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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1951-11-01 · 11 (Noviembre, 1951) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XIII (1951)
Issue
11 (Noviembre, 1951)
Date
1951-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre, 1951 BOLETIN INFORMATIVO 100 STUNDEN IM BANNEVON NAHUM GOLDMANN 4 Tage, 4 Naechte, 4 Stunden: nicht laenger weilte er unter uns. Aber sie genuegten vollauf, um ein Erlebnis zu vermitteln, das nicht wieder vergessen werden kann. Was wir bereits vorher _ wussten Wer sich vor seiner Ankunft bereits etwas ueber seinen Lebenslauf informieren wollte. konnte kurz folgendes erfahren: 1896 ln Litauen geboren, kommt er als Kind nach Deutschland. Studien in Frankfurt am Main, Heidelberg, Marburg und Berlin und dortselbst als Doktor der Philosophie und Rechte graduiert. Erster Besuch in Erez Israel im Jahre 1913; 1915 laesst er sich in Berlin nieder, wo er bis 1933 lebt. Seine zionistische Taetigkeit geht auf seine fruehsten Studienjahre zurueck; seit dieser Epoche zeichnet er sich jedoch bereits als prominenter V' rael praesidierte er und wur. de von ihm zum Co-Praesidenten der Exekutive gewaehlt. Das wussten wir von Dr. Nahum Goldmann, Praesident und Praesident der beiden repraesentativen juedischen Koerperschaften und somit der prominenteste und reprae. sentativste Jude der Galuth. Die 100 Stunden Aber wir hatten noch vieles zu lernen. Uetap ihn und von ihm., wohl verflogen die 100 Stunden zu rasch; mancher Eindruck kann erst nachtraeglich ins Bewusstsein Vordringen. Halten wir die Reihenfolge fest: i nes Hierseins, wurde er vom Aussenminister Sr. Eduardo Yrarräzaval empfangen; noch ein Mittagessen, diesmal von der Klali-Partei zu seinen Ehren organisiert und wenige Stunden spaeter verliess er Chile. Der Rahmen Bevor wir das Bild nachzuzeichnen versuchen, mit dem unser Gast diesen Rahmen schmueckte, muessen noch ein paar Worte ueber letzteren gesagt werden, denn er war leider des Bildes nicht wuerdig. Der eigentliche Hoehepunkt des Besuchs sollte die Veranstaltung im Teatro Municipal Alles in Allem genommen,end. die interkonfessionalen ■ * Dr. Nahum Goldmann Fuehrer aus. Er entwickelt eine starke propagandistische und schriftstellerische Tae. tigkeit; besonders eng arbeitet er mit Klatzkin und Buber zusammen. 1933 tritt er in das engere Aktions-Komitee der Zionistischen Welt-Organisation ein; 1937 wird er zum Vertreter der Jewish Agency vor dem Voelkerbund ernannt. 1940 siedelt er nach den Vereinigten Staaten ueber, wo er sich dem Vorsitz des Weltkongress’ widmet, an dessen Gruendung er im uebrigen entscheidenden Anteil genommen hat. te. Der grossste Teil seiner Zeit wird jedoch durch Reisen in Anspruch genommen —12 allein nach Erez Israel— die seiner politischen und diplomatischen Arbeit im Kam. pfe um die Errichtung des Juedischen Staates dienen. In der Zeit der diplomatischen Verhandlungen mit— —oder besser gesagt, gegen— Bevin wird er zum wichtigsten Juedischen Unter haendler in London. 1949, nach dem Tode von Rabbi Stephen Wise, wird er zu a~ssen .selbstver. staendlichem Nachfolger als Praesident des “World Jewish Congress”. Den erst letzthin stattgefundenen Ersten Zionistischen Weltkongress in Is. Ankunft in Cerrillos Am Sonntag, den 14. Okto- . sein: wenn sie es war, dann ber kam er an und wurde von ausschliesslich dank Dr. Goldeiner grossen Anzahl von! mann und trotz der Veran- Menschen unserer Kollektivi- I stalter. Das Programm litt an taet begruesst. Den Nachmit. allen bereits bei unseren getag und Abend verbrachte er ( meinsamen Meetings chronimit den Leitern der Spitzenj scnen F.n.ern. onue auen nur Organisationen. Am Montag | einen einzigen zu vermeiden: mittag nahm er an einem zu seinen Ehren veranstalteten Mittagessen in der Sukkah unseres Gemeindehauses teil und