Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIX (1957)
- Issue
- 6 (Junio, 1957)
- Date
- 1957-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1 MV. run i uuAL eiu. < aw saw« ' CASILLA 2*87. »ANT1AOD-CH1V.« MITTEILUNGSBLATT BOLETIN INFORMATIVO 1 REDACCION» S.C. I. B*NE JfSROEL. í AV. PORTUGAL 810. TSU 330*8 S O CM EDAD CULTURAL I.SRAEilTA " B ' N E JISROEL" Año XIX — N.o 6 SANTIAGO DE CHILE Junio, 1957 EL ALAMEIN - SANTIAGO Begegnung mit Montgomery nach 14 Jahren So lange ist es her, dass ich ihn zum letzten Male aus naech- Ster Naehe sah. Damals war ich gerade dabei mich in den vielen Gaengen des englischen Hauptquartiers in Kairo zurechtzufinden um einige Geheimdokumente meinem Vorgesetzten im Intelligence-Service abzuliefern, als “Monty” dort zu einer Konferenz mit hohen Offizieren eintraf. Anscheinend kam er von “draussen”, von der Wueste her, denn er trug nicht die traditionelle Uniform des Stabsoffiziers mit der steifen Schirmmuetze und dem roten Band, sondern die typische Kluft der “desert rats”, naemlich die schwarze Kappe der Tankisten, Manchesterhosen ohne Buegelfalten, Halstuch und Stiefel mit Krepesohlen. Dies entsprach zwar nicht der offiziellen Armeenorm, hatte sich aber bei den Afrikatruppen eingefuehrt und als sehr nuetzlich erwiesen, besonders bei Sandstuermen, Dauermaerschen und kalten Wuestennaechten. Auch Monty war seinerzeit vorschriftsmaessig gekleidet aus England in Afrika eingetroffen, um das Kommando zu uebernehmen. Aber der sonst so strenge und auch auf Kleinigkeiten und Einzelheiten wertlegende General begriff sofort die Nützlichkeit dieser “lokalen Variation “der Armeevorschriften und auch die Rolle, die sie spielte als Versinnbildlichung des Zusammengehoerigkeits gefuehls der Truppe, dass er sie nicht nur gestattete, sondern auch sogleich fuer sich adoptierte. Er hatte damals der schwer geprueften und reduzierten Achten Armee die so noetige Reorganisation und den Kampfgeist gebracht, die dann spaeter, bei El Alamein anfangend, in Kettenreaktion von kleinen und grossen Lokalsiegen zur voelligen Niederlage des schlauen Wuestenfuchses Rommel mit seinem gesamten Afrikakorps fuehrten. Jeder achtete und verehrte “Monty”, —denn er war der typische Soldatengeneral, so wie man ihn immer in Geschichtsbuechern beschreibt- Aber seinen vollen Titel, naemlich “good old Monty” erhielt er erst viel spaeter, als er schon laengst in England war und an der Vorbereitung der Normandieinvasion arbeitete und die Achte Armee sich von Sueden bis Norden durch ganz Italien hinaufkaempfte. Beim Teeabkochen in den verschneiten Bergen der Appeninen und beim stroemenden Regen in den pontinischen Suempfen, als man sich nach einem warmen Wuestentag sehnte und den kalten Schneesturm gern mit einem heissen Sandsturm einzutauschen bereit war, wurde er legendaer und bekam den Zusatz von “good old”. Denn ein tuechtiger und strenger Kommandant und ein durch die engsten Ritzen dringender Sandsturm werden bei der Truppe erst ein beliebtes Thema und “good old”, wenn sie nicht mehr in naechster Naehe sind, wenn man von ihnen sprechen kann, sie aber nicht mehr fuehlt, wenn did glueckliche menschliche Natur, alles Traurige und Negative in Vergessenheit bringend, in den Erinnerungen nur das Angenehme und Gute aufkommen laesst und wenn die alten Uebel