Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XIII (1951)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1951)
- Date
- 1951-11-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre, 1961 BOLETIN INFORMATIVO 17 SPEKULATION IN DER WUESTE Es gibt da unten im Negev eine ganze Menge von Bur. sehen, die ihren Namen jahraus, jahrein nicht hoeren. Nicht etwa, weil sie wie Eremiten in den Hoehlen der Einoeden leben und sich von den Lilien des Feldes naehren, sondern einfach, weil man gewoehnt ist, sie mit einem Namen anzurufen, der wahrlich nichts mit dem zu tun hat. den ihre Eltern erfanden oder aus der Bibel entlehnten als sie geboren wurden. Einer von diesen Burschen war Eldad Esipori, den kein Mensch anders als Bath-y'anah oder kurz Y'anah rief. Nun. meine Herren, Bath-y‘anah, selbst in gekürzter Form, ist kein alltaeglicher Spitzname fuer einen ziemlich dicken untersetzten Burschen, der mehr rote Haare auf dem Kopf hat, als die Krone des Montezuma Federn. Bath.y'anah heisst naemlich in unsrer Sprache nichts anderes als Strauss, Vogel Strauss naemlich. Wie aber, zum Teufel, kam dieser Bursche zum Namen eines Tieres, das angeblich Sand und Edelsteine zu fressen imstande ist und wenn es der Umgebung ueberdruessig wird, den Kopf in den Sand steckt? Wie esr dazu kam, will ich Ihnen schnell erzaehlen, ehe mir eine andere Geschichte aus der Wueste elnfaellt, die mir bereits auf der Zunge liegt. Vor allem muessen Sie wissen, gibt es ln unserem Land keine Strausse und die Zahl deT Menschen bei uns, die ein solches Tier ausserhalb des Tiergartens von Tel-Aviv gesehen haben, liegt in der Naehe des Nullpunkts. Eldad und die andern Kameraden des Kollektivs Tel - Harub gehoerten allenfalls nicht zu Ihnen, denn sie waren ln die Wueste gegangen, ehe noch dieses tel-aivlver Bildungsinstitut den ersten Strauss erworben hatte. Tel-harub liegt an jenem Punkt des Negev, wo die karge Steppe in die Steinwueste uebergeht, in einer Gegend, wo selbst ein Nebenarm des Mississippi die Erde nicht fruchtbar machen kosnnte. wo man daher mit Mueh und Not ein wenig Getreide erntet und Kleinvieh in der Steppe weiden laesst. Es ist also nicht das breite Und sorglose Leben der alten Kollektiven, sagen wir am Jordan oder in der Yesreelebene, das diese paar Burschen und Maedchen fuehren, welche diesen Posten bezogen, der weit -mehr ein Auffangeposten gegen einfallende Beduinen Ist als eine landwlrtschaftlillohe Produk tlo nsst ae tte ersten Banges. Es irt daher kein Wunder, dass man sich bei Tag und bei Nacht den Kopf zerbrach, wie m-sn die Rentabllltaet der Arbeit heben und sich das Leben ein wenig leichter machen koennte. Man hatte in dem Jahr seit der Gruendung von Tel-harub ln den Komiteesitzungen des Kollektivs die abenteuerlichsten Vorsohlaege gehoert, aber keiner dieser Vorschlaege war durchfuehrbar, da eie alle entweder grosse Mittel oder aber eine andere geographische Lage voraussetzten. Da kam eines Tages Elt'ad, der sein Leben damit verbrachte, mit dem Ge wehr auf dem Ruecken und einem Buch unterm Arm hinter den Schafen in die Steppe hinauszuei-ehen, auf eine neue Idee. Diese Idee stammte aus einem dicken Zoolcglelehrbuch. das er mit besonderem Interesse studierte und die er ein^s Abends dem Komitee vortrug. ‘Was uns fehlt”, schrie er, ‘‘sind Strausse!” Diese Feststellung war derart ueberraschend:, dass sie die Verrammlung sprachlos machte, sodtass er, was bei diesen Gelegenheiten selten vorkam, ohne von Zwischenrufen gesto-ert zu werden, Cortfahren konnte. “Strausse naemlich", sagte er, “legen Eier, die so gross sind, -dass ihr Durchmesser, wenn sie ln Spiegeleier verwandelt werden, nicht weniger als 61 Centimeter ist”. Yosske, der OTtssekretae-r, war der Erste, der sich von seiner Uebarraschung erholte und daher in der Lage