Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 6 (Junio, 1957)
- Date
- 1957-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Amman 1× ep/1044017
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Jumo 1957 9 BOLETIN INFORMATIVO ¡i DER VOLLKOMMENE WIDERSPRUCH Die Ruhe nach dem Sturm herrscht in Jordanien. Der Staatsstreich von oben, den Koenlg Hussein mit Unterstuetzung der U. S. A., einer palasttreuen Minderheit und einiger Beduinen— scheiche und —Offiziere durchgefuehrt hat, ist ueberraschend schnell gelungen. Den pro-aegyptischen und nationalistischen Fanatikern, in ihrer Mehrheit ehemaligen Palaestinensem, bleibt im Moment nichts anderes uebrig, als diese erste Runde verloren zu geben und in den jordanischen Gefaengnissen, dem syrischen oder aegyptischen Exil oder auch auf den Boulevards von Amman bei Kaffee und Nargillah Rache zu sinnen. Wurde nicht Husseins Grossvater Abdullah auf den Stufen der Moschee ermordet? IM OSTEN NICHTS NEUES Fuer Israel bedeutet diese vorlaeufige Definition eine wesentliche Entspannung. Wenn das Verteidigungsheer des juedischen Staates den 9. Jom Haazmauth mit einer Parade in blankgeputzten Uniformen und Waffen begehen konnte, statt im Staub und Dreck der arabischen Wueste Wache zu stehen, so ist das vor allem dem Umstand zu verdanken, dass Jordan heute noch, wider Erwarten und Logik, das ist, was Diplomaten einen “souveraenen Staat” nennen. In den kritischen Tagen jedenfalls, als die Aufteilung des Koenigreichs von Amman zwischen Syrien und Irak nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien, musste “Zahal” Gewehr bei Fuss stehen, um den neuen feindlichen Nachbarn handgreiflich zu beweisen, dass der Jordan “Israels Strom und Israels Grenze” sei. Wie gewoehnlich, hat auch in unsrer Mitte dieses Mal nicht die Stimme jener Extremisten gefehlt, die in einer solchen Gebietserweiterung und der Wiederherstellung unserer “historischen Grenzen” (welcher von den vielen?) das Allheilmittel fuer unsere Probleme sehen. Gewiss, Israels Grenzen sind nicht gerade sehr “normal” gezogen und es ist nicht nur unter strategischen Gesichtspunkten unerfreulich, feindliche Truppen an Schlagbaeumen stehen zu haben, die nur dreissig mehr schlechte als rechte Kilometer vom Meer entfernt sind. Wie schon so oft, hat aber die Regierung wieder einmal die ruhigen Nerven bewahrt und eine Besetzung des arabischen “Dreiecks” vom Schomron von einer vorherigen Intervention der Syrer oder Irakesen in Jordan abhaengig gemacht. Solange dieselbe nicht erfolgte, betrachtete sich Jerusalem an den israelisch-jordanischen Waffenstillstandsvertrag gebunden. Die Ereignisse haben gezeigt, dass diese Haltung die richtige war. Erstens hat damit Israel erneut seinen Respekt vor internationalen Vertraegen unter Beweis gestellt, wenn dies auch niemand zu wuerdigen weiss. In zweiter Linie deuten einige praktische Erwaegungen darauf hin, dass die Erhaltung der relativen Vorteile des schlechten Status quo schwerer wiegen als der hypothetische Gewinn der Gebietserweiterung. Letztere haette naemlich u. a. bedeutet: 1.) Krieg, wenn auch noch so begrenzt oder kurz, aber Krieg; 2.) die damit verbundenen internationalen Komplikationen vom Typ der Erpressung, die Russland und Nordamerika an Israel anlaesslich der “Operation Kadesch” ausuebten; 3.) das Verschwinden eines schwachen Pufferstaates und neue Grenzbildung mit wesentlich maechtigeren und agressiven Feinden; 4.) ein arabischer Bevoelkerungszuwachs von vielen hunderttausend Seelen im Lande mit entsprechender Reduzierung der juedischen Mehrheit; 5.) die Entstehung eines neuen arabischen Fluechtlingsproblems nebst dazugehoeriger Luegenpropaganda was die Verantwortung fuer seine Entstehung anbetrifft. I DER VOLLKOMMENE WIDERSPRUCH Das Fazit der Ereignisse