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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-05-01 · 5 (Mayo, 1957) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
5 (Mayo, 1957)
Date
1957-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I REDACCION* 6.C. I. B'NE JTSWOEU I AV. PORTUGAL 810. TEL. 33096 CASILLA 2497. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT S O CM EDAD CULTURAL LS RAE1ITA "B ' N E JISROEL" Año XIX - N? 5 SANTIAGO DE CHILE Mayo, 1957 IN HISTORISCHER MISSION BETRACHTUNGEN ZUM 9. UNABHAENGIGKEITSTAG VON MEDINAT ISRAEL JIZCHAK BEN —ZVI Der Praesident Israels Medinat Israel tritt in das zehnte Jahr ihrer Existenz ein, immer noch umgeben von Feinden und von vielen inneren Problemen bedroht. Aber wenn Israel an diesem 5. Iyar des Jahres 5717, dem 6. Mai 1957, seinen Unabhaengigkeitstag feiert, so sind seine Gefuehle trotz aller Schwierigkeiten doch voller Begeisterung ueber das Erreichte, und die Bilanz unseres jungen Staates faeilt nicht zum Schlechtesten aus. Man kann wohl ohne Uebertreibung sagen, dass der Aufstieg unserer Medina beispiellos in der Geschichte dasteht. Was sind denn neun Jahre in dem Weltgeschehen — kaum ein Augenblick; aber fuer uns, die wir diese Jahre miterlebt und mitgekaempft haben, sind neun Jahre mit ihren voller Sorgen gezaehlten Tagen, Stunden und Minuten, eine lange, sehr lange Zeit. In dieser schon Geschichte gewordenen Zeitspanne hat Medinat Israel viele gewaltige historische Umwaelzungen vollbracht, von denen jede einzelne sowohl in ihrem Umfang, wie mit ihrer dynamischen Kraft genuegt haette, um mehrere Kapitel Geschichte mancher grossen Nation der Welt anzufuellen. Die wohl gewaltigste Leistung Israels befindet sich auf dem Gebiete der Sicherheit. Eingekreist von feindlichen Nachbarn, die ihre agressiven Absichten Tag und Nacht in alle Winde posaunen und die mit ihrer permanenten Taktik der Provokation und des Blutvergiessens, der Blockade und den Sabotageakten versuchten, das Rueckgrat des jungen Staates zu brechen, hat Israel doch nicht nur diesem staendigen Druck standgehalten, sondern ihn mit Kraft abgeschlagen. Die Sinai-Aktion, deren Echo noch heute nicht verhallt ist. bewies ein fuer alle Mal— und das, ob wir sie in politischer Hinsicht billigen oder nicht — dass Israel eine unausloeschbare Wirklichkeit im Nahen Osten darstellt und dass es nicht von der Landkarte auszuradieren ist. Aber diese Aktion zeigte uns auch, dass unser Bestehen nicht allein durch militaerische Erfolge gesichert werden kann und dass die Entscheidung ueber unser Dasein nicht auf dem Schlachtfeld fallen wird. Wir erkennen immer mehr und mehr, dass vieles ,aber nicht alles in unseren eigenen Haenden liegt; dass wir ein Faktor in der Geschichte darstellen, trotzdem wir nur ein kleines Volk sind, dass wir aber auch mit anderen Faktoren zu rechnen haben. Unsere Hoffnung ist es, dass das zehnte Jahr der Existenz Israels ein Jahr des Friedens sei; des Friedens, den wir, wie auch der ganze Nahe Orient so sehr benoetigen. Denn Aufbau und Leben und nicht Zerstoerung und Tod sind das Ziel der Unabhaengigkeit unseres Staates; ihretwegen sind wir in Israel. Da wir aber nicht auf Wunder vertrauen und nicht auf die Friedenswuensche der grossen Welt, muessen wir weiterhin unsere Kraft verstaerken, die in unserem Verteidigungsheer, der Zeva Hagana Leisrael liegt. Nur ein modernst ausgeruestetes und bestens bewaffnetes Heer, stellt in der heutigen Zeit eine Garantie fuer den Frieden dar. Aber die Waffen allein, ohne ihre Traeger, ohne den opferbereiten juedischen Soldaten, ohne das auf staendiger Wacht stehende ganze juedische Volk, sind wertlos. Nur eine Armee, die von dem Geist unserer Befreiungsbewegung getragen ist, die nicht Wuestensand, sondern tief in die Erde verwurzelte juedische Siedlungen, Staetten der Arbeit und des Lachens unserer Kinder verteidigt; nur solch ein Heer, wie es “Zahal” darstellt, buergt fuer unsere Zukunft. Dieses wahre Epos der Verteidigung und Sicherung unseres Staates, ist zu gleicher Zeit und Hand in Hand mit einer zweiten gewaltigen Leistung vollbracht worden, die nicht weniger sensationell und dramatisch ist: die Sammlung der Zerstreuten, der “Kibuz Galuyot”, die Geburt einer neuen Nation, die Wiederauferstehung des juedischen Volkes und des juedischen Landes. Am Ende des neunten Jahres des Bestehens unserer Unabhaengigkeit, zaehlen wir mehr als 1.650.000 Juden in Israel. Wir haben damit die Zahl vieler anderer kleiner Voelker erreicht, wie Irland, Albanien, Neuseeland, Nicaragua, Syrien u. a., die einen