Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 10 (Octubre, 1957)
- Date
- 1957-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre 1957 BOLETIN INFORMATIVO Zur Debatte zwischen Ben Gurion und Nahum Goldmann Die letzte Tagung des zionistischen Aktionskomitees in Jerusalem, die Mitte Juli stattfand brachte eine Diskussion zwischen den beiden fuehrenden Leitern des heutigen Zionismus, Ben Gurion und Nahum Goldmann. Diese Diskussion war schon seit langem faellig, man kann sagen seit der Gruendung des Staates Israels. Seit diesem Ereignis, also seit ueber neun Jahren fehlt eine neue Definition des Inhaltes und der Ziele der zionistischen Bewegung. Es handelt sich nicht darum ob eine zionistische Bewegung heute noch notwendig ist, wie manche einfachen Seelen dies nach der Schaffung des juedischen Staates gefragt haben. Wir wissen heute dass der Aufbau Israels nicht nur ein oekonomisch-soziales Problem ist, das durch eine geschickte Leitung mit den notwendigen Geldmitteln geloest werden koenne. Es handelt sich vielmehr um die Frage wer die Traeger, die ideologischen und praktischen Traeger dieser Aufgabe sind. Und es handelt sich auch darum. was aus den Juden in der Galuth wird, nicht in den Laendern in denen wir verfolgt werden, sondern gerade dort wo wir heute ein ruhiges und wirtschaftlich gesichertes Leiben fuehren. Es geht, um ein Wort von Kurt Blumenfeld zu zitieren nicht um die Judenheits-, sondern um die Judentumsfrage. Diese Diskussion ist nicht neu in der Geschichte des Zionismus. Sie ist eigentlich seit den Tagen der Chowewe Zion niemals von der Bildflaeche verschwunden. Man erinnere sich an die Auseinandersetzung zwischen Achad Haam und Herzl nach dem ersten Zionistenkrongress. Achad Haam, -er..c!ie. 'geiziges-, Zentrums "‘des Judentums in Palaestina entwickelt hatte und sich der Forderung Herzl’s nach politischer Aktion aufs entschiedenste wider setzte. Spaeter allerdings hat er nicht nur diesen Widerstand aufgegeben, sondern selbst bei der Vorbereitung der Balfourdeklaration und den Anspruechen an die Friedenskonferenz tatkraeftig mitgewirkt. Trotzdem ist die Forderung Achad Haams der geistigen Fuehrung Israels stets von ihm aufrecht erhalten worden und wird heute von niemandem bestritten. In einem Brief an dan Heraus geber des “The Menorah Journal” antwortet Achad Haam bçzueglich der Initiative in den Vereinigten Staaten eine juedische Universitaet zu begruenden: “Die Absicht in den Vereinigten Staaten eine juedische Universitaet zu gruenden ist ausserordentlich interessant. Trotzdem moechte ich klarstellen, dass ich nicht an eine Institution dieser Art glauben kann, die selbst in Ihrem Lande die Heimat der neuen Propheten Israels werden koenne. Moeglicherweise wird sie der Waechter der juedischen Kultur sein, aber was wir brauchen ist nicht nur die Pflege der juedischen Kultur, sondern die Faehigkeit sie nach unse- BEN GURION Israeli ohne Zionismus rer eigenen Auffassung zu entwickeln. Und dieses Letztere und das wuensche ich zu betonen, ist in keinem Lande moeglich' iS. dem jgine grosse, der unseren fremde Kultiir existiert die unseren Geist bC-~ herrscht und beschwert”. Eine zweite Auseinandersetzung die zwar ungleich praktischeren Charakter hatte, aber gerade deshalb von tiefer und tragischer Wirkung war, war die Diskussion auf der Londoner Landeskonferenz im Jahre 1920 zwischen Brandeis und der Gruppe um Weizmann. Hier ging es um Fragen der praktischen Arbeit in Palaesti- VON JUAN AUFRICHTIG na, insbesondere darum, wer diese Arbeit leiten und ueberwachen solle. Es wurde von Brandeis kritisiert, dass die Aufbauarbeit nicht rationell waere, dass man zuviel Geld in Experimente stecke, dass das Schulwesen mangelhaft sei und dass man ueberhaupt Palaestina nach amerikanischer Weise, das heisst auf kapitalistische Weise kolonisieren muesse. Hinter diesen technischen Fragen steckte aber ein tieferer Gegensatz. Naemlich der, zwischen der alten Garde der national-juedisch gesinnten aus dem Volk selbst stammenden Zionisten und deren Fuehrer Weizmann, und auf der anderen Seite einem Mann von hoechster ethischer Gesinnung und praktischem Blick, aber ohne Beziehung zu der eigentlichen “Ideologie” des Zionismus als der treibenden Kraft der Bewegung. Der Konflikt endete mit dem Ruecktritt Brandeis und einer Distanzierung seiner Gruppe von der zionistischen Arbeit, die bekanntlich Weizman zwang monatelange Reisen fuer den Keren Hayesod in Amerika