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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-11-01 · 11 (Noviembre, 1957) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
11 (Noviembre, 1957)
Date
1957-11-01
Page
Seite 11 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 11 KONZERT-FEUILLETON DEM DICHTER ARNOLD ZWEIG Zum 70. Geburtstage Aus technischen Gruenden muss ich das beabsichtigte Kommentar ueber die Temporada Lírica aus Anlass der 100 Jahrfeier des Teatro Municipal von Santiago um einen Monat verschieben. Es ist jedoch angebracht in diesem Rahmen die Wiedergabe einer soeben im amerikanischen Magazin “Time” erschienenen Reportage ueber ein aktuelles Konzert-Ereignis erscheinen zu lassen, welches fuer Israel und sein nunmehr weltbekanntes Symphonie - Orchester einen Markstein bedeutet. Das amerikanische Magazin ueberschreibt diesen Artikel mit: , “HEIM FUER WANDERER” Die Israeli - Philharmonie ist ein ganz eigenartiges Symphonie Orchester. Fast alle ihrer 72 staendigen Mitglieder waren von den Nazis vertriebene Fluechtlinge. Sie konzertierte fast ohne Unterbrechung und ohne einen Takt zu versaeumen bei Verdunkelungen, waehrend Flugzeugangriffen, beim Knattern von Feuerwaffen, in Clubraeumen, Kinos, Synagogen, in Kibbuzim, schlechthin ueberall und zu jeder Zeit. Obzwar es schon als Palaestina-Symphonie-Orchester vor 21 Jahren unter der Leitung von keinem geringeren als Arturo Toscanini konzertierte und seit dem staendiger Gast saemt- Die Geschichte von Jefta nimmt im alten Testament — Buch der Richter—nur 47 Saetze ein. Ihr ergreifendes Kernstueck, das ueber Jeftas Geluebde und Opfer berichtet, ist immer wieder von Dichtern, Musikern und Malern dar gestellt worden und hat nun durch Lion Feuchtwanger eine meisterliche Ausformung erfahren. Die gleichsam archaische Erzaehlweise, die der Autor gewaehlt hat, ist dem biblisch— heroischen Stoff wunderbar angepasst. INHALT: Jefta, der Bastard, wird von seinen Bruedern um sein Erbe gebracht und vertrieben. Da er als kuehn entschlossener Bandenfuehrer umgreifende Macht erringt, holt man ihn zurueck, als Krieg droht und waehlt ihn zum Feldhauptmann. Die Entscheidungsschlacht am Fluss Jabok aber bringt Jefta in eine verzweifelte Lage. Erfleht Jahwe um Hilfe an und gelobt ihm, aus seinem Besitz zu opfern, was ihm bei der Heimkehr als erster entgegenkommt. Er gewinnt die Schlacht, doch er besudelt den Sieg durch Mord an israelitischen Bruedern. Und dann geschieht das Schreckliche: Seine geliebte Tochter Ja’ala, sein einziges Kind, jung und lieblich, schreilicher beruehmter Konzertsaele der Welt geworden ist (auch im Vatikan vor dem Papst), hat das Orchester nie ein wirkliches eigenes Heim besessen. In der letzten Woche jedoch konnte es endgueltig in einen neuen, eigenen Konzertsaal in Tel-Aviv einziehen. Das Auditorium, das mit einer Anfangsstiftung (250.000 Dollar) von einem Goenner aus Philadelphia, Frederic R. Mann begonnen wurde und dessen Namen es traegt, hat ein Fassungsvermoegen fuer 3.000 Hoerer, eine modernste air-conditioning Anlage und vollkommen neuartige charakteristische Merkmale (bei Totalkosten von 2.800.000 US. Dollar sollte das auch moeglich gewesen sein). Der Saal ist geschwungen in Glockenform, besitzt ueberhaupt keine Galerie, die grosse Halle und Dekke schwingen an den Seiten nach oben und hinter dem Orchester befinden sich in hufeisenartiger Anordnung Sitze die entweder fuer einen Chor oder fuer zusaetzliches Publikum bestimmt sind. Der Bau schafft nicht nur eine besondere Intimitaet zwischen Hoerer und Kuenstler, sondern eliminiert vollkommen akustische Luecken. Die Dekke besteht aus 24 auf den Kopf gestellten Pyramiden aus Asbest, die derartig geformt sind, dass der Ton, akustisch vollkommen einwandfrei in jede kleinste Ecke des Saales zurueckgeworfen wird. tet dem Vater als erste entgegen. Um seine Schuld zu suehnen und den Gott zu versoehnen, macht Jefta sein Geluebde wahr. Die Furchtbare Tat