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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-09-01 · 9 (Septiembre, 1957) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
9 (Septiembre, 1957)
Date
1957-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 AV. PORTUGAL 610. T«U 69066 V * ’ Cäsium a«»7. •ANTMoo-cHn.B MITTEILUNGSBLATT BOLETIN INFORMATIVO S O Cl EDAD CULTURAL I.S R.AEÍITA " B ' N E JISROEL" AÑO XIX.—N? 9 SANTIAGO DE CHILE Septiembre. 1957 HAJOM HARAT OLAM-- HEUTE IST DER SCHOEPFUNGSTAG DER WELT Von Rabbiner E. I. Loewenstein Der Traktat der Mischna “Rosch Haschana” beginnt mit den Worten: “Es gibt vier Jahresanfaenge: Der 1. Nissan ist der Jahresanfang fuer die Koenige (d. h. fuer ihre Regierungszeit) und fuer die Feiertage. Der 1. Elul ist der Jahresbeginn fuer den Zehnten des Viehs. .. Der 1. Tischri ist der Beginn fuer die Jahre, fuer das Brachjahr (Schemita), fuer das Joweljahr, fuer die Pflanzungen und fuer die Gemuesearten. Der 1. Schwat ist Rosch Haschana fuer die Baeume nach der Schule von Schammai; aber die Schule von Hillel sagt am 15. Schwat”. Nach diesen Jahresanfaengen, von denen die Mischna spricht, richtete sich im alten Israel das religioese und buergerliche Leben. Auch im heutigen Brauchtum haben sich Reste dieser Jahresanfaenge erhalten. Wir beginnen die Zaehlung der Monate des Jahres mit Nissan und feiern am 15. Schwat den Neujahrstag der Baeume. Und doch hat kein Tag des Jahres fuer das religioese Leben Israels eine solche Bedeutung gewonnen, wie der Neujahrstag der Jahre, wie Rosch Haschana. Nirgends in der Tora wird Rosch Haschana als Beginn des neuen Jahres erwaehnt. Sie kennt es nur als einen speziellen Tag, an dem Schofar geblasen wird und der dem Jom Hakipurim um 10 Tage voran geht. In wenigen Tagen werden wir den Beginn des Jahres 5718 nach der Erschaffung der Welt feiern. Darin drueckt sich ein fuer das juedische Denken bedeutsamer Charakterzug aus. Die christliche Welt beginnt ihre Zeitrechnung mit der Geburt ihres Stifters, die fuer sie eine neue Aera in der 1É1ÍI (“Blase das grosse Horn zu unserer Befreiung Weltgeschichte eroeffnet. Im Islam wird die Flucht des Propheten Mohamed von Mekka nach Medina im Jahre 622 — die Hedschra—zum Ausgangspunkt der mohamedanischen Aera. Die Weltgeschichte kennt auch revolutionaere Bewegungen, die versucht haben neue Kalender einzufuehren, allerdings meist ohne Erfolg, z. B. die franzoesische Revolution und der italienische Faschismus. Welches auch immer in der Vergangenheit die Gruende waren, die zu der Festsetzung des Jahresbeginns am 1. Tischri gefuehrt haben, — die wissenschaftliche Welt fuehrt verschiedene solcher Begruend u nge n an—, massgebend bleibt, dass Israel diesen Tag in der Sprache des Machsor als Hajom Harat Olam — als den Schoepfungstag der Welt - feiert und mit der Schoepfung seine Jahre zaehlt. Mag auch die Wissenschaft davon ueberzeugt sein, dass die Zahl der Jahre der Schoepfung des Universums in die Millionen zurueckreicht, der Jude beginnt nicht mit dem Auszug aus Aegypten zu zaehlen oder mit der Offenbarung am Sinai. Er zaehlt: L’Briat Haolam —nach der Erschaffung der Welt. Wenn wir ein neues Jahr beginnen, umfassen wir mit unseren Gedanken die gesamte Welt. Sie steht heute im Gericht. Es liegt menschlich nahe an diesem Tage an unser eigenes Schicksal zu denken und fuer uns, fuer unser Volk, fuer unser Land, fuer unsere Gemeinden zu wuenschen und zu hoffen, dass wir zu einem guten Leben eingeschrieben werden moegen. Aber indem der Jude mit der Erschaffung der Welt zu zaehlen beginnt, indem er den Tag, in den er seine Hoffnungen fuer das kuenftige Jahr hineinlegt, als den Schoepfungstag der Welt feiert, wird er sich der Einheit dieser Welt bewusst. Kein Volk lebt fuer sich. Kein Volk kann Frieden fuer sich allein erhoffen. Die Welt ist unteilbar, auch wenn sie es ment wanr haben will. Wo immer in ihr Menschengruppen leiden —und es leiden viele—, schmerzt es die Menschheit. Und auch fuer uns Juden gibt es fuer uns allein keine Erloesung von diesen Schmerzen. Die Leiden der Menschheit sind unsere Leiden. Die , Wunden, die sich die Voelker schlagen, sind unsere Wunden. Das beweist unsere tragische Geschichte in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart. Kein Volk kann sich allein befreien, keine Menschengruppe fuer sich die Erloesung anstreben. Die Welt ist eine Einheit und darum beginnen wir mit ihrer Erschaffung zu zaehlen. Wenn wir am Jahresbeginn in den Gebeten wiederholen, dass wir eingeschrieben werden moegen zu einem gu^jp Leben, so gilt dieser Wunsch zunaechst — menschlich b egreiflich — einem jeden von uns, einem juedischen Menschen. Wir denken an unser Volk in allen seinen Gemeinden und an unsere Medinat Israel. Wir hoffen fuer unsere Brueder und Schwestern, die noch immer sehnsuchtsvoll und unerloest auf Befreiung von Tyrhannei und Bedxueckung hoffen. Aber am Schoepfungstag der Welt muessen wir wissen ,dass es unsere Aufgabe bleibt, um den Frieden in der Welt zu ringen. Eines unserer taeglichen Gebete endet mit den Worten: “Der Ewige, der Kraft seinem Volke gibt, er segne sein Volk mit Frieden”. In diesem Wort wird es deutlich ausgesprochen. Wir flehen um Kraft fuer die Erfuellung unserer grossen Aufgaben, aber die Kraft, die uns zuteil werden moege stehe im Dienste des Friedens. Dieses Gebet steht fuer uns und fuer die Menschheit. Moege die gesamte Menschheit im Jahre 5718 zu einem Leben in Kraft fuer den Frieden eingeschrieben werden. Dann wird auch Israel gesegnet sein. ALLEN MITGLIEDERN UNSERER GEMEINDE WUENSCHEN EIN HERZLICHES "L'SCHONOH TAUWO" Direktorium und Representanten Kollegium der S.C.I. “B’NE JISROEL”

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