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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-10-01 · 10 (Octubre, 1957) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
10 (Octubre, 1957)
Date
1957-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO Octubre 1957 DAS LOCH IN DER LANDKARTE DES MR. DULLES Waehrend Uncle Sam auf der Kleinkunstbuehne von Little Rock, Arkansas, vor den Augen einer unglaeubig staunenden Welt die Fabel von den zehn kleinen Negerlein auffuehrt, die inzwischen neun geworden sind (“denn eins fiel von der Scheun”, die dort als Schulgebaeude dient), erinnert das Theater auf dem mitteloestlichen Schauplatz an die alte Geschichte aus der Pessach-Haggadah von dem Laemmchen, das der Vater fuer zwei Batzen erworben hatte. Wahrlich eine rege Saison fuer die Liebhaber der politischen Kunst! Die Rolle des Laemmchens wird in dieser modernen Version von Syrien gespielt. Der Vater, das war Frankreich und die boese Katze, die ihn und seine Familie um den Genuss des rechtschaffen erworbenen Tierchens brachte, der britische Loewe, Haupt— und Respektsperson in der felinischen Familie. Im naechsten Aufzug, uns allen noch ganz frisch in Erinnerung, jagt ein klaeffender Koeter, vom Dramaturgen “arabischer Nationalismus” genannt, und der im ersten Akt nur ein unter den wohlwollenden Blicken des etwas altersschwachen Loewen spielendes Schosshuendchen gewesen war —wie undankbar ist doch die Welt!— diesen seinen einstigen Beschuetzer zur Hntertuer hinaus. Aber da kam der Stock, der “big stick” des Uncle Sam, das war in den Jahren 1950- 1956, und verpruegelt zwar den Koeter nicht, wie dies die Ueberlieferung vorschreibt und jener es verdient haette, aber droht ihm ein wenig, gerade genug, um ihn gefuegig zu machen. Wir sehen das zwar aus der Ferne und die Fernseh-Unternehmen moechten uns an dieser Stelle gerne davon ueberzeugen, dass hiermit das unfehlbare “happy end” der modernen Laemmchen-Geschichte erreicht sei. Doch leider bleibt uns nicht verborgen, das dem nicht so ist. Und wenn auch nie Kabel-Agenturen hastig und ueberstuerzt den Vorhang vor die Buehne ziehen, laesst es sich nicht verheimlichen: hinter den Kulissen brennt ein grosses rotes Feuer. Wehe dem Stock! Und wehe der gesamten Buehne, wehe den Schauspielern und wehe den Zuschauern! Denn vom Wasser, das das Feuer loeschen soll und den sonstigen, in der goettlichen Vorsehung gipfelnden vergeltenden Maechten sind bisher nur aeusserst schwache Anzeichen zu spueren. Im Moment muessen wir uns damit abfinden, dass in Syrien das rote Feuer brennt. VON SINAI UND PORT SAID NACH SYRIEN In wenigen Tagen wird sich das Datum der israelischen Aktion gegen die aegyptische Gefahr und der gleichzeitigen anglo-franzoesischen zur Rueckeroberung des Suez - Kanals jaehren. Was daraus geworden ist und wie Nasser aus diesem verlorenen Krieg mit einem gewonnenen Frieden hervorgehen konnte, das ist das Werk der Vereinigten Staaten von Nordamerika, ihres Presidenten Dwight D. Eisenhower, ihres Staatssekretaer Foster Dulles und ihrer maechtigen Erdoelgeselischaften. Die Invasion von Aegypten war eine geschichtliche Konjunktur ungeheuren Ausmasses. Es ist garnicht auszudenken, wieviel ruhiger, sicherer und besser die Welt heute aussehen wuerde, haetten die Englaender mit etwas mehr Entschlossenheit gehandelt oder die Amerikaner ihre eigenen Interessen —d. h. die Interessen des amerikanischen Volkes ,die trotz der abwegigen Meinung des Mr. Wilson nicht immer mit den Interessen der General Motors oder der Standard Oil identisch sind— richtig eingeschaetzt. Es gaebe keinen Nasser mehr, die Seifenblase des arabischen Nationalismus waere geplatzt, die russische Gefahr fern