in Jordan ist daher fuer Israel eher guenstig als unguenstig, immer im Rahmen der Geduld, die wir der Tatsache gegenueber aufbringen muessen, dass das grundlegende Problem unserer Beziehungen zu den arabischen Nachbarn seiner Loesung noch sehr ferne ist. Fuer Nordamerika war es ein Triumph, wie ihn Foster Dulles seit den Tagen seiner bewaffneten Intervention in Guatemala nicht mehr erringen konnte und fuer Nasser sowie fuer Russland eine eklatante Niederlage. Nun ist Nassers Prestige sowohl in der arabischen Welt wie bei seinen moskauer Helfershelfern seit dem Sinai-Feldzug etwas ramponiert, unerklaerlicherweise kommt ihm aber bisher immer ein blindes Geschick meistens in Gestalt des kurzsichtigen Staatssekretaers, zu Hilfe, um es im tragikomischsten Moment zu leimen und zu kitten. Und so kam es auch diesmal, dass er das Ausmass der Schlappe, die ihm Foster Dulles in Jordanien beigebracht hatte, vielleicht noch gar nicht richtig ermessen konnte, als ihm dieser auch schon ein riesiges Pflaster auf die frische Wunde klebte; die Unterstuetzung Amerikas in der Suez-Frage. Eine Erklaerung gibt es dafuer, wie im allgemeinen bei der Aussenpolitik der Eisenhower-Administration, keine, es sei denn die treffende Bemerkung des Mephistopheles: “...ein vollkommener Widerspruch bleibt gleich geheimnisvoll fuer Kluge vie fuer Toren!” Mit oder ohne Erklaerung bleibt aber die Tatsache bestehen, dass die U. S. A. ihre europaeischen “Alliierten” dazu zwangen, in der Frage der Suez- Schiffahrt vor Nasser bedingungslos zu kapitulieren. Der Widerstand der franzoesischen Regierung, diese entehrende Niederlage einzustecken, ist in diesem Zusammenhang nicht viel hoeher als eine edle Geste zu bewerten. Praktische Erfolgsmoeglichkeiten sind ihr weder im Sicherheitsrat noch anderswo beschieden und selbst die Frage, ob Frankreich wenigstens das Gesicht wird wahren koennen, kann nur sehr skeptisch beantwortet werden. Solange die ganze pittoreske Gesellschaft der Kanalbenutzer das Kap der Guten Hoffnung umschiffte, war ein Boykott des Suez-Kanals nicht ganz undenkbar. Seit aber die Gesellschaft den Kanal wirklich wieder benutzt, haben die franzoesischdn Reeder keine gute Hoffnung mehr, mit den andern konkurrieren zu koennen. DAS “PROBESCHIFF” Wir haben also wieder einmal das Glueck, dass von den ganzen Problemen des Suez- Komplex’ nur noch ein einziges einer ernsten Debatte harrt: das der freien Durchfahrt fuer Israel. Grosse Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus und so haelt die Ankuendigung der israelischen Regierung, dass sie sehr bald ein “Probeschiff” nach Suez senden wird, die Oeffentlichkeit der ganzen Welt in Spannung. Und es muss bereits eingangs gesagt werden, dass allein diese Tatsache einen Fortschritt darstellt. Wurde doch bereits einmal ein solches Schiff geschickt —im Vorjahre und namens “Bat Galim”—, von den Aegyptern aufgehalten, seine Ladung gepluendert, seine Besatzung misshandelt, ohne dass die Weltpresse diesem Rechtsbruch auch nur einen rechten Bruchteil der Aufmerksamkeit geschenkt haette, den sie jetzt fuer die Ankuendigung des neuen Versuchs aufbringt. Nasser hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er Schiffe von oder nach Haifa auch weiter zu sequestrieren gedenkt und seine syrischen Spiessgesellen haben sich sogar zu einer Kriegsdrohung hinreissen lassen, die fuer jede ernstzunehmende Regierung das Stigma der internationalen Missbilligung mit sich gebracht haette. Ermunternd wurde diese Wegelagerer-Politik durch die schwankende und unklare Haltung Washingtons, die zuerst der israelischen Regierung “empfahl” —nicht ohne in diesem Zusammenhang an die schwebenden Verhandlungen ueber Wirtschaftshilfe zartfuehlend zu erinnern—, mit einem solchen Versuchsschiff “keine neuen Probleme