Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1951)
- Date
- 1951-11-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/8553624-8554211-9192734--0793-8554420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Noviembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO TT SI Die gefaehrdele Moral Santiago ist in die Klasse der Weltstaedte eingerueckt. Zur gleichen Zeit wie in New York hat der Intendent der hauptstaedtischen Provinz die Vorfuehrung des Filmes “La Rorvda” (La Ronde) verboten, weil in diesem Film die SittlicnKtit una aas Anscanasge. fuehl weiter Kreise verletzt wuerde. Es handelt sich um einen zweifellos sehr lebensnahen Film, der ausschliesslich um das Problem der fleischlichen Liebe kreist. Zu Grunde liegt ihm das be. r u e h m t e Schnitzlersche Schauspiel “Der Reigen’’, der R-igen der Liebe. Zehn Bilder, zehn Episoden wickeln sich vor unsern Augen ab, lose miteinander verbunden dadurch, dass stets eine der Personen des letzten Bildes im naechsten wieder vorkommt. Verbumd.^n werden die einz^l. nen Bilder ferner durch die Person eines Conferenciers (Anton Walbrook), der ein Karrussel (sozusagen das Sinnbild des “Reigens”) bedient zu den Klaengen eines Walzers von Oscar Strauss, der sich durch den Fl’m illustrierend hinzieht. Nicht alle Episoden sind gleichmaessig gut. Drei fallen aber besonders aus d°m Rahmen: Das D''~nst_ maedchen und der Juengling: der Juengling und die verheiratete Frau; die verheiratete Frau und ihr Gatte. Die anderen kommen nicht an diese heran. Das Hauptverdienst des Films besteht in seiner brillanten Ausfuehrung eines an sich etwas heiklen Thejnn.s. Nicht’* wirkt no’,noe,'aphisch oder derb. Alles ist mit einer geradezu meisterhaften Grazie dargestellt, wie es nur die Franzosen in Buehne und Film jemals fertigbekommm haben. Um so unverstaendlicher mutet es ap, wenn der Intendent von Santiago den Film verbietet nanhfi-’m er die Zensur passiert hatte und schon eine Woche ohne Anstoss zu erregen, gelaufen war. Die hoechste Provinzautoii taet scheint den Ehrgeiz zu haben, es seiner Kaiserlichen MUestaet. Wilhelm II. gleichzutun, der seinerzeit auch Schnitzlers “Reigen” verbot, aber das ist immerhin doch (entschuldigend sei es gesagt) ein halbes Jahrhundert her. Heute sollte man schon weiter sein. Und wenn man schon darauf aus ist, die Moral zu heben.-so gibt es geeignetere Objekte als ein immer, hin als Kunstwerk zu betrach, tender Film. Ich denke da an dl» v°rs"hieden°n absohd pornographischen Zeitschriften. die in Bild und Schrift mehr zeigen, als in dem ganzen Film anzudeuten gewaert wurde. Oder an die Tageszeitungen, d-aren einziges Ver. gnuegen und Geschneit es ist ein«n notorischen Moerder zu verherrlichen, ellenlange Arti kd zu schreiben ueber das. was. er isst und was er zu verdauen gedenkt, und Interviews neber ihn mit seiner ganzen Familie, zum besten geb=n. Do durch kann so mancher nicht ganz taktfester Gesell» auf d°n falschen We« gebracht werden, schwerlich aber werden die ehelichen od-or auch ausserehdiehen Beziehungen der Geschlechter zu eirtinder durch Anblick d»(. Filmes “La Ronde” beein. flusst werden. Wawti WrtteJre*, Aste*. U?** W Konzert Fredy Wang IStt - Fredy Wang, ehemaliger Konzertmeister der Sinfonica de Chile, gab von einer zweijaehng-n tv-ise zurueckKom. inend sein erstes Konzert, zusammen mit der Schweizer Pianistin Ellen Tanner, die fuer uns noch eine Neuheit war. Das Programm des Abends, ausschliesslich Sonaten, war aussergewoehnlich geschmackvoll ausge waehit, ein Programm fuer Musikliebhaber und nicht fuer Snobs. Wang hat sehr viel dazu gelernt. Man darf das ruhig sagen, ohne den Kuenstier zu oeleidigen, denn er ist schliesslich noch jung und am Anfang seiner Karriere. Er hat einen ungleich schoeneren und volleren Ton als frueher und seine Technik ist vollkommener. Von den gebotenen Werken haben mir persoenlich die Brahms, als auch .ine Prokofieff-Sonate am Besten gefallen und zwar so-, wohl als Kompositionen als I auch die Wiedergabe. Ellen Tanner erwies sich als eine I ueberaus anschmiegsame und cinfuehlende Mitspielerin, denn der Ausdruck Begleiterin wuerde ihrem Anteil nicht gerecht. Ihr Spiel kam in der, Debussy-Sonate