von Israel, dem Mittelmeer und dem afrikanischen Aufmarschgebiet gegen Europa und Suedamerika. Doch Eisenhower handelte im Zorn und setzte saemtliche zur Verfuegung stehenden Machtinstrumente der U.S.A., d. h. in erster Linie die 6. Flotte und die Organisation der Vereinten Nationen gegen seine “Alliierten” und gegen Israel ein. Mit der jetzt in Syrien hereingebrochenen Situation erntet, er, um John Steinbeck zu paraphrasieren, “The grapes of wrath”, die Fruechte des Zorns. Und wir ernten sie mit. WO BLEIBT DIE “DOKTRIN”? Nach dem schmachvollen Rueckzug der beiden Westmaechte aus Port Said proklamierte Washington die “Eisenhower-Doktrin” als Programm zur Auffuellung des im Mittleren Osten entstandenen Vakuums. Darin wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Vereinigten St a a t e n an der Unabhaengigkeit und Integritaet der Staaten dieser Zone interessiert seien und ihnen jegliche Hilfe, auch militaerische, gegen eine eventuelle kommunistische Aggression zu gewaehren entschlossen seien. Diese hypothetische kommunistische Aggression in Form eines russischen Angriffs ist nicht erfolgt und wird auch aller menschlichen Voraussicht nach nicht erfolgen, es sei denn im Rahmen eines Dritten Weltkriegs, bei dessen Frontbildung es ehedem keiner “Doktrin” bedarf. Wohl aber sind zwei Arten von Aggression im Gange, gegen die die “Eisenhower - Doktrin” nicht mehr wert ist als ein ausgeblasenes Ei. Die erste ist die in Syrien erfolgte. Sie wurde in Form eines kalten Staatsstreichs von innen her vollzogen. Die letzten pro-westlichen Element; in der Fuehrung des Heer.traten in den Ruhestar i und die rocen Zwillinge Ei Serraj und El Biz'' ry uebernahmen die Kontrolle ueber die bewaffneten Kraefte des Landes. Der Verteidigungsminister kehrte von einem Besuch aus Moskau mit gepanzerten Geschenken beladen nach Damaskus zurueck und der Aussenminister startete eine beschaemende diplomatische Offensive gegen die Botschaft der U. S. A., indem er einige Attachés des Landes verwies, eine Beleidigung, die von Washington unter Anwendung der im Protokoll vorgeschrieben Reziprozitaet und ohne weitere Massnahmen eingesteckt wurde. Der Praesident Shukri El Kuwatly, von den Ereignissen anscheinend selbst ueberrumpelt, begab sich nach Aegypten zu seinem ueblichen “Erholungsaufenthalt”, um mit seinem Freund und Mentor Nasser zu Rate zu gehen und kehrte alsbald zurueck, um seine Rolle als Hauptakteur in der Farce wieder aufzunehmen, in der angeblich der Weg einer armen, kleinen und bisher ausgebeuteten arabischen Nation zur Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstaendigkeit dargestellt wird. Wie es mit dieser Selbstaendigkeit bestellt ist, davon koennten den Herren von Damaskus Tschechen, Polen oder Ungarn ein Liedchen singen. Es war von Anfang an klar, dass gegen diese Art kommunistischen Vormarschs die Eisenhower-Doktrin kein Rezept enthielt. Die syrischen Machthaber beteuerten, nicht ohne gute Argumente, nicht angegriffen worden zu sein. Die arabischen Nachbarlaender und die Tuerkei, denen die Amerikaner mit Waffen zu Hilfe eilten, um ihre Ratlosigkeit zu verschleiern, waren nicht angegriffen worden, sei es, weil Syrien dazu noch zu schwach ist oder es garnicht vor hat oder weil es noch nicht auf dem russischen Fahrplan steht. Und was Israel anbetrifft, so ist dies ein Kapitel fuer sich. In Anbetracht der Nichtanwendbarkeit seiner Doktrin tat Foster Dulles zwei Dinge. Erstens, die bereits erwaehnten ueberstuerzten Waffenlieferungen an die arabische Nachbarstaaten Syriens, mit der er, wie gesagt, seine Ratlosigkeit zu verbergen suchte. Und zweitens richtete er. einen Appell an die Vollversammlung der N. U., in''der er diese auf forderte ,in der Mittelostkrise zu intervenieren. Und damit gab er seine Ratlosigkeit zu. Obwohl es dessen eigentlich garnicht bedurft haette. Denn es ist zwar richtig, dass im Vorjahre die N. U.