Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-09-01 · 9 (Septiembre, 1957) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
9 (Septiembre, 1957)
Date
1957-09-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8554444-9194308--2093-8554582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

16 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre 1957 WELTMACHT OEL WEICHT ARABI« BOYKOTT Jtmm ■■ i — ■ ■ ~ - ... >SHELl" BESCHUESST AKT1V1TAET IN ISRAEL EIMZ.U3TELL0N Angesichts des steigenden arabischen Drucks haben zwei englische Erdoel-Gesellschaften, “Shell” und die “AOC”, beschlossen ihre Aktivitaet in Israel einzustellen. Beide Gesellschaften befuerchten dass eine arabische Aktion eventuell ihre Interessen In den erdoelfoerdernden Staaten beeintraechtlgen koennte und haben deshalb beschlossen ihre Taetigkeit in Israel einzustellen, ohne sich jedoch vorher in dieser Frage mit der englischen Regierung zu beraten. Ein grosser Teil des auf die beiden Gesellschaften ausgeuebten Drucks soll angeblich von Saudlarabien kommen. Seit langem hat man sich mit der Tatsache vertraut gemacht, dass die Oelinteressen heute eine Weltmacht darstellen, die sich zuweilen als weit staerker erweist als selbst die Regierungen von Grossmaechten. Der Beschluss der britischen Gesellschaften „Shell Petroleum Company” und „British Petroleum Company”, ihre Geschaefte in Israel zu liquidieren, scheint paradoxerweise sowohl ein Beweis als auch eine Widerlegung dieser These. Denn auf der einen Seite unterwirft sich die maechtige Regierung ihrer Majestaet, der Koenigin Elisabeth II., diesem Beschluss und erklaert, ihn nicht verhindern zu koennen, auf der anderen Seite aber handeln diese maechtigen Oelgesellschaften selbst nicht eigentlich im Sinne ihrer eigener Interessen, sondern lassen sich zum Werkzeug des arabischen Boykott-Commitees machen, dessen Zielen sie als Vorspann dienen. DIE WIRTSCHAFTLICHEN FAKTEN Israel, wo beide Gesellschaften einen Jahresumsatz von etwa sieben Millionen £ taetigen, ist freilich kein besonders interessanter und attraktiver Markt fuer diese Mammutfirmen, die im vergangenen Jahre nach Abschreibungen im Betrage von 223 Millionen £ u. nach Zahlung von Steuern in Hoehe von 202 Millionen £ immer noch einen Nettogewinn von 233 Millionen £ ausgewiesen haben. Aber bekanntlich „macht Kleinvieh auch Mist”, und normalerweise pflegen gerade die Grossen mitzunchmen, was man mitnehmen kann, und schon aus prinzipiellen Gruenden um jeden Markt, oft erbittert, zu kaempfen. Das der israelische Markt nun ploetzlich, wie es in der begründenden Erklaerung der Gesellschaften hiess, nicht mehr attraktiv sei, klingt ausserordentlich unwahrscheinlich. Herrscht doch in unserem Lande nach wie vor das von den Englaendern eingefuehrte System des „costplus”, gemaess dem die Preise, die der Konsument zu zahlen hat, so berechnet werden, dass nach Deckung der Spesen immer noch ein „angemessener Verdienst” erzielt wird, (ein System, das, wie man neuerdings zu erkennen beginnt, sich vielfach zu Ungunsten unserer Exportbemuehungen ausgewirkt hat, weil es das Streben unserer Wirtschaft nach rationellerer Betriefosfuehrung laehmt). Was fuer den Verkauf des Shell- und B. P.-Oels gilt, ist allerdings nicht zutreffend fuer die Haifaer Raffinerien. Wenn aber ihre Taetigkeit in den letzten Jahren mit Verlusten verbunden ist, so ist dies ja die Folge davon, dass sie nur zu einem Drittel ihrer Verarbeitungskapazitaet ausgenutzt werden, w-ui die beiden britischen Gesellschaften, denen sie gehoeren, sich seit langem dem arabischen Boykott weitgehend unterworfen haben. Nachdem die Iraq Petroleum Company bei Ausbruch des Unabhaengifkeitskrieges die Belieferung der Haifaer Raffinerie eingestellt und die Oelleitung ausser Betrieb gesetzt hatte, haben sich die beiden britischen Oelgesellschaften bekanntlich zu einem „gentlemen agreement” mit dem arabischen Boykott-Ausschuss bereitgefunden, demgemaess sie nur soviel Oel in Haifa raffinieren, wie fuer die Deckung des Inlandsbedarfs Israels gebraucht wird, sodass Israel keinen Oelexport taetigen kann. „Gentlemen agreements” mit Gentlemen vom Schlage der arabischen Politiker haben nun allerdings ihren speziellen Charakter, und die Araber haben niemals aufgehoert, nach der