Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 7 (Julio, 1957)
- Date
- 1957-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J REDACCION« S. C. I. B NE JISROEL AV. PORTUGAL 610. TEL. 33066 CASILLA 2487. SANTIAGO -CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SO CM EDAD CULTURAL l,S RAEilTA " B ' N E J I S R O E L " Ano XIX — N? 7 SANTIAGO DE CHILE_ Julio, 1957 LEON ROSENTHAL s. A. Ip&iïfî Hfl! SíjiSííjij: Von einer schweren, unheilbaren Krankheit befallen, ist Leon Rosenthal in den spaeten Abendstunden am Freitag, den 21. Juni 1957 verstorben. Seine engsten Freunde wussten seit Monaten um die Schwere der Krankheit und er selbst scheint es auch in den letzten Wochen bewusst empfunden zu haben, dass sich sein Lebensende immer schneller naht. So wie sein Leben als ein bewusst juedisches von ihm gefuehrt worden ist, so ist er auch im juedischen Sinne von uns gegangen- Seine naechsten Freunde und Verwandten umstanden das Krankenlager, um dem juedischen Brauch entsprechend beim Aushauchen seines Lebens das grosse einmalige Wort des Schema Jisroel zu sagen. Nach seinem Ableben wurden die sterblichen Reste am Ausgang vom Schabbat nach der Staette ueberfuehrt, an der er im wahrsten Sinne des Wortes gelebt hat, nach dem Gemeindehaus. Dort hielten ihm Freunde, Logenbrueder und seine Mitarbeiter die Totenwacht, bis zu der Stunde, in der die Trauerfeier begann. Einige Hundert Gemeindemitglieder, alle Rabbinen der Stadt, die Vertreter der Federación Sionista, des Comité Representativo, der Allgemeinen Zionisten und viele persoenliche Freunde aus dem gesamten Jischuw versammelten sich in den Nachmittagsstunden des Sonntag, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Mit dem Psalm 16, von einem persoenlichen Freund, Herrn Berthold Sender gesprochen, begann die schlichte und wuerdige Trauerfeier in der Synagoge. Alsdann sprach der Praesident Dr. Siegfried Landau die ihm nicht leicht fallenden Abschiedsworte im eigenen Namen, fuer unsere Gemeinde und den Cisroco, deren Mitbegruender er vor fast 20 Jahren war. Das Goethe — Zitat “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” legte er seinen Ausführungen zu Grunde. Wer in sich diese drei Eigenschaften vereint nur der verdient in Wahrheit das Praedikat Mensch. Der innere Drang, immer helfend taetig zu sein, hat es bewirkt, dass Leon Rosenthal zu einer der fuehrenden Persoenlichkeiten unserer Gemeinde und des gesamten Jischuw geworden ist. Der Redner fuehrte aus wie der Verstorbene vom ersten Tage seiner Ankunft in Chile die Verpflichtung in sich spuerte vielen anderen unserer in Lebensgefahr befin d 1 i c h e n Brueder zu helfen. Ein Mann wie Rosenthal wusste, dass fuer einen echt juedischen Menschen die Tatsache selbst gerettet zu sein, die Verpflichtung in sich schliesst, Andere retten zu helfen. Er hat diese Mizwa im wahrsten Sinne des Wortes erfuellt. Auch nach ihrer Ankunft in Chile hat er allen neuen Emigranten mit Rat und Tat zur Seite gestanden bis sie sich in das Wirtschaftsleben einordnen konnten. Sie wussten, sie sind in Chile nicht allein — ein Leon Rosenthal ist ihr helfender Freund. Die logische Folge dieser seiner juedischen Einstellung war es, dass er ein eifriger Arbeiter fuer den Cisroco und unser juedisches Altersheim geworden ist. Seine segensreiche Taetigkeit, seine Aufopferung fuer Arme und Kranke werden nie vergessen werden. Der Redner wies dann besonders auf die juedisch — religioese Einstellung des Verstorbenen hin und betonte, in wie vorbildlicher Weise er dafuer gesorgt