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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1957-01-01 · 1 (Enero, 1957) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIX (1957)
Issue
1 (Enero, 1957)
Date
1957-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i < REDACCION* S.C. I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810. TEL, 3309« CASILLA 2487. SANTIAGO-CHILE BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA "B’NE JISROEL" AÑO XIX —N*? 1 SANTIAGO DE CHILE Enero 1957 ZU CHAMISCHA ASSAR BI'SCHEWAT: INTERVIEW MIT EINEM BAUM VON ALFRED KATZ, NAHARIÄ Achtlos wie immer ging ich am Baum in meinem Garten; vorüber; denn was man täglich •sieht, bemerkt man nicht mehr. Da raschelte es in den Zweigen. Ich blieb stehen, trat näher, horchte, und plötzlich vernahm ich seine Stimme. Vorwurfsvoll sagte der Baum: ‘‘Im Sommer sitzt Du gerne unter meinem kühlen •Schatten. Jetzt, im Winter, kennst Du mich nicht, weil Du imich nicht brauchst. Du hättest Grund, mich gerade heute zu beachten. Heute ist der 15. Schwat, das Neujahrsfest der Baeume, und es ist auch mein ■Geburtstag!” Ja, ich erinnere mich! Vor 18 Jahren, wenige Wochen nachdem ich mein Haus in der neuen Siedlung bezogen halte, , jitachte mir ein alter Mann ein 'winziges Bäumchen. Er hatte vs sefbst aus Samen gezogen. Ein grosser Baum mit herrlif vhen Blüten würde daraus werden, sagte er. Skeptisch ^betrachtete ich das kleine, unscheinbare Gewächs. 'Noch wusste ich nicht, wie rasch Bäume in Israel wachsen. Ich pflanzte das Bäumchen, band es zum Schutz gegen den Wind an einen Pfahl. Später, nach der Regenzeit, gab ich ihm Wasser. Es wuchs und gedieh. Schon nach einem Jahr entfaltete es wunderbare rosa Blüten. Es waren nur ein paar Zweige. Doch im Frühjahr darauf war der Baum schon gewachsen und die Vorübergehenden bewundertqp.ihn. Ein amerikanischer Tourist wollte, begeistert von der ’Schönheit, seinen Namen wissen. ■ Gewissenhaft schrieb er die lateinische Bezeichnung in «ein Notizbuch. Vielleicht hat “Meine Kinder spielten darunter...” (Foto: Keren Hajessod Kalender) er in Amerika davon erzählt. Ein Freund aus Deutschland kam zu Besuch. Er bewunderte wie alle die Blütenprocht. Wem er ins Laid komme, welle er auch so einen Baum pflanzen. Doch vorher müsse er nochmals zurück, um sein Vermögen zu holen. Meinen Rat, gleich da zu bleiben, befolgte er nicht. Ich sah ihn niemals wieder. Im ersten Winter des Weltkrieges kam nachts ein schwerer Sturm. Als ich am Morgen in den Garten ging, hatte der Wind einen Teil der Wurzeln blossgelegt. Ich bedeckte sie wieder mit Erde, bog den schief gewehten Stamm vorsichtig gerade, band ihn an einen DIE WAELDER SCHWEIGEN Von ERICH KAESTNER Die Jahreszeiten wandern durch die Waelder. Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt. Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder. Man zaehlt die Tage. Und dann zaehlt die Gelder. Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt. Das Daechermeer schlaegt ziegelrote Wellen. Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch. Man traeumt von Aeckern und von Pferdestaellen. Man traeumt von gruenen Teichen und Forellen. Und moechte in die Stille zu Besuch. Die Seele wird vom Pflastertreten krumm, Mit Baeumen kann man wie mit Bruedern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um, Die Waelder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie troesten jeden. Man Flieht aus den Bueros und den Fabriken. Wohin ist gleich! Die Erde ist ja rund! Dort, wo die Graeser wie Bekannte nicken und wo die Spinnen seldne Struempfe stricken, wird man gesund. stärkeren Pfahl. Er wuchs wieder an. Immer