Beseitigung dieses Abkommens zu streben, d. h. durchzusetzen, dass die Belieferung der Haifaer Raffinerien voellig eingestellt wird. Dass nicht rein wirtschaftliche, oder jedenfalls nicht in der Wirtschaft Israels begruendete Motive zu der Einstellung der Taetigkeit der britischen Gesellschaften in Israel gefuehrt haben wurde deutlich; als israelischerseits den Oelgesellschaften zwei Fragen gestellt wurden: um wieviel die Verdienste der Oelgesellschaften erhoeht werden muessten, damit sie ihren Liquidations - Beschluss widerrufen, und ob sie ueberhaupt ¡bereit waeren, dies zu tun. Die voellig ausweichenden Antworten bewiesen, dass die offizielle Motivierung des Liquidations-Beschlusses die wirklichen Motive nicht widerspiegelten. In weiterem Sinne moegen es allerdings vielleicht doch wirtschaftliche M'otive sein. Waehrend Israel seinerzeit aus wohl erwogenen Gruenden die von den radikalen Linksparteien erhobene Forderung der Verstaatlichung der Raffinerien nicht erfuellt hat, vor allem um seine grundsaetzliche Bereitschaft zur Kooperation mit auslaeudischem Kapital erneut unter Beweis zu stellen, ist die „revolutionaere” Regierung Nasser-Aegyptens einen anderen Weg gegangen und hat das gesamte Eigentum der Shell-Gesellschaft in Aegypten beschlagnahmt. Und siehe da. die radikale Haltung der Revolutionaere traegt ihre Fruechte: im Rahmen der “Versoehnungsvernandlungen”, bei denen die Aegypter offenbar zeigen, dass nichts so heiss gegessen wird, wie es in ihrer revolutionaeren Kueche ausgekocht wurde, bi .- tet, Shell auch no^h den Brennstoff fuer die Zubereitung des Versoehnungsmahls — auf Kosten Israels, dem das Oel fuer Haifa entzogen werden soll. Leider muss gesagt werden, dass die britischen Oelgesellschaften in ihrer Haltung, oder richtiger: in ihrem Mangel an Haltung, nicht allein stehen. Die amerikanische Oelgesellschaft „Aramco” ist nach einem Bericht der Zeitschrift „Fortune” so weit gegangen, westeuropaeischen Firmen, welche so ’rarmlose Waren wie Teile fuer Wasserbehaelter produzieren, die Kuendigung der mit ihnen getaetigten Vertraege anzudrohen falls sie weiter Geschaefte mit Tsrael taetigen wuerden. Bereits haben bedeutende Gesellschaften wie British Airways, Philipps, American Export und Am-’riran-'Rritish Tabacco Company sich dem Boykott-Ausschuss unterworfen und ihre Geschaefte :n Israel liquidiert, und es mus; befuerchtet werden, dass ihr Beispiel Schule machen koennte, nachdem nun auch die britischen Oelgesellschaften ihr gefolgt sind. ENGLAND UND ISRAEL Dass wir mit der Feindschaft der Weltmacht Oel zu rechnen haben, ist leider seit langem klar. Neu und besorgniserregend ist der Beschluss der britischen Oelgesellschaften vor allem deshalb, weil es sich hier um Firmen handelt, die wie Shell zweifellos dem Einfluss der britischen Regierung unterliegen, die bei British Petroleum sogar ueber 51% der Aktien verfuegt. (Und in der Raffinerie ist British Petroleum der Senior-Partner). Es zweifelt also auch in England niemand daran, dass das Foreign Office vom Gang der Verhandlungen mit dem arabischen Boykott-Ausschuss wusste und den Liquidations - Beschluss haette verhindern koennen. Die gegenteiligen Erklaerungen der Regierung, dass sie sich in wirtschaftliche Entscheidungen nicht einzuraischen pflege, ist keineswegs uaberzeugend, wie in den Aeusserungen fast aller massgebenden britischen Zeitungen und Zeitschriften einmuetig zum Ausdruck gebracht wurde. In Israel ist in diesem Zusammenhang eine alte Diskussion wieder entfacht worden, naemlich darueber, ob. es sich hier um eine neue Wendung der britischen Politik, eine Rueekkehr zur Linie Ernest Bevins handelt, oder um die Fortsetzung seiner Politik, die in Wirklichkeit auch von Eden und Macmillan niemals aufgegeben worden sei. Die beruehmte Guildhall - Rede Edens, die Implikation einer neuen Teilung Israels enthielt, die zweideutige Haltung Englands bei der Suez- Aktion, die Israel um die Vollendung seines Sieges brachten, sieht, laut der man in Whitehall nichts gelernt und nichts vergessen habe. stuetzt. Darum sind alle Bemuiehungein Israels Sympathien in der Welt zu gewinnen von groesstem Wert. Gerade weil wir in einem langen und schweren Kampf mit der Weltmacht Oel liegen, ist es fuer uns von hoechster Bedeutung, die Weltmacht