ergriff dort das Wort: den Nachmittag verbrachte er in Valparaiso. Am Dienstag empfing er die Presse; abends sprach er in einer vorbereitenden Sitzung der anlaesslich seines Besuchs und der Allzu spaeter Beginn; falsche Reihenfolge, die vom Hoehepunkt weg, statt zu ihm hin fuehrte; der ueberfluessige Vorredner, dessen Mangel an Sinn fuer Proportionen und Zeit die Versammlung fast daran zweifeln liess, ob der Redner des Abends ueberhaupt noch zu Wort kommen koenne; unbeaufsichtigte Kin. Eroeffnung der “Acciön Uni-1 der auf der Galerie, die Ihren da 1951” veranstalteten “6. Mangel an Reife, Interesse j Ausserordentlichen Tagung der Juden von Chile”. Abends sprach er im Teatro Municipal, anlaesslich der Prokla- I mierung der Aktion und in i einem Programm, das von An- | sprachen der Herren Leon Gomberoff und Robeito Aron umrahmt war, sowie von einem gemischten Chor der Jugend, zwei Piano-Soli von und Verstaendnis laermend zur Schau trugen; eine von vornherein schlecht geleitete Propaganda, die einen nur zu 80% vollen Saal zur Folge hatte, der um 2 Uhr morgens, als das bedauernswerte Streichquartett an die Reihe kam, bereits zu 80% leer war —wen kann das mitten in der Woche wunder nehmen?-: Edith Fischer-Weiss und dem es Ist traurig, aber es muss Quartett des “Instttuto de einmal gesagt werden. Wahr- Extensiön Musical”, das von I kch, auch ein Geringerer als den Solisten Iniesta, Leder-1 ^r- Goldmann haette es besmann, Cerruti und Fischer S(?r verdient und wenn er in gebildet wird. I diesem “ambiente” zu den Am Mittwoch nachmittag I Gedankenfluegen faehig war, gab er ein Radio-Interview, dEnen er uns emporfuehr. sodann schloss er die “Oonte>. so spricht dies allein fuer vención”, die der Kampagne ein Ziel gesteckt hatte, das von den Juden Chiles eine aussergewoehnliche Anstrengung erforden wird. Abends sprach er ueber “Israel und Galuth” in grossen Saal unserer Gemeinde, in einer von “B’ne Jisroel” und “Unión Sionista” gemeinsam einberu. fenen Versammlung. Am Donnerstag, dem letzten Tag seiseine Statur. Auf der gleichen Linie liegt die Presse-Konferenz im Hotel Carrera, die an unbeschreiblichen Organisatlonsmaengeln litt. Die uebrigen Veranstaltungen waren durchweg besser, vielleicht sogar tadellos, Jedenfalls entsprachen sie ungefaehr dem, was wir hier zu leisten faehig sind. katholisch-juedischcn Beziehungen in ein sehr positives Licht und erinnerte an seine Bekanntschaft mit dem damaligen Kardinal Pacelli. Judenverfolgungen erklaerte er als den Beginn von Religionsverfolgungen schlechthin und somit auch als den Auftakt zu Angriffen auf Katholiken und Katholizismus, wie dies die Geschichte totalitaerer Regimes hinreichend beweist. Was den anglo-aegyptischen Konflikt anbeirifft, so prognostizierte er eine absolute Nichtintervention seitens Israels, wies aber die Wahrscheinlichkeit einer Verschaerfung des Streitfalls von der Hand. Im Uebrigen bewertete er die Besserung der anglo-israelischen Beziehunbleibt es aber nicht mehr zu verwundern, dass die Qualitaet unseres Rahmens der Schoenheit seines Bildes nicht entsprach. Das Bild Dr. Goldmann hat es verstanden, Klarheit in viele Probleme zu bringen, die fuer uns bisher in Nacht und Nebel getaucht waren. Ob dies politische Tagesfragen waren oder geschichtsphilosophische Fragestellungen: alle verstand er in einer Art zu behandeln, die jeden Gedanken, gang zu einem einfach erschütternden intellektuellen Erlebnis werden liessen. Es ist schwer zu sagen, was ihn mehr auszeichnet: vielleicht diese sonnenklare Intelligenz, i gen als einen ausserordentlich die jeden Fragenkomplex der. | positiven Faktor in der intergestalt zu beleuchten ver.! nationalen Politik. Bezueglich steht, dass der Zuhoerer zu | des Antisemitismus befragt, der Uetoerzeugung gelangt,! zeigte er auf, dass dieser abdieser Mann spricht frei von solut noch