Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-12-01 · 12 (Diciembre, 1957) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
12 (Diciembre, 1957)
Date
1957-12-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8554444-9194328--2170-8554656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

22 > BOLETIN INFORMATIVO Diciembre, 1957 ARBEITEN ZUR TROCKENLEGUNG OES CHULE-SEES ABGESCHLOSSEN Mittelhochdeutsch, jüdischdeutsch oder jiddisch Von Dr. Siegfried Guggenhein (New York) Vor einiger Zeit ging durch (die Presse die Mitteilung, dass die Gudrunsage in einem “jiddischen” Manuskript in der Bibliothek der englischen Universitaet Cambridge entdeckt worden sei, das zugleich das bis heute aelteste literarische Dokument in jiddischer Sprache darstelle. Fuer die Entstehungszeit wird das Jahr 1382 genannt. Es erhebt sich die Frage, ob die Bezeichnung der Uebertragung als “jiddisch” nicht auf einem Irrtum beruht, und ob nicht das (Manuskript im mittelalterlichem Deutsch abgefasst ist — also einem Deutsch im Gewände hebraeischer Buchstabenschrift. Das erwaente Jahr liesse darauf schliessen. “Jiddisch” ist die Sprache der Juden, die wegen der Verfolgungen in Deutschland im Laufe der Jahrhunderte nach dem Osten gefluechtet sind. Sie ist eine Mischung aus dem (Mittelhochdeutschen mit hebraeischen und slavischen Ausdruecken. Sie hat sich selbstaendig weiter entwickelt und wird heute von den Abkoemmlingen der aus dem Osten Europas stammenden Juden noch vielfach in fast allen Teilen der Welt mit lokalen Abaenderungen gesprochen. Das sogenannte “Judendeutsch” hat eine andere Grundlage und Entstehung. Im fruehen Mittelalter sprachen die Juden in Deutschland nicht “jiddisch” sondern deutsch, schrieben es aber mit hebraeischen Buchstaben. Dieses Deutsch verschlechterte sich mit der Zeit. Karpeles sagt in seiner Literaturgeschichte: “Die Juden haben damals die deutsche Sprache ihrer Umgebung geschprochen. Das beweist ihre Teilnahme an dem geistigen, ja sogar dem literarischen Leben jener Zeit. Das 15. Jahrhundert hat manche Spuren einer keimenden Bewegung auf dem Gebiete der Volksliteratur aufzuweisen. Aber alle diese Ansaetze und Keime fuehren auf deutschen Ursprung zurueck. Es handelt sich dabei nur um die besondere Art der schriftlichen Wiedergabe des Deutschen, die, weil man sich der hebraeischen Buchstaben bediente, eine eigentümliche Orthographie erforderte. Die ersten sicheren Spuren des sogenannten “Judendeutsch” und einer sich anschliessenden Literatur gehoeren dem Anfang des 16. Jahrhunderts an”. Ich habe eine Parallele hierzu erlebt. Neben mir in der “Adult Education Public School” sass eine Frau polnischer Herkunft, die hier seit 40 Jahren Englisch spricht, aber nur mit hebraeischen Buchstaben schreiben kann. “In seiner Uefoersetzung des Pentateuchs vom Hebraeischen ins Deutsche (Augsburg 1554) sagt Paulus Aemilius, er habe diese Uebersetzung nur herausgegeben, um dadurch den Beweis zu liefern, “dass die Juden keineswegs, wie viele Christen meinen, auch jetzt noch heibraeisch sprechen”. Er erklaert ausdruecklich, dass er die Uebersetzung, die ihm Vorgelegen “und die vor mehreren Jahren aus dem Hebraeischen ins Deutsche gemacht worden, Wort fuer Wort abgedruckt habe”. Auch sagte es, dass er in seiner Ausgabe der “zway ersten Buecher der Kuenig... aus den hebraeischen Buchstaben mit Fleiss in unser (Hochdeutsch gebracht” (Ingolstadt 1562). Gleichfalls zu Augsburg hatte 1543 der Drucker Chajim Schwartz das