schafft Grauen um den vereinsamten Mann und laehmt die Feinde seines Volkes. Im Schutze seines maechtigen Namens vollzieht sich die Einigung Israels, und eine Zeit des Friedens bricht an. “Jefta und seine Tochter” wird man dereinst zu Feuchtwangers reifsten Werken zaehlen. Erstaunlich, wie einfach, wie selbstverstaendlich dieser insgeheim so kunstvoll gefuegte Roman sich darbietet und wie ihm bei aller Stilisierung dennoch nichts Altertuemliches anhaftet. Das ist alles ganz frisch, quellend, anschaulich und in des Wortes idealem Sinn “voller Spannung”. In einem Nachwort zu seinem Buch schreibt der Autor: “Wenn ein historischer Roman nur halbwegs glueckt, dann schafft er auch dem Leser ein Erlebnis, das keine andere Dichtungsart ihm zu geben vermag. Der Leser begreift nicht nur, er spuert, dass die Probleme dieser Menschen, so anders sie aussehen moegen, die gleichen sind, die ihn selber bewegen und einmal seine Enkel bewegen werden”. B. F. Das erste Konzertstueck zu Beginn des Eroeffnungskonzertes war die amerikanische Nationalhymne in Anerkennung der von Amerika geleisteten Stiftung. Ganz Israel war an diesem Abend in Aufruhr und Eintrittskarten brachten auf dem Schwarzen Markt bis US$ 90.— per Stueck. Es war eins derjenigen sozialen Ereignisse, bei denen Abendkleid und Smoking nicht fehlten und dies in einem Land in dem das offene Sporthemd sogar bei hoechsten, formellen Anlaessen getragen wird. Kein geringerer als Leonard Bernstein dirigierte die Philharmonie die inzwischen auf 85 staendige Mitglieder angewachsen ist und als Solisten fungierten. Arthur Rubinstein, Isaac Stern und der Cellist Paul Tortelier. Brennpunkt des Abends war aber weder das Orchester, noch der Dirigent, noch der Solist und nicht einmal der Philantrop Mann mit seinen extra von USA heruebergeflogenen 60 Gaesten, sondern allein das “Mann Auditorium” selbst Schliesslich und endlich ein Heim fuer die bis jetzt herumwandernde Israeli-Philharmonie. Der einzige, zwar unbedeutende Misston entstand in der Eroeffnungsansprache des Ministerpraesidenten Ben Gurion, der den Gastdirigenten als “Artur” “Bernstein” erwaehnte. “BAILE DE Die vielseitige Gruppe des “Teatro Experimental” bietet uns augenblicklich eine wahrhaft festliche, heitere und beschwingte Darstellung dieses T h e a t e r-Ballets von Jean Anouilh. Dieser heute weltberuehmte franzoesische Dramatiker, bietet uns hier ein schon mit 23 Jahren verfasstes Werk, welches keinerlei Anspruch auf intellektuellen Gehalt erhebt, sondern nur nett und unterhaltsam sein will. Diesem Grundsatz wird die hervorragende Regie des sehr begabten Eugenio Guzman voll gerecht. Ein tolles Leben herrscht auf der immer hell erleuchteten Buehne. In dauernder Bewegung, begleitet von der sehr ansprechenden Musik, die von Celso Garrido Lecca zu diesem Zweck komponiert wurde, rollen die Szenen des Stueckes in farbenfreudiger, rascher Folge vor uns ab, und bieten dem angeregten Zuschauer einige Stunden angenehmer Entspannung. Der Inhalt des Stueckes ist ohne Bedeutung, es ist eine Komoedie mit Liebe und Verwechslungen, wie viele geschrieben worden sind;*was ins Gewicht faellt, ist nur das Bild und die Musik, der Rhythmus und die Darstellung. Das Spiel der Mitglieder des Teatro Experimental ist, wie nicht anders zu erwarten ge- Der Dramatiker und Erzaehler Arnold Zweig wird am 10. November 70 Jahre alt. Er lebt seit einigen Jahren in Ost-Berlin, und wir wissen nicht, welches seine gegenwaertigen Arbeiten und seine kuenftigen Plaene sind, doch von der grossen literarischen Vergangenheit' verbunden mit seinem Leben und Wirken in Zentraleuropa, muss an seinem Ehrentage gesprochen werden. In Glogau (Schlesien) kam er 1887 zur Welt, und sein erstes Werk, das die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf ihn lenkte, schuf er im Alter von 25 Jahren; es waren die noch immer lieblichen “Novellen um Claudia”. Der Krieg fuehrte ihn nach “Oberost”, und er hatte dort, aehnlich wie Sammy Gronemann, Hermann Struck — u. a. seine erste tiefere Begegnung mit den juedischen Massen Osteuropas. 