der oeffentlichen Meinung als Bundesgenossen auf unserer Seite zu haben. In diesem Sinne werden wir unser Ringen gegen den Ring der arabischen ¡Blockade in den Hauptstaedten der Welt fortzusetzen haben, wahrscheinlich viel intensiver als es bisher geschehen ist. Alle Kreise, denen die Freiheit des Handels, die Freiheit der Meere und der Schiffahrt am Herzen liegen, sind unsere natuerlichen Bundesgenossen, und in diesem Kampf koennen wir gewiss Kraefte mobilisieren, die sonst am politischen Geschehen ueberhaupt und an den Fragen unseres Landes und seines Aufbaus wenig interessiert sind, vielleicht auf diesem Wege auch neue Freunde gewinnen. Neben der Front unserer Aufklaerung und Propaganda-Aktionen gibt es aber eine Front im Lande selbst. Wir sind keineswegs ueberzeugte Anhaenger einer Politik der Verstaatlichung und auch nicht einer allzu weit getriebenen Autarkie - Politik. Andererseits hat sich aber in der ganzen Welt die Erkenntnis durchgesetzt, dass lebenswichtige Betriebe und Dienste oftmals verstaatlicht werden muessen, und vielleicht stellen die Haifaer Rafcinerien einen Fall dar, in dem diese Notwendigkeit sich ergeben koennte. Die Schaffung der israelischen Brennstoffgesellschaft „D erek” erscheint im Lichte der Be- | schluesse der ¡britischen Gesellschaften nunmehr gerechtfertigt. Wie so oft in der Geschichte unseres Aufbaus wird auch diese 1 Massnahme unserer Gegner wahrscheinlich letzten Endes zur verstaenkten Entwicklung unserer eigenen Wirtschaftsinstrumente und Positionen fuehren muessen. Wir streben keineswegs nach einer einseitigen Orientierung' unseres Handels und sind weit davon entfernt, von einem Wirtschaftskrieg mit England auch nur zu traeuroen. Aber sicher werden wir an eine Staerkung unserer wirtschaftlichen Bindungen mit den Staaten denken muessen, die sich dem arabischen Boykott und den Drohungen des arabischen Boykott-Ausschusses nicht unterworfen haben, vor allem Frankreich und Westdeutschland. Dass die Araber diesen Staaten gegenueber ihre Drohungen dann nicht wahrgemacht haben, sei als lehrreiche Tatsache nur nebenbei erwaehnt, so sehr es in der Welt betont und unterstrichen werden muesste. Da aber eine Politik, auch wenn sie in ihrem Wesen durchaus defensiv ist, sich in ihrer Taktik auf rein defensive Massnahmen nicht beschraenken darf, waere durchaus ins Auge zu fassen, ob das juedische Volk nicht einen Wirtschaftsboykott gegen die arabischen Staaten organisieren sollte. Die aegyptische Baumwolle z. B. sucht nach Maerkten. Keineswegs duerfen wir bei allem Streben nach Sympathien in der Welt als hilflose Bittsteller erscheinen, die nur um Mitgefuehl betteln, statt zur Selbsthilfe zu schreiten. BEN BUNIM (“HAKIDMAH”) Auf der anderen Seite ist es aber doch ebenso beachtlich wie begruessenswert, dass sich in diesem Konflikt mit der Weltmacht Oel, eine andere moderne Weltmacht, naemlich die Presse und die oeffentliche Meinung, in ihrer ganz ueberwieqenden sprechen deutlich fuer die An- Mehrheit eindeutig auf die Seite Israels gestellt hat. Gewiss geschah dies nicht nur, und wahrscheinlich nicht in erster Linie, um Israels willen, sondern aus vielen anderen Motiven. In weiten Kreisen hat man immerhin seit 1938 etwas zugelernt und weiss, wohin die Politik von Muenchen fuehrt; dass man Erpressern zum Opfer faellt, j? mehr man ihren Erpressungen nachgibt, dass ein spaeterer Widerstand umso schwerer wird, j>- oefter man sich ¡bereits unterworfen hat. Anhaenger einer Politik der Erhaltung des Empires sei es auch in der reformierten Form des Commonwealth, wisspr dass die Aussichten auf Widerstand in der Oase Buraimi, ir Oman, Muskat und Aden, nich' wachsen, wenn man sich in Haifa unterwirft: und Anhaenger einer Weltfriedenspolitik im Rahmen der UNO sind sich darueber klar, dass man die Chancen des man den arabischen Wirtschaftskrieg. der dem Geiste der UNO ins Gesicht schlaegt, nicht nur i duldet, sondern geradezu unter- J SAWS*# A * mm ERDOEL-LEITUNG ELAT-BEER SCHEWÄ In Rekordzeit wurde diese Erdoel—Leitung fertiggestellt, die einen weiteren Schritt zur wirtschaftlichen Selbststaendigkeit Israels darstellt. Das Foto zeigt einen israelischen Arbeiter waehrend der letzten Arbeiten an der Leitung. (ERESNEWS).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.