aeltere, in der Nibelungenstrophe “im 8. Gesetz” Ottawa rima) gereimte Samuelbuch und das Buch der Koenige in juedisch-deutscher Uebersetzung herausgegeben. Im Mittelalter gab ez weltliche Epik und auch religioese Lyrik, die in hebraeischen Lettern geschrieben, aber in deutscher Sprache abgefasst war. Das ist aber nicht die Sprache, die wir als “jidisch” bezeichnen, sondern es ist das sogenannte Judendeutsch, wenn man es nicht einfach als Deutsch bezeichnen will, das damals noch in seinen Mundarten als Schriftdeutsch verwendet worden ist. Da sind Namen zu nennen wie Suesskind von Trimberg, der Minnesaenger, Samson Pine, Elia Levita, Rahel Ackermann und andere, uefoer die man naeheres in der Literaturgeschichte von Karpeles nachlesen kann, der ich meine Ausfuehrung zum Teil entnehme. Samson Pine, ein Jude, hilft den beiden deutschen Dichtern Claus Wisse und Philip Colin von Strassburg, die im Auftrag Ulrichs von Rapolstein im Jahre 1336 den franzoesischen Parzival in deutsche Reime bringen, als Dolmetscher so treu, dass sie am Schluss ihres Werkes ihm ein Denkmal setzen. Ich will aus dem 15. und 16. Jahrhundert ein Beispiel dieser Art deutscher Sprache in hebraeischem Gewände geben — zitiert nach Karpeles — und dabei ein modernes Hochdeutsch (Martin B u b e r) dem ueberlieferten Deutsch jener Zeit gegenueberstellen. Elia Levita aus Neustadt bei Nuemberg (1469-1549) war einer der bekanntesten Humanisten 1534 erschien seine Uebersetzung der Psalmen in “teutscher Sprach” “in der grosen Stadt Venedig” bei Cornelius Adelkind, einem juedischen Drucker: AUS DEM FS ALM 104: LEVITA 1. Lob mein leib Got; Got mein Got du host geachpert ser, lob un Schönheit du host angeklaidet. 2. Er umwiklet das licht as ein Klaid, er hot ausgestrekt die Himel as ein Kaurtein. 3. Der da hot gebelkt in Wasser seine Bunen, das meint die Himel. der da hot geton die diken Wolken sein reitung, der da get auf vetichen des Wind. 4. Er beschaft seine Engei eitel wind, seine diner feuer das da flakert. 5. Er hat gegrünt vestigt die der auf ir beraitung das sie nit glaitet imer und ewig. BUBEE 1. Segne, meine Seele, IHN! Du, mein Gott! Du bist sehr gross, bekleidet mit Hehre und Glanz: 2. der das Licht um sich schlingt wie en Tuch, den Himmel wie einen Zeitteppich spannt. 3. Er der im Wasser seine Hochgemaecher baelkt. er der Gewoelk sich als Fahrzeug setzt er der auf Fittichen des Winds sich ergeht, 4. der seine Boten macht aus Winden, die ihm amten aus loderndem Feuer 5. er hat auf ihre Festen die Erde gegruendet sie wankt in Zeit und Ewigkeit nie. Ueber vorhandene, in Bibliotheken ruhende, aber nicht als “jiddisch” bezeichnete deutsche Handschriften in juedischem Gewand epischen Inhalts schreibt Karl Wolfskehl, Auckland, in einem Brief an mich, den ich hier teilweise wiedergebe: “Ich weiss nicht, ob Sie wissen, wie tief wir Juden im Mittelalter die deutsche Umwelt in uns aufgenommen hatten, Suesskind der Trimberger Sangesmeister ist zufaellig das einzig erhaltene Beispiel. Die vier grossen Geschichtsepen der Juden, Josua, Richter, Samuel und Koenige, alle in der Nibelungenstrophe, sind ja fast unbekannt, ja sie sind heute noch ungedruckt bis auf das “Schmule- Buch”. Und was gibt es daneben nicht alles noch von poetischen Schriften, ein Esther-Buch, ebenfalls in Strophen, mit den seltsamsten Ausschmueckungen, Lieder, die an poetischer Kraft denen der sueddeutschen Mystiker Mechthild von Magdeburg und Thauler nahekommen, einfach und inbruenstig