nicht verschwun- Optimismus und von Pessi-! den sei und wies besonders mismus, unbeschwert von auf die islamischen Laender Vorurteilen oder von Wunsch, i hin. In diesem Zusammenvorstellungen, unbekuem.] hang kam er auch auf die mert ob Popularitaet und Applaus, nur bedacht, der wah- Aufgaben des Weltkongress’ zu sprechen, zu dessen wich. ren, objektiven Konstellation1 tigsten Funktionen bekanntder Dinge so gerecht wie lieh die Bekaempfung des moeglich zu werden? Oder die1 Antisemitismus gehoert. Zu Mischung von lebenswarmer allseitiger Heiterkeit und Zu- Naehe und persoenlicher Er- (Stimmung gab seine Bemerfahrung einerseits mit einer! ama.*3 .iedenfal's philosophischen Distanz, ei- Chile kein “Kunde” des Welt. nem “die Dinge von einer hoe. kongress’ sei. heran Warte aus sehen”? Oder gar dieser olympische Verzicht auf die Rhetorik des Massenredners7 Schwer zu sagen..., und noch schwerer, wenn wir zugeben, dass wir kein abgerundetes Bild von ihm als Menschen gewinnen konnten. Er ist zu kalt und unpersoenlich, um jenseits des Intellekts Einblick gewinnen zu lassen. In einer Rede sagte er, dass wie im Leben der Nationen, so auch im Leben der Menschen jede Errungenschaft ihren Preis habe: wir sehen in dieser Kaelte und Unpersoenlichkeit den Preis fuer die vornehme Distinktion, das staatsmaennische Format des Diplomaten, den Dr. Goldmann zu zahlen hatte. Aber von wo aus man auch immer das Bild betrachtet, das er vor uns entworfen hat, so bringt es uns in erster Linie immer wieder ins Bewusstsein, dass wir jetzt wissen, warum und wie dieser eine Mann Praesident der beiden grossen Organisationen des Judentums “chuz laarez” geworden ist. Die Fresse-Konferenz Der Cocktail, den Dr. Goldmann —dieses eine Mal als Teatro Municipal: Licht und Schatten In seiner grossen Rede am 16. Oktober im Teatro Municipal erschoepfte Dr. Goldmann eine grosse Reihe von Themen, welche die vielfaeltigen tagespolitischen Probleme des Staates Israel umfassen. Ausgehend von der Gefahr, die in der Wiedererstarkung Deutschlands nicht nur fuer das juedische Volk, sondern fuer die ganze freie Welt liegt, kam er auf die Gefahren der Weltsituation, ihr labiles Gleichgewicht, die Tragik der Spaltung in zwei Wel. ten und den kalten Krieg zu sprechen. Innerhalb dieses Gesamtausblicks situierte er sodann die Zone, in der Israel gravitiert und wog die Errungenschaften der ersten dreieinhalb Jahre gegen die Belastungen ab, die in dem gieic h e n Zeitraum erwachsen sind. Zu ersteren zaehlte er erstens die erfolgreiche Anstrengung. den Staatsanoarat zum Funktionieren gebracht zu haben, zweitens den gewonnenen Krieg und drittens das jeder Parallele barePhae. nomen der Einwanderung von _ 600.000 Menschen. Negativ Gastgeber— den Reportern-; Y^riete eL. beharrlich der hiesigen Zeitungen auffeindliche Haltung der Nachwartete, verhalt diesen zu eibarlaender, die Israel in die nem guten Einblick in das i Situation einer belagerten Fe. ABC des Weltkongress’ und I stung draengt und die Erder wichtigsten zionistischen,rungenschaften des siegrel- Tagesprobleme. chen Befreiungskriegs staen. Im Anschluss an eine lie- [ in Fr&Sß stellt, sodann die benswuerdige Nachfrage bio graphischer Natur und eine ebenso freundliche wie bescheidene Auskunft, kam der Hausherr auf die Schwierig- Tatsache, dass die grossen po. litischen Fragen Israels flicht geloest sind —in erster Linie die Projektionen des Ost- West-Konflikts—, ebenso wie keiten der Israel-Regierungj das Problem der Volkwerdung zu sprechen, die sich ans der I noch seiner Loesung im Geunnachgiebigen drohenden nerationenmasstab harrt und h n l -t u n e der arabischen Nachbarlaender ergeben; sodann rueckte er, eine ent-l sprechende Frage beantwort.! schliesslich die gewaltige oekonomische Problematik. (Schluss auf Seite 11)

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