grösser wurde der Baum. Seine Zweige breiteten sich nach allen Seiten aus, erreichten schon das Haus. Jedes Jahr vor Pessach ereignete sich das Wunder: In den Wintermonaten verlor er seine Blätter. Nach dem ersten warmen Wind öffneten sich die Knospen und über Nacht war der Baum von oben bis unten mit einem Schleier von rosa Blüten bedeckt. Erst nach Schwuoth fielen die Blüten ab, die jungen Blätter entfalteten sich und im Juni, wenn es anfing heiss zu werden, war sein Schattendach ausgebreitet. Meine Kinder spielten darunter. tn seinem Schatten verpackten wir unsere Gemüseernte in Kisten, sortierten die Eier unserer Hühner. Am Schabat wurde der Baum zum Mittelpunkt der Familie. Seine Kühle erfrischte uns nach der schweren Arbeit der Woche. In den schicksalsschweren j Tagen des Befreiungskrieges fiel eine Bombe aus einem feindlichen Flugzeug in unserer Nähe nieder. Ein Splitter brach einen grossen Ast ab. Doch der Baum hielt stand. Am Tage der Staatsgründung wehte an einem der auf die Strasse überhängenden Zweige die blau-weisse Fahne. Schnee bedeckte ihn im Winter 1950, lag auf dem Boden unter dem Stamm. Nachdem der Schnee geschmolzen war, reckten sich die Aeste leblos zum Plimmel. Die Knospen waren erfroren. Doch im nächsten Frühjahr blühte er herrlich wie immer. Dies alles erzählte mir der Baum, als ich am “Neujahrsfest der Bäume” unter ihm stand. Ein grosser mächtiger Baum war aus dem kleinen Pflänzchen geworden, das ich vor 18 Jahren gepflanzt hatte. Die Vögel bauen ihre Nester in den Zweigen. Ihr Gesang weckt den Tag, ihr Lied erklingt, bevor es dunkel wird. Etwas hat mir der Baum nicht erzählt. Er konnte nicht wissen, dass ich aus seinem Samen bereits wieder ein junges Pflänzchen grossgezogen hatte, Heute am 15. Schwat wollte ich es pflanzen. Auch aus ihm wird ein grosser Baum werden. In seinem Schatten werden die späteren Geschlechter sitzen, wenn der alte Baum und wir nicht mehr leben. (“Das Neue Israel”, Zuerich). FREUND DES GUTEN UND SCHOENEN (Zum 60. Geburtstage Carl Zuckmayers) Von CLRT WILK (Buenos Aires) Am. 27. Dezember beging der Schriftsteller, Erzaehler und Dramatiker, Carl Zuckmay er den 60. Geburtstag. Die ses Datum verdient, auch an dieser Stelle gewuerdigt zu werden, obwohl es sich um einen “Halbjuden” handelt. Carl Zuckmayer ist gebuertiger Rheinlaender und lebte bis zur Hitlerzeit staendig in Deutschland. Dann siedelte er fuer fuenf Jahre nach Oesterreich ueber, bis er 1938 in die Vereinigten Staaten emigrierte, von wo er 1946 in sein Geburtsland zurueckkehrte. Hatte er sich schon vor seiner Auswanderung durch den “Froehlichen Weinberg”, eines der zugkraeftigsten Buehnenwerke der Zwanziger Jahre, Theaterruhm erworben, so wurde dieses saftigt-derbe Schelmenstueck an aeusserem Erfolg durch “Des Teufels General” uebertroffen (1947), der ueber die wichtigsten europaeischen Buehnen ging. Der Dramatiker Zuckmayer hatte sich um das Jahr 1925 einen Namen gemacht, was ihm damals den “Kleist-Preis” eintrug, dem 1929 der “Buechner-Preis” folgte. Man freute sich damals an diesem Autor, dessen Werke eine Art Mischung von guter Lyrik mit buehnensicherer Dramatik aufwiesen, Dem “Froehlichen Weinberg” war zwei Jahre spaeter “Der Schinderhannes” gefolgt, und das Jahr 1929 brachte einen grossen dramatischen Erfolg mit der Zirkus- Tragikomoedie “Katharina Knie”. Dann brachten Freunde den Schriftsteller auf die ausgezeichnete Idee, in jenen Jahren des zunehmenden Natio- “ln seinem Schatten werden die spaeteren Geschlechter sitien...” nalismus und des wiedererste- (Foto: Keren Hajessod Kalender) I (Fortsetzung Seite 5)

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