am Besten zur Geltung. Beide Kuenstier erhielten reichen Beifall, der mit der Zugabe einer Sonatine von Dvorak belohnt wurde. i A. R. Fredy Wang Moderne Malerei Fritz Busch | i Vor kurzem ist Fritz Busch gestorben. Es eruebrigt sich auf die Persoenlichkeit dieses, wirklich bedeutenden Men- > schon naeher einzugehen, da es kaum eine Zeitung gab, j die nicht ausführlich sein Wirken gewuerdigt haette. Fuer uns ist Busch ein gros-1 ser Verlusst, denn mit ihm ist ein Mensch dahingegangen, der obwohl Nichtjude! und an hervorragender Stel-j iung stehend, keine Kompro-; misse mit dem Tausend! aeh-1 rigen Reich geschlossen hatte- Genau so sauber wie seine Gej .Innung und Haltung war sei-1 ne Musik- Eine reine und, kompromisslose Wiedergabe dessen, was der Komponist sich gedacht hatte, ohne Alleren und Ranken. Er hat Wagner, Beethoven, Reger und Brahms WIEDERGEGE-1 3EN, und nicht sich selbst. I Sr war sicherlich kein Poseur, i iber das bedeutete durchaus j licht Mangel an Tempera-1 ment. Ich werde nie verges-; sen, als ich in der Metropoli-1 ian Opera House in der er-1 ■>ten Seitenloge sass, gleich1 neben dem Orchester und) Busch, der den Tristan leite-> '.e. die gesamte Oper ln voller I Lautstaerke mitsang und! zwar alles, restlos alles, und selbst beim grossen Duett von ] ler Träubel und Melchior ge.1 zungen, die beileibe keine stimmlichen Zwerge sind, geang es Busch als "Dritter. Wann’, siegreich alles zu ue. j 'oersingen. I In unserer Konzertsaison | wird er eine schmerzliche und kaum ausfuellbare Luecke hinterlassen. i ARO Was halten Sie von moderner Kunst? — Eine verfaengliche Frage, nicht wahr, und nicht so ohne weiteres zu beantworten. Ach, wie viele Diskussionen habe ich schon darueber gehabt, teils mit Leuten, die glaubten, etwas von der Sache zu verstehen, teils mit solchen, die es fuer das Einfachste hielten, all diesen “modernen unver. staendUchen Kram” in Bausch und Bogen abzulehnen. Ich bin durchaus kein fanatischer Anhaenger aller mo. derner Malerei, doch versuche Ich immer, wenn ich mit vernünftigen Menschen ueber jenes Thema ins Gespraech komme, ein wenig Verstaend. nis fuer diese Dinge zu wekkén. Das ist nicht immer leicht, und eine einfache Antwort ist oft schwer zu finden. Nun passierte mir kuerzlich etwas, das mir doch zu denken gab, zumal es mir leider nicht vergoennt war, eine Antwort zu geben, denn das Radio hat nun einmal die Eigenschaft, uns als Zu. hoerer passiv zu lassen, leider. .. Da stelle Ich am Abend des 1. Oktober das Radio an. Irgend einen Sender, will sozusagen mal sehen, was es Interessantes gibt: Irgend jemand spricht. Im Laufe der Zeit merke ich, es handelt sich um Radio Pacífico, und der chilenische Maler Rebolledo Correa wird interviewt. (Es haengen einige seiner Bilder lm Museo de Bellas Artes). Da drehe ich also nicht weiter, das interessiert mich. Mein persoenlicher Ge. schmack ist dieser Maler zwar nicht, aber man kann trotzdem sicher was Interessantes erfahren, denke icn. Und richtig! Man hoert manches aus dem Leben des betagten Herrn, der inzwischen Ehrenbuerger der Stadt Cu. ricó geworden ist. Und dann stellt der Sprecher die Frage: “Was halten Sie, verehrter Meister, von den modernen Kunstrichtungen, wie Expressionismus, Kubismus, Surrealismus, usw.?” (Unter uns gesagt, alles dies in einen Topf zu werfen, ist schon ein ziemlicher Mangel an Bildung). Aber die darauf folgende Antwort setzte dem noch die Krone auf. Sie lautete: “Alle diese modernen Richtungen sind Erfindungen des Internationalen Judentums, welches damit Verwirrung stlf- Neuerscheinung Dr. Berthold Weinberg: <‘Dentung des politischen Geschehens unserer Zelt”. Mit einem Geleitwort von Thomas Mann. 236 Selten. Der Verfasser entwickelt aus dem Charakter des Volksindivlduums einen National-Charakter der einzelnen Voelker und begruendet aus diesem — nicht aus der Kultur wie Spengler — die politische Rolle der einzelnen Nationen ln Vergangenheit und Zukunft. Besonders geglueckt erscheinen mix die Kapitel ueber Frankreich und England (Die Zukunft Englands!). Neuartig auch die Ausfuehrungen Ueber. Nordamerika, das er als “Sohmelztlegel der Nationen” ablehnt. Die Haltung der Amerikaner gegenueber