bereits von neuen ersetzt worden sind. , Ich war also wirklich gespannt meinen alten “Wuestenrattengeneral” nach so vielen Jahren wiederzusehen. Natuerlich erschien er nicht in seiner famosen Wuestenkleidung von damals, sondern in der perfekt geschnittenen Marschallsuniform, wie es sich eben f uer einen der Kommandanten der NATO gehoert, und wie es in Friedenszeiten bei Pressekonferenzen wohl so ueblich ist. Nachdem ihm die zwanzig geladenen Korrespondenten persoenlich vorgestellt worden waren, bat er sie an dem grossen eichenen Tisch des Salons der englischen Botschaft Platz zu nehmen, wo bereits Schreibblocks, biografisches Material, Whisky und Zigaretten fuer alle vorbereitet waren. In kurzen, klaren und praezisen Saetzen gab er dann einige Erklaerungen ab, die aber natuerlich keine erregenden Neuigkeiten enthielten, sondern die klassischen Formulierungen wiederholten, wie wir sie aus der Weltpresse seit Jahren gewoehnt sind und auch in der lokalen Presse, fast wortgetreu wiederholt wurden. Die erste persoenliche Note ergab das Erwaehnen des eigentlichen Grundes seines Besuches, naemlich das Wiedersehen mit Sohn und Enkeln. Dann erwaehnte er, dass der Flug ueber den noerdlichen Teil Chiles ihn recht stark an die afrikanische Wueste erinnere und dass es ihm eine Genugtuung war, am Denkmal des Generals O’Higgins einen Kranz niederzulegen, denn auch O’Higgins, so wie er, sei ja irischer Abstammung und, so sagte er woertlich, alle Iren seien freiheitsliebend und grosse Kaempfer und wenn sie mal eben keinen finden gegen den sie kaempfen koennen, dann kaempfen sie eben untereinander. Ihm gegenuebersitzend hatte ich waehrend der Konferenz reichlich Zeit ihn mir gut ansehen und feststellen zu koennen, dass er sich doch recht wenig veraendert habe. Schon vor 15 Jahren hatte er dieses scharf geschnittene Gesicht und ausser der kaempferischen Qualitaet, die er selber erwaehnte, hat seine Rasse auch die Eigenheit ziemlich zeitlose Gesichtszuege zu bekommen, wenn sie einmal die 50 ueberschritten haben, sodass man ihnen das Aelterwerden dann nicht ansieht. Abgesehen davon ist er natuerlich auch sonst koerperlich und geistig in noch “alter Frische”. Ausser der eben erwaehnten Neugier des persoenlichen Wiedersehens richteten sich meine Erwartungen auf den zweiten Teil der Unterhaltung, naemlich das viel weniger konvenzionelle Frage-und Antwortspiel, das gute Journalisten oft zu recht interessanten Formulierungen und manchmal auch Indiskretionen treiben koennen. Da man nie weiss, wie sich so etwas entwikkelt und wo sich da gerade ein “Haken” praesentiert, an den man anbeissen kann, hatte ich mir einige Fragen vorbereitet, deren Beantwortung von solch einer Persoenlichkeit hoechst interessant waeren. Da im Ganzen nur drei Fragen gestellt werden durften, da weder er selbst noch die englische Botschaft interessiert waren, diese organisierte Presse - Konferenz in gefaehrlichere Fahrwasser gleiten zu lassen, musste ich mich mit einer zufrieden geben, will aber hier erwaehnen, dass die anderen von mir vorbereiteten und unbeantwortet gebliebenen Fragen hauptsaechlich auf die Sinaikampagne, die Offiziere dieses Feldzuges, die groesstenteils Ex Achte Armeekaempfer sind, und Montgomery’s Beziehungen zu General Wingate (der engl. Instrukteur der illeg. Haganah) waehrend