habe, dass ein neues liberales juedisch — religioeses Leben im neuen Lande sich entwickle. Es habe kein Gebiet der Gemeinde-Verwaltung gegeben, auf dem Leon Rosenthal durch seinen juedischen Entusiasmus, durch seine Vitalitaet durch seine Arbeitskraft, durch seine klugen Ideen nicht immer fuehrend gewesen sei. So ist sein Ableben nicht nur ein unersetzlicher V e r 1 u s t fuer Gattin, Kinder und Enkel, fuer seine ureigenste Familie, sondern wir alle fuehlen die Groesse des Schmerzes ob der Luekke, die uns durch seinen Tod bereitet ist. Er hat fuer uns, die B’ne Jisroel, fuer Col Jisroel, und letztlich fuer Am Jisroel gewirkt. Schwer ist fuer uns der Abschied von einem solchen klugen, intelligenten Mitarbeiter. Er wird immer bei uns sein und sein Ruf wird bleiben. Unter bewegten Worten “Freund eines Freundes” zu sein, nahm der Praesident fuer immer von ihm Abschied. Nach ihm sprach Herr Helmut Heinemann in seiner Eigenschaft als Praesident des Comité Latinoamericano B’ne Berith, der hoechsten Instanz des Ordens B’ne Berith und gleichzeitig im Namen aller chilenischen Logen die Abschiedsworte. Ausgehend von den Grundidealen des Ordens “Eintracht, Bruederlichkeit und Wohltun” zeichnete er in kurzen, aber beredten Worten das Lebensbild des Bruders, der allen durch seine Haltung zum Vorbild dienen kann und erwaehnte, dass es selbstverstaendlich war, dass er im Logenleben unserer Stadt die hoechsten Aemter eingenommen hat, die der Orden vergibt, weil Alle tiefstes Vertrauen zu ihm gehabt haben. Nach Herrn Heinemann sprachen der Praesident der zionistischen Federación Herr Miguel Maldavsky, der stellvertretende Praesident des Comité Representativo Herr Enrique Testa und der Praesident der Allgemeinen Zionisten Herr Jacobo Bendersky. Alle diese Redner wuerdigten die wunderbare Arbeit, die er in allen diesen Organisationen mit unendlicher Liebe und Hilfsbereitschaft ausgefuehrt hat. Als letzter sprach der Gemeinde —Rabbiner, Herr Egon Loewenstein im Namen unserer Religionsschule. Anlehnend an ein Bibel — Zitat verglich er den Verstorbenen mit einem Boten, der auf den Weg hinausgeschickt worden ist, um fuer den goettlichen Namen zu wirken. Immer war es eine der wesentlichsten Aufgaben des Verstorbenen, fuer die Religionsschule Sorge zu tragen, um so die Tradition und Kultur unseres Volkes der kommenden Generation zu erhalten. Wenn wir in diesem Geiste, den er uns vorgelebt hat, weiter schaffen, dann wird sein Name bleiben. Im Anschluss daran wurden die sterblichen Reste von den sechs Direktoren aus dem Gemeindehaus hinausgetragen, um auf dem Beth Aulom zur letzten Ruhe beigesetzt zu werden. An der Staette des ewigen Lebens sprach der Freund, der Gemeinde— Rabbiner Manfred Lubliner die letzten Abschiedsworte. “Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben, er stuerzt ihn mitten aus der Bahn, er reisst ihn fort vom vollen Leben. Ja, vom vollen Leben, das gilt auch hier, hier erst recht, an der Bahre unseres Freundes Leon Rosenthal, an der wir uns zum letzten Lebewohl versammelt haben. Als der grosse Dichterfuerst vom Tode seines Bruders im Geiste Nachricht erhielt, sprach er die bedeutsamen Worte “Denn er war unser”. Mag das stolze Wort den lauten Schmerz gewaltig uebertoenen! Er war unser, unser Leon, unser Leib ben Nathan. Nicht nur der Familie, der liebevollen und fuersorglichen aufopfernden Gattin, der von tiefer Liebe und Verehrung erfuellten Tochter und Schwiegersohn und all den uebrigen Verwandten ist er fuer immer entrissen, sondern auch uns wird er in der