Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-04-01 · 4 (Abril, 1957) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
4 (Abril, 1957)
Date
1957-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8554444-9194278--1989-8554483
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1 REDACCION* 6. C. I. B'NE JISROEL. AV. PORTUGAL 0IO. TEL. 00O00 CASILLA £407. SANTIAGO-CHILI S O C^l EDA BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT CULTURAL KS RAEAITA B'NE JISROEL" Año XIX N? 4 SANTIAGO DE CHILE ABRIL, 1957 AUSZUG AUS AEGYPTEN Von RABBINER E. LÖWENSTEIN “In dem tiefen, ernsten Sinne, der dem geschichtlichen zukommt, war so der Auszug aus Aegypten diesem Volke sein Anfang. Nicht eine Zeitbestimmung nur, sondern eine Lebensbestimmung besagte er. In dem Wissen um ihn konnte jenes Ideelle, der Grund aus dem Unergruendlichen, und dieses Historische, die Entstehung im Gewordenen, zu einem werden”. Mit diesen Worten hat der grosse Deuter unseres Judentums — Leo Baeck s. I. — in seinem letzten Werk: Dieses Volk —■ den in der Welt einmaligen Charakter von Jeziat Mizrajim gekennzeichnet. Es ist das Ereignis in unserer Geschichte. Mit ihm hebt sie ueberhaupt erst an. Und als solches ist es in allen den Jahrhunderten von juedischen Menschen Jahr um Jahr gefeiert worden. An diesem Auszug entzuendete sich immer wieder die Sehnsucht nach Freiheit und die Hoffnung auf Erloesung. Wenn der Baal Haagada die Worte sprach: Knechte waren wir dem Pharao in Aegypten, wurde jeder Bedruecker und Bedraenger zu einem Pharao, von dessen Joch auch uns der Herr ueber die Voelker befreien wird. Und bei jedem der vier Becher, die zur Erinnerung an den gewaltigen Prozess der Befreiung getrunken werden, meint der Jude nicht nur ein in der weiten Ferne der Urgeschichte liegendes Ereignis, sondern zugleich eine Hoffnung, die sich wenn auch nicht schon heute, so doch sicher morgen wiederholen kann. So ist das geschichtliche Ereignis des Auszuges aus Aegypten, der Befreiung Israels von der Knechtschaft von tiefer menschliche Hoffnung formender Bedeutung geworden. Und doch fragt schon der Prophet Arnos im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung: “Seid ihr mir nicht wie der Kuschiter Kinder, Ihr Kinder Israel? Ist des Ewigen Spruch, Bin ichs nicht, der herauffuehrt, Israel aus Mizraim, Pelischter aus Kaftor, Aram p,i= Ttir?” Er stellt damit den Befreiungsprozess aus Aegypten in eine Reihe mit dem Auszug anderer Voelker aus anderen Laendern. Jeziat Mizraim als typisches Ereignis ist eine oftmals in der Menschheitsgeschichte erlebte historische Erscheinung. Wie viele Voelker sind im Laufe uer Janr hunderte befreit worden, wie viele Nationen haben Sklavenjoch von sich abgeschuettelt. Nicht das ist das Einmalige an dem Auszug aus Aegypten. Wir sehen juedische Geschichte falsch, wenn wir den Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit nur unter dem Ge- PESSACH IST WIEDER DA! Erinnerungen der Vaeter — Hoffnung der Soehne ÄH neue Offenbarung in die Welt mitgenommen, die den angesiedelten Fremden dem Eingeborenen gleichstellt. Ja, man muss ihn lieben, wie sich selbst, “denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegyptens; ich bin der Ewige Euer Gott”. (Lev. 19, 33 - 34.) Und darauf folgt die Forderung, dass man kein Unrecht tue im Gericht und auf gerechtes Mass und Gewicht streng achten muss, ebenfalls unter Berufung auf den Auszug aus Aegypten. Das Gebot Witwen und Waisen gegenueber barmherzig und wohltaetig zu sein, wird wiederholt durch die Erinnerung an die aegyptische Knechtschaft verschaerft. Und auch im Gebot vom Schabbat, das seinem religioesen Inhalt nach die Idee der Weltschoenfung symbolisiert gewinnt eine neue Seite, in deren Mittelpunkt der Mensch selbst steht. “Damit Dein Knecht und Deine Magd gleich Dir ruhen und gedenke, dass Du Sklave im Lande Aegyptens warst und der Ewige Dein Gott Dich von dort mit starker Hand und gestrecktem Arm hinausgefuehrt, darum hat der Ewige Dein Gott Dir geboten, den Schabbat zu halten”. (Deut. 5, 14-15). So Hessen sich die Beispiele vermehren, die die Wahrheit jenes oben zitierten Wortes von Leo Baeck vertiefen. Der Auszug aus Aegypten ist nicht nur ein historisches Ereignis in der Geschichte Israels, sondern Lebensbestimmung geworden, die universale Bedeutung gewonnen hat. Das Geschichtliche hat sich mit dem Ideellen vereint. Daran darf Israel nicht vergessen, wenn es von Stolz erfuellt den modernen Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit antritt. Unser Ringen kann niemals nur der Freiheit vom Feind und der Befreiung aus Not gewidmet sein. Es geht um die Befreiung des juedischen Menschen, der in der Not der Welt, seine Lebensbestimmung wieder finden muss. Pessach Mizraim liegt in der Vergangenheit, im Sturm und Drang unserer Gegenwart streben