—Vernebelung dazu diente, die amerikanische Kriegsflotte in der Suez-Krise zu beschuetzen, aber die Be gleitumstaende waren wesentlich andere, denn so entsprach es auch den russischen Interessen, denen Indiens und den Wuenschen einer schlecht informierten, naiven oder bneswilligen Mehrheit. Das ...!> de des Mr. Dulles verb: :■ >' ■ n wL die eines Wanderpreis: ■ 4-i der Wueste, ist der I weis dafuer, dass die , . sich bis zu einem .irad g«. *«.->- delt hat, in . ,or sein;!vciitik bereits r.U-ht mehr ernst genommen worden kann. DIE SV RISCHE SCHLUESSELSTELLUNG Was die Wahl von Syrien als Aufmarschgebiet fuer dieses grosse russische Mannoever des Jahres 1957 anbetrifft, so ist sie nur als meisterhaft zu bezeichnen — und gerade deswegen haette sie vorausgesehen werden muessen. Ein Blick auf die Landkarte genuegt, um zu erkennen, welche enorme strategische Position diesem Land zukommt: es bedeutet eine zweite Front gegen die Tuerkei, d. h. gegen die staerkste Armee im Vorderen Osten, eine Bedrohung aller bestehenden oder eventuellen Stuetzpunkte im oestlichen Mittelmeer von Zypern bis Kreta und Griechenland, ein Trampolin gegen Israel und Libanon. Fuer Aegypten bedeutet der russische Aufmarsch in Syrien die Gelegenheit, aus den Schlagzeilen der Weltpresse zu verschwinden und das Dominium ueber den Suez-Kanal und damit ueber die Oelversorgung und die Wirtschaft ganz Westeuropas in Kriegs— und Friedenszeiten in aller Ruhe zu konsolidieren, sowie die Wunden zu verheilen, die Israel in der “Operation Kadesch” der Macht und dem Prestige des schnurrbaertigen Pharao geschlagen hatte. Auch die von langer Hand vorbereitete sowjetische Durchsetzung des Heeres, mit Leutnant El Serraj an der Spitze des Geheim und Abwehrdienstes war kein Geheimnis gewesen, ebensowenig die wie durch russische Instrukteure und Agenten, die dazu dienen sollte und soll, die von Moskau nach Damaskus gelieferten Waffen vor dem Schicksal zu bewahren, das den nach Kairo gelieferten auf Sinai widerfahren war. Abgesehen jedoch von dem schlecht vorbereiteten, noch schlechter durchgefuehrten und natuerlich gescheiterten Ver-; such, El Serraj aus seiner Machtposition zu verdraengen, hatte man nichts unternommen, die sich klar abzeichnende Entwicklung irgendwie aufzuhalten. EINE LANDKARTE IST KEIN GOLFPLATZ Wenn aus den Besprechungen zwischen Saud und El Kuwatly, zu denen sich in letzter Stunde auch der irakische Ministerpraesident Ali Jawdat gesellt hat, viel herauskommt, so bestenfalls eine gemeinsame Erklaerung, in der der Akzent auf eine der wenigen, wenn nicht auf das einzige Problem gelegt wird, das die arabischen Staaten auch heute noch irgendwie einigt: “die Gefahr des Zionismus”. Dass dies ein Beweis dafuer ist, dass nicht Jordanien und Libanon, sondern Israel Hilfe gegen die syrische Aufruestung benoetigt, wird Foster Dulles auch dann nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Er hat es sich eben zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Erbe Englands im Vorderen Osten anzutreten, sondern auch Englands Fehler und Verfehlungen nachzumachen und zwar in katastrophalster Form. Das ist die unerbittliche Logik der Geschichte vom Lamm, der Katze, dem Hund, dem Stock ■ i - ,d dem Feuer. .. i Zur Entschuldigung Englands | liesse sich vielleicht irgendVAe anfuehren, dr.ss «**’- Zionismus zur "eil ues Mandats ein Faktor mit vielen imponderabilen Elementen war, nicht immer leicht zu beurteilen in Bezug auf seinen Einfluss, Entwicklungstendenzen und potentia-’ len