Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1957)
- Date
- 1957-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1957 BOLETIN INFORMATIVO 7 U* <I» -i« mTVt. V?avt$v EFa~k¿ *r>jU -*« 3)»*;an -i »i*» »• J. »• V Im Frühjahr 1947 liess auf dem Hügelland am Toten Meer, unweit von Jericho, ein Beduinenhirt friedlich seine Herde grasen. Plötzlich bemerkte er das Fehlen eines Lämmleins und da er ahnte, dass es sich wahrscheinlich in eine der zahlreichen Höhlen der Umgebung verirrt haben dürfte, ging er auf die Suche, indem er den Fusspuren des Tieres folgte. So gelangte er, dem Lämmlein nachforschend, zwei Kilometer westlich vom Toten Meer in ja - Rolle ist der Umstand, dass sie von dem wahrscheinlich erst einige Jahrhunderte später durch Rabbiner festgelegten, sogenannten masoretischen (traditionellen) Text, der allgemein in Gebrauch ist, sozusagen kaum abweicht. Interessant ist u. a. eine geringe Abweichung, die mehr in der Punktierung zum Ausdruck gelangt und dennoch den Sinn des Textes überraschend besser darlegt. Im Kapitel 40, Vers 12, fragt der Prophet in Rahist noch nicht aufgerollt, ein abgelöstes Fragment deutet jedoch darauf hin, dass diese Rolle, die in der Wissenschaft bereits den Namen “Megilat Lamech” führt, der Literatur der Apokryphen angehört und zum Teile aramäisch verfasst ist. Es ist kaum vorstellbar, wei che revolutionäre Wirkung diese Funde auf die mit Bibelforschung und der Archäologie von Eretz Israel befassten Kreise in der ganzen Welt — ohne Eine der in der Hebraeischen Universitaet ausgestellten 7 Rollen das Buch “Lamech” (Foto: LIFE) eine grosse Höhle, ■ die bald weltbekannt werden sollte. Kein Wunder, denn der Beduinenhirt fand hier versiegelte Tonvasen, aus denen in geteerten Leinen eingenähte sieben Pergamentrollen zum Vorschein kamen, die die Sensation der Archäologen der ganzen Welt bildeten and noch bilden bis zum heutigen Tage. Professor Sukenik, der inzwischen verschiedene Archäologe der Hebräischen Universitaet, der Gelegenheit hatte, in einen Teil der Rollen Einblick zu erhalten, erkannte sofort ihre grosse Bedeutung. Es gelang ihm, drei Rollen zu erwerben, die heute Eigentum der Universität bilden. Das ging damals gar nicht so leicht, da im Sommer 1947 die Feindseligkeiten,_ ja sogar bewaffnete Zusammenstösse zwischen Juden und Arabern bereits auf der Tagesordnung waren. Von den durch Prof. Sukenik erworbenen drei Rollen ist die Handschrift des Buches Jesaja die unvergleichlich bedeutendste. Stellen wir uns nur vor: wir sind in die Lage versetzt, ein aus der Zeit des zweiten jüdischen Staates stammendes Manuskript eines Buches der Bibel mit eigenen Augen zu lesen. Es ist dies ein aus der Glanzzeit des jüdischen Volkes zu uns verirrter Sonnenstrahl! Beispiellos ist dieser Fund in der Kulturgeschichte der Menschheit und umso bedeutsamer, als bisher die in der Leningrader Bibliothek befindliche, tausend Jahre alte hebräische Bibelhandschrift als die älteste galt. Ein bezeichnendes Merkmal der jetzt aufgefundenen Jesamen einer hinreissenden poetischen Darstellung Gottes: “Mi madad beschoolo majim?” (Wer hat in seiner Handfläche Wasser gemessen?) In der aufgefundenen Rolle lesen wir dagegen: “Mi madad beschoolo mej-jam?” (Wer hat in seiner Handfläche die Wasser des Meeres gemessen?) Die zweite Rolle enthält die Schrift einer jüdischen Sekte, die den Kampf der “Bne Or” (Söhne des Lichtes) gegen die “Bne Choschech” (Söhne der Finsternis) schildert. Das dritte Manuskript stellt eine Sammlung von Dankespsalmen dar, die nach dem Vorbild der davidischen Psalmen gedichtet wurden. Die jetzt in Amerika erworbenen vier Rollen umfassen folgende Handschriften: ein zweites Manuskript des Buches Jesaja, das im Gegensatz zu der früher erworbenen Rolle mit dem massoretischen Texte vollständig übereinstimmt'. Es entsteht daher die Frage ,ob der traditionelle Text nicht schon früher als um das Jahr 200 der gewöhnlichen Zeitrechnung fixiert wurde, denn dieser Fund weist deutlich darauf hin, dass die Festsetzung des in unseren Händen befindlichen Bibeltextes auf eine frühere Periode zurückgeht. Die zweite Handschrift heisst: “Poscher Chavakuk” und enthält einen Kommentar zu Habakuk, während die dritte Rolle “Derech Hajachad” heisst und ein Reglement der Lebensweise und der religiösen Vorschriften einer jüdischen Sekte darstellt. Die vierte Handschrift, die einer überdimensionierten ausgeblichenen Zigarre gleicht, Unterschied der Nation und Religion — ausgeübt haben. Fieberhafte, erregte Debatten setzten ein, in deren Verlauf so mancher berühmte Gelehrte eine scharfe Klinge geführt hat, schliesslich erkannten jedoch alle — mit Ausnahme des unentwegten Professor Salomon Zeitlin aus Philadelphia — Echtheit und die zweitausendjährige Vergangenheit der Rollen an. Es ist nicht uninteressant, dass