war, den erloesenden Zwischenruf zu machen: “Zum Teufel”, schrie er, “wozu brauchen ' wir 61 Oentl-meter breite Spiegeleier, ja wozu brauchen wir ueberhaupt Spiegeleier?” “Das werde ich euch sofort sagen", fuhr Eldad fort: ‘‘Wenn ein Spiegelei 61 Zentimeter Durchmesser hat, muss es im frischen Zustand: ein bis zwei Klio schwer sein. Wisst ihr was es heisst, in dieser Zeit der Eiernot mit kiloschweren Eiern auf dem Markt zu erscheinen? Stellt euch vor: ein Ei, von dem eine ganze Familie tagelang leben kann! Wir hier, zum Beispiel, koennen die Kueche zusperren und die Kameraden, die dort arbeiten fuer produktivere Arbeiten verwenden und dennoch taegllch satt sein, wie die Leute ln der Stadt, die sich drei Lebensmittelkarten erschwindelt haben. Und wie das? Indem wir Von M. V. BEN-GAVRIEL (Jerusalem) Wort “bitte’ “argumentierte er, Ist Ist eine tan Telegrammwesen, unbekannte Hoeflichkeitsphrase, "per Luftpost’ Ist gleichfalls unnoetig, | den welcher normale Mensch wird Eier -mit gewoehnllcher Post sen- 5 den? Ebenso unnoetig Ist das lange Wort ‘Strausseneier’, denn jeder Mensch wird verstehen, dass man ln ein Eierland wie Israel i keine andern Eier als Straussen- I eier zu schicken hat”. Zehn Tage nach Absendung der Depesche wurde das Kollektiv veretaen-dlgt, dass im Flughafen von I Lud ein Paket abzuholen sei. Eine Delegation, an ihrer Spitze na- I tu-erltch Eld-adl wurde ausgesandt und kam am naechsten Abend mit den beiden Eiern zurueck. Da Strausseneier aber kein alltaegllcher Zöllarti-kel in unserem Land sind, hatten sich einige Meinung« Verschiedenheiten zwischen den lm Flughafen stationierten Vertretern des Finanzmlnlsters und der Delegation ergeben, ueber die loh hier nicht weiter sprechen moe-chte, da die Geriohtssaalreporter unserer Zeitungen ein paar Monate spaeter ohnehin ziemlich ausfuehrlich ueber das Intermez-; vo berichteten. “Trotz des leidenschaftlichen Einwands von Miryam, die dem Gefluegelwesen Vorstand...” am Morgen ein einziges Straussenei in den Sand legen und es mittags gebraten herausnehmen”. Dieses Argument verbreitete neuerlich Stillschweigen. Man sah einander an und wer die Leute von Tel-Harub ein wenig kannte, musste aus Ihren Mienen verstehen dass hier ein Argument im Begriff war, sich -ln einen unanfechtbaren Glaubenssatz zu verwandeln. Nun, was soll ich Ihnen sagen, der Vorschlag wurde beinahe einstimmig angenommen. Trotz des leidenschaftlichen Einwan-des von Miryam. die dem Gefluegelwesen Vorstand, diass man zumindest ein Paar Strausseneier beduerfe, um die Industrie ln Gang zu bringen. Eldad naemlich betonte, dass er einen Onkel in Suedafrika habe, den er ersuchen werde, zwei Strausseneier per Luftpost zu senden. Er setzte sich hin und konzipierte ein Telegramm an den Onkel, 1-n dem er -die Bitte und'. Ihre oekonomischen Hintergründe sehr genau auseinandersetzte. Diese Fassung etless aber auf den Widerstand des Sekretaers, der es «blefonte das Budget ries Kollektivs mit Telegramspesen in derartiger Hoehe zu belasten. Und: da er die wichtigste Fersoenliohkeit ln Tel-harub war, well er als Einziger neben Schafzucht, Traktorfuehren und Schiessen auch etwas vom Rechnungswesen verstand, musste Ihm nachgegeben werden. Das Telegramm wurde also gekuerzt, aber auch die zweite Fassung “Bitte sende per Luftpost zwei Strausseneier”, etless auf seine Abneigung. “Das Die Delegation wurde natuer- 'loh, zu Hause angekommen, mit grosser Feierlichkeit empfangen, denn da® Bewusstsein, auf irgendeinem Gebiet die Ersten zu sein, st Immerhin ein feierliches, und was Strausseneier betrifft, war Tel-harub unbestritten der erste ^rt im Land. An dieser Tatsache venderte auch die abfaellige Benerkung des Sekretaers Yosske .nichts, dessen Skeptizismus was strausseneier betraf, sich zu einer Vrt fixen Idee