Moeglichkeiten. Aber Israel ist heute eine konkrete Realitaet, ueber deren reale Bedeutung man abweichende Ansichten vertreten kann, die aber keineswegs ignoriert werden kann. Das Weisse Haus und sein State Department jedoch bringen diesen politischen Schildbuergerstreich fertig. Israel ist fuer die wirtschaftlichen und strategischen Interessen der U.S.A. ein Dorn im saftigen Fleische Arabiens, mit dem man einfach nichts anzufangen weiss und den man demzufolge... ignorieren moechte. In einer amerikanischen Zeitschrift war vor einiger Zeit die Karikatur einer Landkarte abgebildet, “wie sich die Isolationisten die Welt vorstellen”. Darauf war Formosa groesser als China, ganz Asien russisch, u. s. w. Auf einer ebensolchen Landkarte des Mr. Dulles waere Israel bestimmt als Loch c vorhanden. Loecher moegen auf Golfplaetzen von Bedeutung sein, bei groesseren geographischen Einheiten —und auch solche existieren—, verhaelt sich jedoch manches anders. Abgesehen davon, dass nach Harry Truman Nordamerika keine Israel-Politik mehr hatte, keine konstruktive und keine sonstige, abgesehen von der sinnlosen Erpressung auf Sinai, gab es in den letzten Wochen zwei Symptome, die als neue und zusaetzliche Beweise fuer die Tatsache dienen moegen, dass Mr. Dulles zwischen Dan und Elath ein Loch in der Landkarte hat. Das eine bestand in der Aufzaehlung, die von den beiden grossen, der Regierung keineswegs fernstehenden amerikanischen Presse-Agenturen (A. P. und U. P.) waehrend der Syrien-Krise von Syriens Nachbarn gemacht wurden: die Tuerkei, Libanon, Irak und Jordanien. Aus. Israel, von Syrien als Vorwand und Entschuldigung fuer seine Aufruestung eigens zitiert, wurde vergessen. Das andere bestand in dem Alarm, den man den gleichen Agenturen zufolge nach Adenauers Wahlsieg angeblich in Washington ob der Moeglichkeit verspuert, dass nunmehr die B. D. R. diplomatische Beziehungen mit Israel aufnehmen koennte. “Was werden die Araber dazu sagen?!” “Die Bundesrepublik ist einer der wenigen NATO-Staaten, der bei den Arabern Sympathien geniesst; die darf sich der Westen nicht verscherzen!” Sound aehnlich klang bittere Klage aus dem State Department und wer weiss, ob nicht die entsprechenden diplomatischen Demarchen in Bonn unternommen worden sind. Vielleicht ist es richtig, dass wir Israels Bedeutung im Nahen Osten irgendwie ueberschaetzen. Es mag auch richtig sein, dass U. S. A. den Oelreichtum der arabischen Laender nicht ignorieren kann. Aber bestimmt ist es falsch,Israel als Faktor in der Syrien-Krise und der Nahost-Situation voellig zu uebersehen, so wie es falsch war und ist, vor Aegyptern und Syrern zu kaij,Valieren, und wie es falsch ist, Waffen nach Laendern zu sphicJiSP, die nicht bedroht, «ad und die l2-js diuer*. dringender brauchen als Waffen Syrien koennte als Schulbeispiel dafuer dienen, dass der Kommunismus nicht durch Aufruestung —oder zumindest nicht nur durch Aufruestung— aufzuhalten ist. Israel, das einzige Land des Nahen Ostens mit einer bis zur Laecherlichkeit impotenten Kommunistischen Partei, ist ein Schulbeispiel dafuer, dass nur der soziale Fortschritt, die Volksbildung, Volksgesundheit und Wohlfahrt ein Bollwerk gegen die rote Flut darstellen koennen. Man benoetigt keinen Univac, um auszurechnen, dass all diese schoenen Dinge unendlich viel billiger sind als die Bomben und Kanonen und Jadfluzsgeuge. Aber man muss es sich vor Augen halten, um daraus zu lernen. Und das will man wohl nicht im Weissen Haus und im State Departament. Oder man ist nicht faehig dazu. Inzwischen lodert das grosse rote Feuer weiter. Morgen kann der Stock verbrennen. Und noch etliches mehr. ATSCHEKA.

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