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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-06-01 · 6 (Junio, 1957) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
6 (Junio, 1957)
Date
1957-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Junio 1957 BOLETIN INFORMATIVO 5 VOR EINEM JAHR ERINNERUNGEN AN SCHÄWUOT IN ISRAEL Von RABBINER E. I. LOEWENSTEIN Vor einem Jahr war es uns vergoennt Schawuot in Israel miterleben zu koennen. Wir beschlossen dieses Fest nicht in der Stadt zu ieiern, sondern in einem Kibbuz in Dalia, in jenem Kibbuz, der sich durch seine alljaehrliehen Tanzfeste weithin einen Namen erworben hat. Unsere Freunde, die vor wenigen Jahren ihre Alijah aus Chile angetreten haben und in Dalia leben, hatten uns in ihrer freundlichen Einladung versichert, dass es auch im Kibbuz am Schawuot ein Minjan gibt. So erwartete uns die Aussicht, Schawuot in d«. alt-neuen Form juedischen Lebens feiern zu koennen. Mit gespannten Erwartungen fuhren wir im Autobus am Dienstag morgen von Haifa nach Dalia. Der Autobus ist voller Kibuznikes in Kakihemden und Kakihosen oder Frauen in Arbeitskleidung, die alle in der Stadt zu tun hatten und nunmehr zum Fest wieder nach Haus fahren. Um uns herum stehen leere Milchkruege, deren Inhalt aus den landwirtschaftlichen Siedlungen in der Stadt abgeliefert worden waren. Wie beinahe jeder Schritt in Israel, geht auch diese Fahrt nicht ohne freudige Ueberraschung ab, denn wir treffen zufaellig einen alten Studienkollegen, den wir im Lande gesucht haben. Sein Lebensweg hat einen anderen Verlauf genommen, er ist Lehrer im Kibbuz Gal-Ed geworden. So vergeht die Fahrt ueberraschend schnell und nach einer halben Stunde werden wir von unseren Freunden an der Haltestelle von Dalia in Empfang genommen. Nach der herzlichen Begruessung wird uns unser Zimmer angewiesen. Der Kibbuz nimmt uns ohne Formalitaeten, ohne Gaestebuch oder Begruessung auf. Wir sollen uns zu Haus fuehlen. Niemand erwarte von uns einen Dank dafuer, dass wir zwei Tage hier leben duerfen. Dann wird eine erste, oberflaechliche Besichtigung vorgenommen. Herrliche Blumenanlagen bezeugen die Liebe zur Natur, die die Bewohner dieser Siedlung erfuellt. Es ist alles so ganz anders, wie wir uns frueher einen solchen Kibbuz vorgestellt haben. Jede Familie hat innerhalb eines einstoeckigen Blockhauses ihre zwei Zimmer. Und wie wohnlich ist doch alles eingerichtet. Wie frei leben die Menschen. Im grossen Speisepaal — es ist gerade Fruehstueckszeit — ist lebhafte Bewegung. Die Chawerim sind bei Morgengrauen an die Arbeit gegangen und jetzt kommen sie vom Feld oder aus der Wasseruhrenfabrik oder Seifenfabrik, um zu fruehstuekken. Jeder nimmt sich die fuer ihn bestimmte Morgenzeitung und man entspannt sich ein wenig, indem — wie jemand -so nett sagt — um die Zeitung herum gegessen wird. Wir fallen nicht auf. Man merkt Gaeste sind im Kibbuz eine alltaegliche Erscheinug. Der Tag vergeht mit Erzaehlen. Unsere Freunde berichten uns von ihrem Leben und wir von Chile. Nachmittag fahren wir in den Nachbarkibbuz Ramot Menasche. Wieder freudiges Wiedersehen mit allen denen, die frueher mit uns gelebt haben und jetzt in Israel eine schoene neue Heimat fanden. Voller Stolz werden uns die schoenen Wohnungen der Chawerim, die wohnlichen Zimmer der Eltern, der moderne Speisesaal, das elegante Bet-Hatarbut (Kulturhaus) gezeigt. Aber wir haben nur wenig Zeit, wir