verdichtet hatte. Man brachte die beiden, uebrigens auffallend schweren Eier in den .nkutoator, nachdem man alle gewoehnlichen Eier hinausgeworfen hatte. “Strausseneier, meine Liebe”, beantwortete Eldad Miryams Proteste, “wiegen vierundzwanzig gemeine Huehnereier auf und was aus diesen zwei Stueck sich entwickeln wird, wird, nicht nur unsere, sondern die gesamte Landwirtschaft des Staates revolutionieren”. Man stimmte Ihm zu und Miryam blieb nichts anderes uebrig, als zu schweigen, denn in einem richtigen Kollektiv herrscht die Demokratie und der Wille der Mehrheit ist oberstes Gesetz. Am Abend hielt Eldad natuertlch einen tlefgruendigen Vortrag ueber Straussenzucht und am schwarzen Brett lm Speisesaal wurden zum Gebrauch der Leute, die etwas fuer Statistik uebrlg haben, alle, Strausse und Ihre Eier betreffenden Zahlen aufgeschrieben. sodass es nun moeglieh war, kuehne Berechnungen ueber Zahl, Gewicht und Wert der Nachkommenschaft der beiden Eier im Lauf der naechsten Jahre anzustellen. Sechs Wochen lang stand das Dorf voeliig im Bann des kuenf- DER NEUE TYP Eine Franzoesln war in Israel zu Gast. Drei Wochen lang hatte sie das Land bereist und erzaehlte ueber ihre Eindruecke. Was die sensible lebhafte Frau in Israel mit am meisten, beeindruckt hatte, das war der '“Neue Typ”. Es lohnt sich, sich ueber den neuen Typ, von dem seit ungefaehr 30 Jahren, also einer Zeitspanne, in der so viel Typen entstehen koennen wie Damenmoden, gesp roclier, wird, einmal Gedanken zu machen: Der juedische Arbeiter, der junge Soldat und Offizier, Bauer und Baeuenn in den Doerfern und die Jugend in den Siedlungen, was die Pariserin wohl mit dem neuen Typ gemeint hat, sind auf unserem Boden schon uralte Typen geworden. Ei sind bereits viel neuere aufgetaucht. Von einem will ich berichten, den ich nie vergessen werde: Es war im Moraotwinter 1947. In unserer Wohnung in Haifa war eine sogenannte “Stellung” stationiert, e i n Wachtposten von drei Haganahleuten, der alle acht Tage, immer dann, wenn sich die Familie gerade an eine Gruppe gewoehnt hatte, wechselte. Die Burschen, alle um die 20 Jahre herum, kamen aus aller Herren Laendern. Einer von ihnen, ein Pole, war ein orthodoxer, frommer Jude. Er trug staen. dig den Hut auf dem Koni, er ass nicht, was die andern assen, sondern brachte sein eigenes, koscheres Essen mit, er legte Tefillin, er betete. Eines Tages "ging es los”. Sehuesse in der Nachbarschaft, man musste in Bereit, schaft sein. Wie dieser Junge, ohne seine Haltung zu aendern, ohne einen ueberfluessig schnellen Schritt zu machen, die Waffen aus ihrem Versteck holte (an der naechsten Strassenecke stand der englische Posten, die Situation ist schon halb vergessen), das Stegun aus dem Bett, die Patronen aus dem Badeofen, die Handgranaten aus dem Kinderwagen, und dann ungeruehrt mit seinem Sten im Fenster lag, mit ein e r Selbstverstaendlichkeit, als ob er seit Generationen nichts anderes getan haette — kann mir einer meiner Leser die Frage beantworten, ist das nun ein alter Typ oder ist es ein neuer? Oder der jemenitische Familienvater, von dem das huebsche Geschichten durch die Presse ging: Er hatte von der Sochnuth eine Anderthalb-Zimmer-Wohnung zugewiesen bekommen und bat instaendig, man moege ihm doch zwei Zimmer geben, seine Familie sei gross: Er hatte 32 Kinder. — Seinesgleichen hat es vor 10 Johren, auch vor einem halben Jahre, hier noch nicht gegeben, er Ist ein funkelnagelneuer Typ in Israel. Vieles haben wir neu in un. serm neuen Land: Neue Minister, neue Einbrecher, neue Briefmarken, neue Kochrezepte, neue Schiffe, neue Feiertage — aber auf den neuen Typ muessen wir noch warten. Der Typ des Amerikaner bestand auch noch nicht, als die Lebensgemeinschaft all der Menschen, die in dem Land zusammenkamen, zwei Jahre alt