Zukunft fehlen. Denn wie kaum ein Zweiter hat er nicht nur mit aller Liebe, Guete und Vorsorglichkeit fuer den naechsten Familienkreis gelebt, sondern mit beispielloser Ergebenheit hat er vielen Familien in unserer Gemeinde zu jeder Zeit, zu jeder Stunde gedient und geholfen. Deshalb ist es fuer uns alle so schmerzlich, von diesem vitalen Menschen, der noch so gerne leben wollte, fuer immer Abschied zu nehmen und fuer mich selbst besonders schmerzvoll, weil er der erste Jude war, der mich in diesem neuen Lande vor 18 Jahren begruesst hat und dem ich als Letzter zum letzten Male den Gruss erwidern muss. Wenn der erste Jude alle Bindungen, Heimat, Elternhaus, Geburtsstadt verlassen hat, um in eine unbekannte Welt zu gehen, dann begleitete ihn ein einziges Heilswort “Werde ein Segen und durch Dich werden dann die Familien der Erde gesegnet”. Ich glaube kein treffenderes Wort fuer unseren Leon finden zu koennen als dieses Heilswort. Als einer der Ersten hat er Heimat und Elternhaus verlassen, weil er nur als ein stolzer und freier Mensch und Jude leben konnte. Alle alten Bindungen hat er gelQest, ist in die unbekannte Ferne gegangen nur im Vertrauen auf eine Botschaft “Werde ein Segen, dann werden die Familien des Landes durch Dich gesegnet werden und gluecklich sein”. Er hat es wahr gemacht. Ich weiss nicht, ob er in seinem Leben die Sprueche der Vaeter gelesen oder gelernt hat, aber eines weiss ich, er hat sie gelebt. Er hat seine Brueder gesucht und gefunden, er hat sie stets mit einem freundlichen Laecheln empfangen. “Sein Haus war weit geoeffnet und die Armen, die seelisch Hilflosen, die einen Halt und eine Stuetze suchten, die waren die Soehne seines Hauses”. Fuer alle war er zu jeder Stunde, Tag und Nacht in Freud und Leid zur Stelle. Er war unser, eine lebendige Lebenslehre, er hat Judentum gelebt, bewusst und bewusst liberal, d. h. nicht frei von jedweder Bindung, sondern im Gegenteil die ernste grosse Verpflichtung den Naechsten gegenueber, wie auch den Fernsten, den uns Vorangegangenen, d. h. unserer alten ehrwuerdigen Tradition. Denn Grosseltern und Elternhaus bedeuteten fuer ihn etwas Heiliges. Die Tage des Gedenkens an seine Lebensspender hat er niemals vergessen. Sie waren fuer ihn Erinnerung und Mahnung zugleich. Er war unser, in den Sitzungssaelen, im Gotteshaus, aber er war auch unser in den Stunden der Erholung, des Frohsinns, der Unterhaltung und Entspannung. Ein altes talmudisches Wort sagt: Man klagt um ihn wie um einen Einzigen”. Er war einzigartig in seiner Art. Er besass ein goldiges Herz. Was er besprach, behandelte, war von ehrlicher Herzlichkeit durch - traenkt. Deswegen sind wir davon ueberzeugt, dass all die vielen Freunde und seine Mitarbeiter, die ihm die Ehrenwacht gehalten haben, so lange seine sterblichen Reste noch auf dieser Erde weilten, ihm die Treue auch ueber diese Abschiedsstunde hinaus bewahren werden. Wenn wir die Thora zum heiligen Schrein zuruecktragen, dann singen wir “Ein Baum des Lebens ist sie denen, die sie umfassen, die sich an sie halten, sind gluecklich”. Ja, unser Leon war uns ein Baum des Lebens, eine Lebenslehre, an den wir uns gehalten, an dem wir gestuetzt, um gluecklich zu sein. Als er auszog, ging er mit der Heilsbotschaft: “Werde ein Segen”. Unser letztes menschliches Schlusswort: Du warst ein Segen fuer uns und damit fuer uns Alle. Um wievielmehr erst fuer die Naechsten, mit denen Du auf das Innigste durch Dein Leben verknuepft gewesen bist. Mein letzter Gruss: “Geh hin in Frieden”. Rabbiner Manfred Lubliner.