoch! JfEmOLE ,;1 ARASE ("Aux Ecoules". Paris) Als Kossygin bei seiner Durchreise nach New York im Jahre 1967, die ihn schliesslich zu seinem Treffen mit Johnson in Glassboro fuehrte, in Paris Station machte, hatte er 'seine Bemuehungen um diese Grossmachtrolle schon begonnen. Glassboro machte ihm dramatisch klar, dass er, wenn es drauf ankommt, nicht gefragt wird. Die neue Eskalation der Feindseligkeiten fuehrte es ihm von der anderen Seite her vor Augen, ist doch das Dilemma: entweder loesen die beiden Parteien ihre Probleme selbst oder, sollte eine aufgezwungene Loesung in Frage kommen, so koennen nur die beiden wirklichen Grossmaechte sie diktieren, ... sofern sie sich einig werden koennen. Dass keine von beiden Moeglichkeiten in Reichweite ist, bietet ihm nun den ersehnten und willkommenen Vorwand, einen neuen Versuch der Einschaltung zu unternehmen. Dass er sich dabei ganz auf die russische Seite schlaegt, ist von zwinkernder Logik. Psychologisch liegen ihre Wurzeln in seinem pathologischen Hass gegen die angelsaechsische Koalition im Zweiten Weltkrieg, die den schrulligen Emigrantengeneral nie ganz vollnehmen wollte (welch Menschenkenner war doch Winston Churchill!) und die Syrien und Libanon die De Gaulle's "aufgezwungene Loesung" Nasser: Dreh' mir nur den Arm etwas um! ("Jerusalem Post") Oust msr MV Am» MONATSSPIEGEL Unabhängigkeit von der franzoesischen Kolonialherrschaft verhiess, bevor er dies selbst tun, oder nicht tun, konnte. Der Minderwertigkeitskomplex, der aus jenem traumatischen Erlebnis erwuchs, nagt dem Greis von Colombey-des-deux - Eglises noch heute an der Seele. Folgerichtig ist jede Gelegenheit, die U.S.A. (Rueckzug von der Nato) und Grossbritannien (Ausschluss aus der E.W.G.) —um in Klammern nur die beiden wichtig- Das Kreuz von Lothringen ("Keine Waffen - keine Ersatzteile") Eli sagt, das ist wirklich ein doppeltes Kreuz, ("Jerusalem Post") sten Entscheidungen zu nennen— zu schaedigen, hoechst willkommen. In Israel sieht De Gaulle, aus seiner kuriosen Perspektive, eine Position der U.S.A. Also ist er, sofern sein eigenes Interesse nicht andere Faktoren in den Vordergrund rueckt, gegen Israel. Andere Faktoren scheint es aber nicht zu geben, oder er sieht sie nicht. Aber auch auf ganz realpolitischer Ebene liegt die ohnehin winzige Chance, dass Frankreich im Nahost-Orchester wenigstens Triangel spielen darf, in der Hoffnung, dass es sich von einem ersten Geiger wie Sowjetrussland einfuehren laesst. Die U.d.S. S.R. erscheint heute einem neuen Krieg zwischen Israel und Arabern gegenueber ebenso abgeneigt wie alle anderen: wie Israel, weil es Frieden will, wie die Araber, weil sie nur verlieren koennen, wie U.S.A., weil es in keine Konflikte verstrickt werden will. Was Russland sucht, liegt irgendwo zwischen dem von den arabischen Extremisten gewuenschten Zustand des “kein Frieden - kein Krieg” und einem Diktatfrieden, der einer pax soviética so aehnlich wie moeglich sieht. Um den Zustand “kein Frieden” aufrechtzuerhalten, polstert es die Araber mit Waffen, um es bei “kein Krieg”, d.h. keine neue arabische Niederlage bewenden zu lassen, droht es Israel. Gleichzeitig mobilisieren sich die Veteranen des Kreml auf der Suche nach dem Diktatfrieden: in nicht allzu ferner Zukunft wird ein Anlauf auf ein neues Glassboro gestartet werden —diesmal mit Nixon— und. fuer den Fall, dass das wieder schiefgehen sollte, darf einstweilen die Idee einer gemeinsamen Intervention aller “Grossmaechte” lebendig gehalten werden. Dazu brauchen die Russen De Gaulle und das ist es, was De Gaulle an den Russen unter anderem so besonders gut gefaellt. Schliesslich darf man nicht vergessen, dass die Araber in der franzoesischen Politik auch eine Rolle spielen. Man soll sich keinen Illusionen darueber hingeben: so manches an der grossen Liebe fuer Israel in den 50er Jahren war ein Reflex des Aufstands im Maghreb. Und seit De Gaulle, seinen Mandanten von damals verraeterisch zuwiderhandelnd, wenn auch von einer hoeheren Warte aus wohl gerechtfertigt, Algerien freigab, ist sein Weg zur Aussoehnung mit den Arabern frei. Kein Mensch kann es ihm, kann es Frankreich uebel nehmen, wenn er diesen Weg beschreitet. Was so erniedrigend daran anmutet, ist die Skrupellosigkeit, mit der er den zwar kuerzeren, aber schmutzigen anti-israelischen Umweg waehlte. In solchem Zusammenhang Erklaerungen abzugeben wie jene, dass Frankreich den Libanon unter allen Umstaenden schuetzen wird, ist einfach grotesk. Was soll unterstellt werden? Eine Landung franzoesischer Truppen im Libanon? Wiederherstellung der franzoesischen Kolonialherrschaft im Zeichen der “Freundschaft” nach dem Muster des Sowjet-Imperialismus, der sich zur Okkupation der CSSR auf die “Freundschaft” der beiden Voelker beruft? Oder nur eine moralische Buergschaft fuer die ’ussischen Berater und Experten, die in Divisionenstaerke in anderen arabischen Laendern sich eingenistet haben? Wie dem auch sei —und um zum Ausgangspunkt zurucckzukehren-: zwecks Ausflusses von Erdoel sucht er Einfluss in Arabien. Mag es auch nicht wie PEC glaubt, der einzige Grund fuer Frankreichs neue Politik sein: es ist auch ein Grund und gewiss ein wichtiger. DIE AUSWIRKUNGEN Wenn auch die Frage nach den Gruenden fuer das Verstaendnis der Situation sehr wesentlich sein mag, so ist dennoch die nach den Auswirkungen von praktisch viel groesserer Bedeutung . Im Zuge des Sechstage-Krieges hatte De Gaulle ein Embargo auf die Lieferung von neuen Mirage-Flugzeugen nach Israel verhaengt, obwohl eine Partie von fuenfzig bereits bezahlt war. Nun hat er auch die Lieferung von Ersatzteilen fuer jene Flugzeuge verboten, die Israel bereits besitzt. Es ist ein schwacher Trost, dass diese Entscheidung Frank- (Foriseizung Seile 6)

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