sogenannte “Leinen” und was nicht alles noch! Das alles sind Erzeugnisse des 13. und 15. Jahrhunderts, denn selbst die furchtbare Zeit des Schwarzen Todes hat die Triebkraft zwar geschwaecht, aber nicht ausgemerzt, im Gegenteil: sie hat sie noch ueber die Grenzen getragen denn die in Polen ansaessigen Juden haben ja mit ihrer “jiddischen Sprache” auch innerhalb des rein (dichterischen sehr vieles von der alten Welt bewahrt und weiter entwickelt. Ich will aufhoeren, ich faende kein Ende des schmerzlich schoenen Erinnerns”. Wie immer die Uebersetzung des Gudrunliedes auf Grund weiterer Pruefung sprachlich einzureihen ist, ob ins Jiddische oder — wie es mir wahrscheinlicher erscheint (1382) — ins mittelalterliche Deutsch in hebraeischem Gewände, sicher ist dies: die Uebertragung ist eines der vielen, vielleicht der groesseren Oeffentlichkeit weniger bekannten und beachteten Zeugnisse fuer den Einfluss der christlich-deutschen Umwelt auf juedisches Geistesleben, fuer die damit verbundene Wechselwirkung und fuer die Erhaltung deutscher Kultur innerhalb der juedischen Welt. Nach Entfernung der letzten Hindernisse begannen die Waesser des Chule in den Kineret zu fliessen und der von Stunde zu Stunde staerker werdende Strom vollendete in wenigen Tagen die Trockenlegung des ganzen Chule womit das grösste Entwicklungsunternehmen, das je im Lande unternommen wurde, zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wurde. Die Arbeiten der Trockenlegung des Chule begannen im Jahre 1951, aber schon vorher wurden, waehrend mehreren, die Vorbereitungen und Plaene für dieses Projekt ausgearbeitet. Nach voelliger Austrocknung des Chule Sees werden insgesamt 60.000 Dunam besonders fruchtbaren Bodens zur intensiven Bearbeitung zur Verfuegung stehen, auf denen in erster Linie Zucker und Reis angebaut werden soll. Bisher wurden 12.000 Dunam der ehemaligen Chule - Suempfe in Bearbeitung genommen. Waehrend der letzten Etappe d. Arbeiten war auch ein Beobachter der UNO anwesend, um darauf zu achten, dass beim Abschluss der Arbeiten keine Stoerungen von syrischer Seite aus eintreten . Bekanntlich hat sich Syrien mehrmals gegen die Durchfuehrung dieser Entwicklungsarbeiten aufgelehnt. Schon im Jahre 1951 stellte der damalige Vorsitzende der israelisch - syrischen Waffenstillstandskommission fest, dass diese Arbeiten keinen kriegerischen Zwecken dienen wuerden und die syrische Opposition nicht berechtigt sei. Die Arbeiten, wurden in drei Etappen durchgefuehrt. Die Syrer widersetzen sich besonders der ersten Etappe der Arbeiten, — die Erweiterung des Jordan- Bettes, — nachdem diese Arbeiten gaenzlich in der demilitarisierten Zone durchgefuehrt werden mussten. In der zweiten Etappe der Arbeiten, die 1953 begann, wurden mit schweren Maschinen aus den USA drei Kanaele im Chule-Gebiet gegraben, durch die das Wasser in Richtung des Jordan floss. Schon nach Beendigung der Ausgrabung dieser Kanaele, die eine Gesamtlaenge von 40 Kilometern haben, wurden 12.000 Dunam Boden der Landwirtschaft zur Bearbeitung übergeben. Die dritte Etappe der Arbeiten, die jetzt beendet wurde, bestand in der Aushebung von Verbindungskanälen, dem Bau von Daemmen und der Regulierung des Abfliessens der Gewässer in den Jordan und durch diesen in den Kineret- Cap (CANFIT). DER CHULE - SUMPF VOR DER TROCKENLEGUNG. ¡PWÄ mm 7 i j - »i ' * *: . ** DAS NEUE JORDAN - TAL BEI KFAR BLUM .W-C-XX'. SS «ü mm / X"V V S'/ >■* * c

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.