werden noch einmal wiederkommen. Man hat sich doch so viel zu erzaehlen. Schawuot in Dalia. Vor wenigen Wochen ist ein Elternpaar aus Kischinew im Kibbuz angekommen. Er war dort Schochet. In seiner Wohnung wird das Minjan abgehalten. Wir sind genau zehn Maenner. alles Vaeter von Chawerim des Kibbuz. Nach dem Kiddusch lasse ich mir von dem Schochet ueber dar russische Judentum erzaehlen. Es ist grausig zu hoeren, wie dieser einstmals so schoepferische Zweig am Baum des Judentums nach und nach gleichsam am lebenden Koerper abstirbt. Den aelteren Menschen werden keine Schwierigkeiten gemacht, ihr religioeses Leben zu entwikkeln. Zugleich wird jedoch verhindert, dass das religioese Gefuehl weiter gepflegt werden kann. Kein Kind darf in hebraeischer Sprache, juedischer Literatur oder Tradition unterrichtet werden. Schwere Strafe ruht darauf. Es wird mit der Auffassung, dass Religion Opium fuer das Volk ist, furchtbarer Ernst gemacht. Dabei bleibt interessant, dass auch die meisten juedischen Komunisten ihre Kinder beschneiden lassen. Irgendwann bricht sich doch das juedische Gefuehl Bahn. Am naechsten GESPRAECHE UM DEN SINAI Von SCHALOM BEN-CHORIN Das klassische Paradox, mit dem das alte Israel auf die Offenbarung am Sinai reagierte: “Naasse Wenischma”, “Wir wollen es tun und hören” wiederholte sich gewissermassen, als etwa 100 “Schriftgelehrte”, Geographen und Publizisten, im Religionsministerium in Jerusalem sich über das schwierige Problem der Identifizierung des Berges Sinai über vier Stunden in heftigen Diskussionen auseinandersetzten. “Wurden Beschlüsse gefasst?” fragte ein Bekannter neugierig, aber er wurde schwer enttäuscht. Die Weisen von Jerusalem waren weise genug, keine Beschlüsse in dieser diffizilen Frage zu fassen. Aber das Volk war bereits zu Taten geschritten, noch ehe die Theoretiker sich entscheiden konnten, Als wir das Zimmer des Religionsministers verliessen, riefen die Zeitungsjungen die Abendblätter unter der Schlagzeile aus: “Die Fahne Israels auf dem Sinai gehisst”. War es wirklich der Sinai, wo eine Gruppe junger israelischer Soldaten die Staatsfahne gehisst hatten? Es war der Djebi Musa, auch Mount Catfciarina genannt, der nach der christlichen Tradition seit dem Jahre 220 als der Berg der Offenbarung verehrt wird» Eine klare jüdische Tradition in Bezug auf den Berg Sinai fehlt. Nur der berüchtigte “Münchhausen des Talmud”, Rabba Bar-Bar Chana erzählt, dass ihn ein Taaya-Araber zum Berge Sinai geführt habe, der von Skorpionen umlagert war. Aber auf Rabba Bar-Bar Chana ist bekanntlich kein Verlass; wie Sindbad der Seefahrer fabulierte er so lange, bis ihn die Weisen aus dem Lehrhaus hinauswarfen. Einer der besten Kenner der südlichen Landesteile, Dr. Bar- Daroma, der Verfasser des “Sefer Hanegev”, verwies auf die Stelle Exodus 20, 18, die davon spricht, dass der Berg Sinai in eine dunkle Wolke gehüllt war und das Volk von ferne stand. Diese verhüllende Wolke lagert bis heute über dem Gipfel der Offenbarung, und das Volk tut gut daran, “von ferne zu stehen”, das heisst, hier keine vorschnellen Entschlüsse zu fassen. Das Problem, das die Auffindung des Berges so erschwert, liegt unter anderem darin, dass die in der Thora beschriebenen Vorgänge bei der Gesetzgebung am Sinai deutlich an einen vulkanischen Ausbruch erinnern, aber das Gestein des Sinai-Massivs nicht vulkanischer Natur ist, während an der saudi-arabischen Grenze östlich