war. Wel. che Teile des Konglomerats, der, trotz gleicher Abstammung, doch von verschiedenan Zonen kommenden Men. sehen, in der neuen Mischung am meisten sichtbar sein werden, wie das taegliche Leben hier das Material zurechtschleifen wird, was untergehen und was sich erhalten wird — ein Menschenalter spaeter wird es anfangen, sichtbar zu werden. (“Das Neue Israel”) tlgen Geschehnisses und nirgend® ln der Welt wurde ein Inkubator oefters besucht als in Tel-harub. Eldad tat ein uebrlges, Indiern er sein Lager knapp neben dem Inkubator aufschlug, um Ja nicht' den grossen, den historischen Moment zu versaeumen, da die ersten israelischen Strausse das Licht der Welt erblicken wuerden. Es vergingen aber sechs Wochen, es verging auch die siebente —“die Brutzelt betraegt 6 bis 7 Wochen’, heisst es ln d.-.n diesbezuegllchen Bueehern— aber die Eier blieben Eier wie sie es waren, als man sie vom Flugplatz ab^olte. Eldad wurde von einer gewissen Unruhe “’-ferst, die Geh bald auf die ganze S'edlung uebertrug und schliesslich trotz aller demokrat’schen Disziplin eln'ge Kameraden ins Lager des Sekreta-rs b'nueberwech- •celn Hess, dessen Bemerkungen, was Strausseneier betraf, von Tag zu Tag klarer wurden. Als schliess- Bch auch am Ende der achten Woche nichts von Straussenkuekken im Inkubator zu bemerken war und die Antistraussenpartei bereits stark genug war, um einen Vorstoes zu wagen, verlangte Yosske eine Vollversammlung aller Kameraden. “Wir halben die Straussenwlrtschaft satt!”, schrie er. ein geuehter Versammlungsredmer, “wir sind nicht geneigt. Uns durch suspekte Ovarienabsonderungen uns unbekannter Tiere terrorisieren zu lassen, die unsern Inkubator besetzt halten und unsere Huehnerzucht beinahe auf den Nullpunkt bringen. Wenn nicht Innerhalb von drei Tagen etwas geschieht, werden wir den Inkubator besetzen!1”, schrie er. “Aber ihr seid doch bereits ausgebruete-t!”, schrie Eldad, wuetend aufspringend. Der Sekretaer ue-' berging diese unsehoene Bemerkung und verlangte, dass sofort ein Telegramm an den suedafrlkanlschen Onkel abgeeendet werde. Er sei bereit, die Telegramm- Spesen aus der Kollektivkasse zu bewilligen. Nun, wer. diesen Burschen kannte, der waetorend des Krieges einem schottischen Regiment zugeteilt gewesen war, wird aus diesem Entschluss den ganzen Emst der Situation erkennen. Es wurde also ein Telegramm abgefasst — die Debatte darueber dauerte die ganze Nacht und] wurde nur durch die Notwendigkeit, die Kuehe zu melken, abgebrochen — das folgenden Wortlaut hatte: “Drahtet was tun wenn Kuecken nicht auskriechen”. Man schickte damit zwei Kameraden auf Postamt nach Tel- Aviv, wo sie die Antwort abzuwarten hatten. Naoh drei Tagen kamen sie zurueck. Sie legten wortlos die Antwort auf einen der Tische lm Speisesaal, wo sich alle Burschen und Maed chen von Tel-Harub versammelt hatten und verileasen schweigend den Saal. Der Sekretaer nahm es mit einer satanischen Laecheln vom Tisch und was er nun vorlas. laesst es verstaendlich erscheinen, dass kurz darauf der Beschluss gefasst wurde. Jeden, der bei welcher Gelegenheit auch immer, das Wort Strausseneier ausspricht oder in irgendeiner andern Form diese Angelegenheit beruehrt, unbarmherzig aus dem Kollektiv auszuschliessen. Das Antworttelegramm lautete naemlich: ‘Kuekken koennen nicht auskriechen weil . selbstverstaendlich gipsgefuellte Eier fuer Museum zwecke gesandt’. Si® werden es nun. meine Herren, verstehen, dass die ploetzlich aufgetauchte Gewohnheit, Eldad nicht anders als Bath-y 'anah zu rufen, maehlich auf den ganzen Ort uebergriff— trotz des eben erwaehnten Kollektlvbeschlusees- und Bauern, selbst wenn sie Kollektivbauern demokratischer Art sind, sind schwere und konservative Menschen, die eine einmal gefasste Gewohnheit nicht so leicht wieder aufgeben. ■ í