1920 schrieb er das herrliche “Ostjuedische Antlitz”, zu dem der Meister Struck so eindrucksvolle Zeichnungen beisteuerte. Ebenfalls der Kriegs - und Militaerzeit verdankt ein anderes grosses Werk von Arnold Zweig seine Entstehung: Die 4-teilige Schoepfung “Junge Frau von 1914”, “Der Streit um den Sergeanten Grisha”, “Erziehung vor Verdun” und “Einsetzung eines Koenigs”. Das Ganze ist ein Antikriegsroman voller psychologischer Feinheiten ,eine meisterhafte Charakterisierung der deutschen Militaermaschinerie und, namentlich im ersten Bande, eine feine “juedisch-deutsche” Milieuschilderung. Arnold Zweig hat sich immer als Volljude gefuehlt. Sonst waere auch ein Drama wie “Die Sendung Semaels” nicht denkbar, das 1921 heraus- LADRGNES“ wesen, hervorragend. Besonders hervorgehoben sei Agustín Siré, der hier einmal ganz anders ist. Der grosse, ernste Schauspieler spielt mit sichtlichem Vergnuegen die komische Rolle des Diebes in allen moeglichen und unmoeglichen Verkleidungen. Der Spass, den er selber an seinem Spiel hat, uebertraegt sich auf die amuesierten Zuschauer und traegt sehr zum Gelingen der ganzen Auffuehrung bei. Im Gegensatz zu Siré erweckt der als sehr guter Schauspieler bekannte, Jorge Lillo den Eindruck, sich in seiner komischen Rolle nicht ganz wohl zu fuehlen. Alles in Allem, ein schoener Abend, leider ohne Inhalt, aber sehr nett und unterhaltsam. kam und bei Reinhardt in Berlin seine Urauffuehrung erlebte. Es ist die Dramatisierung des beruehmten, besser gesagt, beruechtigten Ritualmordprozesses von Tisza-Eszlar (Ungarn). Die Rolle des unschuldigen juedischen Jungen spielte der damals junge Ernst Deutsch. Hier darf man schon von einem jüdischen Nationalwerk sprechen, das seine innere Kraft bewahrte und dessen Verfilmung vor einigen Jahren, nicht restlos geglueckt, dennoch ein Erfolg wurde. Juedische Probleme und Figuren nehmen im Gesamtschaffen des Dichters einen breiten Raum ein, und so schuf er auch eine Dichtung, die eine flammende Anklage gegen die Naziherrschaft wurde und somit auch ein juedischer Beitrag zur Verbreitung der Wahrheit ueber die Schandtaten der Hitleristen: “Das Beil von Wandsbeck” (1947) ist ein grosser Roman, sich wuerdig der Kette anderer Antinazibuecher anschliessend. Eine ganze Reihe von Essays sind von Arnold Zweig geschrieben worden, “Lessing, Kleist, Buechner” (1925), “Juden auf der deutschen Buehne” (1928) u. a. “Verklungene Tage”, der Roman einer Jugendliebe”, ist kuerzlich vom Kurt Desch-Verlag, Muenchen, neuherausgebracht worden. Es ist ein “leuchtendes Muenchen” von 1908, eine Atmosphaere von Harmonie und Charme, die dem Leser entgegentritt, und in die das bezaubernde und erregende Erlebnis, das zwei junge Menschen haben ,hineinverwoben worden ist. Der Dichter war 1933 nach Erez Israel emigriert. Der Wunsch, einen bestimmten Augenspezialisten in Berlin aufzusuchen, liess ihn 14 Jahre spaeter nach Ostdeutschland reisen. Welches die.eigentliche Motive fuer sein Verbleiben unter der Sowjetherrschaft gewesen sein moegen, duerfte schwerlich festzustellen sein. Nochmals: An seinem ganzen Judentum ist nicht zu zweifeln, und deshalb soll des Dichters am 70. Geburtstage aus vollem Herzen gedacht sein fuer all das Schoene und Wertvolle, das er schuf. CURT WILK. CISROCO-VERANSTALTUNG ZU GUNSTEN DES ALTERSHEIMS Wir danken nochmals allen mitwirkenden Kuenstlern, den technischen Helfern und allen Mitarbeitern, fuer ihre aufopfernde Arbeit, die den grossen kuenstlerischen und finanziellen Erfolg unserer Veranstaltung vom 24. Oktober ermoeglicht hat. Vorstand von CISROCO und ALTERSHEIM. W. G. DIE ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS BOLETIN INFORMATIVO ist taeglich von 9-1 u. 5-7 geoeffnet. NUEVA YORK 52 Oficina 605 — Teléfono 86603 Helmut Herzfeld. EIN NEUER FEUCHTWANGER Jefta und seine Tochter

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