im Zuge der Diskussion auch das Verpackungsmaterial: die Vasen und das_ Leinen einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen wurde, die ebenfalls zur Festsetzung des Alters der Handschriften beitrug. II Es entsteht nun die Frage, wie gelangten diese kostbaren Manuskripte, in eine Höhle, oder besser gesagt, in Höhlen am Toten Meer, da in der Zwischenzeit in den nahegelegenen Höhlen weitere Handschriften, meistens nur Fragmente, gefunden wurden; es heisst jedoch, dass in den Zelten der Beduinen noch andere Rollen des Verkaufes harren .Die Gelehrten gelangten nach der Prüfung der bisher zum Vorschein gekommenen Rollen und Fragmente zu der Feststellung, dass alle diese Handschriften aus einer etwa 300 Rollen umfassenden Bibliothek jüdischer Sekten herrühren. Die Rollen selbst und die Art ihrer Verbergung wiederspiegeln deutlich die religiösen und politischen Verhältnisse der letzten Jahrhunderte des zweiten jüdischen Staates. Von der Kumran - Sekte, die in den Rollen genannt wird, wussten wir bisher nichts, umso bekannter war jedoch die Sekte der Essäer, deren Anhänger sich am Toten Meer angesiedelt hatten. Die Essäer, die fromme Juden waren, führten ein asketisches, heiliges Le"ben. Sie vertieften die messianische Schwärmerei, verzichteten auf alle Genüsse des Lebens, entsagten der Familie, glaubten an die Geheimlehre, harrten der Wunder. Frauen nahmen sie in ihre Gemeinschaft nicht auf, verwarfen den Opferkult, leisteten keinen Eid und zeichneten sich durch besonders strenge Beobachtung des Schabbat aus. Ein halbes Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung machte sich der Zorn des Volkes gegen die römische Zwangsherrschaft durch eine Revolte Luft. Es scheint, dass die römischen Schergen nicht nur des Volk unterdrückten, sondern auch ihre Bücher Entwandten. Vor ihnen flohen die Essäer nicht aber ohne vorher ihre geistigen Schätze in Sicherheit gebracht zu haben. Darauf beziehen übrigens die Gelehrten den Ausdruck “Söhne der Finsternis”, worin ihrer Auslegung nach die römischen Legionen zu verstehen seien. Dieselbe Tendenz gelangt auch im Kommentar zum Buche Habakuk zur Geltung, worin der Verfasser die Geschehnisse der römischen Zeit mit den Worten des alten Propheten zu deuten versucht. III Professor Sukenik hat sich zu seinen Vätern versammelt, allein sein Sohn, General Jigal Jadin, nachdem er das israelische Heer im Befreiungskrieg , Handschriften zum Verkauf an geboten wurden, in grosse Erregung geriet. Erschloss sich ihm doch auf diese Weise eine unverhoffte Gelegenheit, seinen Traum zu verwirklichen. Vorsichtig nachforschend stellt er fest, dass der Verkäufer niemand anderer sei, als der assyrische Bsichof Samuel, der vor einiger Zeit die Jerusalemer Altstadt verlassen hat_ te, um nach New York überzusiedeln. Jadin arbeitete sofort einen richtigen Kriegsplan aus; musste er doch ausserordentlich vorsichtig Vorgehen, da der Bischof nicht ahnen durfte, dass es Juden, dazu noch Israelis sind, die die Rollen zu erstehen beabsichtigen. (Wir leben in einer komischen Zeit: es gilt als grosse Sünde, den Juden ihre eigenen, alten Handschriften zu verkaufen, da dies die Araber empören würde!) Was jetzt folgt, ist die glückliche Kombination eines Detektiv _ und eines Spionage - Romanes. Es mussten strengste Vorsichtsmassnahmen getroffen werden, in deren Rahmen eine grosse New Yorker Firma, die mit Juden in keiner Verbindung steht, mit der Durchführung betraut wurde. Jadin trat mit amerikanischen Gelehrten in Verbindung zwecks Nachprüfung der Authentität der angebotenen Rollen. Freilich hätte er am liebsten diese Untersuchung der Handschriften selbst vorgenommen; dies war jedoch aus naheliegenden Gründen nicht möglich und so nahm ein namhafter amerikanischer Gelehrter diesen Auftrag an. Inzwischen war strengste Geheimhaltung die oberste Pflicht, und die geringe Zahl von Personen, die von der Sache wussten, hatte zmwma Inneres einer der Hoehlen in Qumran gegen die Araber zum Siege geführt hatte, ist zu den archäologischen Forschungen zurückgekehrt und setzt des Werk .des Vaters fort. Jadin konnte sich niemals mit dem Gedanken befreunden, dass die vier Rollen in Amerika bleiben würden. Was Wunder, dass er, als er vor 2 Jahren in New York eintraf, um an der Israeli-Sammelaktion aktiven Anteil zu nehmen, zufolge eines Inserates einer New Yorker I Z e i t u n g, worin die vier sich durch Schwur zum Stillschweigen verpflichtet. Unser alter Freund, Prof. Albright, der grösste Archäologe der Urgeschichte Israel, freute sich ausserordentlich, als ihm Jadin den Fall auseinandersetzte. Als er den nach langen Unterhandlungen vereinbarten Kaufpreis erfuhr, der — wie man sagt — bedeutend weniger als eine halbe Million Dollar beträgt, meinte er schmunzelnd, die Erwerbung der Rol- (Fortsetzung Seite 25)