seiner Dienstzeit in Palaestina im Jahre 1938, Bezug nahmen. Trotzdem waren meine Hoffnungen teilweise von Erfolg gekroent, denn in der Beantwortung der Frage eines Korrespondenten ueber die anglofranzoesische Aktion in Port- Said und in der Beantwortung der meinigen ging er weit ueber das Protokollare hinaus und wir konnten zwei recht interessante Formulierungen hoeren, die bezeichnender Weise beide nicht in der Tagespresse erwaehnt wurden. Auf die erste Frage, ueber die Suez- Aktion, sagte er u.a. dass es zwar eine politische Frage sei und er nur ein Soldat sei, und dass selbst als Soldat seine Taetigkeit in der NATO liege und nicht mehr im Mittleren Osten, er aber persoenlich der Meinung sei, dass, wenn man sich einmal zu einer militaerischen Aktion entschliesst, man sie “erstens beenden muss und zweitens siegreich”; er Montgomery jedenfalls tue das immer. Da von Aegypten die Rede war und auch seine damalige Aktion in diesem Sektor des Erdteils, benutzte ich die Gelegenheit ihn ueber jenen Oberst El Sadat zu fragen. Dieser Herr ist jetzt Minister bei Nasser, schrieb kuerzlich ein Buch ueber die aegyptische Revolution und hat in den Geheimarchiven der Achten Armee eine recht dicke Akte gehabt, da er dreimal versuchte mit militaerischen Dokumenten ueber die alliierten Verteidigungen hinter die deutschen Linien zu gelangen. (Uebrigens in Kollaboration mit Koenig Farouk, der damals noch “mit von der Partei”, war, was er in seinem Buche anscheinend totschweigt). Des Plan wurde damals aufgedeckt, Monty liess den Koenigspalast mit Tanks Umstellen und machte Farouk zu einem Gefangenen in seinen eigenen Schloss und El Sadat “sass” bei uns, bis er aus politischen Gruenden freigelassen wurde, aber nur um gleich wieder vor neuem zu intrigieren. Meine Frage an Montgomery lautete daher, ob er sich beim Lesen des Namens Sadat als Minister Nassers nicht oefters an jene drei gescheiterten Verrats versuche erinnere, worauf er mir mit einer Gegenfrage antwortete; “Warum habt ihr ihn denn damals nicht gleich erschossen?” Antwort: “Sir, wir hatten strengen Befehl von oben, niemand zu erschiessen”, darauf Montgomery: “Vielleicht ist es doch manchmal ratsam, “oben” nicht anzufragen oder solch einen Befehl zu ueberhoeren”. Ein Bemerkung die von den englischsprechenden Anwesenden mit Beifall und Gelaechter aufgenommen wurde. Nach der anschliessenden Frage ueber Atomwaffen, die eine allgemeine Beantwortung fand und einem darauffolgenden Brindis erklaerte “Sir Bernard” alias “good old Monty” die Konferenz fuer beendet, setzte sich in ein Auto und fuhr zu seinem Sohn und Enkeln, sich dem wirklichen Grunde seiner Reise widmend, waehrend ich mit der Genugtuung zurueckblieb unerwarteter Weise doch noch mal nach so langer Zeit und in so unerwarteter Gegend diesen “Waffenbruder” aus einer Zeit, in der man noch glaubte fuer eine bessere Welt zu kaempfen, wiedergesehen zu haben. Ex: PAL/38691 Sergeant R. G. Haymann. 30 th Palestine Regiment att. Inteligence Service M iddleEastForces. I €fe*n Jn/tai?| SEITE Standesregister . . . 2 Gottesdienst .... 3 Bericht ueber die ordentliche Generalversammlung . . . 3 Eri nnerungen an Schawuot .... 5 Der Mystische Weg im Judentum . . . 7 Monatsspiegel .... 9 Kinderbeilage .... 13 URO teilt mit. . . . 13 Eroeffnung der Sinfoniekonzerte .... 13