zu machen, die zwar grossen materiellen Erfolg brachten, aber die zionistische Executive seines wichtigstem Leiters in einer der kritischsten Perioden des zionistischen Aufbaus beraubte . Aehnlich wie damals erfolgt jetzt die Diskussion nachdem durch die Schaffung des juedischen Staates eine neue Situation entstanden ist. Und so, wie nach der Balfour-Deklaration einige Jahre verstrichen, bis man die Folgen uebersehen und diskutieren konnte, so hat es auch jetzt laengere Zeit gebraucht, bis man die Auswirkungen der Staatsgruendung abmessen und bewerten konnte. Nicht nur die Struktur des Aufbauwerkes hat sich geaendert, deren politischer Schwerpunkt das Verhaeltnis zur Mandatarmacht war. Auch die Situation iri der Araberfrage hat sich vollkommen gewandelt. Wo man frueher es mit einer arabischen Mehrheit zu tun hatte, waehrend die umliegenden arabischen Staaten sich voellig passiv verhielten (mit Ausnahme des Emirs Abdullas von Transjordanien); hat sich jetzt das Schwergewicht auf die Frage der Beziehungen zu den umliegenden Staaten gelegt. Und es geht nicht nur darum was aus den arabischen Palaestinafluechtlingen wird. Man hat mit Recht darauf hingewiesen dass es wahrscheinlich erhebliche Fortschritte in der Annaeherung zwischen Israel und den Arabern gegeben haette, wenn die Grossmaechte, und zwar sowohl die Vereinigten Staaten als Sowjet-Russland dies nicht verhindert haetten. Bei der augenblicklichen Kampfsituation zwischen den Grossmaechten im Vorderen Orient geht es nicht nur um Petroleum und den Suezkanal. Es geht um die Frage, wo die Mittelmeerkultur aufhoert und der Einfluss des asiatischen Denkens und Fuehlens an- DR. NAHUM GOLDMAN Sozius oder Helfer? faengt. Goldmann hat dies in seiner Antwort an Ben Gurion beruehrt. “Sollte in diesem Gebiet ein Block von Vorderost- Staaten entstehen, so sollte er mit der Mittelmeer-Kultur verbunden sein, aber es ist aus einem politischen Gesichtswinkel gesehen wenig klug und gesund zu sagen, dass wir nur ein Mittelmeer-Land sind. Solange Israel nicht zugleich ein souveraener Staat und ein unabtrennbarer Teil des Vorder- Ostens ist, wird es nicht konsolidiert sein”. Der wesentliche Teil der Auseinandersetzung bezog sich jedoch nicht auf die Aussenpolitik sondern auf das innere Verhaeltnis zwischen dem juedischen Staat und den Juden in der Galuth. Ben Gurion beginnt mit einigen wuchtigen Feststellungen. “An erster Stelle bin ich Jude, dann erst ein Israeli, denn meiner Ueberzeugung nach wurde der Staat Israel fuer das ganze juedische Volk erschaffen”. “...Der Staat repraesentiert nicht die Juden, die in der Diaspora leben. Jeder Jude der im Ausland lebt, ist zuerst ein Buerger seines Landes, der seine Pflicht ihm gegenueber zu erfuellen hat und die gleichen Rechte geniesst, wie jeder andere Buerger, aber jeder Jude, wo immer er leben mag gehoert dem juedischen Volk an... Was das Fortleben des juedischen Volkes durch Generationen und schliesslich die Schaffung des Staates ermoeglichte, ist die messianische Vision der Propheten Israels, die Vision der Erloesung des juedischen Volkes und der ganzen Menschheit. Der Staat Israel ist das Werkzeug zur Verwirklichung dieser messianischen Vision...” Soweit die Einleitung. Doch nun kommt die beruehmte Formulierung Ben Gurions die er nicht zum ersten Mal aeussert: “Er (der Staat Israel) wurde von Einwanderern aufgebaut-und ausschliesslich von Einwanderern und er wird auch in Zukunft allein von den Einwanderern weiter gebaut werden. Die Juden im Ausland haben ihnen dabei geholfen, aber sie haben nicht selbst mitgebaut. Geld baut nicht, Prop a g a n d a baut nicht, der “Shtadlan” baut nicht-der einzige Mann der baut, ist der, der im Lande selbst lebt und arbeitet. Verwandte und Freunte bringen Geschenke fuer Kinder, aber nur ein Vater und eine Mutter koennen sie in die Welt setzen. Genau so ist ein Vaterland die organische und unmittelbare Schoepfung derer, die es aufbauen und bereit sind, es mit Leib und Seele zu verteidigen... Leiden allein ist demuetigend, bedrueckend und zerstoerend. Haetten wir nicht die messianische Vision der Erloesung von den Propheten Israels ererbt, haetten die Leiden des juedischen Volkes in der Diaspora zu seinem Aussterben gefuehrt... (Fortsetzung Seite 12) HILF JUEDISCHEN MENSCHEN dem Schicksal zu entgehen, dem DU selbst entrinnen konntest. ERFUELLE DEINE PFLICHT! GIB FUER DIE MAGBIT 5 7I8 UND BEDENKE: Wir muessen dieses Jahr 100.000 JUDEN retten.