von Akaba, wohl im biblischen Median, auf dem Wege nach Medina, sich der Har-Bedr erhebt, den der tschechische Forscher Musil um die Jahrhundertwende als Berg Sinai identifizierte. Schon vor 80 Jahren suchte Becke in dieser Gegend den Sinai, und Forscher wie Wellhausen und Stade schlossen sich dieser Meinung an. Auf der Sinai-Halbinsel selbst streiten mindestens fünf Berge um den Ruhm, der Sinai zu sein. Neben dem schon erwähnten Djebi Musa ist der zwölfzackige Serbal zu nennen, den der Engländer Palmer für den Sinai hielt. Die diesem Berge gegenüber sich hinziehende Oase Feran lässt es eher möglich erscheinen, dass hier die 600.000 Israeliten lagerten, welche aus Aegypten ausgezogen waren. Die Mechiltha sagt nur, dass sich der Berg Sinai ausserhalb der Grenzen Erez Israels befindet. Ein merkwürdiges Detail liefert uns der Midrasch- Rabba zu Exodus, der darauf hinweist, dass das Wort Sinai von dem Worte “Sneh”, Dornstrauch, kommt, nicht nur weil der berühmte Dornstrauch der Offenbarung auf ihm brannte, (Fortsetzung Seite 7). Morgen versammeln sich dieselben 10 Maenner wieder zum Minjan. Die Kinder schauen neugierig durch die Fenster, aber keines von ihnen kommt herein. Ihrer Welt, die durch die Idee des Haschomer Hazair bestimmt ist. erscheint dieses Tun ihrer Grossvaeter fremd. Nachmittag gehen wir zu der Bikurimfeier, die von dem Kibbuz En Haschofet mit Dalia und Gal-Ed gemeinsam vorbereitet worden ist. Ramot Menasche beteiligt sich diesmal nicht aktiv. Da der Kibbuz durch den schmerzlichen Verlust seines Chawer Werni Hirschberg in Trauer ist. Es herrscht an diesem Tage Chamsin. Aber waehrend alle anderen die Hitze schwer empfinden, sind wir noch unempfindlich. Auf dem Wege besichtigen wir erst das herrliche Schulgebaeude. das den drei Mapam-Kibuzim gemeinsam gehoert. Wir sehen die schoenen Schlafzimmer, in denen die Schueler die Woche ueber wohnen, um dann ueber Schabbat zu ihren Eltern in den Kibbuz zu gehen. Ein herrlicher Ausstellungsraum, ein schoenes Phyzikzimmer mit allen modernen Einrichtungen und einem kleinen zoologischen Garten erwecken ein wenig unseren Neid auf die Bewohner dieser Schule, die doch eine so ganz andere freie und frohe Jugend haben, als wir uns ihrer erinnern. Wir machen schnell einen Besuch in En Haschofet bei unserem einstigen Chasan und freuen uns, ihn und seine Frau gesund anzutreffen. Und dann geht es zum Fest. Inmitten eines huegeligen Gelaendes sehen wir schon von weitem Fahnen und aus Strohbuendel zusammengestellte Tribuenen. Von allen Seiten— aus vier Kibbuzim— stroemen Chawerim und Chaweroth wie auch Gaeste aus den Staedten herbei. Wie anders sehen sie heute aus. Festlich gekleidet mit strahlenden Gesichtern. Jeder hat sich eine Decke mitgebracht und alle lagern auf der Erde. Auch hier entgehen wir den Begruessungsreden nicht. Aber dann wechseln Gesang, Tanz, Sprechchoere von Mitgliedern der verschiedenen Kibbuzim gestellt, einander ab. Es folgt ein Aufmarsch mit Wagen, die alle gechmueckt an uns vorueberziehen und auf denen jeder Kibbuz das Beste seiner Ernte zeigt. Besonders faellt Gal-Ed auf, das auf einem (Forsetzung Seite 8) .. ï; WWfmm WÊËËÈ ttmmm ■ *; lilii * * ' ' •_*__>; müf PfBIK mmmmm I¡8¡ü WMmí »•ISfspi IBiliB&BlSllW MH , * J v_ ■Él frí/J" - - -1',!;'*' £ J'.~£ di '■;. i í ■twM iüí RUTH UND NOEMI Ewiges Beispiel von Treue und Naechstenliebe

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