zu schaffen”. Wozu man bemerken koennte, dass das Problem weder neu noch von Israel geschaffen ist. Schliesslich gipfelte die Weisheit des State Department in dem unzweideutigen “Jein” des Praesidenten, der einerseits Israels Recht anerkennt, das Versuchsschiff zu schicken, andererseits aber auch —indirekt— das Recht Aegyptens, es aufzuhalten, indem er uns davor warnt, kraft irgendwelcher Gewaltmassnahmen Bahn zu brechen. Eine Art Warnung: “...und ist er nicht willig, braucht keine Gewalt!” Damit weiss Nasser natuerlich, woran er sich halten kann. Und das genuegt ihm. Die Optimisten, die nach der Raeumung von Scharm el Scheik hofften, die U.S.A. wuerden in der Frage der freien Schiffahrt sich hinter uns stellen, hatten also —zumindest was den Suez-Kanal anbetrifft— ihre Erwartungen zu hoch gespannt. Wenn man hinter uns steht, so nur. um uns in die Karten zu gucken und sie dem Gegner zu verraten. SICHERHEITSRAT UND INTERNATIONALER GERICHTSHOF Israel kann im Kampf um sein Recht auf freie Schiffahrt hauptsaechlich zwei Dinge tun. Das erste ist, das Versuchsschiff im psychologisch und politisch guenstigsten Moment zu schicken. Dieser Moment Regt irgendwann zwischen dem Tag, an dem auch die Franzosen und damit alle schiffahrenden Nationen den Kanal wiederbenutzen werden (voraussichtlich Ende Mai, Anfang Juni) und dem Zusammentreten der naechsten Vollversammlung der UN (September). In diesem Moment muss dann auch die informative Vorbereitung der Weltmeinung ihren Hoehepunkt erreicht haben, die eine Konspiration des Schweigens wie bei dem Fall Bat Galim unmoeglich macht. Die zweite Etappe in diesem Kampf wird beginnen, wenn die Aegypter ihre widerrechtlichen Absichten in die Tat umsetzen, wie dies wohl ausser Zweifel steht und auch dadurch, dass ein solches Schiff unter der Fahne eines dritten, neutralen Landes segelt, nicht zu vermeiden sein wird. Israel wird seinen Fall dem Sicherheitsrat vortragen muessen, dem gleichen Sicherheitsrat, der bereits ueber diesen Fall entschieden hat, ohne jedoch auch nur einen Finger geruehrt zu haben, um seinen Befehl an Aegypten, die israelischen Schiffe nicht zu behelligen, auch respektiert zu sehen. Die Erfolgsaussichten dieser Demarche duerfte den Stoff spaeterer Kommentare bilden. Auch die Frage, ob es unseren Feinden gelingen wird, den Fall an den Internationalen Gerichtshof von den Haag zu indossieren, ist noch etwas verfrueht. Jedenfalls lassen es gute Gruende ratsam erscheinen, sich die Muehe zu ersparen, vor jenem Gremium als Klaeger aufzutreten. Zu den hauptsaechlichsten gehoeren, dass der I. G. keine dem Sicherheitsrat uebergeordnete Instanz ist, folglich also ein Urteil, die von diesem bereits gefaellt wurde, nicht revidieren kann, sowie die Tatsache, dass der Einfluss der Maechte auf die Richter ihrer Nationalitaet den letzten Prozess (er betraf die Forderung des freien Geleits fuer Haya de la Torre) zu einer politischen Farce degradierte. Vor welcher Koerperschaft es aber auch sei, wird Israel immer wieder auf die Frage hinweisen muessen, der die Herren Hammarskjold und Nasser bisher mit solch eiserner Konsequenz ausgewichen sind: Befindet sich Aegypten mit Israel Im Krieg? Wenn ja, hat es ein Recht, unsere Schiffe aufzuhalten, darf sich aber nicht beklagen, wenn auch Israel, wie im Oktober 1956, zu den Waffen greift. Oder besteht das Waffenstillstandsabkommen? Dann hat Israel zwar kein Recht darauf, Nassers Armee zu Scharen zu treiben, wohl aber, Handelsschiffe durch den Suez-Kanal zu schikken. Ein Zustand aber, der Krieg und Waffenstillstand zugleich, und bei dem der Krieg nur Schaden fuer Israel und der Waffenstillstand nur Schutz fuer Aegypten bedeutet, duerfte selbst in diesem seltsamen und widerspruchsvollen 20. Jahrhundert nicht von Dauer sein. AT8CHEKA.