fremden Volksgenossen, besonders auch gegenueber den Juden, erscheinen ln neuem Lichte. Das Judenproblem, auch die Raeckwirkung des neuen Staates Israel, Ist besonders eingehend behandelt, eo insbesondere bei der Charakterisierung des deutschen Volkes. Fuer die Juden selbst entwickelt der Verfasser zwar keinen allgemein gueltigen Naticnal-Oharakter, wohl aber eine ueberail lm Galuth zu beobachtende besondere Haltung der Juden gegenueber den Wlrtsvoelkem, trotz aller aeusseren und geistigen Assimilation, herruehrend aus Ihrem Gefuehl der Sf>lbstg“borgenhelt in Gott”, die keines Erloesers bedarf, eine geistlg-religioese Ueberlegenheit die die Juden, auch die axellgioesen wie eine Nation zusammenhaelt andererseits aber auch die Ablehnung der Wirtsvoelker erklaerllch macht. Manches wird Widerspruch hervorrufen, wie das natuerlich ist bei einem Thema, das einen strikten Beweis nicht zulaesst, aber es bleibt eine Interessante, gemeinverstaendlich geschriebene Abhandlung, die viele politische und Juedische Probleme ln neuem Lichte erscheinen laesst E. B. W. ten will, um so seine Weltherrschafts-Plaene verwirklL chen zu koennen!” Als ich dies hoerte, glaubte ich, mich "lauste der Affe”, wie der Berliner so schoen sagt. Zwar gibt es eine ganze Anzahl Juden unter den Erneuerern der modernen Malerei, aber ausschliesslich die Juden als deren “Erfin. der” hinzustellen, ist eine Ehre, die uns nicht einmal ein Hitler mit seiner sog. “Entarteten Kunst” angetan hat Sollte man da lacnen, ueber so viel Bloedsinn oder besorgt sein ueber die Tatsache. dass heute, im Jahre 1951 in Chile, so etwas oef. fentlich verbreitet werden darf? Auf alle Faelle wirft es ein Zwischen den Zellen... Associated Press hatte die Guete, uns ueber verschiedene Spielregeln der Wahlen in England aufzuk; aeren. So le- -en wir in “El Mercurio” vom 25. Oktober: Al Bey Jorge VT, que se restablece de la operación pulmonar a que fué sometido recientemente, se le proporcionarán los residíalos en el Palacio de Buckingham por el tiempo que lo permitan sus médicos. El Soberano es escrupn-!osamente lmparclal y no tiene derecho a voto. Tampoco pueden votar los miembros de la Cámara de los Lores, obispos, penados y j lunáticos. Man muss schon sagen: ln guter Gesellschaft! Von Aegypten erfahren wir. dass man bereits einen Plan hat, um die Oberhoheit ueber den Sudan vor aller Welt zu demonstrieren: a jtf***"!. ALEJANDBIA, Egipto, IS. — (AP).— El Gobierno anunció qua Egipto construirá un palacio para el Bey Farouk, en Kartum. Kartum es la capital del Sudán anglo-eglpclo, que Egipto ha pedido abandonar Gran Bretaña, dejándole el control absoluto de ese territorio. Nun, dachten Sie vielleicht, man wird eine Unlversitaet oder eine Malariastation bauen? In “Noticias del Mes” finden Sie die Zusammensetzung des neuen israelischen KabL netts. , Sie laesst sich nur durch unseren Elnflnss erklaeren. Nach den letzten Kabeln neber die diesjaehrlge Trockenheit und darausfolgende Lebensmittelknappheit und anbetracht der katastrophalen Folgen des vorjaehrlgen Schneefalls schlussfolgerten wir, dass die schwersten Probleme Israels dnreh Unbilden des Himmels entstanden waren. Wir sandten ein Telegramm an Ben Gnrion, ln dem wir Ihm anrieten, ln seiner naechsten Begierung den rellgloesen Ministem genuegend Plaetze elnzuraeumen. Was soll ich Ihnen sagen? Der Mann hat unseren Rat b3 folgt. Auch Anzeigen sind manchmal aufschlussreich: So lesen wir im “Diario Oficial” vom 25. Oktober: Por resolución del 2.o Juzgado, del dfa l.o, declaróse quiebra de la Sociedad Química de Solventes Ltda. '» Schlecht muss es um eine Wirtschaft stehen, wenn schon die “Solventes” den Konkurs erklaeren. In einer grossen Provinzzel. tung annonciert eine arbeitsame Dame: Señora que trabaja con hijo eran de, necesita pieza asoleada, slmuébles, duna pensión, en casa honorable o alemana. Contestar a C. C., Patricio Lynch 113. Die Wahl zwischen einer ehrenwerten oder ein*r deutschen Familie duerfte ihr doch eigentlich nicht schwer fallen. Tunichtgut bezeichnendes Licht auf den Sender, dessen verantwortliche Leiter einen solchen offensichtlich boeswlllig gemein, ten Quatsch nicht zulassen duerften! _ TEZETA