wir zum Pessach leatid— an der Befreiung der Zukunft. NACH VIER JAHREN DEUTSCHLAND - ISRAEL ABKOMMEN Von Dr. NAHUM GOLDMANN Als ich am 6. Dezember, 1951 dem deutschen Bundeskanzler in London das erste Mal begegnete, erklaerte ich demselben in der Angelegenheit, die sich fuenfzehn Monate spaeter zum Deutschland - Israel Abkommen verdichtet hat: “Entweder wird dieses Problem als moralisches Problem behandelt, und eine grosse Geste wird von Ihnen fuer das neue Deutschland gemacht, oder es ist besser, solche Gespraeche ueberhaupt nicht zu beginnen, weil sie nur mit einem Misserfolg enden koennen und die deutsch - juedischen Beziehungen noch mehr vergiften .. .” sichtspunkt moderner nationaler Freiheitsbewegungen sehen. Sondern diese in der Geschichte einmalige Faehigkeit diesem Ereignis einen in das Universelle hineinragenden ideelen Charakter zu geben, ist Israels Kraft und Besonderheit. Oft ist in der Welt um Befreiung aus Knechtschaft gerungen worden. Oft haben Nationen den Augenblick des hoechsten Triumpfes erlebt. Und oft ist fuer spaetere Generationen dieser Tag der neuerworbenen Unabhaengigkeit zum Tage der Feier geworden . Aber niemals wieder in dei Geschichte der Menschheit sind mit einem solchen Ereignis so bedeutsame Gedankenstroeme in die Menschheit hineingeflossen, haben sich Nationen zu dieser Hoehe des idealen Erlebens emporgerungen. Das juedische Erlebnis des Auszuges aus Aegypten erschoepft sich nicht in der kultischen Feier, die der immer erlebenden und belebenden Erinnerung gilt. Er wurde zur Quelle tiefer ethischer Gedanken, die zur Botschaft Israels an die Menschheit wurden. Der wichtigste ist zweifellos die Lehre von der allgemeinen Menschenliebe. Dem Schmelzofen Aegyptens wurde die vollstaendige Umformung des Begriffes Fremdling (Ger) abgerungen. Aus der Welt, in der man an der Vergoetterung der Tiere und der Vertierung der Menschen mitgelitten hatte, wurde der Unterbau fuer die Wie die Welt weiss, die Gespraeche begannen, das Abkom men wurde ratifiziert und ist seit dem 1. April, 1952 rueckwirkend in Kraft getreten. Die damals fast unueberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten existieren kaum mehr, denn ein Drittel der Summe, die gemaess dem Abkommen in Waren an Israel geliefert werden, ist verbraucht. Mehr als 30,000 Auftraege an ueber 3700 deutsche Firmen sind vergeben worden. Fracht-und Passagierschiffe werden fuer Israel auf deutschen Werften gebaut. Sie laufen Haefen in der ganzen Welt an, wie New York, Genua, etc., wo sie von tausenden Besuchern als Ergebnis deutscher Fertigkeit und als Symbol des Versoehnungswillens bewundert werden. Israels Importbedarf wird bis zu 30 Prozent aus den deutschen Lieferungen gedeckt, und so hat sich die kuehne Entscheidung des Kanzlers durchaus segensreich fuer die Entwicklung des jungen Staates Israel ausgewirkt. Als ich am 6. Dezember, 1951 zum ersten Mal die Umrisse dieses Abkommens mit dem deutschen Bundeskanzler diskutierte, war es mir klar, dass es ihm nicht um einen politischen Akt der Zweckmaessigkeit ging, sondern um mehr. “Wir Politiker haben ja so selten Gelegenheit, etwas zu tun, was unseren Wuenschen entspricht. Aber seien Sie ueberzeugt, dass es mir ein Herzensbeduerfnis ist, das an den Juden begangene Unrecht wiedergutzumachen. Wir wollen gemeinsam unser Bestes tun, damit die Vergangenheit begraben wird und ein neues Verhaeltnis zwischen Deutschen und Juden sich anbahnen kann”, sagte der Kanzler. Damals wie heute habe ich erklaert, dass keine Summe, wie gross auch immer, jene namenlose Schuld, die tragischerweise— wie es der Kanzler im Bundestag am 27. September, 1951 selbst ausgefuehrt hatte—- mit dem deutschen Namen verbunden ist, ausloeschen kann; aber dass wir wohl Mittel und Wege finden sollten, wenigstens den Versuch zu machen die Beziehungen zwischen dem deutschen und juedischen Volk zu normalisieren. Sind wir auf diesem Wege in den letzten Jahren vorangekommen? Was die formalen Beziehungen zwischen der deutschen Bundesrepublik und dem Staate Israel anbelangt, so hat sich an dem Status, wie er vor vier Jahren existierte, nichts geaendert. Im Koeln am Rhein arbeitet die Israel Mission. Schiffe unter deutscher Flagge laufen israelische Haefen an, Israel’s Vertreter in West- Deutschland sind persona-grata— aber ein Israeli, der aus irgendwelchen Gruenden eine deutsche konsularische Beslaubigung braucht, muss seine Papiere an das deutsche Konsulat in Zuerich oder Rom schikken. Visen fuer Einreise nach Deutschland fuer israelische Buerger koennen nur in einem andern europaeischen Lande mit einem deutschen Konsulat gegeben werden. Ich bin seit langem dafuer eingetreten, dass die deutschisraelischen Beziehungen aus den oben ausgefuehrten prak- (Fortsetzung Seite 12).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.