angesehenen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnehmen. Aber wir begnuegen uns nicht, duerfen uns nicht mit dem Erreichten begnuegen, wie andere, normale Voelker. Das Kapitel der Wiedervereinigung unseres Volkes befindet sich erst im Anfangsstadium seiner Verwirklichung und seien wir uns dessen bewusst: Nach fast einer Dekade der Unabhaengigkeit Israels vereinigten wir dort nur 14% des juedischen Volkes der ganzen Welt und noch grosse Aufgaben erwarten uns. Die weitaus groesste Mehrheit des juedischen Volkes lebt noch zerstreut unter den Voeikern, zwar gebunden an Israel, aber entfernt von seiner Verwirklichung. Daher kann man es nicht oft genug unterstreichen: Israel benoetigtdes Weltjudentums und die Juden aller Welt benoetigeri Israel; Israel muss wachsen und sie muessen erloest werden. Und die Schare des Landes werden immer offen bleiben und nie geschlossen werden. - Parallel zu diesem erstaunlichen Prozess der Volkswerdung, ein Prozess der Generationen bis zu seiner voelligen Kristallisierung bedarf; paral lei zu diesem Prozess sind wir Zeugen des ebenso verblüffenden Prozesses-der Wiederbe lebung des toten Landes. Die Verwandlung der Wueste in bluehende Siedlungen ist nicht mehr ein Slogan einer zionistischen Propaganda, sondern tagtaegliche Wirklichkeit. Enorme Projekte, wie die Urbarmachung weiter Flaechen des Negevs dank eines weitverzweigten Bewaesserungssystems, die Trockenlegung des Hulegebiets und die Aufforstung oeder Berggegenden sind in wenigen Jahren realisiert worden. Auf landwirtschaftlichem Gebiet steht Israel heute schon fast voellig auf eigenen Fuessen und fuer viele Produkte muessen schon Maerkte zum Export gesucht werden. Die schweren Zeiten der “Z a n e” (Rationierung) sind laengst vergessen und ueberwunden und éin Lebensmittelproblem wie in den ersten Jahren nach der Unabhaengigkeit, besteht nicht mehr. Gleichzeitig mit der Entwicklung der Landwirtschaft koennen wir ein staendiges Wachstum der Industrie verzeichnen und eine immer groessere Ausbeutung von Israels natuerlichen Bodenschaetzen. Der schnelle Ausbau der eigenen Oelindustrie ist von aeusserster Wichtigkeit fuer unseren jungen Staat und die in diesen Tagen vollendete Verbindung Elats des Hafens nach den Laendern Asiens und Airi kas, mit Beer Scheva und den Raffinerien in Haifa durch die neue Pipeline, verheisst einen weiteren Aufschwung der Industrie des Landes. Die geistige und kulturelle Entwicklung Israels steht hinter den bisher aufgewiesenen Erfolgen nicht zurueck. Das Aufbluehen der neuen hebraeischen Kultur ist einer der interessantesten Aspekte der Unabhaengigkeit von Medinat Israel. Das ueber das ganze Land verzweigte Schulnetz, das auf hoher wissenschaftlicher Stufe stehende Technion in Haifa, die Hebraeische Universitaet in Jerusalem, die neue Literatur, das hebraeische Theater und die verschiedenen Orchester sind schon den Entwicklungsstadien entwachsen und stellen bereits den natuerlichen Ausdruck eines neuen hebraeischen Kulturschaffens dar. Diese Kultur schoepft aus Quellen der Vergangenheit unseres Volkes und hat ihre Wurzeln in den neu entdeckten historischen Schaetzen, die diese Erde 2000 Jahre verborgen gehalten hat, bis unsere Generation der Heimkehrenden sie aufs Neue entdeckt haben. Sie verbindet das Gestern mit dem Heute, das Alte mit dem Modernen und schafft so eine jener Harmonien, die durch die Vereinigung verschiedener Motive entsteht. Alle die hier betrachteten Umwaelzungen unserer Volkswerdung seit dem historischen Tage der Unabhaengigkeitserklaerung sind noch in voller Entwicklung begriffen und vollziehen sich mit einem maechtigen Rhytmus und einer unvergleichbaren Dynamik. Wenn Israel nun in das zehnte Jahr seiner Staatswerdung eintritt, so befindet es sich in Mitten dieser Entwicklung und steht vor immer neueren und groesseren Aufgaben. Die vielen Schatten, die neben allem Licht der Renaissance Israels vorhanden sind, muessen ueberwunden werden. Israel muss aus seiner politischen Isolierung befreit werden und unsere, gerechte Sache muss endlich von aller Welt anerkannt werden. Wir muessen alles daransetzen, um alle Gefahren, die ihm drohen, abzuwenden und wollen hoffen, dass die Zeit nicht mehr weit entfernt ist, in der die Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Laendern normalisiert werden und unser Staat zu einem Baumeister des Nahen Ostens wird, jenes Teils der Welt, von dem unsere Vaeter gekommen und zu welchem wir zurueckgekehrt sind, um die grossen Traditionen unserer Geschichte fortzu- .,etzen. AVNER BAR-ON.

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